Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Datum
Titel
Name
Mo. 06.10.14
Ja, ist denn schon Advent?
Frank Hasselberg
Ja, ist denn schon Advent?

„Frohe Weihnachten!“ wünschte ich der Verkäuferin im Supermarkt. Auf ihren fragenden Blick sagte ich nur: „Naja, Sie haben ja schon alles im Sortiment: Lebkuchen, Weihnachtsmänner, Spekulatius und Marzipan. Also dann ist es wohl bald soweit.“ Dass es noch Monate bis zur Adventszeit sind, war uns beiden klar. Aber in vielen Läden verschwimmen diese geprägten Jahreszeiten: Sobald Weihnachten vorbei ist, grinsen mich die Osterhasen an. Und ab Ende August schwitzen die Schoko-Nikoläuse in den Regalen. Nicht nur ich finde das ätzend: Laut einer aktuellen Umfrage fühlen sich 63 Prozent der Deutschen genervt von dieser vorzeitigen Invasion, viele fordern sogar eine gesetzliche Regelung. Sie fürchten um die Vorfreude und wissen nicht, wie sie ihren Kindern erklären sollen, dass es noch Monate hin ist bis zum Weihnachtsfest.

Da frage ich mich: Warum liegt denn das Zeug jetzt schon in den Läden? Bestimmen die 37 Prozent, die dieser Irrsinn offenbar nicht stört, was passiert? Oder konsumieren auch die anderen heimlich, was sie öffentlich nicht zugeben? Klar, der Käufer bestimmt, was angeboten wird; das ist unsere Marktwirtschaft. Deshalb wünschte ich mir, dass das Kaufverhalten tatsächlich den Gefühlen entspricht. Wenn niemand diesen ganzen Kram vor November kauft, verschwindet er ganz schnell aus den Regalen. Das ist das schlichte Gesetz von Angebot und Nachfrage. Unsere ehemalige Bischöfin Margot Käßmann hat dazu schon vor Jahren die Aktion ins Leben gerufen: „Advent ist im Dezember“. Was meistens ja auch stimmt. Soll heißen: Lasst diesen verfrühten Konsum-Quatsch, genießt die Zeit, die gerade da ist. Diesen Sonntag zum Beispiel feiern wir Erntedank. Lebkuchen und Co. wird man auf den Altären nicht entdecken. Dafür freue ich mich auf die festlich geschmückten Kirchen mit dem, was Feld und Garten hergeben, auf die Kürbisse, die Äpfel, Birnen und Nüsse. Sie auch? Einen schönen Sonntag wünsche ich!

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 06.10.14
Danke!
Peter Thom
Danke!

Im Urlaub waren wir Wandern in Tirol. Einmal gelangten wir nach mühsamem Aufstieg auf einen Bergsattel. Dort stand ein Kreuz mit einem Schriftzug: „Danke“. Einfach nur: „Danke“.

Wir wussten natürlich sofort, wofür wir zu danken hatten: Dass wir den Aufstieg geschafft hatten, dass wir zufrieden auf einen mühsamen Weg zurückschauen konnten und dass wir nun mit einer wunderbaren Aussicht auf die herrliche Bergwelt belohnt wurden. Natürlich waren wir noch nicht am Ziel, der Weg sollte weitergehen und uns neue Mühen auferlegen. Aber wir hatten etwas geschafft. Es tat gut, sich einen Augenblick der Rast und der Ruhe zu gönnen. Es fiel uns nicht schwer, danke zu sagen. „Danke, Gott, wie schön ist es hier in den Bergen und wie sind all deine Wunder so groß.“

Wofür können wir danken? Viele haben es erlebt: Ein mühsamer Weg liegt hinter ihnen. Es galt, den Acker oder den Garten zu bestellen und zur rechten Zeit das Richtige zu tun, bis jeweils Erntezeit ist. Auf diesem mühsamen Weg ist die Erntekrone ein eindeutiges Zeichen: Man kann einhalten, sich einen Augenblick der Rast und der Ruhe gönnen. Gewiss, der Weg geht weiter; neue Mühen und Plagen stehen bevor. Aber zwischendurch kann man stille werden und bedenken, was die Arbeit gebracht hat. Mancher rechnet in Doppelzentnern, andere in Litern oder Kilogramm. Manche hat die Einweckgläser mit Obst gezählt oder die Portionen tiefgefrorenen Gemüses. Und es tut gut, sich still daran zu freuen: „Ja, das habe ich geschafft! Danke, Gott, für alles, was ich geschafft habe!“

Dann ist es gut, wenn da ein eindeutiges Zeichen steht. Wie das Kreuz im Gebirge oder wie die Erntegaben beim Erntedankfest. Wir brauchen solche Zeichen, die uns zum Anhalten nötigen, damit wir uns einen Augenblick besinnen: Wofür habe ich zu danken?

