Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 27.07.15
Copy and paste
Pastorin Sabine Krüg…
Copy and paste

Seitdem ich mit dem Computer arbeite, ist das Leben um vieles leichter geworden. Ich mag mich gar nicht erinnern, wie ich damals im Studium noch mit Schreibmaschine und Tippex arbeiten musste. Und dann diese Erleichterungen! Fast automatisch werden heute die Tasten für copy and paste (kopieren und einfügen) genutzt, um fremde Texte oder Zitate in den eigenen Text zu kopieren.

Copy and paste sorgt aber gelegentlich auch für Ärger. Macht man diese fremden Texte zu seinem Eigentum, ohne sie als Zitate mit Anführungszeichen und Stellenangabe zu versehen, dann ist das geistiger Diebstahl. Ganze Doktortitel wurden so aberkannt, weil spitzfindige Prüfer den geistigen Dieben auf die Schliche kamen.

Copy und paste wird aber auch immer mehr zu einem Lebensstil. Es schockiert mich, wie viel in unserem Leben kopiert wird. Vielleicht aus Bequemlichkeit, Faulheit, Gleichgültigkeit oder auch Angst? Und der Ordner für unsere Lebenskopien ist groß. Meinungen und Ansichten anderer werden kopiert, weil es zu anstrengend ist, den eigenen Kopf zu bemühen. Neueste Modetrends kommen in den Schrank, ob sie nun gut an mir aussehen oder nicht, denn man möchte ja dazugehören. Junge Mädchen kopieren Körpermaße aus Model-Shows und hungern sich fast zu Tode, nur um irgendwelchen unverantwortlichen Schönheitsidealen nachzueifern.

Seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, ist gewiss nicht immer leicht. Den eigenen Weg zu finden, das ist manchmal auch steinig und schwer. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Im Kindermutmachlied heißt es: „Gott sagt zu Dir: Ich hab dich lieb. Ich wär so gern dein Freund.“ Wir haben jemanden an unserer Seite, der mit uns geht. Er hilft mir zu erkennen: Ich bin keine Kopie! Denn das ist mein Leben: niemand kann an meiner Stelle seine Risiken und seine Chancen aus Gottes Hand nehmen. Das ist mein Körper: ein Teil von Gottes Schöpfung, einzigartig und darum kostbar. Das bin ich: von Gott gewollt und bejaht, so wie ich bin.

 

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Pastorin Sabine Krüger

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Mo. 06.07.15
Reichtum und Armut
Reichtum und Armut

Morgens vor dem Aufstehen höre ich die Nachrichten und den Wetterbericht, um mich für meine Fahrradfahrt zur Arbeit entsprechend anzuziehen. Vor einiger Zeit hörte ich unter anderem, dass jemand sich für etwa 120 Millionen Euro ein Werk von Picasso ersteigert hat. Diese kurze, eher neben-sächliche Bemerkung hat mich nicht mehr losgelassen. So viel Geld! Was könnte damit zum Wohle der Allgemeinheit alles finanziert werden!

Der Kirchenkreis Rotenburg hat es geschafft, für ein selbst ausgewähltes Brot-für-die-Welt-Projekt zur Unterstützung von Bauern in den peruanischen Anden innerhalb von drei Jahren knapp 190 000 Euro aufzubringen. Eine stolze Leistung, finde ich. Aber was sind 190 Tausend Euro im Vergleich zu 120 Millionen! Dieses Beispiel macht deutlich, wie die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird. Immer weniger Menschen besitzen immer mehr. Das schürt auf der einen Seite die Ängste der Reichen, von ihrem Besitz etwas zu verlieren, und vergrößert auf der anderen Seite die Sorge derer, die wenig haben. Das schafft ein bedrohliches soziales Klima für unsere Zukunft und die unserer Kinder.

Schon vor einigen Jahren hat ein Wirtschaftswissenschaftler davon gesprochen, dass es an der Zeit ist, nicht nur eine Armutsgrenze festzusetzen, sondern auch über eine Reichtumsgrenze nachzudenken, vielleicht auch über eine Gehalts-Obergrenze.

Der Mensch braucht für ein menschenwürdiges Leben über die Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf, Bildung und Arbeit hinaus noch etwas, das sich nicht mit Geld bezahlen lässt. Er möchte sich selbst als wertvoll und wertgeschätzt erleben. In Jesu Nähe haben Menschen das erlebt. Jesus hat uns in seinem Doppelgebot der Liebe eine Anweisung für gelingendes Miteinander gegeben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen dienen Kräften“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ (Markus 12, 30f.) Das in mein Leben hineinzubuchstabieren ist sicherlich eine lebenslange Aufgabe. Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt und meinem Leben Sinn und Tiefe gibt – auch wenn ich mir keinen Picasso leisten kann und will.

Mo. 29.06.15
Schlaflos in Deutschland
Jutta Wendland-Park
Schlaflos in Deutschland

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht kennen einige von Ihnen den Film „Schlaflos in Seattle“. Er erzählt von einem Architekten, der nach dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn nach Seattle zieht, um Abstand zu gewinnen. Dort ruft sein Sohn bei einer Radiosendung an, weil er für seinen Vater eine neue Frau sucht. Die Radiomoderatorin betitelt das Gespräch mit dem Vater aufgrund dessen Schlaflosigkeit „Schlaflos in Seattle“.

Wie schön kann es ein, sich nach einem anstrengenden Tag ins Bett fallen zu lassen und Ruhe zu finden für Körper, Geist und Seele. Aber das gelingt nicht immer. Stattdessen kreisen die Gedanken im Kopf und an Schlaf ist nicht zu denken.

