Der Kirchenkreis Rotenburg

So ist Kirche hier im Kirchenkreis Rotenburg. Das macht sie. Dazu ist sie in unserer Welt nützlich und notwendig. Das sind die Menschen, die sich hier engagieren. Das sind ihre Erfahrungen, Ideen und Ziele. Und immer wieder wird deutlich: In dieser Kirche ist Platz, um selbst dabei zu sein, mitzuerleben und auch mitzugestalten.

Das Weihnachtsinterview

Besinnung, Weltfriede und Adventskalender

Weihnachtsinterview mit Superintendentin Susanne Briese und Bürgermeister Andreas Weber

 

Der 4. Advent und Weihnachten liegen in diesem Jahr auf demselben Tag. Es ist eine besonders kurze Adventszeit. War es für Sie deshalb besonders hektisch?

 

Briese: Der Advent sollte keine hektische Zeit sein, sondern eine Zeit der Besinnung auf die wesentlichen Dinge des Lebens.. Christen erinnern sich daran, dass Gott in die Welt gekommen ist. Und da kann man sich fragen: Was macht das mit mir und meinem Leben, wenn Gott vor der Tür steht? Wie sieht es bei mir aus? Für mich ist diese Zeit der Besinnung wichtig und ich suche mir ganz bewusst Momente der Stille.

 

Weber: Auch ich versuche, diese Zeit zu einer Rückbesinnung zu nutzen und mir klar zu werden, was das ganze Jahr über passiert ist.

 

Finden Sie als Bürgermeister tatsächlich dazu genügend Zeit?

 

Weber: Das ist gar nicht so schwer, denn ich erhalte eine ganze Menge Einladungen zu Adventsfeiern. Ich suche mir bewusst Anlässe aus, an denen Besinnung möglich ist. Besonders schön finde ich beispielsweise Einladungen von Schulen. Wenn Kinder durch Vorlesen oder dem Vorführen von eingeübten Szenen etwas von der Weihnachtsbotschaft verstehen lernen, freut mich das sehr.

 

Briese: Gott ist Mensch geworden. Das feiern wir an Weihnachten. Ich finde einen Spruch sehr schön, den ich gerne als ganz großes Graffito an alle Wände sprühen würde. – Das mache ich natürlich nicht. – Er heißt: Mach's wie Gott, werde Mensch! Wir sollen uns als Menschen wertschätzen und anerkennen.

 

Weber: Gerade in dieser schnelllebigen, digitalisierten Welt brauchen wir die Momente der Ruhe und Besinnung auf die Grundwerte, nach denen wir leben wollen.

 

Briese: Zur Weihnachtsbotschaft gehört auch, dass wir Hoffnung weitertragen und den Willen zum Frieden. Das erscheint mir gerade angesichts der aktuellen Weltpolitik besonders wichtig. Da werde ich hellwach. Wir sollten sehr gut aufpassen, wohin sich das entwickelt.

 

Weber: Diese Politik ist Ausdruck von Rücksichtslosigkeit. Die Ausgrenzung steht im Vordergrund. Da täte das Besinnen auf christliche Werte wirklich gut.

 

Briese: Zur Berufung oder zum „Beruf“ des Christen, wie Martin Luther ihn verstand, gehört auch der Ort, an dem ich im Alltag Verantwortung habe und mitgestalte. Ein wichtiger Gedanke: Christen tragen Verantwortung in dieser Welt.

Weber: Das finde ich richtig. Das sollte jeder in seinem Umfeld tun. In Rotenburg können wir sehr gut erleben, dass sich viele Menschen einbringen. Das gilt nicht nur für die Flüchtlingshilfe. Das gilt für den Einsatz von Ehrenamtlichen in vielen kirchlichen Angeboten wie Gesprächskreisen oder Besuchsdiensten für alte Menschen.

 

Briese: Gerade die Flüchtlingshilfe ist hier ein gutes Beispiel dafür, wie Stadt und Kirche zum Wohle der Menschen miteinander kooperieren. Das klappt längst nicht überall so gut.

 

Hat Sie durch den Dezember ein Adventskalender begleitet?

 

Weber: Ich habe gleich mehrere. Einige hebe ich auf wegen der guten Sprüche, beispielsweise den der Polizeiseelsorge der Bremer Polizei. Ein guter Spruch hängt schon bei Vera Servatius in meinem Vorzimmer: „Ich freue mich immer, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.“ Der stammt von Karl Valentin.

 

Briese: Ich habe auch mehrere Adventskalender geschenkt bekommen. Besonders meine Freundinnen sind da sehr rege. So habe ich morgens immer erst einmal etwas damit zu tun, die Sprüche zu lesen. Viele sind anrührend. Und für mich sind diese Kalender ein Zeichen der Verbundenheit zu den Personen, die sie mir geschenkt haben.

 

Ist Weihnachten für Sie als hauptamtliche Kirchenmitarbeiterin besonders stressig?

 

Briese: Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich sehr, dass ich dann Gelegenheit habe, besonders vielen Menschen die Botschaft von Weihnachten weitersagen zu können. Ansonsten ähneln meine Feiertage denen vieler Familien. Wir kommen zusammen und nach dem Gottesdienst essen wir gemeinsam.

 

Weber: Ich bin sehr glücklich, dass wir Heiligabend bei meiner Tochter und ihrer Familie eingeladen sind. Auch meine Mutter ist dabei. Das unbeschwerte Weihnachtsglück von kleinen Kindern zu erleben, gibt mir besonders Kraft. Mein Schwiegersohn hat in der Gastronomie gelernt und bereitet die Gans zu. Zum Abschluss des Abends gehen wir aber in die Stadtkirche zur Mitternachtsmesse. Das gehört bei mir schon seit meiner Zeit in der evangelischen Jugend – also bestimmt seit 40 Jahren – dazu. Wir erleben in schöner Atmosphäre zu einer außergewöhnlichen Uhrzeit einen besonderen Gottesdienst und treffen dort Freunde, die genauso empfinden.

 

In vielen Familien kommt es an Weihnachten zu Streit. Haben Sie einen Tipp, damit das Fest der Liebe friedvoll und entspannt werden kann?

 

Briese: Die Erwartungen untereinander dürfen nicht zu hoch gesteckt sein. Und es muss auch nicht jedes Thema besprochen werden.

 

Weber: Aus meiner Polizeiarbeit kann ich raten: Trinkt nicht zuviel. Man sollte alles in Maßen genießen. Das gilt für das Trinken und für das Essen. Dann wird es auch weniger Konflikte geben.

 

 

 

DATUM

23. Dezember 2017

AUTOR

Anette Meyer
BILDER (1)
Superintendentin Susanne Briese und Bürgermeister Andreas Weber sprachen über Weihnachten
Superintendentin Susanne Briese und Bürgermeister Andreas Weber sprachen über Weihnachten
Superintendentin Susanne Briese und Bürgermeister Andreas Weber sprachen über Weihnachten