Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 23.12.13
Sie haben Post!
Jens Ubben
Sie haben Post!

Sind Sie in diesen Tagen fleißig am Schreiben? Briefe zu Weihnachten haben Hochkonjunktur. Das sind Anlässe, zu denen auch die Freunde von E-Mail und Smartphone plötzlich zu Stift und Briefmarke greifen. Auf einmal liegen im Briefkasten nicht nur Rechnungen, sondern bunte Karten und Umschläge.

Vielleicht kennen Sie das auch zu Hause: Zu Weihnachten stapeln sich dann die Grüße per Post. Manche ausführlichen Exemplare sind darunter, mit vielen Neuigkeiten. Andere Briefe sind eher knapp gehalten: Eine schicke Karte, ein kurzer Gruß. Weniger die Inhalte sind wichtig, oft mehr das Signal: Ich denke weiter an dich! Frohe Weihnachten auch von mir!

Für mich als Kind war das manchmal irritierend: Da tauchten plötzlich Briefe auf von Leuten, die ich gar nicht kannte. In unserem Wohnzimmer hatte ich die nie gesehen. Und wenn sich jemand zu Weihnachten nicht meldete, war das verdächtig: Ist er etwa krank? Hat sie uns diesmal vergessen? Ob wir da mal anrufen und nachhaken sollten?

Hoffentlich bleibt die alte Angewohnheit erhalten, die Post zu Weihnachten. Und Gott, der hätte bestimmt auch gern Post von uns. Zwischen Kurznachrichten, Protestmeldungen, Stoßgebeten über das Jahr verteilt: Mal wieder einen Brief. Zu Weihnachten. Nicht dass er auf die Idee kommen könnte, es wäre vorbei mit dem Kontakt. Ein kurzer Gruß: „Hallo, ich bin noch da!“ Oder so: „Lange nichts mehr von mir hören lassen. Ich denke trotzdem an dich. Lieben Gruß!“ Die Langversion geht auch: „Mir geht’s gerade nicht so toll! Ob dich das interessiert? Habe in diesem Jahr viel durchgemacht, und es wäre gut, wenn du das wüsstest…“ Vielleicht auch einfach nur: „Danke!“ Oder: „Schreib du mir doch auch mal wieder. Ganz persönlich. Du bist mir so fremd geworden. Würde gern mal wieder was von dir hören.“

Weihnachten ist eine gute Gelegenheit, sich bei Gott mal wieder zu melden. Er freut sich garantiert. Und beantwortet seine Post gern – auch wenn nicht gerade Geburtstag oder eben Weihnachten ist!

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Jens Ubben

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Mo. 16.12.13
466/64
466/64

Das war 18 Jahre lang Nelson Mandelas Häftlingsnummer als Gefangener auf Robben Island. „Ein Mensch – eine Stimme!“ Mandela stand 1964 kurz davor, für dieses Recht, das keinem Menschen vorenthalten werden darf, auch mit Waffengewalt zu kämpfen. Da wurde er gefangen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Statt einer menschlichen Stimme galt er für Jahrzehnte dem Regime nicht mehr als eine Nummer. Dass der Mensch etwas anderes ist als eine Zahl, jede und jeder ein Wunder, das wurde im Gefängnis die Mission seines Lebens. "Es brauchte einen Mann wie Madiba, um nicht nur den Gefangenen zu befreien, sondern auch den Gefängniswärter", sagte jetzt Präsident Barak Obama über Mandela. Denn in autoritären Verhältnissen haben auch Gefängniswärter keine Stimme, sind austauschbar, Werkzeuge, Nummern.

Es soll einmal einen afrikanischen Stamm gegeben haben, der ein Stammesmitglied, das etwas Verletzendes und Schlimmes getan hat, in die Mitte genommen hat. Und dann haben alle zwei Tage lang ihm alles Gute erzählt, das er je getan hat. Sie haben nichts ausgelassen und jedes Mal mit Erstaunen entdeckt, wie viel da doch ist. Jeder Mensch sehnt sich nach Sicherheit, Liebe und Frieden. Das Böse, das er tut, ist wie ein Hilferuf. Indem sie das Gute erzählen, verbindet er sich neu mit den guten Seiten seines Wesens, erinnert sich, wozu er wirklich bestimmt ist.

Vielleicht hatte Mandela in diesem Stamm seine Wurzeln. Unvergessen, wie freundlich und offen er jedem Menschen begegnet ist, auch denen, die ihm so Schlimmes angetan haben. „Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?“ Aber Madiba setzt fort: „Wer bist Du, Dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes.“ Vielleicht war Mandela aber auch einfach nur um so vieles konsequenter als wir auf der Spur von Weihnachten: Menschen sind Kinder von Gott, und sie sollen im Frieden leben. Dazu hat Gott uns geschaffen. Niemand ist nur eine Zahl. Darum können auch wir uns mehr zutrauen. Das Erbe des so vertrauensvollen, mutigen, liebenden Mandela, der so lange 466/64 war, ermutigt uns dazu.

Mo. 09.12.13
Kopf hoch!
Karin Klement
Kopf hoch!

„Es werden Zeichen geschehen und auf Erden wird den Menschen bange sein, sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres. Dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“

Unwetterwarnung über Deutschland vor dem zweiten Advent: Eine schwere Sturmflut bedroht die Nordseeküste, Hamburg und Bremen. Orkanböen von über 100 km pro Stunde bringen eisige Polarluft bis in den Süden. Die heftigen Stürme wecken Erinnerungen an jene verhängnisvolle Flutkatastrophe 1962, als in Hamburg Deiche brachen, Wilhelmsburg unter Wasser geriet und Hunderte von Menschen ums Leben kamen.

Ungewöhnlich sind solche Stürme für diese Jahreszeit nicht, beruhigen Meteorologen. Wir sind es gewohnt, uns abzusichern und vorzubeugen – soweit wir es können. Wir wollen das Unerwartete in Grenzen halten, Bedrohliches eindämmen oder die Augen schließen, den Kopf einziehen. Zwischen Katastrophenangst, die uns einschüchtert, und Allmachtsphantasien, die uns Unverwundbarkeit vorspielen, suchen wir einen Weg.

