Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 02.03.15
Was hat uns das gebracht?
Ina Jäckel
Was hat uns das gebracht?

Konfirmandenunterricht. Thema: Der Gottesdienst. „Was bringt mir denn ein Gottesdienst?“, fragt ein Junge und verschränkt die Arme vor der Brust. „Da passiert doch nichts!“ – Wir probieren es aus und gehen in die Kirche. Am Eingang bekommt jeder einen kleinen Zettel. Alle werden aufgefordert, aufzuschreiben, was sie gerade beschäftigt. Sorgen? Ängste? – Weiter geht’s ins Kirchenschiff. Auf dem Boden liegen verteilt viele bunte Papierstreifen mit Bibelversen. Alle dürfen sich einen aussuchen, der gefällt, der gerade anspricht. Bibelvers und „Sorgenzettel“ wandern in die Hosentasche. – Weiter geht’s in den Altarraum. Bei Saft und Gummibärchen tauschen sich die Jugendlichen aus: Welchen Bibelvers habe ich mir ausgesucht. Ein Mädchen liest vor: „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde (Ps 62,3).“ Warum gerade den? Es wird geredet. – Am Ausgang bilden alle einen Kreis, fassen sich an den Händen. Eine Mitarbeiterin spricht ein Segenswort: Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mir die Hände reicht. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mit mir Wege geht. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsere Liebe. Wir verlassen die Kirche. Einige kichern. Einige sind ganz leise. – Zurück im Gemeindehaus. „Sollen wir jetzt sagen, was uns das gebracht hat?“, fragt ein Junge. Er zieht die Augenbrauen hoch und steckt die Hände in die Hosentaschen. „Oh, was ist das denn?“ Er zieht die Hand aus der Tasche und faltet den Sorgenzettel auseinander. „Komisch“, sagt er, „den hatte ich ganz vergessen.“

Ina Jäckel, Pastorin, Brockel

 

 

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Mo. 09.02.15
Heinrich Albertz - ein Vorbild
Matthias Richter
Heinrich Albertz - ein Vorbild

Vor wenigen Tagen und hundert Jahren ist er geboren: Heinrich Albertz, der Herzblut-Pastor, der als Seiteneinsteiger in die Politik kam, von Willy Brandt nach Berlin geholt wurde und dort in bewegten Zeiten sein Nachfolger als Regierender Bürgermeister wurde. Von diesem Amt trat er zurück, weil er Verantwortung für den Tod eines Studenten übernahm, der von einem „seiner“ Polizisten erschossen wurde. Und wurde wieder einfacher Pastor, draußen in einem Vorort. Als solcher stellte er sich als Geisel zur Verfügung, damit ein von Terroristen entführter CDU-Politiker freikommt. Und mischte sich ein, besonders in der Friedensbewegung. Unvergessen sind mir als Jugendlicher seine Auftritte auf den Evangelischen Kirchentagen: Messehallen voller Menschen, die meisten davon jung, hingen dem alten Mann an den Lippen, wenn er von der Bekennenden Kirche, der Studentenbewegung und den Wegen und Brüchen seines Lebens erzählte. Mucksmäuschenstill war es da, weil man merkte: Der ist echt. Das ist ja auch selten, dass jemand zugibt: „Ich war am schwächsten, als ich mich am stärksten gefühlt habe.“ Das Geheimnis seines Lebens war für ihn ganz altmodisch das Erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott“. Mir klingt es noch im Ohr wie er erklärte: Wenn Du das ernst nimmst, brauchst Du keine Angst zu haben vor den vielen, die sich hier zu Göttern aufspielen, dich bestimmen wollen, dich beurteilen. Diese Bindung an Gott ist es, die eine Freiheit schafft, den Mund aufzumachen, sich einzusetzen – aber eben auch eigene Fehler einzugestehen. Immer wieder schärfte er seinen Zuhörern auch ein: Habt keine Angst zu einer Minderheit zu gehören. Wenn etwas gesagt werden muss um der Wahrheit, der Schwachen und des Friedens Willen, dann muss es raus, auch wenn die Stammtische und der Mainstream entgegenwehen. Da ist es auch egal, was dein Nachbar denken könnte.

Zum Glück mischen sich auch heute viele ein und machen den Mund dafür auf, dass nach der deutschen Verfassungsordnung die Würde des Menschen unantastbar ist - und nicht nur die Würde der Deutschen. Und dass Frieden und Gerechtigkeit für alle dazugehören. Vielleicht ist aber die Erinnerung an den Hundertjährigen eine Ermutigung, eben darin nicht nachzulassen.

 

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Matthias Richter

Matthias
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Mo. 26.01.15
Richtig verbunden?
Frank Hasselberg
Richtig verbunden?

„Liebling, du sollst mich doch nicht immer anrufen. Ja, ich bin auch schon ganz wild auf dich. Nein, nicht jetzt. Heute Abend, ich kann jetzt nicht…“ Ein Handy-Gespräch, kürzlich belauscht im Supermarkt, aus Gründen der Jugendfreiheit leicht verändert. Unglaublich, was man sich heutzutage so alles anhören muss. Früher war telefonieren eine Privatsache, die Tür der Telefonzelle wurde sorgsam geschlossen. Heute wird alles öffentlich verhandelt, von Gesundheitsproblemen bis zu Verabredungen. Ehrlich, es gibt Gespräche, auf die hätte ich liebend gern verzichtet; leider habe ich ein gutes Gehör. Aber die meisten Leute reden eh so laut, dass sie mühelos auch ohne Handy größere Distanzen überbrücken können.

Auch wenn unsere Jugendlichen sich das nicht vorstellen können: Es gab ein Leben vor dem Handy. Und das war gar nicht mal so schlecht. Man soll sich nicht so wichtig nehmen, niemand muss jederzeit und überall erreichbar sein. Jetzt ging sogar bei einer Trauerfeier in der Friedhofskapelle solch ein Ding los.

