Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

Seiten

Datum
Titel
Name
Mo. 18.05.15
20:07 Uhr vor dem Fernseher
Dr. Matthias Wilke
20:07 Uhr vor dem Fernseher

Es ist kurz vor acht. Der Fernseher läuft. „… Licht“, sagt er in Gedanken verloren. Wartend sitzt er vor dem Apparat und erzählt sich gerade noch etwas, was er im Laufe seines langen Lebens erlebt hat, zählt leise Namen und Stationen von damals auf: der Krieg, Feinde und Freunde, dann die Familie. Es ist kurz vor acht. „Jetzt aber, jetzt ist Frieden“, sagt er nun lauter zu sich und fügt hinzu: „Gott sei Dank!“ Seine Hände legen sich wie von selbst ineinander, bevor seine Lippen sich an die Worte des 27. Psalms erinnern, den Psalm für den morgigen Sonntag: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil…“. Aus dem Fernseher dringt die allabendliche Melodie zu ihm durch, die ihn daran erinnert: 20.00 Uhr, Nachrichten. Gehorsam dem Ton folgend richtet er seinen Blick auf die Ereignisse der Welt. Aus dem „ich erzähle mir mein Leben“ wird für ihn um acht Uhr abends ein Zuschauen und Zuhören. Er schaut Nachrichten, sieht Bilder aus Nepal, vom Mittelmeer, aus Auschwitz und Israel – und hört zu. Dabei blickt er erst geradeaus auf die Bilder, dann hinunter auf seine noch gefalteten Hände. Es sind nur wenige Sekunden, um kurz nach acht Uhr abends, in denen dann das Folgende geschieht. In diesen wenigen Sekunden drückt er alles Dunkle, Unfassbare, Grausame, das er gerade gesehen hat, in seine betenden Hände. Nicht zu fest, liebevoll bittend. Gerade noch erinnerte er sich an Gottes Licht in seinem Leben – und er will, dass auch die Welt heller werde. Nur so ungefähr hat er den 27. Psalm noch im Ohr, aber das genügt ihm, um in diesem alten jüdischen Gebet Halt zu finden – um 20:07 Uhr vor dem Fernseher: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei uns gnädig und antworte uns!“

KONTAKT

Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
Tel.: 
(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
Mo. 04.05.15
Singen macht glücklich
Haike Gleede
Singen macht glücklich

„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Diesem Vers aus Psalm 98 verdankt der heutige Sonntag seinen Namen: „Kantate“, das bedeutet: „Singt!“

 

Singen liegt in der Natur des Menschen. Schon seit Urzeiten drücken wir tiefe Emotionen wie Freude, Trauer, Liebe in Liedern aus. Die Sklaven in Amerika legten ihre Hoffnung auf Freiheit in die Gospels, die bis heute weltberühmt sind. In der Musik bringen wir zum Ausdruck, was wir nicht in Worte fassen können.

„Das Singen ist der Atem der Seele. Es kann unseren Körper aus jeglicher Erstarrung befreien und uns den Rhythmus des Lebens lehren ...“

In einer Studie wurde nachgewiesen, dass Menschen, die regelmäßig singen, gesünder und zufriedener sind. Sie haben mehr Selbstvertrauen, und sind belastbarer.

Und doch tun sich viele schwer, ihre Stimme erklingen zu lassen. Ärzte haben festgestellt, dass Kinder immer kürzere Stimmbänder haben, weil sie zu selten zum Singen ermuntert werden. Es ist einfacher mal eben den Kopfhörer ins Ohr zu stecken und die Profis singen zu lassen.

Der Widerspruch liegt auf der Hand: Einerseits verzeichnen Talentshows, in denen am Ende einer zum Star gekürt wird, hohe Einschaltquoten. Andererseits ist es nicht nur Jugendlichen peinlich, selber zu singen.

Ich finde das schade, denn Singen ist eine ursprüngliche Fähigkeit, die uns geschenkt ist, um unser Leben bewältigen zu können.

 

In der Bibel sind uns Lieder überliefert, die sind schon einige tausend Jahre alt. Die Psalmen haben Menschen durch alle Zeiten des Lebens getragen und bis heute finden wir darin Trost und Ermutigung. Musik geht zu Herzen und kommt vom Herzen. Ein Gottesdienst ohne Musik, ohne Gesang – undenkbar.

Ich freue mich, wenn Chöre die Gottesdienste zu einem lebendigen, fröhlichen Ereignis werden lassen. Ob Kirchenchor oder Band, ob Gitarre oder Orgel – ob Choral, Gospel oder moderne Kirchenmusik – Singen regt meinen Körper und meinen Geist an und gibt mir neue Lebenskraft.

Darum: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Mo. 27.04.15
Der Kühlturm zu Babel – äh, Deutschland
Der Kühlturm zu Babel – äh, Deutschland

Am 26. April 1986 ereignete sich ein schwerer Reaktorunfall im Block vier des Atomkraftwerks von Tschernobyl. Eine gewaltige Explosion war die Folge. Die radioaktiven Spaltprodukte, die aus der Kernschmelze austraten, wurden in die Atmosphäre geschleudert. Und dann breitete sich eine atomare Wolke über weiten Teilen Europas aus. Auch in Deutschland war plötzlich alles Schöne und Gesunde gefährlich: die frische Luft, die grünen Wiesen, die Milch. Überall war Radioaktivität messbar.

Niemals werden die Folgen dieser atomaren Katastrophe verschwinden – vor allem nicht in den Ländern in der Nähe von Tschernobyl. Viele Kirchengemeinden und Vereine leisten wertvolle Hilfe in Form von Hilfstransporten in die betroffenen Gebiete. Auch in Deutschland sind in manchen Gebieten selbst heute – nach 29 Jahren! – immer noch radioaktive Teilchen in Waldböden nachweisbar.