Das wäre doch ein Thema für unsere Gespräche. Dann brauchten wir nicht über das Wetter zu reden. Wir müssten nicht schon wieder über alle unsere Krankheiten stöhnen oder über den Ärger mit dem lieben Nachbarn. Es würde so gut tun, mal über etwas ganz anderes zu reden: „Was habe ich geschafft? Was ist gut geworden? Wo habe ich Segen gespürt?“ Ich bin mir sicher: Da könnte jeder mitreden und jeder könnte danke sagen. Das wäre doch gut, nicht wahr?

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Peter Thom

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Kindergottestdienst
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Thom
Pastor
Lüdinger Str. 5
27374
Visselhövede
Tel.: 
(04260) 507
Mo. 29.09.14
Weit außerhalb von Qaqortoq
Peter Handrich
Weit außerhalb von Qaqortoq

Als sich nach den Bundestagswahlen 2025 die erste große Koalition zwischen AFD und der Neuen Allianz abzeichnete, dachten wir zum ersten Mal darüber nach, das Land zu verlassen. Geordnet. Gut vorbereitet. Aber meine Frau und ich hätten eine neue Sprache lernen müssen, hätten von den Verwandten und Freunden wegziehen müssen. Und so ließen wir es. Als 2028 Deutschland aus der Europäischen Union austrat, war es plötzlich zu spät dafür. Mit der Gehbehinderung meiner Frau, unserem Alter und der Tatsache, dass wir nicht reich waren, würde uns kein Land der Welt aufnehmen. Als 2030 das Gesetz zum eingeschränkten Wohnrecht behinderter Menschen rechtswirksam wurde, wussten wir plötzlich, dass wir Deutschland illegal verlassen mussten. Trotz der Effektivität der Polizei und der Tatsache, dass wir durch Internet und Smartphones zu gläsernen Menschen geworden waren, gelang es uns, den Kontakt mit einer Organisation herzustellen, die uns von Rerik aus über Ostsee, Nordsee und Atlantik nach Grönland bringen wollte. Es kostete uns 120.000 Neue Mark. Ein alter Fischtrawler wurde so voll mit Menschen geladen, wie es nur ging. An Schlafen war nicht zu denken, manchmal auch nicht an Sitzen. Aber Hauptsache raus aus diesem Land! Gegen unsere Befürchtungen kamen wir tatsächlich in Grönland an. Unser illegaler Landgang in der Nähe von Tasiilaq flog aber auf, und wir kamen in ein Lager weit außerhalb von Qaqortoq. Hier werden wir halbwegs gut verpflegt, haben nichts zu tun und dürfen nicht in die Stadt. Wir wohnen mit einem Ehepaar aus Berlin-Dahlem in einem Zimmer und gehen uns auf die Nerven. Wir wissen nicht, wie es weiter gehen wird. Gestern war „Tag des Flüchtlings“. Haben Sie an uns gedacht?

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 920889
Mo. 29.09.14
Nicht alleine sein
Matthias Richter
Nicht alleine sein

„Das Wichtigste ist ja, dass man nicht alleine ist. Haben Sie denn genug Personal?“ Der Mann, der so fragt, gehört zu den ersten Besuchern der neuen Palliativstation im Diakonieklinikum Rotenburg. Bei der Eröffnung am vergangenen Wochenende waren viele Besucher beeindruckt von den mit Bedacht gestalteten Räumen. Die Patientenzimmer, die Begegnungsbereiche und der Raum der Stille haben eine Atmosphäre, in der man sich geborgen fühlen kann. „Ist wirklich alles schön“, beharrt der Mann, „aber das Entscheidende sind die Menschen. Haben Sie genug?“ Und meine Antwort ist: Zum Glück nicht nur genug, sondern auch die Richtigen.

