Der Kirchenkreis Rotenburg

So ist Kirche hier im Kirchenkreis Rotenburg. Das macht sie. Dazu ist sie in unserer Welt nützlich und notwendig. Das sind die Menschen, die sich hier engagieren. Das sind ihre Erfahrungen, Ideen und Ziele. Und immer wieder wird deutlich: In dieser Kirche ist Platz, um selbst dabei zu sein, mitzuerleben und auch mitzugestalten.

Arend de Vries predigt in der Stadtkirche

Zutritt ausdrücklich erlaubt“

 

Mit einem großen musikalischen Gottesdienst feierten evangelische Christen in der Stadtkirche den Auftakt des Lutherjahres, das zum nächsten Reformationstag mit der 500-Jahr-Feier endet. Zu diesem besonderen Anlass hatte Superintendentin Susanne Briese den geistlichen Vizepräsidenten des Landeskirchenamts Hannover, Arend de Vries, gewinnen können, die Predigt zu halten.

Der 62-Jährige sprach über die Bibelstelle 1. Petrus 2, in der die Menschen aufgefordert werden, als lebendige Steine am Haus Gottes mitzubauen. „Auf dieser Baustelle ist der Zutritt ausdrücklich erlaubt“, sagt de Vries. Er verweist darauf, dass Gottes Haus eine Dauerbaustelle ist. „Den Christen wird die Behaglichkeit des Fertigen nicht vergönnt sein.“

Nach Luthers Verständnis gelte das Priestertum aller Getauften. „Vor der Reformation verstand die Gemeinde meist gar nichts während des Gottesdienstes und der Predigt. Jetzt sind alle Priester“, erläutert de Vries, der der Meinung ist, dass die evangelischen Christen deshalb mit mehr Selbstbewusstsein auftreten könnten. „In Umbruchzeiten sinkt das Selbstbewusstsein“, sagt der Theologe, der auch davon spricht, dass das Christentum in der Gesellschaft an Stellenwert verloren hat. „Es ist für viele bedeutungslos geworden.“

Doch diejenigen, die sich dazu bekennen, sollen am Haus weiterbauen. „Jeder Stein ist brauchbar und schön, mit all seinen Schwächen, Ecken und Kanten.“ Für de Vries ist es wichtig, dass die Kirche sich weiterhin einmischt und Einspruch erhebt, wo Schwache sich nicht wehren können. „Wir sollen eine Kirche sein, die anpackt, ohne sich und andere zu überfordern.“

Die Stadtkantorei unter der Leitung von Karl-Heinz Voßmeier und eine Anzahl Solisten und Instrumentalisten würdigte Martin Luther mit Bearbeitungen von Chorälen, die Luther einst geschrieben hatte, allen voran „Ein feste Burg ist unser Gott“. Mit historischen Instrumenten wie Zinken, Posaunen und Viola da Gamba entstand ein besonders festlicher Klang, der den feierlichen Rahmen des Abends eindrücklich unterstich. Den Sängerinnen und Sängern gelang es, den äußerst vielschichtigen Motetten eine große Präzision und dazu eine Leichtigkeit zu verleihen, die der voll besetzten Kirche einen großen Hörgenuss bereitete. Den Anwesenden vermittelte sich der Eindruck, dass auch die Musizierenden großen Spaß an der Sache hatten.

Nach Beendigung des Gottesdienstes gab es Gelegenheit, bei selbstgebackenem Brot, Schmalz, Wasser und Wein ins Gespräch zu kommen. Alle Anwesenden waren eingeladen, auf einer Tür ihre Gedanken zur Kirche und zur Gestaltung ihrer Zukunft aufzuschreiben und dort anzuhängen. Diese „Thesentür“ wird im Laufe des Lutherjahres durch die Kirchengemeinden des Kirchenkreises Rotenburg wandern.

DATUM

1. November 2016

AUTOR

Anette Meyer
BILDER (1)
Der geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamts Hannover, Arend de Vries, wurde von Pastorin Alexa Wilke in der Stadtkirche begrüßt
Der geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamts Hannover, Arend de Vries, wurde von Pastorin Alexa Wilke in der Stadtkirche begrüßt
Der geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamts Hannover, Arend de Vries, wurde von Pastorin Alexa Wilke in der Stadtkirche begrüßt