Der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf macht sein Handy nur in Notfällen an. Er sagt: „Ich halte es für einen unschätzbaren Wert, in Ruhe nachdenken zu können… Ich genieße es, im Moment zu sein, bei mir, meinen Gedanken und den Leuten um mich herum. Da würde so ein Handyklingeln doch nur stören.“ Wie wahr. Unsere Zeit ist hektisch genug, darum verzichte ich persönlich auch auf diese technische „Errungenschaft“. Und lebe gut damit!

Kennen Sie den alten Schlager: „Wähle 333 auf dem Telefon“? Mein Vorschlag: Schlag nach bei Jeremia 33,3. Da sagt Gott nämlich: „Rufe mich an, so will ich dir antworten.“ Das könnte mal ein wirklich sinnvolles und nützliches Gespräch sein. Ohne Karte und Gebühr. Prepaid von Jesus Christus.

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Mo. 12.01.15
Einander annehmen
Barbara Dieterich
Einander annehmen

In den achtziger Jahren war ich das erste Mal im Libanon und vor einigen Jahren in Israel und Palästina. Ich war beeindruckt und beschämt von der Gastfreundschaft, die ich dort erlebt habe, beeindruckt, wie freundlich wir aufgenommen und bewirtet wurden, beschämt, als ich daran dachte, mit wie viel Misstrauen und Vorurteilen wir Menschen aus anderen Ländern begegnen. Sicherlich ist es ein Unterschied, ob ich im Urlaub in ein fremdes Land fahre oder flüchten muss, aber gerade Flüchtlinge, von denen wir kaum ahnen, was sie hinter sich haben, brauchen umso mehr Zuwendung und freundliche Aufnahme. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass Deutsche ihre Heimat verlassen mussten und darauf angewiesen waren, ein neues Zuhause zu finden.

Während ich diese Zeilen schreibe, sind in Scheeßel im Gemeindehaus der Lukas-Kirchengemeinde Menschen aller Nationalitäten zu einem „Café International“ eingeladen, sich kennen zu lernen auch über Sprach-, Kultur- und Religionsunterschiede hinweg.

Unterschiede verunsichern und machen vielleicht sogar Angst, aber statt die Angst zu schüren, lässt sie sich abbauen, wenn wir Möglichkeiten schaffen, uns zu begegnen, bereit sind, einander gelten zu lassen und zu unterstützen, auch wenn das nicht immer leicht ist.

Fremde aufzunehmen gehört zu den Werken der Barmherzigkeit, an denen wir gemessen werden, genau so wie: Hungrigen zu essen geben, Durstigen zu trinken geben, Nackte zu bekleiden, Kranke und Gefangene zu besuchen. Denn Jesus sagt: „Alles, was ihr für eines dieser meiner geringsten Geschwister getan habt, habt ihr für mich getan“. (Matthäus 25,40)

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Barbara Dieterich

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Mo. 05.01.15
Gute Vorsätze
Gute Vorsätze

Haben Sie um die Jahreswende herum auch gute Vorsätze gefasst? Diese Tage bringen es ja oft mit sich, dass man zurück schaut und Bilanz zieht. So kann man sich über Gelungenes im vergangenen Jahr freuen und auch über Entwicklungen nachdenken, die vielleicht anders verlaufen sind, als man es sich gewünscht hat. Da kommt in 365 Tagen doch so einiges zusammen.

Mancher Rückblick lädt auch dazu ein, sich ganz konkrete Veränderungen vorzunehmen. Viele Menschen fassen dann bestimmte Vorsätze. Im neuen Jahr werde ich dies oder das nicht mehr tun bzw. dies oder das besonders schwungvoll in Angriff nehmen… Doch das kennen vermutlich viele von Ihnen auch aus eigener Erfahrung: Mit den guten Vorsätzen ist das nicht so einfach. Sie sind irgendwie nicht sehr beständig und lösen sich oft ziemlich schnell auf.

 

Zur Jahreswende bekam ich von einer Freundin Post mit einem Gedicht, das zu diesem Thema passt:

 

Flügel möchte ich besitzen,

bis zum blauen Himmel dringen,

wo die schönen Sterne blitzen –

schöner Engel, schenk mir Schwingen.

Als der Engel mich vernommen,

griff er in die Silbertruhe –

und was habe ich bekommen?

Gute, feste Wanderschuhe! (Hedwig Diestel)

 

Bei der Umsetzung guter Vorsätze hätten wir gerne manchmal engelhafte Kräfte, damit wir Mühsames und Anstrengendes sozusagen überfliegen können. Dabei sind bei den alltäglichen Aufgaben feste Wanderschuhe oft sehr nützlich.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir uns mit stabilem Schuhwerk auf den Weg in das neue Jahr machen, verwurzelt und geerdet das anpacken, was getan werden muss – und dabei beflügelt und gestärkt sind von Gottes Nähe.

Fr. 02.01.15
Der rote Faden für´s neue Jahr
Frank Hasselberg
Der rote Faden für´s neue Jahr

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“, weiß der Volksmund. Dass das Wollen und das Vollbringen zweierlei Paar Schuhe sind, merkt mancher schon am Neujahrstag. Erich Kästner hat einmal folgenden „Spruch in der Silvesternacht“ geschrieben:

 

„Man soll das Jahr nicht mit Programmen

beladen wie ein krankes Pferd.

Wenn man es allzu sehr beschwert,

bricht es zu guter Letzt zusammen.

 

Je üppiger die Pläne blühen,

umso verzwickter wird die Tat.

Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,

und schließlich hat man den Salat!

 

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.

Es nützt nichts, und es schadet bloß,

sich tausend Dinge vorzunehmen.

Lasst das Programm!

Und bessert euch drauflos!“

 

Leichter gesagt als getan, oder? Statt guter Vorsätze aus der Silvesternacht einfach handeln. Klingt gut, wird meist aber auch in den Anfängen steckenbleiben. Also was tun? So weitermachen wie bisher?