JESUS sagt in seiner Endzeitrede: Schaut auf! Kopf hoch! Lasst euch nicht blenden vom Erschrecken, das euch ratlos macht. Versinkt nicht in Depression, wenn ihr die Welt am Ende seht. Sicher ist es wichtig, die Realität wahrzunehmen. Aber schaut doch zugleich hinter die Dinge. ADVENT ist die Zeit der erhobenen Häupter auch vor einem Horizont von Niedergeschlagenheit. Mit erhobenem Kopf lässt sich viel weiter blicken, besser sehen, was oder wer da auf uns zukommt. Dann erkennt man sogar den, der sich jenseits unserer Zeit auf den Weg gemacht hat, um uns nahe zu kommen. Damals wie heute.

Noch ahnen wir das Dunkel mancher Katastrophen, manchmal sehen wir sie sehr deutlich – doch dahinter brennt das Licht des AD­VENT. Es wird unsere Wege erleuchten hin zu einer besseren Welt und uns ermutigen, daran mitzuwirken, mitzubauen an einer gerechten, friedvollen, heilsamen Welt.

Kopf hoch! Das ist keine Floskel oder banaler Trost, sondern eine ernstgemeinte Aufforderung: weiter zu sehen als nur auf die Oberfläche. Weder Angst noch Gleichgültigkeit nach­zugeben. Der erste Augenschein kann trügen, aber auf Christi Wort ist Verlass. Er wird wiederkommen und mit ihm das Heil!

 

 

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Mo. 02.12.13
Ein Kind verändert das Leben
Henning Sievers
Ein Kind verändert das Leben

Ein Kind kommt – und verändert das Leben.

Es verändert den Tagesablauf und den Nachtschlaf der Eltern. Seine Bedürfnisse bestimmen den Alltag.

Es verändert die Blickrichtung der Eltern. Es zeigt ihnen, was wichtig ist im Leben: Liebe, Fürsorge, Nähe.

Die Eltern haben ein Wunder erlebt, das Wunder der Geburt.

Es zeigt, dass das Leben ein Geschenk ist – und nicht selbstverständlich.

Manches Paar hat gespürt, dass hier Gott selbst am Werk ist.

Ein Kind, ein neues Leben kommt in unser Leben – und wir entdecken erstaunt, wie viel Liebe in uns steckt, die wir weitergeben können.

Advent – ein Kind kommt und verändert das Leben.

Es verändert das Leben von Maria und Josef, seinen Eltern. Haben sie damals etwas anderes gefühlt als die Eltern heute?

Wahrscheinlich nicht.

Dieses Kind kommt und verändert das Leben von uns Menschen. Denn als der erwartete Messias und Erlöser kommt es anders als erwartet. Als Kind einfacher Leute in einem Stall geboren und nicht als Prinz in einem Schloss.

Und damit zeigt sich schon, was der erwachsene Jesus predigen und leben wird.

Er wird die Welt auf den Kopf stellen und das Leben verändern.

Den Erwachsenen stellt er die Kinder als Vorbilder im Glauben hin.

Den ganz Gesetzessturen sagt er, dass der Mensch wichtiger ist als die Vorschriften.

Die Rachsüchtigen ermahnt er: Vergebt und geht auf den Nächsten zu.

Den Richtenden sagt er: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Advent – ein Kind kommt und verändert die Welt – damals wie heute.

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Henning Sievers

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Mo. 02.12.13
Sanije G.
Werner Hagedorn
Sanije G.

Bewundernd steht Sanije G. (Name geändert) vor dem dreitürigen Kleiderschrank. „Was kostet der?“ Frau G. aus Albanien kann nicht lesen und nicht schreiben. Die Bedeutung der Ziffern auf den Preisschildern bleibt ihr verborgen. Wie hat sie unsere Sprache so gut gelernt, ohne lesen zu können? „Zweihundertachtzig Euro“, sage ich. Frau G. wendet sich bedauernd ab. „Zu teuer!“ Sie lebt noch nicht lange mit ihren vier Kindern in Rotenburg. Sie erhält keine Mittel für eine Erstausstattung ihrer Wohnung. Mitgebracht hat sie ein paar Küchenunterschränke und ein Bett. Ihr fehlen eine Arbeitsplatte für die Küche, Kleiderschränke, ein Doppelstockbett für die beiden Jüngsten und zwei Betten für die andern beiden Kinder. Wir haben schon im Sozialkaufhaus nachgefragt. Betten sind derzeit nicht im Angebot, Schränke für achtzig Euro sollen demnächst geliefert werden. Ich habe im Gottesdienst um Sachspenden gebeten und ein Bett versprochen bekommen. Wie ich es drehe und wende, ohne weitere Sachspenden wären einige hundert Euro nötig.

Ich stelle mir eine junge Frau vor, die nicht unter Armut leidet und mit Begeisterung und Vorfreude Möbel aussuchen geht, weil sie für ihr Heim und die Kinder das Beste will. Wie gern würde ich das Sanije G. gönnen. Sie kümmert sich mit aller Ernsthaftigkeit und allen ihren Möglichkeiten um die Kinder. Weil ich mich ein Stück weit auf ihre Probleme eingelassen habe, setzt sie ihre Hoffnung auf mich, sieht ihre Wohnung schon eingerichtet und sagt: „Und dann lade ich Sie und Ihre Frau zum Kaffee ein!“ „Erstmal sehen, wie weit wir kommen“, antworte ich.

Wie kann es sein, dass Gesellschaft und Politik eine Mutter und ihre vier Kinder so alleine lassen? Anstatt das Potenzial dieser Menschen aufzugreifen und zu fördern, überantworten wir sie einem verzweifelten Überlebenskampf, in dem ihnen einfachste Dinge des alltäglichen Lebens nicht zur Verfügung stehen! Immer wieder stoße ich auf Formen des Schlechtredens solcher Menschen: Sie seien faul. Sie richten sich nicht nach unsern Regeln. Sie nützen uns aus. Sie bedrohen uns. Damit schließt sich um sie eine Mauer, die ihnen keinen Ausweg lässt. Am selben Tag, an dem ich mit Sanije G. Preise erkunden ging, lese ich in der Zeitung einen Artikel über „Armut trotz Jobwunder“ in Deutschland. Und dass Papst Franziskus in einem apostolischen Brief Christinnen und Christen zum Kampf gegen Armut aufruft.