Ungeahnte Risiken und unkalkulierbare Folgen – beides bleibt auch heute jenseits von Tschernobyl und Fukushima. Denn die Frage der Endlagerung der atomaren Abfallprodukte ist weiterhin ungeklärt. Vor allem, weil es dabei um Zeiträume geht, die die Möglichkeiten menschlicher Planung übersteigen. – „Wohlauf, lasst uns einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen“ (1. Mose, 11,4). Hätten die Babylonier vor ca. 5.000 Jahren statt des berühmten Turms zu Babel ein AKW gebaut und nur vier Jahre lang betrieben, dann hätten sie vier Jahre lang Freude an ihrer Energie gehabt – und uns Atommüll hinterlassen, der heute immer noch strahlen würde. Das könnte am Gedenktag zum Weiterdenken anregen.

Di. 14.04.15
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am…
Susanne Briese
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945

„Christus hat sein Leben auf dieser Erde noch nicht zu Ende gebracht. Er lebt es weiter im Leben seiner Nachfolger.“ Ich lese daraus: Nicht, was ich will oder für richtig halte, ist letztlich entscheidend, sondern das, worin Gottes Wille sich zeigt, soll die Leitlinie für mein christliches Entscheiden und Handeln sein. Das ist ein deutlicher und klarer Aufruf, die kritische Kraft des Evangeliums mutig in die gegenwärtige Zeit einzutragen.

Darin drückt sich die Haltung aus, die hinter der Ethik Dietrich Bonhoeffers steht. Vor zwei Tagen jährte sich sein Todestag, der 9. April 1945. Kurz vor Ende des Krieges wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Dietrich Bonhoeffer hat deutliche Spuren hinterlassen. Er hätte in seinem Leben die Möglichkeit gehabt, nach persönlichen Interessen zu entscheiden, um sich selbst zu schützen. Er hätte schweigen oder fliehen, sich heraus halten können aus dem eskalierenden Wahnsinn des Nationalsozialismus. Stattdessen hielt er mutig stand bis zuletzt, getragen vom Gottvertrauen und Gehorsam gegenüber Gottes Willen.

Das ist beeindruckend. Diese Kraft und dieses Vertrauen wünsche ich mir auch für unsere Zeit. 70 Jahre sind seit seinem Tod vergangen, doch haben seine Einsichten nicht an Bedeutung verloren. Auch und vielleicht gerade heute ruft sein Erbe dazu auf, angesichts von Gewalt und Unterdrückung für Menschenrechte und Menschenwürde einzutreten. Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt der schreckliche Brandanschlag auf die für die Ankunft von Flüchtlingen vorbereitete Unterkunft in Tröglitz am vergangenen Wochenende.

KONTAKT

Susanne Briese

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Susanne
Briese
Superintendentin
Goethestraße 20
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 630 39 10
Fax: 
(04261) 630 39 19
Do. 09.04.15
Tiefer Abgrund
Roger Moch
Tiefer Abgrund

Es ist viel gesagt und geschrieben worden in den letzten Tagen über den Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. Die Katastrophe lässt einen bis jetzt nicht los und je nach persönlicher Betroffenheit wird sie einige Menschen nie loslassen.

Abstürze in einen tiefen Abgrund können jeden Menschen treffen. Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Man bekommt vor Entsetzen keinen Laut mehr heraus.

Wahrscheinlich ging es den Passagieren wie auch der Besatzung so und nun den Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes. Völlig sprachlos und unerträglich traurig sein.

Jeder reagiert da unterschiedlich. Manche weinen und schreien und sind aufgebracht. Andere sacken in sich zusammen, ziehen sich zurück, sind wie versteinert und schotten sich von der Außenwelt völlig ab.

Da kann man froh sein, wenn es Menschen gibt, die einem zur Seite stehen. Die einfach da sind und die einen festhalten, wenn man ins Bodenlose fällt. Menschen, die bereit stehen und Acht geben, wann ihre Hilfe gefragt ist. Die klar sehen, wie gehandelt werden muss und dann machen, was nötig ist. Verwandte und Freunde und Nachbarn können das sein. Lehrer oder Mitschüler, die sich in den Arm nehmen und ertragen, dass der andere weint und sie nicht wirklich helfen können. Dem Co-Piloten der Maschine mit der Flugnummer 4U9525 fehlten möglicherweise solche Menschen, oder sie haben es nicht bemerkt, was mit ihm los war, weil er sich gut hinter sich selbst verstecken konnte.

Es gibt so Tage und Wochen, wo man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Christen denken jedes Jahr besonders vor Ostern daran. Nicht, weil sie es sich gerne kompliziert machen und sich gerne mit dunklen Phantasien herumplagen. Nein, die Welt wird eben manchmal so dunkel, dass Nichts mehr zu sehen ist. Wie damals, als Jesus hingerichtet worden war. Das haben seine Freunde auch kaum ausgehalten. Ein Teil ist kopflos weggelaufen, andere haben sich versteckt.

Später haben sie gespürt, dass Gott Jesus nicht seinem Schicksal überlassen hat. Wir Christen glauben, dass Gott uns auch in schweren Situationen nicht alleine lässt. So kann das Leben auch neu beginnen.

Es ist aber nicht immer einfach, so zu glauben. Gerade nicht, wenn alles in Trümmer gefallen ist. Ich hoffe, es kann den Schmerz der Angehörigen ein wenig lindern, wenn sie bemerken, wie viele Menschen in der ganzen Welt Anteil an ihrem Zustand nehmen. Auch wenn immer noch viele Fragen offen sind.

