Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 09.04.17
Arabischer Frühling
Peter Handrich
Arabischer Frühling

Vor knapp 2.000 Jahren ritt Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Straße säumten Menschen, die Hosianna riefen und mit Palmzweigen winkten. Sie erwarteten den Messias. Den König der Welt. Den Mann, der der Welt den Frieden bringen würde. Den Mann, der die römischen Besatzer aus ganz Israel vertreiben würde.

Ab Dezember 2010 versuchten viele Bewohner arabischer Länder ihre autoritären Regierungen mit Demonstrationen, Protesten und Aufständen zum Aufgeben zu bewegen und demokratischere Strukturen zu schaffen.

Beides hat nicht funktioniert. Jesus starb nur wenige Tage später am Kreuz. Außer in Tunesien hat der arabische Frühling nur zu noch autoritäreren Regierungen, zu Staaten ohne Regierung und ohne Schutz ihrer Bewohnerinnen oder zu Bürgerkriegen geführt. Syrien und der Jemen sind die traurigsten Beispiele dafür.

Wir Christen glauben, dass Jesus der Messias war, obwohl er am Kreuz starb. Für uns ist der Messias nicht der strahlende Gottmensch, dessen Kraft alles hinwegfegt, was auf dieser Welt schlecht ist. Für uns ist der Messias nur ein Mensch, der das nicht hingekriegt hat, was alle von ihm erwartet haben. Und der gerade deswegen Gottes Sohn war. Weil er so war wie wir: guten Willens – aber hilflos.

Und weil Gott nicht einfach so Frieden im Jemen und in Syrien schafft, weil da alle möglichen Länder ihre unheiligen Suppen am Kochen halten, sind wir in unserer Hilflosigkeit gefragt. Wir versuchen denen, die geflohen sind, ein Zuhause zu geben. Wir spenden für Ärzte ohne Grenzen. Aber vor allem: Wir sprechen mit allen, die das hören wollen und auch mit allen, die das nicht hören wollen, friedlich. Und vom Frieden. Und von der Welt, die Jesus eigentlich wollte, als er vor knapp 2.000 Jahren auf einem Esel in Jerusalem einritt.

Das ändert die Welt täglich.

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Peter Handrich

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Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
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So. 09.04.17
Aus der Finsternis ins Osterlicht
Marita Meixner-Ander…
Aus der Finsternis ins Osterlicht

Am Sonntag beginnt die Karwoche. „Von der Finsternis ins Licht“ heißt es in der Region Ahausen-Horstedt-Sottrum.

Karwoche – warum noch? Für viele Menschen wird sie von dem Osterferien überstrahlt: Skifahren oder Sonne tanken irgendwo im Süden, jedenfalls endlich heraus aus dem Alltagstrott.

Doch nicht nur solche erlebnisbedingten Begleitumstände ziehen die Aufmerksamkeit von der Karwoche ab, es ist vor allem ihr Inhalt, der viele auf Abstand hält. Wer lässt sich schon gerne mitnehmen auf einen Weg, der erst einmal in die Dunkelheit, ans Kreuz, in den Tod führt.

Wir dürfen nicht meinen, es ginge uns im Leben besser, wenn wir weniger über Kreuz und Leiden nachdächten. Jeder durchläuft irgendwann in seinem Leben solche Zeiten – aufgrund von Krankheit, Angst, Feindschaft, Not, Verlassenheit oder Misserfolg. Und auch der Tod bleibt niemandem erspart.

Entscheidend ist, wie wir solche Zeiten durchleben. Werfen sie uns um? Bleiben wir in der Dunkelheit stecken? Wer sich mit Jesus auf den Weg durch diese Zeit der Karwoche macht, bekommt Teil an seiner Kraft, seinem Gott-Vertrauen.

Natürlich hat der religiöse Selbstbedienungsladen des 21.Jahrhunderts ganz andere Leckerbissen anzubieten. Zen-Meister, Yogaübungen und tibetanische Klosterweisheit scheinen der christlichen Karwochen-Frömmigkeit bei weitem überlegen zu sein.

Doch die Tragfähigkeit einer Frömmigkeitsform wird sich im konkreten Leben zeigen. Das Evangelium der Karwoche ist jedenfalls kein sinnloses Mantra, kraft dessen alles persönliche Erleben sich in Wohlbefinden auflöst. Es ist vielmehr eine innere Wegbeschreibung zu Gott, die aus der Finsternis heraus zum Osterlicht führt – zu Freude, Kraft und Verantwortung.

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Marita Meixner-Andersohn

Marita
Meixner-Andersohn
Pastorin
Im Specken 3
27367
Ahausen
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So. 26.03.17
Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert!
Roger Moch
Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert!

Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert!

Das schrieb Martin Luther in der Schrift: „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes“ 1524, dass sie „christliche Schulen aufrichten und halten sollen.“

Aus dieser Forderung entstand dann erst 1919 durch die Weimarer Verfassung die allgemeine Schulpflicht für ganz Deutschland. Luther war es wichtig, dass die Menschen Lesen und Schreiben lernen. Dabei dachte er bei seiner Forderung nach „Bildung für alle“ aber nicht ursprünglich ans Bibel lesen und auswendig lernen. Er wollte vor allem, dass jeder Mensch sich seine eigene Meinung bilden kann. Dass man fähig ist, ein Thema zu verstehen und zu beurteilen. Deshalb sollten Jungen und Mädchen in die Schule gehen. Das war und ist für mich ein entscheidender Grund in der (Berufs)-Schule zu arbeiten.
Lernen ist eine lebenslange Aufgabe, die auch im Erwachsenenalter nicht aufhört. Deshalb haben die Nachfolger von Luther immer wieder Bildungseinrichtungen gegründet. Der dänische Pfarrer Severin Grundvig hat z.B. die Volkshochschule erfunden Auch da ging es darum, Bildung allen Menschen zugänglich zu machen. Bildung ist aber nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Bildung ist, wenn sich etwas im Menschen herausbildet. Eine Meinung, eine Haltung oder ein Standpunkt. Eine gegenwärtige „Kernkompetenz“ für Lernende ist und wird sein, die sogenannten „Fakenews“ und unsinniges "Getwittere" aus den Weiten des Internets von echten Informationen unterscheiden zu können. Hier übernimmt das Erlernen des oftmals zitierten „Faktenchecks“ eine erhebliche Rolle.
Ich bin froh, dass wir ein funktionierendes Schul- und Bildungssystem in Deutschland haben, dass beispielsweise ein Schüler oder eine Schülerin ohne einen Schulabschluss an einer Berufsbildenden Schule die Schullaufbahn noch mit dem Abitur abschließen kann. So werden jungen Menschen wirkliche Chancen für den Übergang in das weitere (Berufs)- Leben ermöglicht. Ich lasse mich darum im 500. Jahr des Reformationsjubiläums gerne an Martin Luther erinnern.