Vielleicht ergreifen Ängste von einem Menschen immer wieder Besitz, berufliche und persönliche Sorgen liegen bleischwer auf der Seele oder der Tod eines geliebten Menschen lässt die Welt aus den Fugen geraten. So vergeht Stunde um Stunde und die Nacht wird zum Tag.

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter Schlaflosigkeit. Laut Bericht einer Wochenzeitung wurden 2014 allein 18,7 Millionen Packungen von Beruhigungs- und Schlafmitteln in deutschen Apotheken verkauft. 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen kommen ohne diese Medikamente nicht durch die Nacht und oft auch nicht mehr durch den Tag.

Eine erschreckende Bilanz. Sie zeigt, wie belastet viele Menschen sind und wie wenig sie noch Ruhe im Alltag finden. Die Zahlen sind ein stummer Hilferuf und eine Anfrage an unsere Lebens- und Arbeitsweise. Schon die Bibel kennt die Unruhe der Menschen. Im Psalm 42 fragt der Beter: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“

Wir leben in einer lauten und hektischen Welt, in der zudem Arbeit und Freizeit oftmals verschmelzen. Doch jeder Mensch braucht Zeiten der Entschleunigung, in denen er alle Sorgen einmal vergessen und aufatmen kann. Er braucht Bedingungen, die ihm dies ermöglichen und Quellen der Kraft.

Der Glaube an Gott kann eine solche Kraftquelle sein. Er entbindet nicht von allen menschlichen Bemühungen, aber hilft, Ruhe zu finden.

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Jutta Wendland-Park

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke
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(0426) 920212
Fax: 
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Mo. 22.06.15
Was ist es uns wert?
Thomas Steinke
Was ist es uns wert?

Was ist es uns wert, dass unsere Kleinsten in den Kitas nicht nur verwahrt werden, sondern eine angemessene frühkindliche Erziehung und Bildung erhalten? Die Erzieherinnen und Erzieher haben in den vergangenen Wochen zurecht auf diesen Missstand aufmerksam gemacht: Die finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit entspricht nicht den gestiegenen Anforderungen und Erwartungen.

Was ist es uns wert, dass wir im Krankheitsfall oder im Alter eine zugewandte, liebevolle Pflege erfahren? Auch hier wird sich die Wertschätzung der Arbeit in den pflegenden Berufen deutlich erhöhen müssen, schon allein um den sich abzeichnenden Pflegenotstand abzufedern. Zudem zeigt die aktuelle Debatte um die Sterbehilfe, wie wichtig eine für alle zugängliche palliativ-medizinische Versorgung und Pflege ist.

Was ist es uns wert, dass wir guten Gewissens einschlafen können, weil unsere "Nachbarn" auch in Sicherheit und Freiheit sind und ein Dach über dem Kopf haben? Das Geschachere um die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge in den einzelnen EU-Staaten und was dabei herausgekommen ist, ist einfach nur beschämend: Was ist das für eine Wertegemeinschaft, in der wir in Europa leben?!

Diese Fragen machen deutlich: Wir müssen uns entscheiden, was für uns persönlich und für uns als Gesellschaft im Vordergrund steht - der finanzielle Profit oder der Mensch.

Als Christen berufen wir uns auf Jesus. Für ihn stand der Mensch im Mittelpunkt. Sein Einsatz galt gerade den Schwachen und Ausgegrenzten. Ein Wort von ihm finden wir im Wochenspruch der kommenden Woche: "Der Menschensohn - und damit meint Jesus sich selbst - ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." (Lukas 19,10) Wer von uns könnte nicht auch vom einen Augenblick auf den anderen zu den Schwachen gehören? Ich wünsche Ihnen und mir, dass Christus uns in seiner Nachfolge mehr und mehr verändert: Dann sind wir glücklich und gönnen dasselbe jedem anderen Menschen auch! Das sollte es uns wert sein, dass wir dafür auch bereit sind, zu teilen und Opfer zu bringen!

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Thomas Steinke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
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Pastor/-innen
Thomas
Steinke
Pastor
Rotenburger Str. 11
27389
Fintel
Tel.: 
04265/9540641
Di. 26.05.15
Herrlich unvollkommen
Frank Hasselberg
Herrlich unvollkommen

„Niemals könnte ich mich entschließen, einer Kirchengemeinde beizutreten. Keine von ihnen ist vollkommen“, sagte ein Zuhörer nach dem Vortrag eines bekannten Predigers. „Tja, mein lieber Freund“, antwortete dieser, „sollten Sie jemals eine vollkommene Kirche finden, so wird sie sich weigern, Sie aufzunehmen. Denn sobald Sie aufgenommen wären, würde sie aufhören, vollkommen zu sein.“

Wir feiern Pfingsten, gleich zwei Tage lang. Es ist der „Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes“ oder auch der „Geburtstag der Kirche.“ Also: herzlichen Glückwunsch, alte Dame! Als Geschenke bringen viele Menschen allerdings erstmal ihre hohen Erwartungen mit – so wie der Mann, von dem eben die Rede war. Sie muss – stellvertretend für alle – ein hohes Ideal erfüllen. Edel sei die Kirche, hilfreich und gut. Dabei kann niemand eine solche Messlatte erreichen. Eine vollkommene Kirche in einer unvollkommenen Welt – wie soll das gehen? Schließlich besteht sie aus Menschen wie du und ich – das ist ihr Problem, aber auch ihre Chance. Denn jeder von uns hat seine ganz persönlichen Stärken und Schwächen. Und genau die können wir in unsere Kirche einbringen, gleich zu welcher Gemeinde wir gehören. Fühlt sich nicht ein unvollkommener Mensch gerade in einer unvollkommenen Kirche zuhause? Ich lebe und arbeite jedenfalls gern in ihr, weil ich weiß: Ich bin willkommen so, wie ich bin. Was nicht heißt, dass ich nicht besser werden könnte.