 

 

KONTAKT

Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Stühkamp 20
27386
Westerwalsede
Tel.: 
(04269) 1899
Mo. 30.03.15
HERR, wohin sollen wir gehen?
Karin Klement
HERR, wohin sollen wir gehen?

HERR, wohin sollen wir gehen? Fassungslos, erschrocken bis tief in die Seele. Unlösbare Fragen blitzen auf: Warum? Was nun? Die Bilder des völlig zerschmetterten Flugzeuges in den französischen Südalpen und alles, was darauf folgte, erschüttern uns noch immer. Der Schmerz frisst Löcher in die Herzen. Politiker, Leitungskräfte ringen um tröstende Worte. Ärzte, Psychologen, Notfallseelsorger begleiten Angehörige und Freunde. Das Leid bewegt unzählige Menschen weltweit. Sie suchen Wege zueinander, suchen Wege zum Verstehen, was da geschehen ist. Bis heute lassen sich vermutlich keine zufriedenstellenden Antworten finden, auch wenn wir sie dringend brauchen.HERR, wohin sollen wir gehen? Die Angehörigen der Opfer reisten, so schnell es ging, in die Nähe des Unglücksortes. Mit eigenen Augen sehen; den geliebten Kindern, Angehörigen, Freunden so nahe sein wie möglich. Die Menschen im kleinen Ort Seyne-les-Alpes öffneten ihre Kirchen, ihre Häuser, boten Schutzräume für die verwundeten, fassungslosen Herzen. Anteil nehmen am Erschrecken und Trauern. Den Schmerz zwar nicht aufheben können, aber mittragen, nachempfinden. Und da sein! Das ist unsere Aufgabe als Mitmenschen – und als Christen ganz besonders.HERR, wohin sollen wir gehen? Auf diesem öffentlich sichtbaren Kreuzweg laufen Menschen sich Fuß und Herzen wund. Aber sie weichen nicht aus; sie stellen sich den Fragen, helfen mit ihren Möglichkeiten, unterstützen, tragen, organisieren und informieren, suchen gemeinsam Antworten. Sie nehmen in die Arme, setzen sich zusammen, hören zu, beten. Menschen achten auf einander. Sie lassen die Betroffenen nicht allein. Mit unserer kleinen Kraft gehen wir Schritt für Schritt durch das Erschrecken und die Dunkelheit. Wir wissen nicht, wo wir ankommen werden, wenn der Tag sich neigt. Aber wir glauben fest, dass Ostern uns bevorsteht.Denn: HERR, Du hast Worte des ewigen Lebens. (Joh 6,68)

KONTAKT

Karin Klement

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Karin
Klement
Pastorin
Große Str. 8a
27374
Visselhövede
Tel.: 
(04262) 2824
Mo. 23.03.15
Was willst'n da in der Kirche?!
Yorick Schulz-Wacker…
Was willst'n da in der Kirche?!

Ich kann die Skeptiker meist gut verstehen. Schließlich ist oft nichts Gutes zu hören, wenn es um das Thema Religion geht: Sei es die brutale Gewalttat im Namen Gottes, die diskriminierende Äußerung einer vermeintlich frommen Autorität oder der fanatische Protest einer religiös empörten Masse – wie oft hören wir „Religion“ und denken in einem Atemzug: „Nicht schon wieder!“?

Seit etwa einem Jahr bin ich in einer Kirchengemeinde als Vikar tätig. Dort habe ich es mit Menschen zu tun, über die ich nur staunen kann – engagierte, offenherzige, liebevolle Menschen, die ihre Zeit und Kraft für ihre Mitmenschen einsetzen: „Was können wir tun, um zu helfen?“, fragen sie und bilden einen Besuchskreis, der es sich zur Aufgabe macht, Zeit mit alten, einsamen und kranken Menschen zu verbringen. Andere überlegen sich, wie sie Flüchtlinge in unserer Mitte willkommen heißen können. Wieder andere spenden mit geradezu beschämender Großzügigkeit von ihrem hart erarbeiteten Lohn oder von ihrer Rente für gute Zwecke. Auch das ist Religion. Das ist Kirche – zumindest so, wie ich sie erlebe. Darüber wird nur nicht so viel berichtet. Die Schreihälse und Selbstdarsteller werden sich immer wieder Gehör verschaffen und die Machtgierigen und Aggressiven werden nicht aufhören, Religion für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Ich sehe aber auch, wie der Glaube an einen Gott der Liebe Menschen gerade im Kleinen und Verborgenen dazu animiert, diese Liebe als ein Licht in die dunklen Ecken unserer Welt zu tragen, dorthin wo es an Liebe und Fürsorge mangelt. Das macht mir Hoffnung für diese Welt, die oft so düster und gebrochen wirkt. „Was willst'n da in der Kirche?“ Genau das!

 

KONTAKT

Yorick Schulz-Wackerbarth

Yorick
Schulz-Wackerbarth
Vikar in der Kirchengemeinde Fintel
Mo. 16.03.15
Unbequemer Denker
Roger Moch
Unbequemer Denker

Die eigene Meinung sagen und dabei bleiben, das ist nicht so einfach. Schafft das jemand, bekommt er große Bestätigung. Wenn man allerdings eine andere Meinung hat als die Mehrheit, dann wird man leicht Weltverbesserer oder Nörgler genannt. Und wenn man dann noch seinen Glauben an Gott als Begründung nennt, dann sagt man, das ist aber ein Besserwisser. Und auf vermeintliche Besserwisser, Störenfriede und Moralapostel hört niemand gerne.