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Werner Hagedorn

Werner
Hagedorn
Pastor i.R.
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Rotenburg
Mo. 18.11.13
Menschenskind!
Werner Hagedorn
Menschenskind!

Kennen Sie den Ausdruck „Tag des Menschenkinds“? Nicht? Fangen wir mit Tagen an, die uns wohl nicht alle geläufig sind, deren Anliegen uns aber sofort einleuchtet. Ich meine die Gedenk- und Aktionstage, an denen weltweit auf Themen hingewiesen wird, die für unser Zusammenleben und Überleben wichtig sind. Allein in der zweiten Novemberhälfte finden wir den „Tag für Toleranz“ (16. November), den „Internationalen Männertag“ (19.), den „Tag der Rechte des Kindes“ (20.), den „Tag gegen Gewalt an Frauen“ (25.), den „Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ (29.).

Niederschmetternd der Einwand: Das kann ich ja alles zur Kenntnis nehmen; aber ich kann nichts tun, um Toleranz in verbohrte Köpfe zu trichtern, um Männern weltweit ihr Gewaltgebaren abzugewöhnen, um das Rekrutieren von Kindersoldaten zu verhindern, um Frauen vor Übergriffen und Bevormundung zu schützen, um die Rechte des palästinensischen Volkes durchzusetzen! Der Einwand übersieht, wie sehr es auf unsere innere Einstellung ankommt. An ihr haben wir zu arbeiten. Dazu müssen wir uns Informationen und Maßstäbe für unser Urteil aneignen. Nach außen wirksam werden wir schon dadurch, wie wir mit anderen sprechen. „Die Schläge haben uns ja nicht geschadet“ - diese Behauptung zu hinterfragen wäre ein Beitrag zum Tag der Rechte des Kindes. Was wir denken, ist weder unwichtig noch unwirksam. „Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.“ Millionen DDR-Bürgerinnen und -Bürger sehnten sich nach Freiheit, hegten diesen Gedanken, zweifelten ob sie je etwas bewirken könnten, übten lauten und leisen Widerstand solange, bis am 9. November 1989 die Mauer fiel. Da hatten sich die Verhältnisse im ganzen Land in einem einzigen Augenblick total verändert.

Die Gedenk- und Aktionstage weisen uns auf Verhältnisse hin, die des Menschen unwürdig sind. „Menschenskind!“ sagen wir zu jemandem, der sich gefälligst auf das besinnen soll, was seinem wahren Interesse entspricht. Tag des Menschenkinds: der Mensch unterlässt den Krieg, Männer achten die Würde der Frau, Eltern ist es undenkbar, ihr Kind zu schlagen. Jesus nannte sich „Menschensohn“. Er sagte, „sein Tag“ würde plötzlich kommen und die Verhältnisse auf der Erde in einem Augenblick total verändern. Dazu aber braucht es die Veränderung in den Gedanken und den Einstellungen Vieler.

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Werner Hagedorn

Werner
Hagedorn
Pastor i.R.
27356
Rotenburg
Mo. 04.11.13
Is´ ja nicht fertig...
Dr. Matthias Wilke
Is´ ja nicht fertig...

 

Was haben Sie Donnerstag gemacht? Nein, schauen Sie nicht so verblüfft, ich möchte Sie nicht verwirren. Ich würde nur gerne – und das ist total unaufdringlich, denn Sie könnten ja jetzt aufhören zu lesen: und ich wäre weg – Sie auf Donnerstag ansprechen.

Doch vielleicht stelle ich mich erst mal vor: Matthias Wilke, der neue Nachbar in Kirchwalsede. Da lebe ich glücklich seit dem 1. Oktober… Doch ich schweife ab. Entschuldigen Sie! Was sagten Sie, haben Sie am vergangenen Donnerstag getan? Ja, vorgestern, vorvorgestern?...

An dieser Stelle müsste nun eigentlich Ihre Antwort stehen. Kann Sie aber nicht, da ich Sie ja nicht höre. Insofern: eine blöde Idee, Sie auf diesem Wege anzusprechen. Aber, wie sonst? Deshalb so. Und damit wir jetzt nicht in lesendes Schweigen verfallen, ohne doch noch etwas von unserem Fastschoneingespräch zu haben, erzähle ich Ihnen, was ich vergangenen Donnerstag gemacht habe. Wie, das interessiert Sie nicht? Das ist ja dumm. Denn Donnerstag habe ich darüber nachgedacht, wie ich meinen Arbeitsplatz so gestalten könnte, dass wir uns mal darüber unterhalten könnten, wie Sie eigentlich zu einer Reformation der Kirche stehen… Ach, kommen Sie, die Kirche ist Ihnen doch nicht egal, oder? Sind Sie nicht getauft? Haben Sie nicht kirchlich geheiratet? Interessiert es Sie nicht, was mit Ihnen nach Ihrem Tod geschieht? Wenn doch, dann lassen Sie uns an einer Kirche bauen, die uns alle anspricht und die wir ernst nehmen. Ist ja nicht fertig, die Reformation unserer Kirchen – ebenso wenig wie unser Gespräch – oder sagten Sie schon, was Sie letzten Donnerstag gedanklich beschäftigt hat?

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Dr. Matthias Wilke

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Mo. 28.10.13
Was ist angemessen?
Was ist angemessen?

„Sind wir jetzt Millionäre?“ Das hat das Kind eines früheren Superintendenten gefragt, als die Familie in das Haus in der Goethestraße einzog. Das erste Pfarrhaus der Stadtkirchengemeinde in Rotenburg hat mehr als 220 qm Wohnfläche, dazu einen wunderbaren Garten nach hinten in die Wiesen, erbaut 1828. Vor Jahrzehnten, als das Kind sich wie ein Millionär fühlte, lebten acht Menschen in diesem Haus. Heute sind da meine Frau und ich und vorne zwei Büros.