Alle sind eingeladen, mitzuarbeiten, frischen, „pfingstlichen“ Wind hineinzubringen. Wer seine Zweifel an der Kirche hat, der möge Mutter Teresa hören. Auf die Frage eines Journalisten: „Was meinen Sie, was sich an der Kirche ändern sollte?“ antwortete sie: „Sie und ich!“ Ein frohes Pfingstfest!

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Frank Hasselberg

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Pastor/-innen
Frank
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Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
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Mo. 18.05.15
20:07 Uhr vor dem Fernseher
Dr. Matthias Wilke
20:07 Uhr vor dem Fernseher

Es ist kurz vor acht. Der Fernseher läuft. „… Licht“, sagt er in Gedanken verloren. Wartend sitzt er vor dem Apparat und erzählt sich gerade noch etwas, was er im Laufe seines langen Lebens erlebt hat, zählt leise Namen und Stationen von damals auf: der Krieg, Feinde und Freunde, dann die Familie. Es ist kurz vor acht. „Jetzt aber, jetzt ist Frieden“, sagt er nun lauter zu sich und fügt hinzu: „Gott sei Dank!“ Seine Hände legen sich wie von selbst ineinander, bevor seine Lippen sich an die Worte des 27. Psalms erinnern, den Psalm für den morgigen Sonntag: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil…“. Aus dem Fernseher dringt die allabendliche Melodie zu ihm durch, die ihn daran erinnert: 20.00 Uhr, Nachrichten. Gehorsam dem Ton folgend richtet er seinen Blick auf die Ereignisse der Welt. Aus dem „ich erzähle mir mein Leben“ wird für ihn um acht Uhr abends ein Zuschauen und Zuhören. Er schaut Nachrichten, sieht Bilder aus Nepal, vom Mittelmeer, aus Auschwitz und Israel – und hört zu. Dabei blickt er erst geradeaus auf die Bilder, dann hinunter auf seine noch gefalteten Hände. Es sind nur wenige Sekunden, um kurz nach acht Uhr abends, in denen dann das Folgende geschieht. In diesen wenigen Sekunden drückt er alles Dunkle, Unfassbare, Grausame, das er gerade gesehen hat, in seine betenden Hände. Nicht zu fest, liebevoll bittend. Gerade noch erinnerte er sich an Gottes Licht in seinem Leben – und er will, dass auch die Welt heller werde. Nur so ungefähr hat er den 27. Psalm noch im Ohr, aber das genügt ihm, um in diesem alten jüdischen Gebet Halt zu finden – um 20:07 Uhr vor dem Fernseher: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei uns gnädig und antworte uns!“

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Dr. Matthias Wilke

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Pastor/-innen
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Matthias
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Pastor
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Mo. 04.05.15
Singen macht glücklich
Haike Gleede
Singen macht glücklich

„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Diesem Vers aus Psalm 98 verdankt der heutige Sonntag seinen Namen: „Kantate“, das bedeutet: „Singt!“

 

Singen liegt in der Natur des Menschen. Schon seit Urzeiten drücken wir tiefe Emotionen wie Freude, Trauer, Liebe in Liedern aus. Die Sklaven in Amerika legten ihre Hoffnung auf Freiheit in die Gospels, die bis heute weltberühmt sind. In der Musik bringen wir zum Ausdruck, was wir nicht in Worte fassen können.

„Das Singen ist der Atem der Seele. Es kann unseren Körper aus jeglicher Erstarrung befreien und uns den Rhythmus des Lebens lehren ...“

In einer Studie wurde nachgewiesen, dass Menschen, die regelmäßig singen, gesünder und zufriedener sind. Sie haben mehr Selbstvertrauen, und sind belastbarer.

Und doch tun sich viele schwer, ihre Stimme erklingen zu lassen. Ärzte haben festgestellt, dass Kinder immer kürzere Stimmbänder haben, weil sie zu selten zum Singen ermuntert werden. Es ist einfacher mal eben den Kopfhörer ins Ohr zu stecken und die Profis singen zu lassen.

Der Widerspruch liegt auf der Hand: Einerseits verzeichnen Talentshows, in denen am Ende einer zum Star gekürt wird, hohe Einschaltquoten. Andererseits ist es nicht nur Jugendlichen peinlich, selber zu singen.

Ich finde das schade, denn Singen ist eine ursprüngliche Fähigkeit, die uns geschenkt ist, um unser Leben bewältigen zu können.

 

In der Bibel sind uns Lieder überliefert, die sind schon einige tausend Jahre alt. Die Psalmen haben Menschen durch alle Zeiten des Lebens getragen und bis heute finden wir darin Trost und Ermutigung. Musik geht zu Herzen und kommt vom Herzen. Ein Gottesdienst ohne Musik, ohne Gesang – undenkbar.

Ich freue mich, wenn Chöre die Gottesdienste zu einem lebendigen, fröhlichen Ereignis werden lassen. Ob Kirchenchor oder Band, ob Gitarre oder Orgel – ob Choral, Gospel oder moderne Kirchenmusik – Singen regt meinen Körper und meinen Geist an und gibt mir neue Lebenskraft.

Darum: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

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Haike Gleede

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Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
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Horstedt
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Mo. 27.04.15
Der Kühlturm zu Babel – äh, Deutschland
Der Kühlturm zu Babel – äh, Deutschland

Am 26. April 1986 ereignete sich ein schwerer Reaktorunfall im Block vier des Atomkraftwerks von Tschernobyl. Eine gewaltige Explosion war die Folge. Die radioaktiven Spaltprodukte, die aus der Kernschmelze austraten, wurden in die Atmosphäre geschleudert. Und dann breitete sich eine atomare Wolke über weiten Teilen Europas aus. Auch in Deutschland war plötzlich alles Schöne und Gesunde gefährlich: die frische Luft, die grünen Wiesen, die Milch. Überall war Radioaktivität messbar.