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Roger Moch

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Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Schmezer-Str. 8
27283
Verden
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(04231) 9378888
So. 19.03.17
Den Blick nach vorn
Jens Ubben
Den Blick nach vorn

Wer am Steuer eines Traktors sitzt, mit einem Pflug im Rücken, wird nicht einfach losfahren. Für mich ist das nachvollziehbar: Wer gerade Furchen in den Acker ziehen möchte, sollte nach vorne sehen. Nur wer den Blick nach vorne hat, nur wer das Ziel fest im Blick hat, wird es auch erreichen können. Wenn die Linie einmal gezogen wurde, dann lässt es sich auch anders orientieren. Und heute hat man Satellitennavigation an Bord. Aber auch die kommt ja nicht aus dem Nichts. Gerade die hat einen festen Bezugspunkt. Und der entsteht durch einen klaren Bezug auf das Ziel.

Wohin geht der Blick am Steuer meines Lebens, frage ich mich. Geht er zurück? Leiten mich Erfahrungen der Vergangenheit? Geht der Blick auf die Erfolge oder Misserfolge einer früheren Zeit? Der Blick in den Rückspiegel ist wichtig. Wer nur darauf schaut, lebt gefährlich.

Oder geht der Blick auf mich selbst und das direkte Umfeld? Auf die direkten Rahmenbedingungen? Meine eigenen Möglichkeiten, meine Grenzen? Auch das greift zu kurz.

Geht der Blick schließlich nach vorne? Auf einen Zielpunkt, den ich nicht aus dem Auge verlieren will? Der vielleicht ganz klein ist, nur schemenhaft zu erkennen, den ich aber klar fokussiere?

Das Beispiel vom Pflügen verwendet Jesus. Er fordert Menschen auf, als Zielpunkt ihn selbst in den Blick zu nehmen. Seinen Worten und Gedanken für diese Welt Gehör zu schenken. Seinen Umgang mit Menschen genau in den Blick zu nehmen. Darauf zuzugehen mit dem eigenen Leben. Das meint er, wenn er von Nachfolge spricht.

Gerade sind wir in der Passionszeit, gehen auf Karfreitag und Ostern zu. Viele nutzen die Wochen, um bewusst auf bestimmte Dinge zu verzichten. Kürzer zu treten, um Freiräume zu schaffen. Ich finde: Wo wir bewusst etwas weglassen, tun wir gut daran zu überlegen, was stattdessen geschehen soll. Gut ist, wenn die entstandene Lücke gefüllt wird durch etwas, was für die Zeit danach hilft.

Das Beispiel vom Pflügen will dabei einen Akzent setzen: Nutzen wir doch die Passionszeit, um das Ziel neu anzupeilen. Wohin geht der Blick am Steuer meines Lebens?

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
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(04263) 4920
So. 05.03.17
Du siehst mich
Franziska Heimann
Du siehst mich

Eine Plakatwand. Sie ist leuchtend orange. Auf der großen Fläche sind nur zwei Augen und ein Mund abgebildet. Die Augen sehen aus wie Bastel-Kulleraugen zum Aufkleben. Der Mund besteht aus einem nach oben gebogenen Satz: „Du siehst mich.“ Das Plakat wirkt freundlich mit den Augen und dem Mund auf dem orangefarbenen Hintergrund. Es ist die Werbung für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg. Er steht unter dem Motto „Du siehst mich“. In der Bibel wird das über Gott gesagt. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“
Ein Gott, der mich sieht. Egal, wo ich bin, egal was ich tue. Ob ich allein bin oder zusammen mit anderen. Ob ich schlafe, oder wach bin. Ob es dunkel ist oder hell. Das ist ein Gedanke, der manch einem zu viel und zu nah ist. Nichts an mir ist ihm verborgen. Gott durch-schaut mich. Das kann beängstigend sein. Als wolle er mich kontrollieren, mir bei allem auf den Mund und die Hände schauen. Will ich das? Diskussionen um Überwachungskameras oder die Nachverfolgung jeder meiner Schritte im Internet zeigen: eigentlich will ich das nicht.
Ich denke entscheidend ist die Motivation, die dahintersteht, wenn jemand mich und mein Leben ansieht. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Immer. Ob ich gerade stolz auf mich bin, weil mir etwas wirklich gut gelungen ist. Oder ob ich mich klein fühle. Ob ich gar nichts geschafft habe, ob ich allein bin und das eigentlich nicht möchte. Gott wendet seinen Blick nicht ab. Er sieht hin. Er sieht mich an. Es ist kein drohendes, überwachendes Sehen. Es ist vielmehr ein aufmunterndes, mitfühlendes und mutmachendes Sehen. Gott sieht mich an. Immer. Und er schenkt mir damit An-sehen. Ich finde es ist ein schöner Gedanke, dass da immer jemand ist, der mich sieht. Der da ist, auf den ich mich verlassen kann. Du siehst mich, Gott. Danke dafür.

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Franziska Heimann

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Pastor/-innen
Franziska
Heimann
Vikarin in der Peter-und-Paul-Kirchengemeinde
Schneverdingen
So. 26.02.17
Hätte ich mehr getan?
Matthias Richter
Hätte ich mehr getan?