Nur gut, dass wir nicht allein unterwegs sind. Gott geht unsere Wege mit. Das zu erkennen, ist manchmal gar nicht so leicht im Gewirr des Alltags. Aber vielleicht sehen wir unsere Tage nur von der verkehrten Seite an. Denn mit unserem Leben ist es wie mit einem geknüpften Teppich. Von unten betrachtet sieht man nur ein Durcheinander von bunten Fäden. Aber von der richtigen Seite gesehen, erkennt man sofort das Muster, die Ordnung, nach der das alles geknüpft und miteinander verbunden ist.

Gott ist der rote Faden, der unserem Leben Richtung und Ziel gibt. Er verlangt nicht mehr von uns, als wir leisten können. Wo wir uns selber überfordern, wo wir an unsern eigenen Ansprüchen und Vorsätzen scheitern, da gibt er uns Orientierung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes neues Jahr.

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Frank Hasselberg

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Mo. 15.12.14
Mein Herz schlägt schneller als deins
Dr. Matthias Wilke
Mein Herz schlägt schneller als deins

Diese Feststellung kann verschiedene Ursachen haben: Zum einen eine biologische. Der, der das sagt, ist viel kleiner, jünger als der andere. Zum anderen eine psychologische. Es könnte sein, dass er einfach leichter zu begeistern ist. Denn, wissen wir alle, Freude (oder Angst) macht Herzrasen. Eine dritte Möglichkeit ist, er ist musikalisch ergriffen: „Mein Herz schlägt schneller als deins. Sie schlagen nicht mehr wie eins. Wir leuchten heller allein, vielleicht muss es so sein“.

Dieses Lied von Andreas Bourani lief gerade im Radio, als ich an der Ampel hielt und auf den Lippen im Rückspiegel im Wagen vor mir eben diese Zeilen meinte mitlesen zu können. Aber warum sangen diese Lippen so? Hatten sie sich vor kurzem von jemandem getrennt? Oder woran dachten sie? Mitten unter den Lichtern des Advent (und vor der Ampel) eine Denkpause. Wenn der, an den ich als Christ im Advent besonders denke, nicht geglaubt hätte, dass sein Leben heller leuchtete, wenn er allein weiterginge, wäre er bei seinem Vater als Zimmermann geblieben oder hätte er sich einfach nur einem anderen Prediger angeschlossen, von denen es damals so viele gab… Welche Worte würden mir dann, durch alle Beleuchtung hindurch, Hoffnung geben?

Die Ampel sprang auf Grün und der Wagen vor mir fuhr seiner Wege. Dankeschön und schade, denn gerade wollte ich innerlich zu predigen beginnen: „Sein Herz schlägt schneller als meins. Denn was ich kaum zu hoffen wage, war für ihn schon Gegenwart: ‘Blinde sehen und Lahme gehen, … Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt;’ und weil das kaum zu fassen ist, fügte er hinzu: ‘und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.’“ (Evangelium nach Matthäus 11,5-6).

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Mo. 08.12.14
„Heute, Kinder, wird’s was geben …“
„Heute, Kinder, wird’s was geben …“

Eigentlich beginnt das Lied mit den Worten: „Morgen, Kinder, wird’s was geben, morgen werden wir uns freun …“ Und es ist auch kein Nikolauslied sondern ein Weihnachtslied. Trotzdem hoffe ich für alle kleinen und großen Kinder, dass es heute in den geputzten Schuhen was gegeben hat.

Am 6. Dezember pflegen wir diesen Brauch im Gedenken an den Heiligen Nikolaus. Im 4. Jahrhundert war er Bischof in Myra und hat sich offenbar immer wieder für andere eingesetzt und Gutes bewirkt. Über seine Taten erzählen eine Reihe von Legenden und zeichnen dabei das Bild eines mutigen Menschenfreundes. Er gibt von seinem Reichtum ab und trennt nicht zwischen sozialem Engagement und spirituellem Leben.

So berichtet eine Legende von einer großen Hungersnot in Myra. Da legte ein Schiff aus Ägypten im Hafen an, das voll beladen mit Korn war. Bischof Nikolaus bat den Kapitän, einen Teil des Korns auszuladen und so den Hungernden in Myra zu helfen. Doch der Kapitän sagte: „Das Getreide ist für den Kaiser in Konstantinopel bestimmt. Wenn auch nur ein Sack fehlt, werde ich hart bestraft.“ „Hab keine Angst“, sagte Nikolaus, „gib uns ruhig das Korn. Ich verspreche dir, es wird nichts fehlen, wenn du in Konstantinopel anlegst.“ Der Kapitän vertraute dem Bischof und ließ das Getreide abladen, das die Menschen in Myra brauchten. Als das Schiff später Konstantinopel erreichte, war die Ladung kein Gramm leichter geworden.

Eine andere Legende erzählt, wie der Bischof während einer Seereise einen Mann aus Seenot rettete. Danach forderte er die anderen Seeleute auf: „Vertraut auf Gott, so wie ich, sein Diener, auf ihn vertraue, und ihr werdet gerettet werden.“

Noch viele weitere Geschichten beschreiben eindrücklich dieses Lebensmotto von Bischof Nikolaus: Gott dienen und sich für Menschen einsetzen, die Unterstützung brauchen.

Lassen wir uns davon anstecken! Dann wird es bestimmt was geben!