Niemals werden die Folgen dieser atomaren Katastrophe verschwinden – vor allem nicht in den Ländern in der Nähe von Tschernobyl. Viele Kirchengemeinden und Vereine leisten wertvolle Hilfe in Form von Hilfstransporten in die betroffenen Gebiete. Auch in Deutschland sind in manchen Gebieten selbst heute – nach 29 Jahren! – immer noch radioaktive Teilchen in Waldböden nachweisbar.

Ungeahnte Risiken und unkalkulierbare Folgen – beides bleibt auch heute jenseits von Tschernobyl und Fukushima. Denn die Frage der Endlagerung der atomaren Abfallprodukte ist weiterhin ungeklärt. Vor allem, weil es dabei um Zeiträume geht, die die Möglichkeiten menschlicher Planung übersteigen. – „Wohlauf, lasst uns einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen“ (1. Mose, 11,4). Hätten die Babylonier vor ca. 5.000 Jahren statt des berühmten Turms zu Babel ein AKW gebaut und nur vier Jahre lang betrieben, dann hätten sie vier Jahre lang Freude an ihrer Energie gehabt – und uns Atommüll hinterlassen, der heute immer noch strahlen würde. Das könnte am Gedenktag zum Weiterdenken anregen.

Di. 14.04.15
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am…
Susanne Briese
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945

„Christus hat sein Leben auf dieser Erde noch nicht zu Ende gebracht. Er lebt es weiter im Leben seiner Nachfolger.“ Ich lese daraus: Nicht, was ich will oder für richtig halte, ist letztlich entscheidend, sondern das, worin Gottes Wille sich zeigt, soll die Leitlinie für mein christliches Entscheiden und Handeln sein. Das ist ein deutlicher und klarer Aufruf, die kritische Kraft des Evangeliums mutig in die gegenwärtige Zeit einzutragen.

Darin drückt sich die Haltung aus, die hinter der Ethik Dietrich Bonhoeffers steht. Vor zwei Tagen jährte sich sein Todestag, der 9. April 1945. Kurz vor Ende des Krieges wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Dietrich Bonhoeffer hat deutliche Spuren hinterlassen. Er hätte in seinem Leben die Möglichkeit gehabt, nach persönlichen Interessen zu entscheiden, um sich selbst zu schützen. Er hätte schweigen oder fliehen, sich heraus halten können aus dem eskalierenden Wahnsinn des Nationalsozialismus. Stattdessen hielt er mutig stand bis zuletzt, getragen vom Gottvertrauen und Gehorsam gegenüber Gottes Willen.

Das ist beeindruckend. Diese Kraft und dieses Vertrauen wünsche ich mir auch für unsere Zeit. 70 Jahre sind seit seinem Tod vergangen, doch haben seine Einsichten nicht an Bedeutung verloren. Auch und vielleicht gerade heute ruft sein Erbe dazu auf, angesichts von Gewalt und Unterdrückung für Menschenrechte und Menschenwürde einzutreten. Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt der schreckliche Brandanschlag auf die für die Ankunft von Flüchtlingen vorbereitete Unterkunft in Tröglitz am vergangenen Wochenende.

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Susanne Briese

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Susanne
Briese
Superintendentin
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27356
Rotenburg
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Do. 09.04.15
Tiefer Abgrund
Roger Moch
Tiefer Abgrund

Es ist viel gesagt und geschrieben worden in den letzten Tagen über den Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. Die Katastrophe lässt einen bis jetzt nicht los und je nach persönlicher Betroffenheit wird sie einige Menschen nie loslassen.

Abstürze in einen tiefen Abgrund können jeden Menschen treffen. Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Man bekommt vor Entsetzen keinen Laut mehr heraus.

Wahrscheinlich ging es den Passagieren wie auch der Besatzung so und nun den Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes. Völlig sprachlos und unerträglich traurig sein.

Jeder reagiert da unterschiedlich. Manche weinen und schreien und sind aufgebracht. Andere sacken in sich zusammen, ziehen sich zurück, sind wie versteinert und schotten sich von der Außenwelt völlig ab.

Da kann man froh sein, wenn es Menschen gibt, die einem zur Seite stehen. Die einfach da sind und die einen festhalten, wenn man ins Bodenlose fällt. Menschen, die bereit stehen und Acht geben, wann ihre Hilfe gefragt ist. Die klar sehen, wie gehandelt werden muss und dann machen, was nötig ist. Verwandte und Freunde und Nachbarn können das sein. Lehrer oder Mitschüler, die sich in den Arm nehmen und ertragen, dass der andere weint und sie nicht wirklich helfen können. Dem Co-Piloten der Maschine mit der Flugnummer 4U9525 fehlten möglicherweise solche Menschen, oder sie haben es nicht bemerkt, was mit ihm los war, weil er sich gut hinter sich selbst verstecken konnte.

Es gibt so Tage und Wochen, wo man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Christen denken jedes Jahr besonders vor Ostern daran. Nicht, weil sie es sich gerne kompliziert machen und sich gerne mit dunklen Phantasien herumplagen. Nein, die Welt wird eben manchmal so dunkel, dass Nichts mehr zu sehen ist. Wie damals, als Jesus hingerichtet worden war. Das haben seine Freunde auch kaum ausgehalten. Ein Teil ist kopflos weggelaufen, andere haben sich versteckt.

Später haben sie gespürt, dass Gott Jesus nicht seinem Schicksal überlassen hat. Wir Christen glauben, dass Gott uns auch in schweren Situationen nicht alleine lässt. So kann das Leben auch neu beginnen.

