Der Kirchenkreis Rotenburg

So ist Kirche hier im Kirchenkreis Rotenburg. Das macht sie. Dazu ist sie in unserer Welt nützlich und notwendig. Das sind die Menschen, die sich hier engagieren. Das sind ihre Erfahrungen, Ideen und Ziele. Und immer wieder wird deutlich: In dieser Kirche ist Platz, um selbst dabei zu sein, mitzuerleben und auch mitzugestalten.

Forum Diakonie veranstaltet Fachtag Demenz

„Unser Ziel ist ehrgeizig. Wir brauchen Menschen, die die Aufgaben identifizieren und sie dann auch angehen.“ So sagte es Matthias Richter, theologischer Direktor im AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg noch zur Begrüßung zum Fachtag Demenz. Rund 100 Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit dementiell Erkrankten und ihren Angehörigen arbeiten, waren der Einladung ins Rathaus Rotenburg gefolgt, um sich gemeinsam einen Tag lang über das Thema Demenz allgemein und über die Versorgung im Landkreis Rotenburg zu informieren und sich auszutauschen. Dabei wollte es der Veranstalter, das Forum Diakonie Rotenburg, in dem viele diakonische Einrichtungen und Initiativen verbunden sind, allerdings nicht belassen. Ganz konkret sollten Defizite in der Versorgung im Landkreis aufgezeigt werden und Maßnahmen eingeleitet, um sie zu verbessern.

Und das gelang. Am Ende der Veranstaltung haben die Teilnehmenden verabredet, ein Netzwerk Demenz zu gründen, in dem die während der Tagung identifizierten Aufgaben bearbeitet werden sollen. Ein erstes Treffen ist für Anfang 2017 geplant.

Dabei steht die Verbesserung des Informationsflusses unter den Helfern und Engagierten an vorderster Stelle des Maßnahmenkatalogs. Der Nachmittag zeigte nämlich auch, dass es bereits ein breites Angebot für Menschen mit Demenz im Landkreis gibt. Birgit Lünsmann von der Stabsstelle Projektmanagement Pflegedirektion im Agaplesion Diakonieklinikum hatte für den Fachtag die Angebote recherchiert und dokumentiert. Sie reichen von stationären und ambulanten Einrichtungen über Beratung und Begleitung. „Für mich war es beeindruckend, was es schon alles gibt. Allerdings wissen die einzelnen Stellen nichts voneinander“, sagt Lünsmann. Das soll sich in Zukunft ändern.

Ebenfalls als wichtiges Thema wurde die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Demenz benannt. Immer noch ist diese Erkrankung bei vielen Menschen ein Tabuthema. Eine erste öffentlichkeitswirksame Aktion hatte das Forum Diakonie bereits im vergangenen Jahr organisiert, als es die Ausstellung „Kunst trotz(t) Demenz“ nach Rotenburg holte und begleitend mehrere Veranstaltungen zu dem Thema anbot.

Als weiteren Punkt haben die Teilnehmenden die Verbesserung der Begleitung von Demenzkranken im Krankenhaus ausgemacht. Das ist immer dann ein Problem, wenn sie wegen einer anderen Erkrankung dort untergebracht werden müssen. Und nicht zuletzt wichtig erschien den Anwesenden eine bessere Unterstützung der pflegenden Angehörigen. Die Möglichkeiten von Beratung und Selbsthilfe seien im Landkreis Rotenburg noch zu gering. Auch müsse ein Netz an ehrenamtlichen Demenz-Begleitern aufgebaut werden.

Die wichtige Rolle der Angehörigen kam zudem im Impulsvortrag für den Tag zur Sprache. Er wurde gehalten von Prof. Dr. Carsten Konrad, Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Der Facharzt für Neurologie und Psychologie erläuterte zum einen die medizinische Seite und die Möglichkeiten der Therapien. Aber er ging auch auf die Herausforderungen ein, die der Gesellschaft in Zukunft in Bezug auf Demenz bevorstehen. So erklärte er, dass es heute in Deutschland 1,6 Millionen an Demenz Erkrankte gibt. 2060 würden es mehr als doppelt soviel sein – 3,3 Millionen Menschen. Dabei nimmt die Zahl der jüngeren Menschen, die für die Pflege sorgen könnten, kontinuierlich ab. Rund zwei Drittel der Demenz-Patienten werden heute von Angehörigen versorgt.

Matthias Richter zieht eine positive Bilanz der Veranstaltung. „Ich war beeindruckt von den vielen kreativen Ideen, die die Teilnehmenden gesammelt haben. Insgesamt war es eine tolle Atmosphäre des Austausches und der gegenseitigen Bestärkung, dass der Einsatz für Demenzkranke und ihre Angehörigen ein wichtiges Anliegen ist. Dafür lohnt sich der Einsatz.“ Er hofft nun, dass durch die Gründung eines Netzwerks Demenz viele der Anliegen vorangebracht werden. Wer am Fachtag Demenz nicht teilnehmen konnte, aber an einer Mitarbeit im Netzwerk interessiert ist, kann sich wenden an Olaf Abraham, Pflegedirektor im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, Telefon: (04261) 77-24 00, Email: o.abraham@diako-online.de. Er hat die Organisation dieses Treffens für das Forum Diakonie Rotenburg übernommen.

 

Bildunterschrift:

 

DATUM

21. Oktober 2016

AUTOR

Anette Meyer
BILDER (1)
Fachkompetenz aus der stationären und ambulanten Arbeit sowie aus der Medizin kam während einer Diskussionsrunde zusammen: Cord Witte (von links), Heike Schwabe, Matthias Richter, Prof. Dr. Thomas Lichte und Olaf Abrahm
Fachkompetenz aus der stationären und ambulanten Arbeit sowie aus der Medizin kam während einer Diskussionsrunde zusammen: Cord Witte (von links), Heike Schwabe, Matthias Richter, Prof. Dr. Thomas Lichte und Olaf Abrahm
Fachkompetenz aus der stationären und ambulanten Arbeit sowie aus der Medizin kam während einer Diskussionsrunde zusammen: Cord Witte (von links), Heike Schwabe, Matthias Richter, Prof. Dr. Thomas Lichte und Olaf Abrahm