Seit einigen Wochen ist sie als Buch zu kaufen: Die historische Untersuchung „Über Leben in der christlichen Kolonie“. Sie behandelt die Geschichte des Diakonissen-Mutterhauses, der Rotenburger Werke und ihrer Vorsteher von 1905-1955. Ein renommierter Historiker hat dafür über ein Jahr lang geforscht, alte Archive gewälzt und dann alles aufgeschrieben. Beim Lesen entsteht bei mir ein Bild, wie die diakonischen Unternehmen in Rotenburg wachsen und ein Segen für viele werden. Aber es geht es mir auch neu unter die Haut, wie damals Menschen mit Behinderung in unserem Diakonieklinikum zwangssterilisiert worden sind. Noch mehr erschüttern mich die Berichte, wie Menschen aussortiert worden sind und dann im Rahmen der sog. T4-Aktionen abgeholt und feige ermordet wurden.

Und mitten drin in diesen Zeiten als Vorsteher Johannes Buhrfeind, nach dem auch die Straße benannt ist, in der ich wohne. Wie könnte es anders sein, dass er als Mensch seiner Zeit in hervorgehobener Position verstrickt ist mit allem, was um ihn herum passiert. Durch die Lektüre verstehe ich manche seiner Handlungen besser. Wie er bei den T4-Aktionen versucht hat, das Schlimmste zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Auch wird deutlich, dass er niemals überzeugter Vertreter der NS-Ideologie oder ein Haupttäter der Verbrechen jener Zeit ist. Aber gleichzeitig kommt mir beim Lesen die Frage: Lieber Amtsbruder Johannes, hättest Du nicht etwas mutiger sein und etwas mehr tun können? Aber kaum gedacht kommt die nächste Frage an mich: Wäre ich in Deiner Situation mutiger gewesen und hätte ich mehr getan?

Ich bin froh, dass die Studie vorliegt und sich jeder selbst diese Fragen stellen kann. Noch wichtiger ist mir aber das Bewusstsein dafür, dass jede Zeit solche Fragen hervorbringt und das Gewissen herausfordert. In diesen Tagen ziehe ich für mich diese Parallele: Ich bin Zeuge, wie Menschen sich nach Deutschland geflüchtet haben und in Sicherheit sind. Dann werden sie in ein Flugzeug gesetzt und nach Afghanistan geflogen, wo es vielleicht auch sichere Ecken gibt, wo vielleicht aber auch der Tod wartet.

Vielleicht werde ich im Himmel gefragt werden, warum ich nichts dagegen getan habe. Geschichte wiederholt sich niemals genau gleich. Aber die Herausforderungen, sich für den Wert und den Schutz des Lebens einzusetzen, die bleiben.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
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(04261) 77-0
So. 19.02.17
Hilft auch bei Verstockung
Dr. Matthias Wilke
Hilft auch bei Verstockung

Ein junger Mann aus Tuttlingen, sagt der Dichter, kam einmal ins reiche Amsterdam. Er blieb vor einem prächtigen Gebäude stehen. Was für eine Villa! „Wem gehört das Haus?“, fragte er einen Vorübergehenden. Doch der, Niederländer der er war, sagte nur: „Kannnitverstan“. Aha, dachte der junge Mann und ging weiter. An einer Gracht sah er ein großes Schiff mit vielen reichen, fröhlich feiernden Menschen. „Wau“, sagte er, „wem das wohl gehört?“ Wieder erhielt er die Auskunft: „Kannnitverstan“. „Dem gehört wohl alles“, grummelte er. Und als er auch noch hörte, dass der Jackpot der Lotterie geknackt worden war und wieder, klar, von einem „Kannitverstan“, da hielt es ihn nicht mehr, sondern er murmelte so platte Gedanken wie: „Ja, wenn einer hat, dann wird ihm auch noch alles andere … einfach so nachgeschmissen.“ So ging er weiter und sah vom Rand aus grummelnd dem Leben zu. Sein Herz wurde hart. Verbittert kam er an eine Straßensperre. Ein Leichenzug zog des Wegs. „Wer wird denn begraben?“, fragte er und bekam die Antwort: „Kannnitverstan“. „Och“, sagte der junge Mann und war sofort etwas ergriffen, „so was. Nun liegt er da, hat nichts von seinem Gewinn, der Herr Kannitverstan…“.

Ich denke nach über diese Geschichte, der einmal eine wahre Begebenheit zugrunde lag. Wer hätte das gedacht? All der Groll hätte bei dem jungen Mann auch zu Dauerverstockung führen können. Doch Gott rüttelt an ihm durch das, was er hört und erlebt – und löst die Verstockung. Möge er auch mein Herzensgegrummel lösen. Auf dass sich erfüllt, was die Losung für die kommende Woche fordert: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3, 15).

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
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Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
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(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
So. 12.02.17
Was mich trägt
Peter Thom
Was mich trägt

Ich schaue aus dem Fenster: Ein paar Schneeflocken schweben herab und wirbeln umher. Vom Wind getrieben und getragen tanzen sie eine Weile den Schneeflockentanz. Und sinken schließlich hinunter zu den vielen anderen, die schon wieder tauen.

Was bewegt mich im noch jungen Jahr 2017? Bin ich auch nur eine Schneeflocke unter vielen anderen, die den Mächten und Kräften dieser Welt gehorchen müssen? Was trägt mich? Was treibt mich?

Nein, Schneeflocke bin ich nicht. Ich habe Willen und Verstand, meine Kräfte einzusetzen, Neues zu bewegen und Gutes zu tun. Dafür bin ich ein erwachsener Mensch und trage Verantwortung für mich und andere. Ich bin nicht Getriebener; ich betreibe meine Sache. Ich habe Vorsätze für’s neue Jahr und guten Willen, die Zukunft zu gestalten.