Mo. 01.12.14
Nicht in Stimmung für Weihnachten
Matthias Richter
Nicht in Stimmung für Weihnachten

Immer in der Adventszeit erzählt meine Freundin in Berlin, dass sie überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten ist. Wahrscheinlich vergisst sie, dass sie das schon letztes Jahr erzählt hat. Mal sagt sie: „Wie soll man bei 13 Grad plus in Weihnachtsstimmung kommen!“ Dann denke ich: Wie sollen dann die Australier in Weihnachtsstimmung kommen? Ein anderes Mal sagt sie: „Das Geschiebe in der Stadt hat ja mit Weihnachtsstimmung überhaupt nichts zu tun! Außerdem ist in den Adventswochen im Büro immer viel zu tun. Wenn man es mit den Kollegen mal ein bisschen weihnachtlich machen möchte, sind stattdessen immer dringende Projekte zu bearbeiten. Und abends ist man dann ja auch nicht mehr in Stimmung.“ Wenn dann endlich wirklich Weihnachten ist, fährt sie zu ihren Eltern. Dann gibt es drei Tage lang Lebkuchen, Stollen, Gänsebraten und Marzipan. Wenn sie wiederkommt, sagt sie: „Für meine Eltern besteht Weihnachten wohl nur aus Essen, ich habe bestimmt drei Kilo zugenommen.“ Ich glaube, wenn der Alltag wieder beginnt, ist sie richtig froh, dass sie nun nicht mehr in Weihnachtstimmung kommen muss

Sie ist bestimmt nicht die einzige, die sich mit dem Gefühl herumschlägt: „Ich bin überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten!“ Was soll man so jemandem sagen?

Man muss wohl die Personen anschauen, die zu Weihnachten gehören. Maria soll einen Sohn gebären. Dafür ist sie nicht nur nicht in Stimmung, es ist nicht nur unpassend, sondern sogar völlig unmöglich. Joseph ist auch nicht darauf eingestellt nun Vater zu werden. Beide sind überhaupt nicht in Stimmung wegen einer Volkszählung nach Bethlehem zu reisen. Jesus kam zur Welt, aber hat ihn jemand gefragt, ob er in Stimmung war, Gottes Sohn zu werden? Die Hirten auf dem Feld wurden von den Engeln geradezu überrumpelt und ob Maria so kurz nach der Geburt schon in Stimmung für einen Besuch war, dürfen wir bezweifeln.

Also: Weihnachten kommt einem so richtig in die Quere. Es durchkreuzt alle Erwartungen. Aber Menschen lassen sich darauf ein. Maria bekommt ihr Kind. Joseph wird Vater. Hirten machen sich auf den Weg. Gott wird Mensch – wie Sie und ich und ist in all dem dabei, was wir erleben und manchmal auch erleiden.

Darauf warte ich ab sofort wieder in diesem Advent ganz bewusst. Und wundere mich dann und wann. Gott gefällt es, in unpassende Situationen zu kommen. Gott ist ein bisschen unhöflich: kommt, wann er will, einfach so. Unvermutet. Unerwartet. Und zum Glück ist es gar nicht wichtig, ob ich in Stimmung für ihn bin.

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Mo. 24.11.14
Trsot der Bäume
Frank Hasselberg
Trsot der Bäume

„Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Wie gut, dass sie am Sterben teilhaben!“

An diese Gedichtzeilen von Günther Eich denke ich, wenn ich in diesen Tagen durch den Wald oder unsere Straßen gehe. Den Trost der Bäume suchen Menschen seit alters. Bäume sind fest verwurzelt und recken sich doch zum Himmel. So werden sie zum Vorbild für Menschen in ihrer Sehnsucht nach einem Halt, der trägt, und in ihrer Hoffnung nach Gottes Himmel.

Günther Eich nennt einen anderen Grund des Trostes: Die Bäume haben teil am Sterben. Sie sterben nicht erst am Ende, sondern Jahr für Jahr. Im Herbst zieht der Baum seine Lebenskraft aus den Ästen und Zweigen zurück, und er erscheint nach außen tot. Doch im nächsten Frühjahr wird er wieder lebendig und grünt von neuem.

Welch ein Trost! Denn in meinem Leben geht es ähnlich zu. Da sind nicht nur die Zeiten des Wachsens und des Erfolgs. Ich muss Dinge loslassen, die mir lieb geworden sind. Ich muss von Menschen Abschied nehmen, die mich lange begleitet haben. Und manchmal spüre ich, dass ich mich verausgabt habe, dass ich mich zurückziehen muss, um neue Kräfte zu sammeln. An den Bäumen im Herbst sehe ich: Das Loslassen ist ein Teil des Lebens. Wenn ich das nicht könnte, würde sich meine Lebenskraft verlieren. Das Leben kann nur gelingen, wo Wachsen und Loslassen ihre Zeit haben.

Beides, das Werden und das Vergehen, ist gehalten von Gott. Darum vergleicht die Bibel Menschen, die sich ganz auf Gott verlassen können, mit Bäumen. Und Paul Gerhardt dichtet: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben“ (EG 503, 14). Stark in Gott verwurzelt, muss mir vor dem Sterben und Loslassen nicht bange sein.

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Mo. 10.11.14
Alte Zeiten
Martin Söffing
Alte Zeiten

In diesen Tagen wird viel erzählt und erinnert an eine gute, alte Zeit: an den Mauerfall vor 25 Jahren am 9.November 1989.

„Wir waren auf alles vorbereitet, nicht aber auf Kerzen und Choräle“, sagte damals ein Offizier der DDR-Armee. Gute alte Zeiten werden wieder lebendig. Zeiten, in denen durch Montagsgebete, die zu Montagsdemonstrationen wurden, eine friedliche Revolution möglich wurde.

Montagsdemonstrationen finden immer noch statt. Heute aber werden die Mahnwachen für Frieden und Gerechtigkeit missbraucht von gewalttätigen, antidemokratischen, menschenverachtenden Gruppierungen.

Da mischen sich alte Zeiten: die gute Zeit des 9. November 1989 und die abgrundböse Zeit des 9. November 1938.

Die alten, bösen Zeiten sind lebendiger als je zuvor.

Morgen beginnt die Ökumenische Friedensdekade 2014 unter dem Motto „Befreit zum Widerstehen“.