Es ist aber nicht immer einfach, so zu glauben. Gerade nicht, wenn alles in Trümmer gefallen ist. Ich hoffe, es kann den Schmerz der Angehörigen ein wenig lindern, wenn sie bemerken, wie viele Menschen in der ganzen Welt Anteil an ihrem Zustand nehmen. Auch wenn immer noch viele Fragen offen sind.

 

 

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Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
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Tel.: 
(04269) 1899
Mo. 30.03.15
HERR, wohin sollen wir gehen?
Karin Klement
HERR, wohin sollen wir gehen?

HERR, wohin sollen wir gehen? Fassungslos, erschrocken bis tief in die Seele. Unlösbare Fragen blitzen auf: Warum? Was nun? Die Bilder des völlig zerschmetterten Flugzeuges in den französischen Südalpen und alles, was darauf folgte, erschüttern uns noch immer. Der Schmerz frisst Löcher in die Herzen. Politiker, Leitungskräfte ringen um tröstende Worte. Ärzte, Psychologen, Notfallseelsorger begleiten Angehörige und Freunde. Das Leid bewegt unzählige Menschen weltweit. Sie suchen Wege zueinander, suchen Wege zum Verstehen, was da geschehen ist. Bis heute lassen sich vermutlich keine zufriedenstellenden Antworten finden, auch wenn wir sie dringend brauchen.HERR, wohin sollen wir gehen? Die Angehörigen der Opfer reisten, so schnell es ging, in die Nähe des Unglücksortes. Mit eigenen Augen sehen; den geliebten Kindern, Angehörigen, Freunden so nahe sein wie möglich. Die Menschen im kleinen Ort Seyne-les-Alpes öffneten ihre Kirchen, ihre Häuser, boten Schutzräume für die verwundeten, fassungslosen Herzen. Anteil nehmen am Erschrecken und Trauern. Den Schmerz zwar nicht aufheben können, aber mittragen, nachempfinden. Und da sein! Das ist unsere Aufgabe als Mitmenschen – und als Christen ganz besonders.HERR, wohin sollen wir gehen? Auf diesem öffentlich sichtbaren Kreuzweg laufen Menschen sich Fuß und Herzen wund. Aber sie weichen nicht aus; sie stellen sich den Fragen, helfen mit ihren Möglichkeiten, unterstützen, tragen, organisieren und informieren, suchen gemeinsam Antworten. Sie nehmen in die Arme, setzen sich zusammen, hören zu, beten. Menschen achten auf einander. Sie lassen die Betroffenen nicht allein. Mit unserer kleinen Kraft gehen wir Schritt für Schritt durch das Erschrecken und die Dunkelheit. Wir wissen nicht, wo wir ankommen werden, wenn der Tag sich neigt. Aber wir glauben fest, dass Ostern uns bevorsteht.Denn: HERR, Du hast Worte des ewigen Lebens. (Joh 6,68)

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Karin Klement

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Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Karin
Klement
Pastorin
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Visselhövede
Tel.: 
(04262) 2824
Mo. 23.03.15
Was willst'n da in der Kirche?!
Yorick Schulz-Wacker…
Was willst'n da in der Kirche?!

Ich kann die Skeptiker meist gut verstehen. Schließlich ist oft nichts Gutes zu hören, wenn es um das Thema Religion geht: Sei es die brutale Gewalttat im Namen Gottes, die diskriminierende Äußerung einer vermeintlich frommen Autorität oder der fanatische Protest einer religiös empörten Masse – wie oft hören wir „Religion“ und denken in einem Atemzug: „Nicht schon wieder!“?

Seit etwa einem Jahr bin ich in einer Kirchengemeinde als Vikar tätig. Dort habe ich es mit Menschen zu tun, über die ich nur staunen kann – engagierte, offenherzige, liebevolle Menschen, die ihre Zeit und Kraft für ihre Mitmenschen einsetzen: „Was können wir tun, um zu helfen?“, fragen sie und bilden einen Besuchskreis, der es sich zur Aufgabe macht, Zeit mit alten, einsamen und kranken Menschen zu verbringen. Andere überlegen sich, wie sie Flüchtlinge in unserer Mitte willkommen heißen können. Wieder andere spenden mit geradezu beschämender Großzügigkeit von ihrem hart erarbeiteten Lohn oder von ihrer Rente für gute Zwecke. Auch das ist Religion. Das ist Kirche – zumindest so, wie ich sie erlebe. Darüber wird nur nicht so viel berichtet. Die Schreihälse und Selbstdarsteller werden sich immer wieder Gehör verschaffen und die Machtgierigen und Aggressiven werden nicht aufhören, Religion für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Ich sehe aber auch, wie der Glaube an einen Gott der Liebe Menschen gerade im Kleinen und Verborgenen dazu animiert, diese Liebe als ein Licht in die dunklen Ecken unserer Welt zu tragen, dorthin wo es an Liebe und Fürsorge mangelt. Das macht mir Hoffnung für diese Welt, die oft so düster und gebrochen wirkt. „Was willst'n da in der Kirche?“ Genau das!

 

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Yorick Schulz-Wackerbarth

Yorick
Schulz-Wackerbarth
Vikar in der Kirchengemeinde Fintel
Mo. 16.03.15
Unbequemer Denker
Roger Moch
Unbequemer Denker

Die eigene Meinung sagen und dabei bleiben, das ist nicht so einfach. Schafft das jemand, bekommt er große Bestätigung. Wenn man allerdings eine andere Meinung hat als die Mehrheit, dann wird man leicht Weltverbesserer oder Nörgler genannt. Und wenn man dann noch seinen Glauben an Gott als Begründung nennt, dann sagt man, das ist aber ein Besserwisser. Und auf vermeintliche Besserwisser, Störenfriede und Moralapostel hört niemand gerne.