Oft denken wir über das Privileg nach, in einem solchen Pfarrhaus zu wohnen. Wie wohnen andere? Was bedeutet das, ein Pastor zu sein, der das Evangelium weitersagen soll, und so zu wohnen? Wir sind sehr dankbar, so unbeschwert leben zu dürfen – für eine Zeit. Aber geht das eigentlich? Es ist nachvollziehbar, warum es vor Jahrzehnten einmal so gebaut wurde: eine große Pfarrfamilie, eine kleine Landstelle, immer viele Menschen an einem großen Tisch. Und das Kind des Vorgängers mit fünf Geschwistern war von heute aus betrachtet ganz bestimmt kein reiches Kind. Aber jetzt?

Es ist gut, dass sich viele aufregen über das, was in Limburg geschieht – ich tue es auch. Das zeigt, dass wir genau wissen, dass das Christentum in seinem Kern Evangelium für die Armen ist. Und dazu passt solche Verschwendung nicht. Schlimm und unpassend.

Aber was passt? Wenn wir uns nicht einfach nur gern mal wieder ärgern, wenn es nicht darum geht, in unserer Mediengesellschaft möglichst viele Talkshows mit solchem Ärger zu füllen, dann kommt die Frage zurück, jedenfalls zu denen, die nicht arm sind: Was ist angemessen?

Die Bibel nennt, wie ich sie verstehe, keine Zahl und beschreibt keine Grenze. Selig werden die Armen genannt. Und alle anderen sind aufgefordert das, was sie haben, zu gebrauchen und zu teilen. „Privat“ heißt im Wortsinn „getrennt“, also dem Austausch entzogen, verborgen, nicht gebraucht, nur besessen. Angemessen ist das, was in Benutzung ist für das Leben, für seine Schönheit, für unsere Gemeinschaft. Das ist oft viel weniger, als wir besitzen. Die meisten, auch wir, könnten noch mehr teilen. Das erscheint mir als eine angemessene Reaktion auf den Limburger Skandal.

Mo. 28.10.13
Die persönliche Tankstelle
Ole Peyk
Die persönliche Tankstelle

Diese Woche hatte ich ein Gespräch mit einer jungen Frau, seit Monaten kümmert sie sich um ihre kranke Schwester und begleitet sie täglich zur Reha. Sie arbeitet nicht mehr, damit sie sich voll um ihre Schwester kümmern kann. Ihre Hobbies fotografieren, malen, zeichnen lässt sie links liegen. – „Ich muss mich um meine Schwester kümmern! Ich habe keine Zeit und eigentlich keine Lust dazu.“ Und weiter: „Es ist doch total gut, wenn man sich jemand anderem total hingibt!“ Meine Frage ist dazu: wie viel von einem selbst bleibt noch übrig, wenn man sich so hingibt? Wie lange kann ein Mensch es aushalten nur zu geben? Es wird oft ein Vers aus der Bibel zitiert: „Liebe deinen Nächsten...“ doch der zweite Teil wird vergessen: ... wie dich selbst!“ Sich selbst lieben, heißt für mich auch, sich um sich selbst zu kümmern, sich Zeit für sich zu nehmen und dadurch wieder freier und stärker auf andere zugehen zu können und sich um andere zu kümmern. – Kraft tanken! – Dies beobachte ich bei anderen und erfahre es immer wieder auch in Gesprächen mit Kollegen oder Freunden. Wer sich selbst vergisst, verliert viel Kraft und vergisst zu leben. Sich mit Freunden treffen, mal ganz alleine sein, mal wieder dem geliebten Hobby nachgehen? Wer sich lange nicht darum gekümmert hat, weiß, wie schwer es ist und sogar Überwindung kostet, sich wieder um sich selbst zu kümmern. Man wundert sich, besonders, wenn man merkt, wie gut es einem tut und fragt sich, wie man es so lange hat schleifen lassen.

Was haben Sie diese Woche nur für sich selbst getan? Wo/Wer/Was war Ihre persönliche Tankstelle diese Woche?

Meine Tankstelle war ein Malkurs – sechs Stunden Zeit in einem Atelier, nur meine Vorstellung vom Bild, das ich malen wollte. Die Staffelei, die Farben, fünf weitere Malerinnen, die Künstlerin, ein Blick auf Feld und Wiesen und auf der anderen Seite ein warmer Kamin mit Sofa davor und ein großes Glas mit Schokokeksen! Die Kraft und die Freude, die ich am Abend spürte, waren ein wunderbares Gefühl.

Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen.

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Ole Peyk

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Mo. 21.10.13
Gott bei Facebook
Jens Ubben
Gott bei Facebook

Verstecken bei Facebook geht nicht mehr, las ich letzte Woche. Nutzer des sozialen Netzwerks, die bisher nicht wollten, dass fremde Nutzer ihr Profil über eine Suchfunktion finden können, konnten das entsprechend einstellen. Damit soll bald Schluss sein. Im Suchfeld kann künftig jedes gewünschte Profil angezeigt werden.

Facebook hält mich auf dem Laufenden, was andere gerade machen, was sie beschäftigt, was sie mögen, wo sie gerade unterwegs sind, bei welcher Veranstaltung ich sie demnächst treffen kann. Da heißt es, gut zu überlegen, was der andere wissen darf. Manche sind da sparsam und wählen sorgfältig aus, von anderen erfahre ich pikante Details.

Beim Blick auf unzählige Profile und Statusmeldungen frage ich mich: Hat Gott wohl einen ähnlichen Überblick über uns Menschen? Psalm 139, ein Lied aus dem Alten Testament der Bibel, verrät mir: Er sieht und hört sogar viel mehr. Nicht nur Facebook-Freunde, nicht nur Facebook-Mitglieder, sondern alle Menschen. Er sieht nicht nur das, was Menschen in ihrer Statusmeldung schreiben, sondern er weiß, was jeder denkt und fühlt.

Erschreckend? Bei Facebook kann ich immerhin noch sorgfältig überlegen, was ich schreibe, wo ich meine Klicks mache und Spuren hinterlasse. Vor Gott ist dagegen nichts geheim. Er sieht alles. Auch meine gehässigen Gedanken, dunkle Geheimnisse. Er durchschaut mich!