Was treibt mich in alledem? Ist es die Angst vor der Unberechenbarkeit des neuen amerikanischen Präsidenten? Oder der drohende Wirtschaftskrieg, der mich bangen lässt? Was wird aus Europa? Oder ist es die Furcht vor Krankheit oder Unglück? Ich muss mir bewusst machen, was mich treibt; denn Angst und Sorge sind schlechte Ratgeber. Sonst bin ich am Ende doch nur Getriebener von Ängsten und allgemeiner Panikmache.

Welche Hoffnungen habe ich für das neue Jahr? Was trägt mich, was gibt mir guten Mut, Neues zu wagen? Was begeistert mich? Ich muss mir das bewusst machen, sonst bleibe ich abhängig von den wohlfeilen Illusionen dieser Zeit.

„Die der Geist Gottes treibt, die sind seine Kinder.“ Ich will mich leicht machen – wie eine Schneeflocke so leicht – und mich treiben lassen von Gottes lebensschaffender Energie. Ich will mich tragen lassen von seinem guten Geist.

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Peter Thom

Peter
Thom
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Lüdinger Str. 5
27374
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So. 15.01.17
Das neue Jahr: Chancen und Risiko
Hilke Bauermeister
Das neue Jahr: Chancen und Risiko

Die ersten beiden Wochen des neuen Jahres liegen hinter uns. Die Schule hat wieder begonnen. In den Betrieben sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Ferien zurück. Man hatte Gelegenheit genug allen ein frohes neues Jahr zu wünschen. Wir haben die Schwelle zum Jahr 2017 überschritten. Der Alltag hat uns wieder. Und doch erscheint die Frage, was das Jahr wohl bringen wird, noch angebracht: Gut zwei Wochen liegen hinter uns, 50 werden noch kommen, bis wir wieder Silvester feiern. – Der eine freut sich womöglich, weil er Schönes erwartet. Ein anderer sieht vielleicht skeptisch in die Zukunft. Aus Erfahrung weiß man, dass nicht jeder Tag freudige Erwartungen erfüllt. Und vielleicht gibt es auch Menschen, die den kommenden Wochen mit Sorge entgegensehen, weil unangenehme Termine schon festgelegt sind für Prüfungen oder für Krankenhausaufenthalte. Das neue Jahr: Chance und Risiko.

Wenn Risiken Angst machen, tut es gut, sich klar zu machen, dass wir nicht allein mit allem fertig werden müssen. Da sind vielleicht Freunde und Verwandte, auf die man zählen kann. Und da ist auch noch Gott! Er hat versprochen uns beizustehen Stunde um Stunde, Tag für Tag. Ihm können wir klagen, was schwer ist. Ihm können wir danken, was uns froh macht. Ihn können wir um Kraft und Mut bitten: „Wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein; geh ich aus, wollst du mich leiten; komm ich heim, steh mir zur Seiten. Lass dies sein ein Jahr der Gnaden, hilf ab von allem Schaden“ (nach Ev. Gesangbuch, Nr. 61, Strophen 2 und 3). Mit diesen Versen aus dem Gesangbuch grüßt Sie herzlich Hilke Bauermeister, Ihre Pastorin aus der Auferstehungsgemeinde Rotenburg.

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Hilke Bauermeister

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Sa. 07.01.17
Rufe mich an...
Rufe mich an...

Und wann haben Sie das letzte Mal mit Amerika telefoniert? Vielleicht der fernen Tante ein frohes neues Jahr bzw. eher ein „Happy new year“ gewünscht. Oder doch eher mit Spanien telefoniert? Letztes Jahr, als die Kinder dorthin geflogen sind, eben angerufen haben, dass sie gut gelandet sind. Schon erstaunlich, was heute so möglich ist. Dabei gibt es dieses Telefonieren zwischen fernen Kontinenten schon etwas länger. Heute am 7. Januar vor 90 Jahren gab es zum ersten Mal eine Telefonverbindung zwischen der alten und der neuen Welt. London und New York, die Zentren der Macht, nur einen Anruf entfernt. Nun war es nicht ganz so einfach wie heute: Nummer wählen und anrufen, nein. Aber es war schon eine Übertragung per Funk – Handyanruf sozusagen. Seekabel sollten erst später kommen. Aber wie wichtig sollten diese langen Leitungen noch werden! Das rote Telefon – der heiße Draht zwischen dem weißen Haus und dem Kreml. Sinnbild für den Versuch, folgenschwere Missverständnisse zu vermeiden.

Ich wünsche mir auch heute ein ums andere Mal einen solchen Anschluss, um zu verstehen, was da eigentlich zwischen Krisen und Populismus auf unserer Welt so gehörig schief läuft. Einen solchen Anschluss aber haben wir alle. Heißer Draht nach oben sozusagen. Gott sagt selbst: „Rufe mich an, so will ich dir antworten und will dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.“ Ja, das könnte dieser Tage wirklich nicht schaden, so große und gewaltige Dinge gezeigt zu bekommen! Im Gebet. Schon immer drahtlos.

Sa. 31.12.16
Falsche Propheten
Roger Moch
Falsche Propheten

Anfang eines Jahres haben Hellseher und Wahrsager Konjunktur. Immer wieder spielen sie mit unseren Ängsten und sagen häufig völlig unhaltbare Dinge voraus. Fast überall kann man lesen oder hören, dass das Jahr 2016 genauso schlecht aufgehört habe, wie es angefangen hat. Aufgehört mit dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, angefangen mit den Vorfällen auf der Kölner Domplatte. Ich verstehe jeden, der so etwas sagt und den Kopf dabei schüttelt. Doch Angst schüren und Stimmungsmache betreiben gehört nicht zu einer lebendigen Demokratie. Kritisch sein und auf Missstände hinweisen, das ist viel hilfreicher in einer freien und atmenden Gesellschaft. Einige Propheten aus dem Alten Testament, z.B. Amos und Micha, waren sehr sozialkritisch eingestellt und wollten keine Kaffeesatzleserei betreiben, sondern die Missstände in der damaligen Gesellschaft anprangern. Sie machten aufmerksam auf gewinnsüchtige Kaufleute und prunksüchtige Oberschichten, die auf Kosten der Armen lebten, lehnten Kriege und den Missbrauch von Macht ab.