Wir sind aufgerufen, gegen Hass und Gewalt, gegen alle antidemokratischen Kräfte zu widerstehen und einzustehen für ein interkulturelles und interreligiöses demokratisches Zusammenleben.

In Flüchtlingsnetzwerken, durch das Engagement von Flüchtlingsbegleitern, durch Gebete für Frieden und Gerechtigkeit, mit Initiativen wie „Grenzen öffnen für Menschen – Grenzen schließen für Waffen“ wird der biblische Leitvers der Friedensdekade konkret: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Vor 25 Jahren hat dieser Geist die Kraft entfaltet, eine Mauer zu öffnen.

Heute brauchen wir ihn dringend, um die Mauern in den Herzen und Köpfen zu überwinden.

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Martin Söffing

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Mo. 13.10.14
Wer oder was sind eigentlich Yeziden?
Roger Moch
Wer oder was sind eigentlich Yeziden?

Im Moment werden in den Medien häufig die Yeziden (sprich: Jesiden) erwähnt. Es wird berichtet, dass sie vorrangig im Irak durch die Miliz „Islamischer Staat“ bekämpft und ermordet werden. „Die Verfolgung von Yeziden im Irak durch die islamistische IS-Miliz brachte Angehörige dieser Religionsgemeinschaft auch in Verden auf die Straße. Hunderte von Yeziden protestierten lautstark gegen den Völkermord und machten gleichzeitig auf die prekäre Situation der Flüchtlinge aufmerksam“ (Kreiszeitung v. 12.09.14). Auch unter uns in Rotenburg leben Yeziden, Wer oder was sind nun aber die Yeziden?

Sie sind von der Volkszugehörigkeit Kurden, sprechen das nordkurdische Kurmanji als Muttersprache. Ihre natürlichen Siedlungsgebiete befinden sich in Teilen der Länder Irak, Syrien, Türkei und Iran. Hauptverbreitungsgebiet ist der Nordirak. Hier leben ca. 550.000 Yeziden. Dort liegt sich auch das religiöse Zentrum Lalish. In Folge von Abwanderung leben weitere Yeziden in Armenien, Georgien, Russland und seit 1970 eben auch in Deutschland. Vereinzelt leben sie auch in anderen europäischen Staaten und in Nordamerika.

Die Yeziden stellen heute eine religiöse Minderheit unter den mehrheitlich muslimischen Kurden dar.

Es gibt keine offizielle Angaben über die Gesamtzahl der Bevölkerung. Sie wird auf 800.000 Personen geschätzt. In Deutschland sind bis zu 60.000 Yeziden beheimatet, mit großen Gemeinden bei uns in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen.

In der Geschichte wurden sie seit jeher verfolgt. Die Kämpfe der Araber gegen die Kurden in den Jahren 637 und 1246, die Mongolenangriffe und in neuerer Zeit die Armenier-Massaker von 1915, von denen auch Kurden betroffen waren, sowie Zwangsislamisierungen haben die Yeziden dezimiert. Dadurch kam es teilweise zur Geheimhaltung ihres Glaubens.

Weiterhin gab es gewaltsame Übergriffe gegen Yeziden: Entführungen, Morde und Enteignungen. Yezidische Dörfer im Nordirak wurden 1975 nach der Niederwerfung der kurdischen Nationalbewegung entvölkert und zwangsumgesiedelt. In den folgenden Jahren gab es wieder Enteignungen. Von 1986 bis 1988 wurden im Irak chemische Waffen gegen Kurden eingesetzt, Zwangsumsiedlungen wiederholten sich. Für 2004 und 2005 sind ebenfalls Gewalttätigkeiten dokumentiert.

1982 bekamen die Yeziden in Stade erstmals den Flüchtlingsstatus.

Die Yeziden hängen einem uralten Glauben an, der aus Vorderasien (Mesopotamien) stammt. Er soll vor 3.500 bis 4.000 Jahren entstanden sein und hat seine Wurzeln in einer antiken persischen Religion und Philosophie. Später beeinflusste diese Religion auch das Christentum und den Islam.

Jetzt müssen viele Yeziden, Christen und Muslime ihre Heimat im Nordirak verlassen, sie stellen sich alle gegen den gnadenlosen Schreckensfeldzug der IS-Milizen. Ich kann mich da nur der yezidischen Gemeinde Osterholz-Scharmbeck e.V. anschließen. Sie wirbt mit folgendem Motto: „Du musst kein Yezide sein, um für Șingal (die Heimat der Yeziden im Nord-Irak) zu sein – Es reicht, Mensch zu sein“.

 

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Mo. 06.10.14
Ja, ist denn schon Advent?
Frank Hasselberg
Ja, ist denn schon Advent?

„Frohe Weihnachten!“ wünschte ich der Verkäuferin im Supermarkt. Auf ihren fragenden Blick sagte ich nur: „Naja, Sie haben ja schon alles im Sortiment: Lebkuchen, Weihnachtsmänner, Spekulatius und Marzipan. Also dann ist es wohl bald soweit.“ Dass es noch Monate bis zur Adventszeit sind, war uns beiden klar. Aber in vielen Läden verschwimmen diese geprägten Jahreszeiten: Sobald Weihnachten vorbei ist, grinsen mich die Osterhasen an. Und ab Ende August schwitzen die Schoko-Nikoläuse in den Regalen. Nicht nur ich finde das ätzend: Laut einer aktuellen Umfrage fühlen sich 63 Prozent der Deutschen genervt von dieser vorzeitigen Invasion, viele fordern sogar eine gesetzliche Regelung. Sie fürchten um die Vorfreude und wissen nicht, wie sie ihren Kindern erklären sollen, dass es noch Monate hin ist bis zum Weihnachtsfest.