Oder nicht doch erleichternd? Das hieße doch umgekehrt: Ich muss Gott nichts vormachen. Ich muss nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Weil er ohnehin alles über mich weiß, kann ich ihm durch Beten meine Probleme anvertrauen. Auch meine schlechten Gedanken und unausgesprochene Dinge meines Lebens. Gott gefällt nicht alles, was er bei mir sieht. Wenn ich andere Menschen oder mich selbst verletze. Wenn mein Leben sich ständig nur um mich dreht. Gott sieht es. Dann darf ich es auch aussprechen. Um Vergebung bitten. Um Hilfe zur Veränderung bitten. Und Gott mag mich trotz allem!

Hätte ich einen „Gefällt-mir-Button“, Gott würde ihn anklicken.

 

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Jens Ubben

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Mo. 21.10.13
Glaube braucht Erlebnisse
Roger Moch
Glaube braucht Erlebnisse

Wenn einer dem anderen nicht glauben kann, was er sagt, was dann? „Du kannst mir viel erzählen, ich kann das nicht glauben.“ Es mag viele Gründe für eine solche Aussage geben. Trotzdem verändert es den einen, den anderen verletzt das entgegengebrachte Misstrauen.

'Warum glaubt der mir denn nicht?'

Manchmal würde man gerne einfach etwas glauben ohne das Gesagte anzuzweifeln. Zum Beispiel „Ich liebe dich.“ Sind das nur schnell dahin gesagte Worte, damit der Partner oder die Partnerin zufrieden ist?

Kann man sich im Berufsleben oder im Freundeskreis darauf verlassen, was der/die andere sagt? Kann man den anderen wirklich glauben, dass sie ihren versprochenen Beitrag zu einer gemeinsamen Planung einhalten?

Mit solchen Zweifeln quält man sich und auch die anderen.

In der Bibel gibt es Beispiele dafür, dass man nur erfahren kann, worauf man sich verlassen kann, indem man zusammenbleibt und nicht auseinanderläuft.

Thomas, den man auch den Ungläubigen oder Zweifler nennt, glaubte seinen Freunden nicht, dass Jesus nach seiner Kreuzigung weiterlebt. Er ist nicht tot, er ist auferstanden. Es geht weiter. Thomas entgegnet: „Ihr könnt mir viel erzählen, ich kann das nicht glauben.“

Und was passiert dann? Die Freunde könnten enttäuscht sein, dass Thomas ihnen nicht vertraut. Sie könnten ihn aus ihrer Gruppe ausschließen. Sie könnten ihn unter Druck setzen. „Du bist selber schuld. Wenn du uns nicht vertraust, dann kannst du nicht spüren, dass das wahr ist, was wir sagen.“ Sie könnten auf ihn einreden, bis er nichts mehr sagt. Oder bis er davon läuft. Aber das tun sie gerade nicht. Sie lassen ihn einfach in Ruhe und bleiben mit ihm zusammen, wie vorher auch. Sie versuchen nicht, ihn zu bekehren. Aber sie lassen ihn auch nicht mit seinem Misstrauen allein. Die Bibel erzählt weiter. Eine Woche später begreift es Thomas. Da ist Jesus mitten unter ihnen, auch nach seinem Tod. So wie er es vorher angekündigt hatte. "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Wenn Thomas fallen gelassen worden wäre von seinen Freunden, dann hätte er nicht die Möglichkeit bekommen, zu glauben. Dann wäre er mit seinem Misstrauen allein geblieben. So aber konnte er erleben, dass man sich auf seine Mitmenschen verlassen kann.

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Mo. 14.10.13
Auf der Flucht
Auf der Flucht

Lampedusa. Vor wenigen Wochen mögen nur wenige Menschen diesen Namen gekannt haben. Seit dem 3. Oktober ist das anders geworden. Vor der italienischen Mittelmeerinsel spielt sich an diesem Tag eines der schlimmsten Katastrophen in Europa ab. Ein Boot mit 500 Flüchtlingen aus Eritrea und Somalia versinkt vor der Küste von Lampedusa im Meer. Nur 155 afrikanische Flüchtlinge können gerettet werden. Mehr als 300 ertrinken, denn schwimmen können sie nicht.

So schrecklich es ist; das Flüchtlingsdrama vor Lampedusa beschreibt nur die Spitze eines Eisbergs. Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe befinden sich weltweit fast 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht. 15,4 Millionen von ihnen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge. Vier von fünf Flüchtlingen, also ca. 80 %, leben in Entwicklungsländern, da die meisten Flüchtlinge lediglich in ein angrenzendes Nachbarland fliehen.

Die Menschen flüchten vor dem Hunger, vor Bürgerkriegen, vor der Gewalt und vor einem Leben ohne Hoffnung in ihrem Land. Für eine bessere Zukunft setzen sie alles auf’s Spiel. Und bezahlen diesen Schritt nicht selten mit dem Leben. Wie die Flüchtlinge am 3. Oktober.

Auch die Bibel berichtet immer wieder von Menschen, die zu Flüchtlingen wurden. Das Volk Israel flüchtet vor der Sklaverei in Ägypten, Isaak muss wegen einer Hungersnot sein Land verlassen und Mose flieht vor der Rache des ägyptischen Pharaos. Im Matthäus-Evangelium fliehen die Eltern mit Jesus vor Herodes. Jesus selbst hat die Sorge um die Fremden seinen Jüngern als Aufgabe hinterlassen, als er sagte: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.“

Das Unglück hat eine Debatte über die europäische Einwanderungspolitik ausgelöst. Denn Flüchtlinge brauchen einen besseren Schutz, sie benötigen Perspektiven für ein neues Leben und es muss eine gerechtere Verteilung der Aufgaben in Europa erfolgen.

Damit nicht mit dem untergegangenen Flüchtlingsboot auch unsere christlichen Werte langsam im Meer versinken.

Mo. 07.10.13
Erntedank
Erntedank

Morgen ist in den meisten Kirchen Erntedankfest. Sie werden schön geschmückt sein. Große gelbe Kürbisse, Maiskolben, Körbe mit Kartoffeln, Gurken, Tomaten. Wir haben alles im Überfluss, und dafür danken wir Gott.