Das ist ungefähr 2800 Jahre her. Und heute? Mir fallen ähnliche Missstände ein: Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt, eine riesige, neue Völkerwanderung. Ich denke an afghanische Flüchtlinge in unserer Berufsschule, die teilweise in kürzester Zeit die deutsche Sprache lernen, bildungshungrig sind und jetzt Angst haben, einfach abgeschoben zu werden, weil Afghanistan wieder als sicheres Land eingestuft wird. Da frage ich mich, wer bestimmt, wo auf der Welt es sicher oder unsicher ist?

Was können wir da machen, damit diese spannungsgeladene Stimmung nicht weiter anschwillt?

Der Apostel Paulus hat in einem Brief den ersten Christen in der Welthauptstadt Rom einen Rat gegeben. Er empfiehlt den Christen dort: „Haltet fest am Guten!“ (Röm 12, 9) Mitten im Meer von Gewalt und Unrecht: „Haltet fest am Guten!“ Klammert euch daran, wie ein Schiffbrüchiger an ein Treibholz. Wenn er loslässt, wird er untergehen. Dann wird das Böse ihn mitreißen in die Tiefe.

Haltet euch also an das Gute! Glaubt also nicht denen, die sagen: Es hat keinen Sinn, sich Mühe zu geben. Glaubt nicht denen, die sagen: Schluss jetzt mit dem Gutmenschentum.

Mich überzeugen Solidarität und Hilfsbereitschaft in einer Demokratie. Vor der Herrschaft der Straße haben schon alte griechische Philosophen wie Platon, Aristoteles und Polybios gewarnt.

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Roger Moch

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Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
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Sa. 31.12.16
Neues Jahr - neues Herz
Thomas Steinke
Neues Jahr - neues Herz

Wie ist es um Ihr Herz bestellt? Gemeint ist nicht in medizinischer Hinsicht. Gemeint ist: Wie ist es Ihnen ums Herz – am Ende dieses Jahres?

Leicht – weil gerade ein freudiges Ereignis in Ihrer Familie anstand, die Geburt eines Kindes oder Enkelkindes, die Hochzeit oder ein Ehejubiliäum, ein runder Geburtstag oder eine überwundene Krankheit?

Oder eher schwer – weil die Lasten des Alltags Sie niederdrücken, der Stress bei der Arbeit oder Zuhause, die schlimme Diagnose, der Abschied von einem Familienmitglied oder einem guten Freund/einer guten Freundin?

Oder wissen wir gerade gar nicht so genau, wie uns ums Herz ist? Flattert es unruhig hin und her: Einerseits dankbar für viel Gutes in unserem Leben, andererseits verunsichert und traurig wegen mancher Entwicklungen in unserem Land und unserer Welt, die wir nicht richtig einordnen können?
Die Bibel spricht in besonderer Weise vom Herzen:

Das Herz – es steht für die Mitte unserer Person, die das Ganze bestimmt: Unser Denken, unser Wollen, unser Planen und unser Fühlen. Letztlich geht es um die Frage: Wer hat Einfluss auf unser Herz, wo ist es beheimatet? Die Jahreslosung für das kommende Jahr ist ein großartiges Versprechen! "Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch." (Ezechiel 36,26) Gott schenkt uns ein neues Herz, das bei ihm verankert ist in unruhiger Zeit, das sich prägen lässt von seinem Wort. Ein neues Herz, das nicht hart und kalt wie Stein ist, weil wir dicht gemacht haben und verbittert sind wegen der schlimmen Nachrichten tagaus tagein und der schweren Erfahrungen, die hinter uns liegen. Nein, ein neues Herz aus Fleisch und Blut, das wieder spürbar schlägt für andere Menschen und für die Sache Jesu. Es ist sein Geist, der Geist des Auferstandenen, der unser Herz wiederbelebt und brennen lässt für Gott und unsere Mitmenschen. Sind wir offen dafür? Lassen wir uns so beschenken?
Ich wünsche es Ihnen und mir. Denn ein Mensch mit einem solchen neuen Herzen ist ein wirklich freier Mensch: Der wird unabhängiger von den Meinungen der anderen;
der bekommt ein starkes Rückgrat und steht zu seinen Ansichten, die nun von Jesus geprägt werden;
der lässt sich nicht so schnell einschüchtern und auf Linie bringen.
Der lässt sich nicht einfangen von Hassparolen, von Stammtischmeinungen...
Der wird sich in einem Klima der allgemeinen Verunsicherung und Verdächtigungen dennoch für Menschenwürde, für gleiche Rechte für alle einsetzen.
Der wird gegen Populismus und Radikalität eintreten –
für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft!

Ein gesegnetes neues Jahr Ihnen allen – mit einem neuen Herzen!

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Thomas Steinke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Thomas
Steinke
Pastor
Rotenburger Str. 11
27389
Fintel
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04265/9540641
Sa. 24.12.16
In süßem Jubel
Dr. Matthias Wilke
In süßem Jubel