Da frage ich mich: Warum liegt denn das Zeug jetzt schon in den Läden? Bestimmen die 37 Prozent, die dieser Irrsinn offenbar nicht stört, was passiert? Oder konsumieren auch die anderen heimlich, was sie öffentlich nicht zugeben? Klar, der Käufer bestimmt, was angeboten wird; das ist unsere Marktwirtschaft. Deshalb wünschte ich mir, dass das Kaufverhalten tatsächlich den Gefühlen entspricht. Wenn niemand diesen ganzen Kram vor November kauft, verschwindet er ganz schnell aus den Regalen. Das ist das schlichte Gesetz von Angebot und Nachfrage. Unsere ehemalige Bischöfin Margot Käßmann hat dazu schon vor Jahren die Aktion ins Leben gerufen: „Advent ist im Dezember“. Was meistens ja auch stimmt. Soll heißen: Lasst diesen verfrühten Konsum-Quatsch, genießt die Zeit, die gerade da ist. Diesen Sonntag zum Beispiel feiern wir Erntedank. Lebkuchen und Co. wird man auf den Altären nicht entdecken. Dafür freue ich mich auf die festlich geschmückten Kirchen mit dem, was Feld und Garten hergeben, auf die Kürbisse, die Äpfel, Birnen und Nüsse. Sie auch? Einen schönen Sonntag wünsche ich!

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Mo. 06.10.14
Danke!
Peter Thom
Danke!

Im Urlaub waren wir Wandern in Tirol. Einmal gelangten wir nach mühsamem Aufstieg auf einen Bergsattel. Dort stand ein Kreuz mit einem Schriftzug: „Danke“. Einfach nur: „Danke“.

Wir wussten natürlich sofort, wofür wir zu danken hatten: Dass wir den Aufstieg geschafft hatten, dass wir zufrieden auf einen mühsamen Weg zurückschauen konnten und dass wir nun mit einer wunderbaren Aussicht auf die herrliche Bergwelt belohnt wurden. Natürlich waren wir noch nicht am Ziel, der Weg sollte weitergehen und uns neue Mühen auferlegen. Aber wir hatten etwas geschafft. Es tat gut, sich einen Augenblick der Rast und der Ruhe zu gönnen. Es fiel uns nicht schwer, danke zu sagen. „Danke, Gott, wie schön ist es hier in den Bergen und wie sind all deine Wunder so groß.“

Wofür können wir danken? Viele haben es erlebt: Ein mühsamer Weg liegt hinter ihnen. Es galt, den Acker oder den Garten zu bestellen und zur rechten Zeit das Richtige zu tun, bis jeweils Erntezeit ist. Auf diesem mühsamen Weg ist die Erntekrone ein eindeutiges Zeichen: Man kann einhalten, sich einen Augenblick der Rast und der Ruhe gönnen. Gewiss, der Weg geht weiter; neue Mühen und Plagen stehen bevor. Aber zwischendurch kann man stille werden und bedenken, was die Arbeit gebracht hat. Mancher rechnet in Doppelzentnern, andere in Litern oder Kilogramm. Manche hat die Einweckgläser mit Obst gezählt oder die Portionen tiefgefrorenen Gemüses. Und es tut gut, sich still daran zu freuen: „Ja, das habe ich geschafft! Danke, Gott, für alles, was ich geschafft habe!“

Dann ist es gut, wenn da ein eindeutiges Zeichen steht. Wie das Kreuz im Gebirge oder wie die Erntegaben beim Erntedankfest. Wir brauchen solche Zeichen, die uns zum Anhalten nötigen, damit wir uns einen Augenblick besinnen: Wofür habe ich zu danken?

Das wäre doch ein Thema für unsere Gespräche. Dann brauchten wir nicht über das Wetter zu reden. Wir müssten nicht schon wieder über alle unsere Krankheiten stöhnen oder über den Ärger mit dem lieben Nachbarn. Es würde so gut tun, mal über etwas ganz anderes zu reden: „Was habe ich geschafft? Was ist gut geworden? Wo habe ich Segen gespürt?“ Ich bin mir sicher: Da könnte jeder mitreden und jeder könnte danke sagen. Das wäre doch gut, nicht wahr?

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Visselhövede
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Mo. 29.09.14
Weit außerhalb von Qaqortoq
Peter Handrich
Weit außerhalb von Qaqortoq

Als sich nach den Bundestagswahlen 2025 die erste große Koalition zwischen AFD und der Neuen Allianz abzeichnete, dachten wir zum ersten Mal darüber nach, das Land zu verlassen. Geordnet. Gut vorbereitet. Aber meine Frau und ich hätten eine neue Sprache lernen müssen, hätten von den Verwandten und Freunden wegziehen müssen. Und so ließen wir es. Als 2028 Deutschland aus der Europäischen Union austrat, war es plötzlich zu spät dafür. Mit der Gehbehinderung meiner Frau, unserem Alter und der Tatsache, dass wir nicht reich waren, würde uns kein Land der Welt aufnehmen. Als 2030 das Gesetz zum eingeschränkten Wohnrecht behinderter Menschen rechtswirksam wurde, wussten wir plötzlich, dass wir Deutschland illegal verlassen mussten. Trotz der Effektivität der Polizei und der Tatsache, dass wir durch Internet und Smartphones zu gläsernen Menschen geworden waren, gelang es uns, den Kontakt mit einer Organisation herzustellen, die uns von Rerik aus über Ostsee, Nordsee und Atlantik nach Grönland bringen wollte. Es kostete uns 120.000 Neue Mark. Ein alter Fischtrawler wurde so voll mit Menschen geladen, wie es nur ging. An Schlafen war nicht zu denken, manchmal auch nicht an Sitzen. Aber Hauptsache raus aus diesem Land! Gegen unsere Befürchtungen kamen wir tatsächlich in Grönland an. Unser illegaler Landgang in der Nähe von Tasiilaq flog aber auf, und wir kamen in ein Lager weit außerhalb von Qaqortoq. Hier werden wir halbwegs gut verpflegt, haben nichts zu tun und dürfen nicht in die Stadt. Wir wohnen mit einem Ehepaar aus Berlin-Dahlem in einem Zimmer und gehen uns auf die Nerven. Wir wissen nicht, wie es weiter gehen wird. Gestern war „Tag des Flüchtlings“. Haben Sie an uns gedacht?