Tatsächlich gilt das für etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt nicht. Sie haben entweder zu wenig zu essen (als Grenze gelten hier laut Welthungerhilfe 1.800 Kilokalorien pro Tag), oder sie können keine ausgewogene Nahrung zu sich nehmen und leiden daher an Mangelerscheinungen.

In Deutschland schaffen wir es ja, dass Milchprodukte aus dem Süden in den Norden gekarrt werden und umgekehrt. Man rechnet uns vor, dass die Transportkosten so günstig sind, dass das eigentlich nichts ausmacht.

Bisweilen werfen wir die Lebensmittel, die wir durchs Land gekarrt haben, dann auch weg – weil wir schlecht geplant haben. Meine Oma hat dazu gesagt: Da waren die Augen mal wieder größer als der Mund.

Und komischer Weise sind wir offenbar nicht in der Lage, Lebensmittel in der ganzen Welt so zu verteilen, dass sich alle Menschen auf der Welt ausgewogen ernähren könnten. Genug Lebensmittel für alle werden auf der Welt zwar produziert – aber das Land, auf dem produziert wird, gehört oft Menschen, die nicht das geringste Interesse an der Welternährung haben. Sie produzieren in Afrika Blumen für die arabischen Emirate und bei uns Mais zur Energiegewinnung. Beides mit der Folge, dass die Lebensmittelpreise steigen und Menschen, die arm sind, sich ihre 1.800 Kilokalorien wenn überhaupt, dann nur noch sehr einseitig kaufen können.

Danken wir also morgen für jede Idee, die daran etwas ändert.

Mo. 07.10.13
Teamwork
Teamwork

Vor einigen Tagen las ich in einer Zeitschrift folgende Geschichte:

"Zum Erntedank besucht der Pfarrer seine Bauern. Voller Stolz zeigt ihm Bauer Hinnerk seinen Hof mit den bestellten Feldern, den üppig gefüllten Scheunen und dem nagelneuen Milchtank. Der Pfarrer ist sichtlich beeindruckt, ermahnt den Bauern aber eindringlich: "Denk daran, wem du das alles zu verdanken hast! Gott hat bei alledem mitgeholfen!" "Das weiß ich", antwortet Hinnerk. "Aber, Herr Pfarrer, Sie hätten mal sehen sollen, wie runtergekommen der Hof war, als Gott ihn noch allein bewirtschaftet hat."

Recht hat er, dieser Bauer, habe ich gedacht. Ernte und Erntedank ist keine einseitige Angelegenheit sondern immer auch Teamwork. Das gilt genau so für die Ernten im Leben. Umgraben, einsäen, pflegen, Früchte einsammeln auch auf dem Acker des Lebens - eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch.

Dorothee Sölle hat es einmal so ausgedrückt: "Gott hat keine anderen Hände als unsere. Keine anderen Augen, keine anderen Ohren."

Gott braucht uns für not-wendige Veränderungen in dieser Welt, für den klaren Blick in undurchsichtigen Zusammenhängen, für aufmerksames Hören auf das, was im alltäglichen Lärm manchmal übertönt wird.

Auf der anderen Seite brauchen wir das Bewusstsein, dass nicht alles in dieser Welt, in unserem Leben machbar, kalkulierbar und berechenbar ist. Und ebenso benötigen wir das Vertrauen in Gottes tragende Nähe, die uns auch in ertraglosen und unruhigen Zeiten hält.

 

Gutes Gelingen in dieser Zusammenarbeit wünscht Ihnen

Mo. 26.08.13
24.08.1992, ein historischer Tag…?
Thomas Nuxoll
24.08.1992, ein historischer Tag…?

24.08.1992, ein historischer Tag…?

Wohl kaum !

Bestensfalls ein Gedenktag, ein Gedenktag der Sorte, an die man sich nur ungern und mit Widerwillen erinnert.

Rostock-Lichtenhagen, seit jenem Abend vor 22 Jahren trauriges Synonym für so etwas wie ein Progrom, jedenfalls nehmen Journalisten und Politiker nach mehr als 45 Jahren in Deutschland zum ersten mal wieder dieses Wort in den Mund.

Rechte Randalierer setzen unter dem Beifall einer johlenden Menge das Sonnenblumenhaus in Brand. Ein Plattenbau mitten in einer Plattenbausiedlung, eigentlich gedacht als Schutzraum für Asylanten und nebenan ein Wohnheim für vietnamesische Fremdarbeiter, zu DDR-Zeiten ins Land geholt, nun von der Geschichte überrollt und in Rostock gestrandet. Das Haus, von 150 Menschen bewohnt, wird in Brand gesetzt, Steine fliegen, Hassparolen werden skandiert, niemand gebietet dem Treiben Einhalt, Feuerwehr wird vertrieben, Polizei zieht sich zurück, nein, Hunderte, nein Tausende stehen dabei, klatschen Beifall und kommentieren dieses Fanal mit Zustimmung oder Nichtstun ! Wie konnte es nur dazu kommen ?

Wer trägt die Schuld, Verantwortung? Rechte Schlägertrupps? Politik? Staat? oder nicht doch wir alle?

Wir alle, die wir immer wieder „nur dabei“ stehen? teilnahmslos, wenn Unrecht geschieht, fasziniert von Gewalt, Live-Übertragung des Wahnsinns zur besten Sendezeit….Syrien…Mali…Ägypten….Berlin Alexanderplatz… immer wieder stehen wir nur dabei und glauben die Schuld würde nicht auch uns treffen….

Es gibt immer eine Alternative….Widerstand ist nie zwecklos! Hunderttausende versammelten sich im Herbst 1992 auf den Straßen um mit Kerzen in den Händen gegen rechte Gewalt zu demonstrieren…zu spät für das Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen, aber nicht zu spät für uns heute, um nicht mehr nur dabei zu stehen.