„Nun singet und seid froh“ – „In dulci jubilo“! In süßem Jubel – sollen wir singen und froh sein, „denn unseres Herzens Wonne liegt in praesipio“ – in der Krippe. Manchem ist dieses Lied schon längst ein traditioneller Begleiter durch die Advents- und Weihnachtszeit. So ist es eben: Einige finden´s schön, andere finden es kitschig. Das wird wohl immer schon so gewesen sein, je nach Zeitgeist und Geschmack. 1529 soll „In dulci jubilo“ zum ersten Mal im Gesangbuch abgedruckt worden sein. Martin Luther wirkte dabei mit. Aber Heinrich Seuse, ein Dominikaner, auch Suso genannt, kannte es bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts und soll es in einer frühen Form selbst verfasst haben. Die Legende besagt, dass ihm ein himmlischer Spielmann zurief: „Vergiss dein Leiden und tanz mit mir!“ Er fing an, vom Jesuskind „in dulci jubilo“ – in süßem Jubel – zu singen. Und dieser schöne Gesang vom Gottessohn hat das Herz Seuses so sehr berührt, dass er tatsächlich sein Leiden vergaß. Die Musik linderte, heilte vielleicht sogar. Irgendwie beeindruckend. Musik, Vertrauen und Glaube können dabei helfen, einen Heilungsprozess besser zu bewältigen. Für mich ist „In dulci jubilo – nun singet und seid froh“ nicht nur ein schönes und wohltuendes Lied. Ich lese darin auch dies: Jesus Christus ist das A und O, der Anfang und das Ende. Gottes Sohn bringt unser Leben auf die richtige Spur und trägt an den Lasten mit. Das ist gerade in dieser Zeit wichtig, in der wir erschrocken sind über den Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin. Wir gedenken der Opfer und trauern mit den Angehörigen und Freunden. Auf das Licht Gottes sehen und aus dem Licht Kraft und Mut schöpfen – das ist für mich Weihnachten. Weil Gottes Wille Frieden ist für alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Religion und Kultur. Gesegnete und friedvolle Weihnachten wünsche ich Ihnen von Herzen.

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Matthias
Wilke
stellv. Superintendent
Goethestraße 20
27356
Rotenburg
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(04261) 630 39 10
Fax: 
(04261) 630 39 19
Mi. 16.11.16
Eine deutsch-amerikanische Freundschaft
Meret Köhne
Eine deutsch-amerikanische Freundschaft

„Denkt an uns und betet für uns!“ schrieb mir gestern meine Freundin aus den USA. „Was soll das denn bringen?“, dachte ich mir. Donald Trump ist gewählter Präsident. Er konnte die Mehrheit der Wahlmänner für sich gewinnen. Er hat trotz grenzwertiger sexistischer Äußerungen sogar erstaunlich viele weibliche Wählerinnen erreicht. Das wäre die Gelegenheit gewesen, zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau zur amerikanischen Präsidentin zu machen. Stattdessen nun ein Mann, der sich nicht die Bohne für das Weltgeschehen außerhalb Amerikas interessiert. Das Thema Außenpolitik war für Trump während des Wahlkampfes ein blinder Fleck. „America first“ lautet seine Devise. Warum sich auch mit den Problemen anderer beschäftigen?

Da wirkte die Bitte meiner Freundin ziemlich absurd. „Denkt an uns und betet für uns, im fernen Deutschland!“ Warum sollten wir uns Gedanken machen, um das politische Geschehen im Ausland, wenn man sich in Amerika auch nur um sich selber schert?

Eine gute Frage vor allem am Buß- und Bettag. Dieser kirchliche Feiertag geht bei uns in Deutschland gerne mal unter. Erst recht seitdem er als arbeitsfreier Tag abgeschafft wurde. Umso mehr lohnt es sich heute, an die Bedeutung des Buß- und Bettages zu erinnern. Es ist ein Tag zum Nachdenken über geschehene Irrtümer oder persönliche Fehler auch Anderen Gegenüber. Das ein oder andere bereut man und nimmt sich fest vor, es zu ändern. Da hab ich glatt vergessen, meiner Freundin in den USA zu antworten. War wieder nur mit meinen eigenen Problemen beschäftigt. „Meret first!“. Dabei wollte ich mich doch in ihre Lage hineinversetzen, in Gedanken und Gebeten bei ihr sein. Gut, dass dafür extra ein Tag im Jahr reserviert ist, der mich daran erinnert.

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Meret Köhne

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Meret
Köhne
Vikarin in Horstedt
So. 13.11.16
Vier Maurer auf einem Dach
Dr. Matthias Wilke
Vier Maurer auf einem Dach

Vier Maurer saßen einst auf einem Dach. Da sprach der erste: "Ach!" Der zweite: "Wie ists möglich dann?" Der dritte: "Daß das Dach halten kann!!!" Der vierte: "Ist doch kein Träger dran!!!!!!" Und mit einem Krach/ Brach das Dach.

Kurt Schwitters beschreibt in seinem Gedicht „So, so!“ einen ungeahnten Übergang. Während vier noch staunend über das reden, was wunderbar ist, ist die Wirklichkeit schon ganz anders: „mit einem Krach/ Brach das Dach“. Es reicht nicht, dass wir uns an den kommenden Sonntagen wieder staunend von den prophetischen Worten vom „Frieden auf Erden“ tragen lassen. Sie tun gut, keine Frage. Sollen sie aber mehr sein als ein kurzes „Ach!“, dann braucht es Träger für das Dach – das Dach des Friedens, auf dem wir „sitzen“. Man schaue etwa auf die vielen Jugendlichen aus unseren Dörfern, die nach der Schule oder Lehre für einige Monate dorthin gehen, in alle Welt, wo alles fremd ist und allzu oft auch dunkel. Sie sind solche Träger. Da sprach der zweite: "Wie ists möglich dann?" Der dritte: "Daß das Dach halten kann!!!"

Frieden ist möglich – Gott helfe uns. Mit dieser Einstellung stellen wir uns mit den Jugendlichen und anderen mehr bittend neben einen Fünften, von dem das Gedicht Schwitters schweigt: den Zimmermann. Er hielt mit dem, was er sagte und tat, den Frieden Gottes in die Höhe – auch und gerade da, wo es zu spät zu sein schien. Am Volkstrauertag, am Ewigkeitssonntag – es tut gut, auf den Zimmermann aus Nazareth zu schauen „als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in [unseren] Herzen“ (2. Petrus 1,19). Vier Maurer saßen einst auf einem Dach.