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 920889
Mo. 29.09.14
Nicht alleine sein
Matthias Richter
Nicht alleine sein

„Das Wichtigste ist ja, dass man nicht alleine ist. Haben Sie denn genug Personal?“ Der Mann, der so fragt, gehört zu den ersten Besuchern der neuen Palliativstation im Diakonieklinikum Rotenburg. Bei der Eröffnung am vergangenen Wochenende waren viele Besucher beeindruckt von den mit Bedacht gestalteten Räumen. Die Patientenzimmer, die Begegnungsbereiche und der Raum der Stille haben eine Atmosphäre, in der man sich geborgen fühlen kann. „Ist wirklich alles schön“, beharrt der Mann, „aber das Entscheidende sind die Menschen. Haben Sie genug?“ Und meine Antwort ist: Zum Glück nicht nur genug, sondern auch die Richtigen.

Der Betreuungsschlüssel auf einer Palliativstation ist etwas höher als in anderen Bereichen eines Krankenhauses. Das ist wichtig, weil es sich eben um schwerstkranke Patienten und ihre Angehörigen handelt. Aber die bloße Zahl der Schwestern, Pfleger und anderen Mitarbeiter macht es nicht. Auch die fachliche Qualifikation, die zu exzellenter Pflege befähigt, reicht alleine nicht aus. Sicher ist es wichtig, dass die Mitarbeiter dort besonders gut Bescheid wissen in Schmerztherapie und speziellen Ernährungsfragen. Genauso wichtig ist es aber, dass auf einer Palliativstation Menschen arbeiten, denen das Zu- und Hinhören besonders am Herzen liegen. Die auch traurige Geschichten aushalten und nicht reflexhaft sagen „Das wird schon wieder“. Die selbst von einer Hoffnung im Angesicht des Todes getragen werden.

Mehr als 40 Pflegekräfte haben bislang in unserem Krankenhaus die Ausbildung zur Palliativ Care-Fachkraft absolviert. Etliche von ihnen kenne ich persönlich und weiß, wie sehr ihnen die besondere Situation von Menschen am Lebensende bewusst ist und wie wichtig es ihnen ist, gerade hier Beistand zu leisten. Sie sind die Richtigen.

Und trotzdem gehen mir die Sätze des Besuchers nach. „Das wichtigste ist nicht alleine sein.“ Das gilt auch im normalen Leben. Und da kommt es dann auf Sie und auf mich an, dass wir nicht nur da, sondern auch die/der Richtige für die Situation sind.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 22.09.14
Hören und Handeln
Marita Meixner-Ander…
Hören und Handeln

Drei Schmiedegesellen wanderten von Borkum aus bei Ebbe auf das Wattenmeer hinaus. Weit waren sie gelaufen, tief hatten sie die gute Luft eingesogen, fröhlich hatten sie miteinander geredet. Aber dann überfiel die Männer von einer Minute zur anderen dichter Nebel. Sie fassten sich bei der Hand und rannten zum Ufer. Doch im dichten Neben verloren sie die Orientierung. Sie rannten in diese und jene Richtung. Aber sie konnten das rettende Ufer nicht finden. Dann kam das Wasser. Langsam stieg die Flut. In dem höher auflaufenden Wasser kämpften die Männer um ihr Leben. Dann sagte einer von ihnen:,,Jetzt sind wir ganz still. halten den Atem an. rühren uns nicht. Mit dem Finger tastend und den Ohren horchend prüfte er die Richtung des Wassers, denn bei Flut läuft das Wasser auf das Ufer zu. Nach dem Hinhören rannten sie ein kurzes Stück. Dann wieder Stille und Horchen. Dann wieder laufen. So erreichten sie schließlich doch das rettende Ufer.

Was hat sie gerettet? Das Laufen oder das Stillesein und Hören? Beides hat sie bewahrt. Einfach nur laufen hilft nicht weiter, wenn man orientierungslos ist und die Richtung nicht findet. Einfach nur stille sein und warten bedeutet den Untergang.

Nur in der Ergänzung von Hören und Handeln liegt eine Überlebenschance - auch in unserer heutigen Zeit. Wohin blinder Aktionismus führt, können wir jeden Tag aufs Neue erkennen. Darum gönnen wir uns doch einfach mal wieder Zeit zur Stille und hören auf Gottes Wort für unser Leben? Jeder Sonntag möchte uns daran erinnern, ein wenig innezuhalten und bei Gott aufzutanken. So finden wir wieder neue Kraft für unsern Weg. In diesem Sinne einen gesegneten Sonntag.

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Marita Meixner-Andersohn

Marita
Meixner-Andersohn
Pastorin
Im Specken 3
27367
Ahausen
Tel.: 
(04269) 5288
Mo. 15.09.14
Blut oder Wasser?
Frank Hasselberg
Blut oder Wasser?

„Blut ist dicker als Wasser“, sagt eine Redensart. Damit ist gemeint, dass verwandtschaftliche Bande tragfähiger sind als andere zwischenmenschliche Beziehungen. Aber stimmt das immer? Gibt es nicht auch Geschwister, die sich heillos zerstreiten; Eltern und Kinder, die nicht mehr miteinander reden – und auf der anderen Seite Freundschaften, die ein Leben lang halten?! Entscheidend ist, dass Menschen eine gemeinsame Grundlage haben, auf der sie sich verstehen und vertrauen. Dann kann man miteinander durch Dick und Dünn gehen.