So ist es wahrscheinlich vor über zweieinhalb tausend Jahren auch dem Propheten Jeremia gegangen. Er hat die soziale Ungerechtigkeit angeklagt und die religiöse und moralische Ratlosigkeit der Menschen. Alle suchen sich das aus, was für sie gerade passt. Aber die Gebote Gottes, die haben sie vergessen, hat er sich aufgeregt. Für diese Meinung haben die Leute Jeremia beleidigt und ausgelacht. „Des Herrn Wort bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn" (Jer 20,8) hat sich Jeremia geärgert. „Alle meine Bekannten warnen mich und warten darauf, dass ich stürze", notierte er. Aber wenn ich mir vornehme, nicht mehr zu sagen, was ich glaube und wie ich die Lage im Land sehe, dann brennt es in meinem Herzen wie Feuer. Ich sage einfach das, was ich für richtig halte.


Mich erschreckt, dass freie Meinungsäußerung und Anklage von sozialen Missständen auch heute nicht überall auf der Welt möglich ist. Ich denke da z.B. an den vor zwei Wochen ermordeten russischen Kreml-Kritiker Boris Nemzow, der auch sagte, was er dachte und an Ai Weiwei, der die Verstöße gegen die Menschenrechte in China kritisiert, die wirtschaftliche Ausbeutung der Menschen und die Umweltzerstörung und dafür inhaftiert wurde.

Eigentlich ging es ja auch Jesus nicht anders. Zu seinen bissigsten Gegnern zählten von Beginn an große Teile der Schriftgelehrten und Pharisäer. Das war die theologische Elite im damaligen Israel. Die haben dabei nicht nur Anstoß an seiner fehlenden theologischen Ausbildung genommen. Besonders hat sie genervt, wie dieser einfache Zimmermannssohn den Menschen die Vergebung ihrer Schuld zusprach. Das war für sie Gotteslästerung. Wahrscheinlich haben gerade die entschiedensten Gegner am ehesten verstanden, wie Jesus seine Sendung als Gesalbter Gottes (hebr. Messias, griech. Christus) verstand. Doch weil sie dies nicht akzeptieren konnten und wollten, arbeiteten sie planmäßig an seiner Verurteilung zum Tod.

KONTAKT

Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Stühkamp 20
27386
Westerwalsede
Tel.: 
(04269) 1899
Mo. 09.03.15
König von Deutschland
Peter Handrich
König von Deutschland

Nach einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besitzt ein Prozent der Menschen in Deutschland rund ein Drittel des vorhandenen Privatvermögens. Tendenz steigend. Zugleich ist der der Anteil der Menschen in Deutschland, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, gerade auf 15,5 Prozent gestiegen – das sind 12,5 Millionen Menschen.

Wer das für verrückt hält, muss entweder ein unverbesserlicher Sozialist oder ein durchgeknallter Christ sein, der noch glaubt, in einer Gesellschaft wie der unseren müsse sich doch gegenseitig geholfen werden. Stattdessen sind wir eine Gesellschaft, in der wir stolz darauf sind, dem Finanzamt vollkommen legal ein Schnippchen geschlagen zu haben oder unser Geld ganz illegal nach Luxemburg geschmuggelt zu haben – anscheinend mit der systematischen Hilfe von Banken, die wir Nichtschmuggler noch vor wenigen Jahren vor dem Bankrott retten mussten.

Natürlich, wenn ich König von Deutschland wäre, würde ich das alles ändern. Bei mir gäbe es für alle Menschen ein durch Finanztransaktionssteuern finanziertes Bürgergeld, ein Grundgehalt ohne Vorbedingungen, und keiner müsste mehr arm sein (nur wer will, dürfte weiterhin reich sein).

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich König von Deutschland werde, ist gering. Deshalb wird aus dem Bürgergeld wohl nicht so schnell etwas werden – obwohl man es tatsächlich rechnen kann.

Inzwischen kann ich Ihnen nur raten: Gucken Sie hin. Armut ist überall. Geben Sie Geld weg, kaufen Sie Zeitungen von Wohnungslosen, sehen Sie Betteln nicht nur als schmutziges Geschäft. Lassen Sie sich notfalls über den Tisch ziehen, einmal behumst ist immer besser als nie etwas getan zu haben. Unterstützen Sie gute Projekte mit Ihrer Zeit oder Ihrem Geld.

KONTAKT

Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 920889
Mo. 02.03.15
Was hat uns das gebracht?
Was hat uns das gebracht?

Konfirmandenunterricht. Thema: Der Gottesdienst. „Was bringt mir denn ein Gottesdienst?“, fragt ein Junge und verschränkt die Arme vor der Brust. „Da passiert doch nichts!“ – Wir probieren es aus und gehen in die Kirche. Am Eingang bekommt jeder einen kleinen Zettel. Alle werden aufgefordert, aufzuschreiben, was sie gerade beschäftigt. Sorgen? Ängste? – Weiter geht’s ins Kirchenschiff. Auf dem Boden liegen verteilt viele bunte Papierstreifen mit Bibelversen. Alle dürfen sich einen aussuchen, der gefällt, der gerade anspricht. Bibelvers und „Sorgenzettel“ wandern in die Hosentasche. – Weiter geht’s in den Altarraum. Bei Saft und Gummibärchen tauschen sich die Jugendlichen aus: Welchen Bibelvers habe ich mir ausgesucht. Ein Mädchen liest vor: „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde (Ps 62,3).“ Warum gerade den? Es wird geredet. – Am Ausgang bilden alle einen Kreis, fassen sich an den Händen. Eine Mitarbeiterin spricht ein Segenswort: Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mir die Hände reicht. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mit mir Wege geht. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsere Liebe. Wir verlassen die Kirche. Einige kichern. Einige sind ganz leise. – Zurück im Gemeindehaus. „Sollen wir jetzt sagen, was uns das gebracht hat?“, fragt ein Junge. Er zieht die Augenbrauen hoch und steckt die Hände in die Hosentaschen. „Oh, was ist das denn?“ Er zieht die Hand aus der Tasche und faltet den Sorgenzettel auseinander. „Komisch“, sagt er, „den hatte ich ganz vergessen.“