 

 

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Dr. Matthias Wilke

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So. 13.11.16
Es ist Martinstag
Franziska Heimann
Es ist Martinstag

Er sitzt auf einer Bank. Es ist nass und die Kälte kriecht in seinen Körper. Der Herbst ist ungemütlich. Ein rhythmisches Geräusch dringt in seine Ohren. Bumm, bumm, bumm. Es wird immer lauter. Eine Trommel. Bumm, bumm, bumm. Nun kann er auch andere Instrumente hören. Trompeten und Flöten. Und Gesang. An der Querstraße sieht er Lichter vorbeiziehen. Kinder halten Laternen an Stöcken in den Händen. Dann erkennt er das Lied. „Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross, das trug ihn fort geschwind. Sankt Martin ritt mit leichtem Mut, sein Mantel deckt ihn warm und gut.“

Er erinnert sich an die Geschichte vom Heiligen Martin. Er selbst hatte sie in der Schule gehört. Jahr für Jahr. Und sein Sohn hatte einmal den Heiligen Martin in einer Schulaufführung gespielt. Wie stolz sein Sohn auf den prächtigen roten Mantel gewesen war. Wie der adelige Martin durfte er den Umhang tragen. Auf seinem Steckenpferd ritt sein Sohn über die Bühne und traf auf ein anderes Kind. Das Kind hatte keinen roten Mantel. Es hatte noch nicht einmal Schuhe an. Das Kind zitterte und fror. Da stieg sein Sohn von seinem Pferd, nahm seinen Mantel ab und teilte ihn mit seinem Holzschwert in zwei Stücke. Einen Teil hängte er sich selbst wieder um und den anderen legte er dem anderen, armen Kind um die Schultern, damit ihm wieder warm wurde. Dann stieg sein Sohn wieder auf sein Pferd, lächelte das andere Kind an und ritt davon.

Das alles ist lange her, denkt der Mann. Nicht nur die Geschichte vom Heiligen Martin, sondern auch die Zeit mit seinem Sohn. Die Zeit, als er selbst noch ein richtiges Zuhause hatte. Und eine Arbeit, zu der er jeden Tag gehen konnte. Die Zeit, als er nicht jeden Tag überlegen musste, wie er über die Runden kam. Die Zeit, als er noch dazugehörte und ihn die anderen Menschen noch ansehen mochten. Er schließt die Augen und atmet durch.

„Hier“, hört er eine Stimme sagen und sieht eine dampfende Tasse vor seinen Augen auftauchen. „Hier, nehmen Sie. Ein Becher Punsch. Schmeckt gut. Und Sie sehen aus, als könnten Sie ihn gebrauchen.“ „Danke.“, murmelt der Mann, blickt auf und sieht in das Gesicht eines Jungen. Er lächelt. Es ist Martinstag.

 

 

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Franziska Heimann

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Franziska
Heimann
Vikarin in der Peter-und-Paul-Kirchengemeinde
Schneverdingen
So. 23.10.16
Welche Farbe hat dein Glaube?
Haike Gleede
Welche Farbe hat dein Glaube?

Rot ist die Liebe, Grün ist die Hoffnung und Blau die Treue – sagt der Volksmund. Tatsächlich spielen Farben eine große Rolle in unserem Leben. Jeder hat seine Lieblingsfarbe und wir kleiden uns in den Farben, die uns gut stehen.

Aber: Welche Farbe hat dein Glaube? Dazu wurden Jugendliche befragt, die dazu so antworteten:

Lara meint, ihr Glaube sei violett. Das steht für Treue, Ehrlichkeit und Vertrauen.

Anton findet, dass der Glaube blau ist wie der Himmel und das Wassers. Für ihn ist Gott wie eine Lebensquelle.

Anna stellt sich ihren Glauben grün vor. Das ist die Farbe der Hoffnung.

Felix denkt an die Farbe rot, wenn es um seinen Glauben geht. Rot ist die Liebe und darum geht es doch im Christentum.

Alle Farben haben ihren Sinn und ihre Wirkung. Auch in der Kirche haben die Farben eine Bedeutung: Weiß, grün, violett und rot prägen das Kirchenjahr. Weiß steht für die Christusfeste. Grün steht in der Sommerzeit im Fokus und erinnert an das Wachstum und Gedeihen. Violett ist die Farbe für die Passionszeit und die Adventszeit. Das sind Zeiten der Besinnung, der Buße und der Umkehr. Rot steht für den Heiligen Geist, der Pfingsten im Mittelpunkt steht, aber auch bei der Konfirmation und dem Reformationsfest.

Der Wechsel der Farben spiegelt den Lebensrhythmus wieder. Es gibt Zeiten der Ruhe und inneren Einkehr und Zeiten, in denen wir feiern und jubeln.

Oft eilen wir durch die Wochen und merken gar keinen Unterschied. Kein Wunder, wenn im September die Lebkuchen und Weihnachtsmänner uns verwirren, Obst und Gemüse ganzjährig zu haben und an den Feiertagen die Geschäfte geöffnet sind.

Wenn alle Zeiten gleich sind, stört das den Lebensrhythmus und der Glaube verliert an Bedeutung.

Also: Welche Farbe hat dein Glaube? Mein Glaube wechselt ab und zu die Farbe, je nach dem, was im Kirchenjahr gerade los ist. Und manchmal schillert er in allen Regenbogenfarben. Der Regenbogen erinnert an das Ende der Sintflut.

Als die Arche Noah wieder auf Land gelaufen ist, gibt Gott Noah ein Versprechen:

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Und ein Zeichen: „Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“

Und welche Farbe hat Ihr Glaube?

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Haike Gleede

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Haike
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So. 16.10.16
Glaube – ein Stück Lebensqualität
Marita Meixner-Ander…
Glaube – ein Stück Lebensqualität

 

In den Nachrichten war in letzter Zeit immer wieder zu hören, wie sehr die Menschen heutzutage unter Druck stehen. Stress ist der Krankmacher Nr.1 in unserer Industriegesellschaft. Eine Fülle von sogenannten Zivilisationskrankheiten sind seine Folgen. Jedoch der Ruf nach mehr Freizeit ist kein Ausweg. Wir bringen es fertig, auch die Freizeit gehetzt, ruhelos oder in Verkehrsstaus zu verbringen.