 

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Thomas Nuxoll

Thomas
Nuxoll
Katholischer Militärseelsorger, Lent-Kaserne Rotenburg
Tel.: 
04261 (1883860)
Mo. 19.08.13
Die Entdeckung der Langsamkeit
Die Entdeckung der Langsamkeit

Das Fahrrad ist doch eine geniale Erfindung! Ursprünglich hat es den Menschen geholfen, schneller als zu Fuß von einem Ort zum anderen zu kommen und auch größere Entfernungen zurückzulegen. Heute ermöglicht es den Menschen, im Vergleich zum Auto, langsamer und beschaulicher Strecken zu bewältigen.
Seit ein paar Jahren habe ich meinen „inneren Schweinehund“ überwunden und fahre  mit dem Fahrrad zur Arbeit, in diesem Sommer zunehmend lieber. Ich erlebe diese 25 Minuten, die ich ganz für mich habe, in der ich an der frischen Luft und in Bewegung bin, wie ein Geschenk. Ich sehe die Veränderungen in der Natur, die blühenden Blumen am Wegrand, ich nehme die Gerüche der verschiedenen Jahreszeiten wahr, ich grüße die Radler, die mir entgegenkommen und werde zurückgegrüßt. Ich habe Zeit, mich auf den Tag einzustellen bzw. von der Arbeit Abstand zu gewinnen, Menschen, denen ich begegnet bin, gute Gedanken zu schicken. Ich habe eine Pause zum Denken. Kein Verkehrsstau, keine Parkplatzsuche. Dafür nehme ich gerne in Kauf, langsamer und länger unterwegs zu sein als mit dem Auto.
Das Leben „entschleunigen“, eine Pause einlegen, zur Besinnung kommen trotz oder vielleicht auch gerade wegen all meiner Termine, das erlebe ich als hilfreich.
Gerade jetzt nach der Urlaubszeit, wenn der Alltag mit seiner Routine und all seinen Anforderungen wieder eingekehrt ist, wünsche ich uns allen immer wieder solche Auszeiten mittendrin, die wir einplanen und uns auch wirklich nehmen. Denn schließlich hat Gott uns die Zeit gegeben, aber von Eile – von Stress und Termindruck, von möglichst schnell und ähnlichem – hat er nichts gesagt.

Sa. 17.08.13
Alltags-Theater
Matthias Richter
Alltags-Theater

An diesem Wochenende sind sie wieder unterwegs in Rotenburg, Artisten und Comedians. Für sie wird die Straße zur Bühne. Viele werden sie zum Lachen bringen, verzaubern und manchmal auch in melancholische Stimmung versetzen.

Dabei ist das, was uns auf der Straße vorgeführt wird, dichter dran an unserem Leben, als uns das manchmal bewusst und vielleicht auch lieb ist. Wir Menschen spielen Rollen – in der Familie, der Partnerschaft, auf der Arbeit. Wir sagen Sätze, hinter denen wir nicht ganz stehen können. Wir machen Dinge, die wir eigentlich anders machen wollen. Wir benutzen Masken gegenüber unseren Freunden und Kollegen und auch denen gegenüber, die uns ganz nahe sind. Dann lachen wir, obwohl wir traurig sind oder machen gute Miene zum bösen Spiel.

Solches „Alltags-Theater“ kommt nicht gut an. Wo zu offensichtlich eine Rolle nicht zu einer Person passt, ist uns das unangenehm. Wo jemand seine Maske fallen lässt, sind wir enttäuscht oder erschrocken, dass wir nicht gemerkt haben, dass unser Gegenüber ganz anders ist.

Ein Freund hat aber neulich eine Lanze für das Maskenspiel im Alltag gebrochen. Er saß mit Kollegen in einer Besprechung und man war sich herzlich uneins. Mehr noch: Die Luft war dick, die Fronten verhärtet, man fand sich gegenseitig unmöglich. „Idioten sind es, wo bin ich hier hingeraten?“, das musste er immer denken. Beim Rausgehen aber ließ er dem größten Idioten an der Tür höflich den Vortritt: „Nach Ihnen, werter Kollege!“ Das mit dem „werten Kollegen“ ist ihm so rausgerutscht. Im Nachhinein aber freute er sich drüber. Im Moment hatte er es nicht so gemeint. Er hat damit aber spielerisch vorweggenommen, dass es beim nächsten Treffen vielleicht die Chance gibt, sich gegenseitig ganz anders und eben mit Wertschätzung zu begegnen. Die höfliche Maske hat ihm geholfen, ein Stück aus dem Ärger herauszutreten und das Gegenüber noch einmal anders zu betrachten – und die Chance auf eine bessere Zukunft wachzuhalten.

Vielleicht ist unser Alltags-Theater manchmal doch hilfreich. Mich erinnert es an das Sprichwort: „Gott nimmt mich zwar, wie ich bin. Aber zum Glück besteht er nicht darauf, dass ich auch so bleibe, wie ich gerade bin.“

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Sa. 10.08.13
„Merci, dass es mich gibt!“
Thomas Steinke
„Merci, dass es mich gibt!“

Was sollen sie lernen, die über 72.000 Kinder, die heute niedersachsenweit eingeschult werden? „Lesen, schreiben, rechnen natürlich!“, ist der erste Impuls. Bei weiterem Nachdenken wird schnell klar, dass es im Leben doch um mehr als das ABC und das Einmaleins geht. Entscheidend ist nicht nur reine Wissensvermittlung. In den Lehrplänen der verschiedenen Schulformen wurde in den vergangenen Jahren mit Recht der Kompetenzerwerb betont: Dass Schülerinnen und Schüler z.B. Prozesse einüben, dass sie in vergleichbaren Situationen selbstständig Dinge sich erarbeiten oder gestalten können usw.
Andere Tendenzen wie verkürzte Schulzeiten, Fokussierung auf Noten und Abschlüsse oder später verschulte Studiengänge werfen bei mir allerdings die Frage auf: Welche Ziele verfolgen wir tatsächlich in unserem Bildungssystem, ja in unseren Familien und in unserer Gesellschaft überhaupt?
Für mich sind das lohnende Ziele bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen: Dass diese glücklich und selbstbewusst sind, kooperativ und verlässlich, dass sie zu verantwortungsbewussten Erwachsenen werden.
Das ist mein Wunsch fürs neue Schuljahr, dass wir die Heranwachsenden ermutigen: „Wie gut, dass wir verschieden sind!“ – „Du musst nicht immer die Beste, der Schnellste… sein!“ – „Gemeinsam schaffen wir’s, gemeinsam geht’s besser!“ – „Fehler gehören zum Lernen dazu!“

Im Einschulungsgottesdienst werde ich es den Erstklässlern jedenfalls zusagen: „Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir.

Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest, sein Geschenk an dich. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du, das ist der Clou, ja der Clou. Ja, du bist du!“ (Jürgen Werth)
Und nicht nur den Einschulungskindern, sondern uns allen wünsche ich, dass wir Gott, unserem Schöpfer, so danken können: „Merci, dass es mich gibt!“ – oder wie es der Psalmbeter sagt: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!“ (Psalm 139,14)

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Thomas Steinke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Thomas
Steinke
Pastor
Rotenburger Str. 11
27389
Fintel
Tel.: 
04265/9540641
So. 14.07.13
Bittet, so wird euch gegeben!
Werner Hagedorn
Bittet, so wird euch gegeben!

„Bittet, so wird euch gegeben“, sagte Jesus. Wie ist das, wenn Menschen einander um etwas bitten? Bei Tisch kann ich sagen: „Reich mir doch bitte das Salz!“ Niemand wird antworten: „Hol's dir selber!“ Sondern die Person, die ich angesprochen habe, wird mir das Salzfässchen reichen. Wenn ich bei Tisch gebeten werde, jemand anders etwas zu reichen, freue ich mich. Gern erfülle ich die Bitte, und ich reiche nicht nur das Salzfässchen, sondern schenke dem andern auch noch einen freundlichen Blick und ein nettes Wort: „Aber gerne!“ Dagegen spreche ich nicht so gern eine Bitte aus. Ich möchte nicht stören, niemandem lästig werden. Bitten fällt schwer, trotz des Umkehrschlusses: Ich helfe andern gern, also helfen mir andere ebensogern. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir stark, erfolgreich und unabhängig sein sollen. An mir selber beobachte ich: Ich spiele lieber die Rolle dessen, der geben und helfen kann, als die Rolle dessen, der bitten muss.
 

Wie aber verhält es sich, wenn ein Mensch um Asyl bittet, also um Schutz für Leib und Leben? Möglicherweise hängt sein Leben von der Erfüllung der Bitte ab. Er richtet diese Bitte aber nicht an einen Menschen, sondern an eine Institution. Er bringt sie vor der zuständigen Stelle vor. Er muss sein Asyl beantragen. Was einem Menschen bei Tisch nicht einfallen würde: dem Gegenüber eine Bitte um etwas fast Belangloses abzuschlagen, das vollführen von Menschen eingerichtete Institutionen mit mechanischer Routine: Die Bitte ums Überlebendürfen abzuschlagen. Einer alleinerziehenden Mutter gelingt es nicht, ihre Kinder bis zum Monatsende zu versorgen. Ihre Anträge und Bitten werden abschlägig beschieden. Das menschliche Kollektiv erhört weder die Bitte, den Antrag der Mutter noch die stummen Bitten der Kinder. Trotz aller Sonntagsreden über die Bedeutung der Kinder für unser Land und unsere Zukunft.

 

„Bittet, so wird euch gegeben!“ Ich denke, Jesus prophezeite eine menschliche, eine lebenswerte und liebenswerte Gesellschaft. In ihr würde es um das Erfüllen des Willens Gottes gehen. Darum sind unsere Bitten an Gott: „unser tägliches Brot gib uns heute ...“ immer zugleich die Bitte um eine gerechte Gesellschaft. Für das Erhören der lauten und noch mehr der leisen Bitten sind Gott und Mensch gemeinsam verantwortlich.

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Werner Hagedorn

Werner
Hagedorn
Pastor i.R.
27356
Rotenburg
Mo. 08.07.13
Urlaub zu Hause?
Jens Ubben
Urlaub zu Hause?

Gehören Sie auch zu der Gruppe Menschen, die an unbekannten Orten kaum zu bremsen sind und eine Sehenswürdigkeit nach der anderen entdecken wollen? Da wird keine Attraktion ausgelassen, kein interessanter Platz ist mehr sicher. Fern von der Heimat ruft fast alles Neugierde hervor. Nur zu Hause, da wo ich wohne und lebe, habe ich bei weitem noch nicht alles erkundet, was es zu entdecken gibt. Manche Ziele steuere ich nur an, wenn ich sie Besuchern zeigen möchte. Komisch! Ob das was für mich wäre, zu Hause Urlaub zu machen?

Die Frage können wir nur beantworten, wenn wir überlegen, warum wir eigentlich Urlaub machen. Meine Erfahrung: Wenn wir mit Menschen über Urlaub reden, erfahren wir etwas über Sehnsüchte. Denn fast alle wollen im Urlaub etwas erleben, was im Alltag nicht vorkommt.

Viele nutzen Urlaub, um von etwas wegzukommen. Mal weit weg sein dürfen. Vertrautes hinter sich lassen für eine Zeit. Das ist sicher wichtig, aber auch ein merkwürdiger Ansatz. Sollte Urlaub nicht weniger ein Wegkommen sein, sondern vielmehr ein Ankommen? Ein Ankommen bei mir selbst? Dabei kann es natürlich hilfreich sein, eine andere Umgebung anzusteuern, vielleicht einen Strand, Inspiration durch Kultur, Zeit für Lesen, Natur und vieles mehr. Aber das Drumherum ist ja nicht das Eigentliche. Am Ende des Urlaubs möchte ich sagen können: Ich bin mir selbst ein Stück näher gekommen!

Kennen Sie die biblische Geschichte von Jona? Der hatte so viel Angst davor, sich mit Gottes Herausforderungen beschäftigen. Und das heißt eben auch: Mich mit mir selbst beschäftigen, mit dem, was mich im Tiefsten ausmacht. Jona suchte lieber das Weite. Und buchte kurzerhand einen Platz auf dem nächsten Schiff. Doch seine Flucht klappte nicht: Er fiel über Bord, wurde von einem Wal verschluckt. Und genau da an Land gespuckt, wo er sich den Fragen seines Lebens stellen musste.

Urlaub heißt ankommen. Manchem, der lieber weit fährt, würde das vielleicht zu Hause sogar leichter fallen. Kommen Sie gut bei sich an!

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Jens Ubben

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