So ist es wahrscheinlich vor über zweieinhalb tausend Jahren auch dem Propheten Jeremia gegangen. Er hat die soziale Ungerechtigkeit angeklagt und die religiöse und moralische Ratlosigkeit der Menschen. Alle suchen sich das aus, was für sie gerade passt. Aber die Gebote Gottes, die haben sie vergessen, hat er sich aufgeregt. Für diese Meinung haben die Leute Jeremia beleidigt und ausgelacht. „Des Herrn Wort bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn" (Jer 20,8) hat sich Jeremia geärgert. „Alle meine Bekannten warnen mich und warten darauf, dass ich stürze", notierte er. Aber wenn ich mir vornehme, nicht mehr zu sagen, was ich glaube und wie ich die Lage im Land sehe, dann brennt es in meinem Herzen wie Feuer. Ich sage einfach das, was ich für richtig halte.


Mich erschreckt, dass freie Meinungsäußerung und Anklage von sozialen Missständen auch heute nicht überall auf der Welt möglich ist. Ich denke da z.B. an den vor zwei Wochen ermordeten russischen Kreml-Kritiker Boris Nemzow, der auch sagte, was er dachte und an Ai Weiwei, der die Verstöße gegen die Menschenrechte in China kritisiert, die wirtschaftliche Ausbeutung der Menschen und die Umweltzerstörung und dafür inhaftiert wurde.

Eigentlich ging es ja auch Jesus nicht anders. Zu seinen bissigsten Gegnern zählten von Beginn an große Teile der Schriftgelehrten und Pharisäer. Das war die theologische Elite im damaligen Israel. Die haben dabei nicht nur Anstoß an seiner fehlenden theologischen Ausbildung genommen. Besonders hat sie genervt, wie dieser einfache Zimmermannssohn den Menschen die Vergebung ihrer Schuld zusprach. Das war für sie Gotteslästerung. Wahrscheinlich haben gerade die entschiedensten Gegner am ehesten verstanden, wie Jesus seine Sendung als Gesalbter Gottes (hebr. Messias, griech. Christus) verstand. Doch weil sie dies nicht akzeptieren konnten und wollten, arbeiteten sie planmäßig an seiner Verurteilung zum Tod.

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Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
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Roger
Moch
Schulpastor
Stühkamp 20
27386
Westerwalsede
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Mo. 09.03.15
König von Deutschland
Peter Handrich
König von Deutschland

Nach einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besitzt ein Prozent der Menschen in Deutschland rund ein Drittel des vorhandenen Privatvermögens. Tendenz steigend. Zugleich ist der der Anteil der Menschen in Deutschland, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, gerade auf 15,5 Prozent gestiegen – das sind 12,5 Millionen Menschen.

Wer das für verrückt hält, muss entweder ein unverbesserlicher Sozialist oder ein durchgeknallter Christ sein, der noch glaubt, in einer Gesellschaft wie der unseren müsse sich doch gegenseitig geholfen werden. Stattdessen sind wir eine Gesellschaft, in der wir stolz darauf sind, dem Finanzamt vollkommen legal ein Schnippchen geschlagen zu haben oder unser Geld ganz illegal nach Luxemburg geschmuggelt zu haben – anscheinend mit der systematischen Hilfe von Banken, die wir Nichtschmuggler noch vor wenigen Jahren vor dem Bankrott retten mussten.

Natürlich, wenn ich König von Deutschland wäre, würde ich das alles ändern. Bei mir gäbe es für alle Menschen ein durch Finanztransaktionssteuern finanziertes Bürgergeld, ein Grundgehalt ohne Vorbedingungen, und keiner müsste mehr arm sein (nur wer will, dürfte weiterhin reich sein).

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich König von Deutschland werde, ist gering. Deshalb wird aus dem Bürgergeld wohl nicht so schnell etwas werden – obwohl man es tatsächlich rechnen kann.

Inzwischen kann ich Ihnen nur raten: Gucken Sie hin. Armut ist überall. Geben Sie Geld weg, kaufen Sie Zeitungen von Wohnungslosen, sehen Sie Betteln nicht nur als schmutziges Geschäft. Lassen Sie sich notfalls über den Tisch ziehen, einmal behumst ist immer besser als nie etwas getan zu haben. Unterstützen Sie gute Projekte mit Ihrer Zeit oder Ihrem Geld.

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Peter Handrich

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Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
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Mo. 02.03.15
Was hat uns das gebracht?
Was hat uns das gebracht?

Konfirmandenunterricht. Thema: Der Gottesdienst. „Was bringt mir denn ein Gottesdienst?“, fragt ein Junge und verschränkt die Arme vor der Brust. „Da passiert doch nichts!“ – Wir probieren es aus und gehen in die Kirche. Am Eingang bekommt jeder einen kleinen Zettel. Alle werden aufgefordert, aufzuschreiben, was sie gerade beschäftigt. Sorgen? Ängste? – Weiter geht’s ins Kirchenschiff. Auf dem Boden liegen verteilt viele bunte Papierstreifen mit Bibelversen. Alle dürfen sich einen aussuchen, der gefällt, der gerade anspricht. Bibelvers und „Sorgenzettel“ wandern in die Hosentasche. – Weiter geht’s in den Altarraum. Bei Saft und Gummibärchen tauschen sich die Jugendlichen aus: Welchen Bibelvers habe ich mir ausgesucht. Ein Mädchen liest vor: „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde (Ps 62,3).“ Warum gerade den? Es wird geredet. – Am Ausgang bilden alle einen Kreis, fassen sich an den Händen. Eine Mitarbeiterin spricht ein Segenswort: Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mir die Hände reicht. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mit mir Wege geht. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsere Liebe. Wir verlassen die Kirche. Einige kichern. Einige sind ganz leise. – Zurück im Gemeindehaus. „Sollen wir jetzt sagen, was uns das gebracht hat?“, fragt ein Junge. Er zieht die Augenbrauen hoch und steckt die Hände in die Hosentaschen. „Oh, was ist das denn?“ Er zieht die Hand aus der Tasche und faltet den Sorgenzettel auseinander. „Komisch“, sagt er, „den hatte ich ganz vergessen.“