Ina Jäckel, Pastorin, Brockel

 

 

Mo. 09.02.15
Heinrich Albertz - ein Vorbild
Matthias Richter
Heinrich Albertz - ein Vorbild

Vor wenigen Tagen und hundert Jahren ist er geboren: Heinrich Albertz, der Herzblut-Pastor, der als Seiteneinsteiger in die Politik kam, von Willy Brandt nach Berlin geholt wurde und dort in bewegten Zeiten sein Nachfolger als Regierender Bürgermeister wurde. Von diesem Amt trat er zurück, weil er Verantwortung für den Tod eines Studenten übernahm, der von einem „seiner“ Polizisten erschossen wurde. Und wurde wieder einfacher Pastor, draußen in einem Vorort. Als solcher stellte er sich als Geisel zur Verfügung, damit ein von Terroristen entführter CDU-Politiker freikommt. Und mischte sich ein, besonders in der Friedensbewegung. Unvergessen sind mir als Jugendlicher seine Auftritte auf den Evangelischen Kirchentagen: Messehallen voller Menschen, die meisten davon jung, hingen dem alten Mann an den Lippen, wenn er von der Bekennenden Kirche, der Studentenbewegung und den Wegen und Brüchen seines Lebens erzählte. Mucksmäuschenstill war es da, weil man merkte: Der ist echt. Das ist ja auch selten, dass jemand zugibt: „Ich war am schwächsten, als ich mich am stärksten gefühlt habe.“ Das Geheimnis seines Lebens war für ihn ganz altmodisch das Erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott“. Mir klingt es noch im Ohr wie er erklärte: Wenn Du das ernst nimmst, brauchst Du keine Angst zu haben vor den vielen, die sich hier zu Göttern aufspielen, dich bestimmen wollen, dich beurteilen. Diese Bindung an Gott ist es, die eine Freiheit schafft, den Mund aufzumachen, sich einzusetzen – aber eben auch eigene Fehler einzugestehen. Immer wieder schärfte er seinen Zuhörern auch ein: Habt keine Angst zu einer Minderheit zu gehören. Wenn etwas gesagt werden muss um der Wahrheit, der Schwachen und des Friedens Willen, dann muss es raus, auch wenn die Stammtische und der Mainstream entgegenwehen. Da ist es auch egal, was dein Nachbar denken könnte.

Zum Glück mischen sich auch heute viele ein und machen den Mund dafür auf, dass nach der deutschen Verfassungsordnung die Würde des Menschen unantastbar ist - und nicht nur die Würde der Deutschen. Und dass Frieden und Gerechtigkeit für alle dazugehören. Vielleicht ist aber die Erinnerung an den Hundertjährigen eine Ermutigung, eben darin nicht nachzulassen.

 

KONTAKT

Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 26.01.15
Richtig verbunden?
Frank Hasselberg
Richtig verbunden?

„Liebling, du sollst mich doch nicht immer anrufen. Ja, ich bin auch schon ganz wild auf dich. Nein, nicht jetzt. Heute Abend, ich kann jetzt nicht…“ Ein Handy-Gespräch, kürzlich belauscht im Supermarkt, aus Gründen der Jugendfreiheit leicht verändert. Unglaublich, was man sich heutzutage so alles anhören muss. Früher war telefonieren eine Privatsache, die Tür der Telefonzelle wurde sorgsam geschlossen. Heute wird alles öffentlich verhandelt, von Gesundheitsproblemen bis zu Verabredungen. Ehrlich, es gibt Gespräche, auf die hätte ich liebend gern verzichtet; leider habe ich ein gutes Gehör. Aber die meisten Leute reden eh so laut, dass sie mühelos auch ohne Handy größere Distanzen überbrücken können.

Auch wenn unsere Jugendlichen sich das nicht vorstellen können: Es gab ein Leben vor dem Handy. Und das war gar nicht mal so schlecht. Man soll sich nicht so wichtig nehmen, niemand muss jederzeit und überall erreichbar sein. Jetzt ging sogar bei einer Trauerfeier in der Friedhofskapelle solch ein Ding los.

Der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf macht sein Handy nur in Notfällen an. Er sagt: „Ich halte es für einen unschätzbaren Wert, in Ruhe nachdenken zu können… Ich genieße es, im Moment zu sein, bei mir, meinen Gedanken und den Leuten um mich herum. Da würde so ein Handyklingeln doch nur stören.“ Wie wahr. Unsere Zeit ist hektisch genug, darum verzichte ich persönlich auch auf diese technische „Errungenschaft“. Und lebe gut damit!

Kennen Sie den alten Schlager: „Wähle 333 auf dem Telefon“? Mein Vorschlag: Schlag nach bei Jeremia 33,3. Da sagt Gott nämlich: „Rufe mich an, so will ich dir antworten.“ Das könnte mal ein wirklich sinnvolles und nützliches Gespräch sein. Ohne Karte und Gebühr. Prepaid von Jesus Christus.

KONTAKT

Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 12.01.15
Einander annehmen
Einander annehmen

In den achtziger Jahren war ich das erste Mal im Libanon und vor einigen Jahren in Israel und Palästina. Ich war beeindruckt und beschämt von der Gastfreundschaft, die ich dort erlebt habe, beeindruckt, wie freundlich wir aufgenommen und bewirtet wurden, beschämt, als ich daran dachte, mit wie viel Misstrauen und Vorurteilen wir Menschen aus anderen Ländern begegnen. Sicherlich ist es ein Unterschied, ob ich im Urlaub in ein fremdes Land fahre oder flüchten muss, aber gerade Flüchtlinge, von denen wir kaum ahnen, was sie hinter sich haben, brauchen umso mehr Zuwendung und freundliche Aufnahme. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass Deutsche ihre Heimat verlassen mussten und darauf angewiesen waren, ein neues Zuhause zu finden.