Die Sehnsucht des Menschen nach Ruhe ist uralt. Damit ist keineswegs das Nichtstun gemeint, sondern, dass wir innerlich wie äußerlich frei sind von einem Druck, der Angst und Hektik verbreitet.

Solch einen Druck erlebte das Volk Gottes damals in der Wüste, wie es im 2.Buch Mose beschrieben wird. Wir erleben ihn vor der Operation im Krankenhaus oder vor hohen Leistungsanforderungen, ob in der Schule, im Beruf oder auch in der Familie. So wird leider die Ruhelosigkeit oft zu einem Teil unserer Seele. Sie wird zu einer inneren Unruhe, die krank macht. Doch der Glaube an Gott, in dessen Liebe wir Menschen geborgen sein dürfen, hilft uns, unsere innere Unruhe zu besiegen. Insofern ist der Glaube ein Stück Lebensqualität.

Aus einer inneren Ruhe heraus, wird unser Leben in Arbeit und Freizeit zwar nicht ohne äußere Herausforderung sein, jedoch frei von innerem und zerstörerischem Druck. Wo es an uns liegt, brauchen und werden wir dann nicht mehr selbst Unruhe und Stress verbreiten, sondern vielmehr helfen, dass auch andere Menschen Ermutigung und Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen finden.

Gott sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten.

2 Mose 33,14

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Marita Meixner-Andersohn

Marita
Meixner-Andersohn
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Mo. 03.10.16
Bierzeltkrieg
Peter Handrich
Bierzeltkrieg

Am Mittwoch hat sich das „Forum Diakonie“ in der Flüchtlingsunterkuft im Glummweg in Rotenburg getroffen. Das „Forum Diakonie“ ist ein loser Zusammenschluss diakonischer Einrichtungen im Kirchenkreis Rotenburg.

Manfred Kröger, Bereichsleiter der Flüchtlingshilfen Rotenburg, hat uns von viel Improvisation, viel Engagement, vielen Fortschritten und auch von ein bisschen Sand im Getriebe erzählt. Die beste Nachricht fand ich, dass Flüchtlinge aus Syrien zur Zeit sehr schnell ein Bleiberecht erhalten. Die schlechteste Nachricht fand ich, dass sie zur Zeit nur einen so genannten „subsidiären“ Status erhalten. Das bedeutet: Sie sind eigentlich keine echten Flüchtlinge. Ihre Anerkennung bekommen sie erst einmal für ein Jahr. Sie dürfen keine Familienangehörigen aus Syrien nachkommen lassen.

Angesichts der augenblicklichen Verhältnisse in Aleppo, aber auch in vielen anderen Regionen Syriens, ist das eine ausgesprochen zynische „Anerkennung“. Wie soll sich ein Mensch fühlen, dessen Frau, Mann, Kinder, Eltern in der andauernden Gefahr leben müssen, dass sie bombardiert und beschossen werden, es aber keine Ärzte mehr gibt, kein Operationsbesteck, keine Schmerzmittel? Etwas Schlimmeres kann ich mir kaum vorstellen.

Und dazu das Gerede von den Obergrenzen und dass es christlich sei, wenn wir nur so viele reinlassen, wie sich mit uns vertragen, und dann am besten nur noch Christen, am besten welche mit europäischer Kultur – vielleicht aus Großbritannien? Aus Island? Aus der Schweiz?

Der Krieg tobt in Syrien und im Sudan, im Irak und an vielen anderen hundert Schauplätzen, die es nicht einmal in die Tagesschau schaffen –- und wir fürchten um unsere Bierzeltkultur?

 

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Peter Handrich

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Peter
Handrich
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Mo. 19.09.16
Was heißt eigentlich Integration?
Hendrik Becker
Was heißt eigentlich Integration?

Was heißt eigentlich Integration? Bei „Europäischer Integration“ denken wir automatisch an ein Zusammenwachsen gleichberechtigter Partner. Aber bei den Geflüchteten scheint man unter Integration nur einseitige Anpassung zu verstehen.

Als meine Frau 1990 meiner Familie im tiefsten Ostfriesland vorgestellt wurde, verstand sie bei der damaligen Geburtstagsfeier meines Großvaters anderthalb Stunden rein gar nichts. „Ihr hättet arabisch sprechen können…“. Zur Beerdigung des Großvaters kamen die auf dem Nachbarhof einquartierten kurdischen Nachbarn. Opa wurde von den kurdischen Frauen mit Wehklagen betrauert. Man kannte sich gut vom Teedrinken. „Sett fell e´m Teewater up, de Kuur´ komt fut“ „Setz schnell Teewasser auf, der Kurde kommt gleich!“ hieß es. „Kook Tee!“ Zwei „Parallelkulturen“, die sich gut verstanden, die ostfriesische und die kurdische: Ein fast beduinisch-biblisches Erlebnis!

Sie lernen von uns, die Neuen aus dem Orient, aber ich lerne auch von ihnen. Es sind Menschen, die Respekt vor dem Alter haben, die ihre Alten niemals mit Giftspritzen in der Schweiz einschläfern lassen würden, denen Familie etwas bedeutet, Kinder sind für sie ein Segen. Ein Flüchtling sagte bei einem Besuch in einer Grundschulklasse: „Bei euch ist es so kalt. Jeder ist für sich. Darunter leide ich. Bei uns in meiner Heimat spielt sich das Leben auf der Straße ab.“

Ja, wer soll sich eigentlich wem anpassen? - Man lernt aneinander, so entsteht ein neues Ganzes: Integration! Die Bibel fasst diese Erfahrung in der Vision von der sogenannten Völkerwallfahrt zusammen: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk gegen das andere ein Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr Krieg führen lernen.“ (Jes. 2)

Eine schöne Herbstzeit wünscht Ihnen allen Ihr Diakon Hendrik Becker, Familiengarten Oyten.

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Hendrik Becker

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Hendrik
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Diakon im Familiengarten Oyten (Nachbarkirchenkreis Verden)
Jahnstraße 4
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