Ina Jäckel, Pastorin, Brockel

 

 

Mo. 09.02.15
Heinrich Albertz - ein Vorbild
Matthias Richter
Heinrich Albertz - ein Vorbild

Vor wenigen Tagen und hundert Jahren ist er geboren: Heinrich Albertz, der Herzblut-Pastor, der als Seiteneinsteiger in die Politik kam, von Willy Brandt nach Berlin geholt wurde und dort in bewegten Zeiten sein Nachfolger als Regierender Bürgermeister wurde. Von diesem Amt trat er zurück, weil er Verantwortung für den Tod eines Studenten übernahm, der von einem „seiner“ Polizisten erschossen wurde. Und wurde wieder einfacher Pastor, draußen in einem Vorort. Als solcher stellte er sich als Geisel zur Verfügung, damit ein von Terroristen entführter CDU-Politiker freikommt. Und mischte sich ein, besonders in der Friedensbewegung. Unvergessen sind mir als Jugendlicher seine Auftritte auf den Evangelischen Kirchentagen: Messehallen voller Menschen, die meisten davon jung, hingen dem alten Mann an den Lippen, wenn er von der Bekennenden Kirche, der Studentenbewegung und den Wegen und Brüchen seines Lebens erzählte. Mucksmäuschenstill war es da, weil man merkte: Der ist echt. Das ist ja auch selten, dass jemand zugibt: „Ich war am schwächsten, als ich mich am stärksten gefühlt habe.“ Das Geheimnis seines Lebens war für ihn ganz altmodisch das Erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott“. Mir klingt es noch im Ohr wie er erklärte: Wenn Du das ernst nimmst, brauchst Du keine Angst zu haben vor den vielen, die sich hier zu Göttern aufspielen, dich bestimmen wollen, dich beurteilen. Diese Bindung an Gott ist es, die eine Freiheit schafft, den Mund aufzumachen, sich einzusetzen – aber eben auch eigene Fehler einzugestehen. Immer wieder schärfte er seinen Zuhörern auch ein: Habt keine Angst zu einer Minderheit zu gehören. Wenn etwas gesagt werden muss um der Wahrheit, der Schwachen und des Friedens Willen, dann muss es raus, auch wenn die Stammtische und der Mainstream entgegenwehen. Da ist es auch egal, was dein Nachbar denken könnte.

Zum Glück mischen sich auch heute viele ein und machen den Mund dafür auf, dass nach der deutschen Verfassungsordnung die Würde des Menschen unantastbar ist - und nicht nur die Würde der Deutschen. Und dass Frieden und Gerechtigkeit für alle dazugehören. Vielleicht ist aber die Erinnerung an den Hundertjährigen eine Ermutigung, eben darin nicht nachzulassen.

 

KONTAKT

Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
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(04261) 77-0
Mo. 26.01.15
Richtig verbunden?
Frank Hasselberg
Richtig verbunden?

„Liebling, du sollst mich doch nicht immer anrufen. Ja, ich bin auch schon ganz wild auf dich. Nein, nicht jetzt. Heute Abend, ich kann jetzt nicht…“ Ein Handy-Gespräch, kürzlich belauscht im Supermarkt, aus Gründen der Jugendfreiheit leicht verändert. Unglaublich, was man sich heutzutage so alles anhören muss. Früher war telefonieren eine Privatsache, die Tür der Telefonzelle wurde sorgsam geschlossen. Heute wird alles öffentlich verhandelt, von Gesundheitsproblemen bis zu Verabredungen. Ehrlich, es gibt Gespräche, auf die hätte ich liebend gern verzichtet; leider habe ich ein gutes Gehör. Aber die meisten Leute reden eh so laut, dass sie mühelos auch ohne Handy größere Distanzen überbrücken können.

Auch wenn unsere Jugendlichen sich das nicht vorstellen können: Es gab ein Leben vor dem Handy. Und das war gar nicht mal so schlecht. Man soll sich nicht so wichtig nehmen, niemand muss jederzeit und überall erreichbar sein. Jetzt ging sogar bei einer Trauerfeier in der Friedhofskapelle solch ein Ding los.

Der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf macht sein Handy nur in Notfällen an. Er sagt: „Ich halte es für einen unschätzbaren Wert, in Ruhe nachdenken zu können… Ich genieße es, im Moment zu sein, bei mir, meinen Gedanken und den Leuten um mich herum. Da würde so ein Handyklingeln doch nur stören.“ Wie wahr. Unsere Zeit ist hektisch genug, darum verzichte ich persönlich auch auf diese technische „Errungenschaft“. Und lebe gut damit!

Kennen Sie den alten Schlager: „Wähle 333 auf dem Telefon“? Mein Vorschlag: Schlag nach bei Jeremia 33,3. Da sagt Gott nämlich: „Rufe mich an, so will ich dir antworten.“ Das könnte mal ein wirklich sinnvolles und nützliches Gespräch sein. Ohne Karte und Gebühr. Prepaid von Jesus Christus.