Während ich diese Zeilen schreibe, sind in Scheeßel im Gemeindehaus der Lukas-Kirchengemeinde Menschen aller Nationalitäten zu einem „Café International“ eingeladen, sich kennen zu lernen auch über Sprach-, Kultur- und Religionsunterschiede hinweg.

Unterschiede verunsichern und machen vielleicht sogar Angst, aber statt die Angst zu schüren, lässt sie sich abbauen, wenn wir Möglichkeiten schaffen, uns zu begegnen, bereit sind, einander gelten zu lassen und zu unterstützen, auch wenn das nicht immer leicht ist.

Fremde aufzunehmen gehört zu den Werken der Barmherzigkeit, an denen wir gemessen werden, genau so wie: Hungrigen zu essen geben, Durstigen zu trinken geben, Nackte zu bekleiden, Kranke und Gefangene zu besuchen. Denn Jesus sagt: „Alles, was ihr für eines dieser meiner geringsten Geschwister getan habt, habt ihr für mich getan“. (Matthäus 25,40)

Mo. 05.01.15
Gute Vorsätze
Gute Vorsätze

Haben Sie um die Jahreswende herum auch gute Vorsätze gefasst? Diese Tage bringen es ja oft mit sich, dass man zurück schaut und Bilanz zieht. So kann man sich über Gelungenes im vergangenen Jahr freuen und auch über Entwicklungen nachdenken, die vielleicht anders verlaufen sind, als man es sich gewünscht hat. Da kommt in 365 Tagen doch so einiges zusammen.

Mancher Rückblick lädt auch dazu ein, sich ganz konkrete Veränderungen vorzunehmen. Viele Menschen fassen dann bestimmte Vorsätze. Im neuen Jahr werde ich dies oder das nicht mehr tun bzw. dies oder das besonders schwungvoll in Angriff nehmen… Doch das kennen vermutlich viele von Ihnen auch aus eigener Erfahrung: Mit den guten Vorsätzen ist das nicht so einfach. Sie sind irgendwie nicht sehr beständig und lösen sich oft ziemlich schnell auf.

 

Zur Jahreswende bekam ich von einer Freundin Post mit einem Gedicht, das zu diesem Thema passt:

 

Flügel möchte ich besitzen,

bis zum blauen Himmel dringen,

wo die schönen Sterne blitzen –

schöner Engel, schenk mir Schwingen.

Als der Engel mich vernommen,

griff er in die Silbertruhe –

und was habe ich bekommen?

Gute, feste Wanderschuhe! (Hedwig Diestel)

 

Bei der Umsetzung guter Vorsätze hätten wir gerne manchmal engelhafte Kräfte, damit wir Mühsames und Anstrengendes sozusagen überfliegen können. Dabei sind bei den alltäglichen Aufgaben feste Wanderschuhe oft sehr nützlich.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir uns mit stabilem Schuhwerk auf den Weg in das neue Jahr machen, verwurzelt und geerdet das anpacken, was getan werden muss – und dabei beflügelt und gestärkt sind von Gottes Nähe.

Fr. 02.01.15
Der rote Faden für´s neue Jahr
Frank Hasselberg
Der rote Faden für´s neue Jahr

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“, weiß der Volksmund. Dass das Wollen und das Vollbringen zweierlei Paar Schuhe sind, merkt mancher schon am Neujahrstag. Erich Kästner hat einmal folgenden „Spruch in der Silvesternacht“ geschrieben:

 

„Man soll das Jahr nicht mit Programmen

beladen wie ein krankes Pferd.

Wenn man es allzu sehr beschwert,

bricht es zu guter Letzt zusammen.

 

Je üppiger die Pläne blühen,

umso verzwickter wird die Tat.

Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,

und schließlich hat man den Salat!

 

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.

Es nützt nichts, und es schadet bloß,

sich tausend Dinge vorzunehmen.

Lasst das Programm!

Und bessert euch drauflos!“

 

Leichter gesagt als getan, oder? Statt guter Vorsätze aus der Silvesternacht einfach handeln. Klingt gut, wird meist aber auch in den Anfängen steckenbleiben. Also was tun? So weitermachen wie bisher?

Nur gut, dass wir nicht allein unterwegs sind. Gott geht unsere Wege mit. Das zu erkennen, ist manchmal gar nicht so leicht im Gewirr des Alltags. Aber vielleicht sehen wir unsere Tage nur von der verkehrten Seite an. Denn mit unserem Leben ist es wie mit einem geknüpften Teppich. Von unten betrachtet sieht man nur ein Durcheinander von bunten Fäden. Aber von der richtigen Seite gesehen, erkennt man sofort das Muster, die Ordnung, nach der das alles geknüpft und miteinander verbunden ist.

Gott ist der rote Faden, der unserem Leben Richtung und Ziel gibt. Er verlangt nicht mehr von uns, als wir leisten können. Wo wir uns selber überfordern, wo wir an unsern eigenen Ansprüchen und Vorsätzen scheitern, da gibt er uns Orientierung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes neues Jahr.

KONTAKT

Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 15.12.14
Mein Herz schlägt schneller als deins
Dr. Matthias Wilke
Mein Herz schlägt schneller als deins

Diese Feststellung kann verschiedene Ursachen haben: Zum einen eine biologische. Der, der das sagt, ist viel kleiner, jünger als der andere. Zum anderen eine psychologische. Es könnte sein, dass er einfach leichter zu begeistern ist. Denn, wissen wir alle, Freude (oder Angst) macht Herzrasen. Eine dritte Möglichkeit ist, er ist musikalisch ergriffen: „Mein Herz schlägt schneller als deins. Sie schlagen nicht mehr wie eins. Wir leuchten heller allein, vielleicht muss es so sein“.