Davon spricht auch Jesus und nimmt kein Blatt vor den Mund. Wer oder was ist Familie? Im ersten Moment wirkt sein Verhalten seiner Mutter und den leiblichen Geschwistern gegenüber seltsam, fast schroff. Aber er will deutlich machen, worum es letztlich geht. Darum definiert er ganz neu, was Verwandtschaft bedeutet. Er sagt: „Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.“ (Lukas 8, 21).

Morgen ist Diakoniesonntag. „Wir sind Familie“ ist diesmal das Motto. Für mich ist das genau die Frage: Wer ist „wir“? Wer gehört dazu? Familie ist wunderbar, himmlisch, ist Lebensziel, macht glücklich. Oder: Familie ist lästig, nervtötend, zeitraubend, anstrengend. Beides stimmt, beide Erfahrungen werden Sie, liebe Leser, gemacht haben. Das mag auch vom Lebensalter abhängen: Wie wichtig sind einem die Familie, wie wichtig Freundschaften?

Mir geht es ähnlich: Familie beginnt im Herzen. Ich sehe dich als Menschen – als Bruder oder Schwester. Ganz einfach eigentlich. Mal sehen, wie weit und wohin wir damit kommen.

Einen schönen Diakoniesonntag!

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 01.09.14
Bienenpredigt
Frank Hasselberg
Bienenpredigt

Emsig summt es vor dem Fenster meines Arbeitszimmers. Bekannte haben während der Zeit der Heideblüte einige Bienenkörbe in meinen Garten gestellt. Die Bienen scheinen sich hier wohlzufühlen. So dürfen wir auf eine reiche Ernte hoffen und uns auf den köstlichen Heidehonig freuen. Und im Winter können wir aus dem Bienenwachs wunderschöne Kerzen drehen, die warmes Licht und einen süßen Duft verströmen.

Manchmal lasse ich mich von der Arbeit ablenken und schaue den kleinen Insekten zu. Wie fleißig sie ein- und ausfliegen, immer wieder den Weg zurück zu ihrem Volk finden, ihren Ertrag abladen und sich sofort wieder auf den Weg machen. Ich kann mich direkt danebenstellen: Sie beachten mich nicht, sind viel zu beschäftigt, nur darauf bedacht, ihre Arbeit zu tun und ihr Volk zu versorgen. Im Sommer besteht es aus rund 40.000 Bienen – soviel, wie Schneverdingen und Rotenburg zusammen Einwohner haben!

Dazu kommt mir die Liedstrophe von Paul Gerhardt in den Sinn (Ev. Gesangbuch Nr. 503, Strophe 6): „Die unverdroßne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise…“ Und mein kleiner Großneffe John, den ich für sein tägliches Honigbrot mit dem Bienenprodukt versorge, was mir bei ihm schon längst den Namen „Onkel Honig“ eingebracht hat. Ich glaube, er weiß gar nicht, wie ich eigentlich heiße.

Und dann denke ich: Was ich da vor mir sehe, ist eine einzige, fliegende, summende Predigt. Sie sagt: Jeder Einzelne ist wichtig und wertvoll für das Ganze. Auch wenn wir meinen, wir könnten nicht viel tun: Jeder kleine Beitrag hilft mit und ist unverzichtbar. Erst das Zusammenspiel führt zu einem guten Ergebnis. Auf die Kirche und unsere Gemeinden übertragen heißt das: Es ist wichtig, dass wir als Christen uns als Einheit verstehen, bei allen Unterschieden. Und schließlich die Frage: Bringen wir einander voran, sind wir nützlich für andere? Machen wir es doch wie die Bienen: Nicht viel reden, diskutieren, debattieren – tun und leben wir. Ganz praktisch. So wird es immer heller und schöner da, wo wir leben.

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Frank Hasselberg

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Frank
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Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
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(05193) 4130
Mo. 11.08.14
Lachen erlaubt
Frank Hasselberg
Lachen erlaubt

Warum guckt die Frau an der Kasse mich nur so seltsam an? „So kennt man Sie ja gar nicht… in kurzen Hosen und T-Shirt.“ Ich muß lachen. Nein, bei der Hitze laufe ich auch als Pastor nun wirklich nicht im schwarzen Anzug herum. Da hat sich im Laufe der Zeit manches geändert.

Anderes hält sich zäh. Zum Beispiel, dass man im Gottesdienst nicht lacht. Manchmal bin ich enttäuscht, wenn ich in die Predigt einen Scherz einbaue und niemand sich richtig zu lachen traut. Ein altes Phänomen. Von Wilhelm Buschs Neffen, dem Pastor Otto Nöldeke, wird folgendes erzählt: Als eines seiner Schäfchen krank im Bett lag, brachte Pfarrer Nöldeke einen Band seines Onkels zu dem Kranken in der Hoffnung, die lustigen Zeichnungen und Verse würden ihn etwas aufmuntern. Nach vier Wochen besuchte er den Kranken wieder und fragte, wie ihm das Buch gefallen habe. Die Antwort lautete: „Ich hätte wohl sehr lachen mögen über die Geschichten, aber da ich das Buch von Ihnen erhalten hatte, traute ich mich nicht so recht.“

Schon das ist zum Lachen, oder?! Also ich bin nicht der Mensch, der mit nach unten gezogenen Mundwinkeln herumläuft, im Gegenteil. Ich freue mich des Lebens, und mein Glaube hilft mir dabei, mit schwierigen Situationen umzugehen. Kirche, Glaube und Humor sind keine Gegensätze. Wie, die Bibel sprüht nicht gerade vor lustigen Geschichten? Mag sein, zumindest nicht vordergründig, aber wissen Sie was: Nach dem Johannesevangelium (Kapitel 2, Verse 1-12) hat Jesus während der Hochzeitsfeier in Kana das Wasser nun gerade nicht in essigsaure Tonerde, sondern in Wein verwandelt. Das Fest der Freude konnte weitergehen. Das erste Zeichen, das Jesus tat, diente der Lebensfreude.

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Frank Hasselberg

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