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 12.01.15
Einander annehmen
Einander annehmen

In den achtziger Jahren war ich das erste Mal im Libanon und vor einigen Jahren in Israel und Palästina. Ich war beeindruckt und beschämt von der Gastfreundschaft, die ich dort erlebt habe, beeindruckt, wie freundlich wir aufgenommen und bewirtet wurden, beschämt, als ich daran dachte, mit wie viel Misstrauen und Vorurteilen wir Menschen aus anderen Ländern begegnen. Sicherlich ist es ein Unterschied, ob ich im Urlaub in ein fremdes Land fahre oder flüchten muss, aber gerade Flüchtlinge, von denen wir kaum ahnen, was sie hinter sich haben, brauchen umso mehr Zuwendung und freundliche Aufnahme. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass Deutsche ihre Heimat verlassen mussten und darauf angewiesen waren, ein neues Zuhause zu finden.

Während ich diese Zeilen schreibe, sind in Scheeßel im Gemeindehaus der Lukas-Kirchengemeinde Menschen aller Nationalitäten zu einem „Café International“ eingeladen, sich kennen zu lernen auch über Sprach-, Kultur- und Religionsunterschiede hinweg.

Unterschiede verunsichern und machen vielleicht sogar Angst, aber statt die Angst zu schüren, lässt sie sich abbauen, wenn wir Möglichkeiten schaffen, uns zu begegnen, bereit sind, einander gelten zu lassen und zu unterstützen, auch wenn das nicht immer leicht ist.

Fremde aufzunehmen gehört zu den Werken der Barmherzigkeit, an denen wir gemessen werden, genau so wie: Hungrigen zu essen geben, Durstigen zu trinken geben, Nackte zu bekleiden, Kranke und Gefangene zu besuchen. Denn Jesus sagt: „Alles, was ihr für eines dieser meiner geringsten Geschwister getan habt, habt ihr für mich getan“. (Matthäus 25,40)

Mo. 05.01.15
Gute Vorsätze
Gute Vorsätze

Haben Sie um die Jahreswende herum auch gute Vorsätze gefasst? Diese Tage bringen es ja oft mit sich, dass man zurück schaut und Bilanz zieht. So kann man sich über Gelungenes im vergangenen Jahr freuen und auch über Entwicklungen nachdenken, die vielleicht anders verlaufen sind, als man es sich gewünscht hat. Da kommt in 365 Tagen doch so einiges zusammen.

Mancher Rückblick lädt auch dazu ein, sich ganz konkrete Veränderungen vorzunehmen. Viele Menschen fassen dann bestimmte Vorsätze. Im neuen Jahr werde ich dies oder das nicht mehr tun bzw. dies oder das besonders schwungvoll in Angriff nehmen… Doch das kennen vermutlich viele von Ihnen auch aus eigener Erfahrung: Mit den guten Vorsätzen ist das nicht so einfach. Sie sind irgendwie nicht sehr beständig und lösen sich oft ziemlich schnell auf.

 

Zur Jahreswende bekam ich von einer Freundin Post mit einem Gedicht, das zu diesem Thema passt:

 

Flügel möchte ich besitzen,

bis zum blauen Himmel dringen,

wo die schönen Sterne blitzen –

schöner Engel, schenk mir Schwingen.

Als der Engel mich vernommen,

griff er in die Silbertruhe –

und was habe ich bekommen?

Gute, feste Wanderschuhe! (Hedwig Diestel)

 

Bei der Umsetzung guter Vorsätze hätten wir gerne manchmal engelhafte Kräfte, damit wir Mühsames und Anstrengendes sozusagen überfliegen können. Dabei sind bei den alltäglichen Aufgaben feste Wanderschuhe oft sehr nützlich.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir uns mit stabilem Schuhwerk auf den Weg in das neue Jahr machen, verwurzelt und geerdet das anpacken, was getan werden muss – und dabei beflügelt und gestärkt sind von Gottes Nähe.

Fr. 02.01.15
Der rote Faden für´s neue Jahr
Frank Hasselberg
Der rote Faden für´s neue Jahr

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“, weiß der Volksmund. Dass das Wollen und das Vollbringen zweierlei Paar Schuhe sind, merkt mancher schon am Neujahrstag. Erich Kästner hat einmal folgenden „Spruch in der Silvesternacht“ geschrieben:

 

„Man soll das Jahr nicht mit Programmen

beladen wie ein krankes Pferd.

Wenn man es allzu sehr beschwert,

bricht es zu guter Letzt zusammen.

 

Je üppiger die Pläne blühen,

umso verzwickter wird die Tat.

Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,

und schließlich hat man den Salat!

 

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.

Es nützt nichts, und es schadet bloß,

sich tausend Dinge vorzunehmen.

Lasst das Programm!

Und bessert euch drauflos!“

 

Leichter gesagt als getan, oder? Statt guter Vorsätze aus der Silvesternacht einfach handeln. Klingt gut, wird meist aber auch in den Anfängen steckenbleiben. Also was tun? So weitermachen wie bisher?

Nur gut, dass wir nicht allein unterwegs sind. Gott geht unsere Wege mit. Das zu erkennen, ist manchmal gar nicht so leicht im Gewirr des Alltags. Aber vielleicht sehen wir unsere Tage nur von der verkehrten Seite an. Denn mit unserem Leben ist es wie mit einem geknüpften Teppich. Von unten betrachtet sieht man nur ein Durcheinander von bunten Fäden. Aber von der richtigen Seite gesehen, erkennt man sofort das Muster, die Ordnung, nach der das alles geknüpft und miteinander verbunden ist.

Gott ist der rote Faden, der unserem Leben Richtung und Ziel gibt. Er verlangt nicht mehr von uns, als wir leisten können. Wo wir uns selber überfordern, wo wir an unsern eigenen Ansprüchen und Vorsätzen scheitern, da gibt er uns Orientierung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes neues Jahr.

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Frank Hasselberg

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