Dieses Lied von Andreas Bourani lief gerade im Radio, als ich an der Ampel hielt und auf den Lippen im Rückspiegel im Wagen vor mir eben diese Zeilen meinte mitlesen zu können. Aber warum sangen diese Lippen so? Hatten sie sich vor kurzem von jemandem getrennt? Oder woran dachten sie? Mitten unter den Lichtern des Advent (und vor der Ampel) eine Denkpause. Wenn der, an den ich als Christ im Advent besonders denke, nicht geglaubt hätte, dass sein Leben heller leuchtete, wenn er allein weiterginge, wäre er bei seinem Vater als Zimmermann geblieben oder hätte er sich einfach nur einem anderen Prediger angeschlossen, von denen es damals so viele gab… Welche Worte würden mir dann, durch alle Beleuchtung hindurch, Hoffnung geben?

Die Ampel sprang auf Grün und der Wagen vor mir fuhr seiner Wege. Dankeschön und schade, denn gerade wollte ich innerlich zu predigen beginnen: „Sein Herz schlägt schneller als meins. Denn was ich kaum zu hoffen wage, war für ihn schon Gegenwart: ‘Blinde sehen und Lahme gehen, … Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt;’ und weil das kaum zu fassen ist, fügte er hinzu: ‘und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.’“ (Evangelium nach Matthäus 11,5-6).

KONTAKT

Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
Tel.: 
(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
Mo. 08.12.14
„Heute, Kinder, wird’s was geben …“
„Heute, Kinder, wird’s was geben …“

Eigentlich beginnt das Lied mit den Worten: „Morgen, Kinder, wird’s was geben, morgen werden wir uns freun …“ Und es ist auch kein Nikolauslied sondern ein Weihnachtslied. Trotzdem hoffe ich für alle kleinen und großen Kinder, dass es heute in den geputzten Schuhen was gegeben hat.

Am 6. Dezember pflegen wir diesen Brauch im Gedenken an den Heiligen Nikolaus. Im 4. Jahrhundert war er Bischof in Myra und hat sich offenbar immer wieder für andere eingesetzt und Gutes bewirkt. Über seine Taten erzählen eine Reihe von Legenden und zeichnen dabei das Bild eines mutigen Menschenfreundes. Er gibt von seinem Reichtum ab und trennt nicht zwischen sozialem Engagement und spirituellem Leben.

So berichtet eine Legende von einer großen Hungersnot in Myra. Da legte ein Schiff aus Ägypten im Hafen an, das voll beladen mit Korn war. Bischof Nikolaus bat den Kapitän, einen Teil des Korns auszuladen und so den Hungernden in Myra zu helfen. Doch der Kapitän sagte: „Das Getreide ist für den Kaiser in Konstantinopel bestimmt. Wenn auch nur ein Sack fehlt, werde ich hart bestraft.“ „Hab keine Angst“, sagte Nikolaus, „gib uns ruhig das Korn. Ich verspreche dir, es wird nichts fehlen, wenn du in Konstantinopel anlegst.“ Der Kapitän vertraute dem Bischof und ließ das Getreide abladen, das die Menschen in Myra brauchten. Als das Schiff später Konstantinopel erreichte, war die Ladung kein Gramm leichter geworden.

Eine andere Legende erzählt, wie der Bischof während einer Seereise einen Mann aus Seenot rettete. Danach forderte er die anderen Seeleute auf: „Vertraut auf Gott, so wie ich, sein Diener, auf ihn vertraue, und ihr werdet gerettet werden.“

Noch viele weitere Geschichten beschreiben eindrücklich dieses Lebensmotto von Bischof Nikolaus: Gott dienen und sich für Menschen einsetzen, die Unterstützung brauchen.

Lassen wir uns davon anstecken! Dann wird es bestimmt was geben!

Mo. 01.12.14
Nicht in Stimmung für Weihnachten
Matthias Richter
Nicht in Stimmung für Weihnachten

Immer in der Adventszeit erzählt meine Freundin in Berlin, dass sie überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten ist. Wahrscheinlich vergisst sie, dass sie das schon letztes Jahr erzählt hat. Mal sagt sie: „Wie soll man bei 13 Grad plus in Weihnachtsstimmung kommen!“ Dann denke ich: Wie sollen dann die Australier in Weihnachtsstimmung kommen? Ein anderes Mal sagt sie: „Das Geschiebe in der Stadt hat ja mit Weihnachtsstimmung überhaupt nichts zu tun! Außerdem ist in den Adventswochen im Büro immer viel zu tun. Wenn man es mit den Kollegen mal ein bisschen weihnachtlich machen möchte, sind stattdessen immer dringende Projekte zu bearbeiten. Und abends ist man dann ja auch nicht mehr in Stimmung.“ Wenn dann endlich wirklich Weihnachten ist, fährt sie zu ihren Eltern. Dann gibt es drei Tage lang Lebkuchen, Stollen, Gänsebraten und Marzipan. Wenn sie wiederkommt, sagt sie: „Für meine Eltern besteht Weihnachten wohl nur aus Essen, ich habe bestimmt drei Kilo zugenommen.“ Ich glaube, wenn der Alltag wieder beginnt, ist sie richtig froh, dass sie nun nicht mehr in Weihnachtstimmung kommen muss

Sie ist bestimmt nicht die einzige, die sich mit dem Gefühl herumschlägt: „Ich bin überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten!“ Was soll man so jemandem sagen?

Man muss wohl die Personen anschauen, die zu Weihnachten gehören. Maria soll einen Sohn gebären. Dafür ist sie nicht nur nicht in Stimmung, es ist nicht nur unpassend, sondern sogar völlig unmöglich. Joseph ist auch nicht darauf eingestellt nun Vater zu werden. Beide sind überhaupt nicht in Stimmung wegen einer Volkszählung nach Bethlehem zu reisen. Jesus kam zur Welt, aber hat ihn jemand gefragt, ob er in Stimmung war, Gottes Sohn zu werden? Die Hirten auf dem Feld wurden von den Engeln geradezu überrumpelt und ob Maria so kurz nach der Geburt schon in Stimmung für einen Besuch war, dürfen wir bezweifeln.

Also: Weihnachten kommt einem so richtig in die Quere. Es durchkreuzt alle Erwartungen. Aber Menschen lassen sich darauf ein. Maria bekommt ihr Kind. Joseph wird Vater. Hirten machen sich auf den Weg. Gott wird Mensch – wie Sie und ich und ist in all dem dabei, was wir erleben und manchmal auch erleiden.

Darauf warte ich ab sofort wieder in diesem Advent ganz bewusst. Und wundere mich dann und wann. Gott gefällt es, in unpassende Situationen zu kommen. Gott ist ein bisschen unhöflich: kommt, wann er will, einfach so. Unvermutet. Unerwartet. Und zum Glück ist es gar nicht wichtig, ob ich in Stimmung für ihn bin.

KONTAKT

Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 24.11.14
Trsot der Bäume
Frank Hasselberg
Trsot der Bäume

„Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Wie gut, dass sie am Sterben teilhaben!“

An diese Gedichtzeilen von Günther Eich denke ich, wenn ich in diesen Tagen durch den Wald oder unsere Straßen gehe. Den Trost der Bäume suchen Menschen seit alters. Bäume sind fest verwurzelt und recken sich doch zum Himmel. So werden sie zum Vorbild für Menschen in ihrer Sehnsucht nach einem Halt, der trägt, und in ihrer Hoffnung nach Gottes Himmel.

Günther Eich nennt einen anderen Grund des Trostes: Die Bäume haben teil am Sterben. Sie sterben nicht erst am Ende, sondern Jahr für Jahr. Im Herbst zieht der Baum seine Lebenskraft aus den Ästen und Zweigen zurück, und er erscheint nach außen tot. Doch im nächsten Frühjahr wird er wieder lebendig und grünt von neuem.

Welch ein Trost! Denn in meinem Leben geht es ähnlich zu. Da sind nicht nur die Zeiten des Wachsens und des Erfolgs. Ich muss Dinge loslassen, die mir lieb geworden sind. Ich muss von Menschen Abschied nehmen, die mich lange begleitet haben. Und manchmal spüre ich, dass ich mich verausgabt habe, dass ich mich zurückziehen muss, um neue Kräfte zu sammeln. An den Bäumen im Herbst sehe ich: Das Loslassen ist ein Teil des Lebens. Wenn ich das nicht könnte, würde sich meine Lebenskraft verlieren. Das Leben kann nur gelingen, wo Wachsen und Loslassen ihre Zeit haben.

Beides, das Werden und das Vergehen, ist gehalten von Gott. Darum vergleicht die Bibel Menschen, die sich ganz auf Gott verlassen können, mit Bäumen. Und Paul Gerhardt dichtet: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben“ (EG 503, 14). Stark in Gott verwurzelt, muss mir vor dem Sterben und Loslassen nicht bange sein.

KONTAKT

Frank Hasselberg

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor in der Markusgemeinde
Ernst-Dax-Straße 8
29640
Schneverdingen
Tel.: 
05193 4130
Mo. 10.11.14
Alte Zeiten
Martin Söffing
Alte Zeiten

In diesen Tagen wird viel erzählt und erinnert an eine gute, alte Zeit: an den Mauerfall vor 25 Jahren am 9.November 1989.

„Wir waren auf alles vorbereitet, nicht aber auf Kerzen und Choräle“, sagte damals ein Offizier der DDR-Armee. Gute alte Zeiten werden wieder lebendig. Zeiten, in denen durch Montagsgebete, die zu Montagsdemonstrationen wurden, eine friedliche Revolution möglich wurde.

Montagsdemonstrationen finden immer noch statt. Heute aber werden die Mahnwachen für Frieden und Gerechtigkeit missbraucht von gewalttätigen, antidemokratischen, menschenverachtenden Gruppierungen.

Da mischen sich alte Zeiten: die gute Zeit des 9. November 1989 und die abgrundböse Zeit des 9. November 1938.

Die alten, bösen Zeiten sind lebendiger als je zuvor.

Morgen beginnt die Ökumenische Friedensdekade 2014 unter dem Motto „Befreit zum Widerstehen“.

Wir sind aufgerufen, gegen Hass und Gewalt, gegen alle antidemokratischen Kräfte zu widerstehen und einzustehen für ein interkulturelles und interreligiöses demokratisches Zusammenleben.

In Flüchtlingsnetzwerken, durch das Engagement von Flüchtlingsbegleitern, durch Gebete für Frieden und Gerechtigkeit, mit Initiativen wie „Grenzen öffnen für Menschen – Grenzen schließen für Waffen“ wird der biblische Leitvers der Friedensdekade konkret: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Vor 25 Jahren hat dieser Geist die Kraft entfaltet, eine Mauer zu öffnen.

Heute brauchen wir ihn dringend, um die Mauern in den Herzen und Köpfen zu überwinden.

KONTAKT

Martin Söffing

Martin
Söffing
Pastor Klinikseelsorge AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM
Elise-Averdieck-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77 - 2003
Fax: 
(04261) 77 - 2029
Mobil: 
(0172) 8450895

Seiten