Der Betreuungsschlüssel auf einer Palliativstation ist etwas höher als in anderen Bereichen eines Krankenhauses. Das ist wichtig, weil es sich eben um schwerstkranke Patienten und ihre Angehörigen handelt. Aber die bloße Zahl der Schwestern, Pfleger und anderen Mitarbeiter macht es nicht. Auch die fachliche Qualifikation, die zu exzellenter Pflege befähigt, reicht alleine nicht aus. Sicher ist es wichtig, dass die Mitarbeiter dort besonders gut Bescheid wissen in Schmerztherapie und speziellen Ernährungsfragen. Genauso wichtig ist es aber, dass auf einer Palliativstation Menschen arbeiten, denen das Zu- und Hinhören besonders am Herzen liegen. Die auch traurige Geschichten aushalten und nicht reflexhaft sagen „Das wird schon wieder“. Die selbst von einer Hoffnung im Angesicht des Todes getragen werden.

Mehr als 40 Pflegekräfte haben bislang in unserem Krankenhaus die Ausbildung zur Palliativ Care-Fachkraft absolviert. Etliche von ihnen kenne ich persönlich und weiß, wie sehr ihnen die besondere Situation von Menschen am Lebensende bewusst ist und wie wichtig es ihnen ist, gerade hier Beistand zu leisten. Sie sind die Richtigen.

Und trotzdem gehen mir die Sätze des Besuchers nach. „Das wichtigste ist nicht alleine sein.“ Das gilt auch im normalen Leben. Und da kommt es dann auf Sie und auf mich an, dass wir nicht nur da, sondern auch die/der Richtige für die Situation sind.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 22.09.14
Hören und Handeln
Marita Meixner-Ander…
Hören und Handeln

Drei Schmiedegesellen wanderten von Borkum aus bei Ebbe auf das Wattenmeer hinaus. Weit waren sie gelaufen, tief hatten sie die gute Luft eingesogen, fröhlich hatten sie miteinander geredet. Aber dann überfiel die Männer von einer Minute zur anderen dichter Nebel. Sie fassten sich bei der Hand und rannten zum Ufer. Doch im dichten Neben verloren sie die Orientierung. Sie rannten in diese und jene Richtung. Aber sie konnten das rettende Ufer nicht finden. Dann kam das Wasser. Langsam stieg die Flut. In dem höher auflaufenden Wasser kämpften die Männer um ihr Leben. Dann sagte einer von ihnen:,,Jetzt sind wir ganz still. halten den Atem an. rühren uns nicht. Mit dem Finger tastend und den Ohren horchend prüfte er die Richtung des Wassers, denn bei Flut läuft das Wasser auf das Ufer zu. Nach dem Hinhören rannten sie ein kurzes Stück. Dann wieder Stille und Horchen. Dann wieder laufen. So erreichten sie schließlich doch das rettende Ufer.

Was hat sie gerettet? Das Laufen oder das Stillesein und Hören? Beides hat sie bewahrt. Einfach nur laufen hilft nicht weiter, wenn man orientierungslos ist und die Richtung nicht findet. Einfach nur stille sein und warten bedeutet den Untergang.

Nur in der Ergänzung von Hören und Handeln liegt eine Überlebenschance - auch in unserer heutigen Zeit. Wohin blinder Aktionismus führt, können wir jeden Tag aufs Neue erkennen. Darum gönnen wir uns doch einfach mal wieder Zeit zur Stille und hören auf Gottes Wort für unser Leben? Jeder Sonntag möchte uns daran erinnern, ein wenig innezuhalten und bei Gott aufzutanken. So finden wir wieder neue Kraft für unsern Weg. In diesem Sinne einen gesegneten Sonntag.

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Marita Meixner-Andersohn

Marita
Meixner-Andersohn
Pastorin
Im Specken 3
27367
Ahausen
Tel.: 
(04269) 5288
Mo. 15.09.14
Blut oder Wasser?
Frank Hasselberg
Blut oder Wasser?

„Blut ist dicker als Wasser“, sagt eine Redensart. Damit ist gemeint, dass verwandtschaftliche Bande tragfähiger sind als andere zwischenmenschliche Beziehungen. Aber stimmt das immer? Gibt es nicht auch Geschwister, die sich heillos zerstreiten; Eltern und Kinder, die nicht mehr miteinander reden – und auf der anderen Seite Freundschaften, die ein Leben lang halten?! Entscheidend ist, dass Menschen eine gemeinsame Grundlage haben, auf der sie sich verstehen und vertrauen. Dann kann man miteinander durch Dick und Dünn gehen.

Davon spricht auch Jesus und nimmt kein Blatt vor den Mund. Wer oder was ist Familie? Im ersten Moment wirkt sein Verhalten seiner Mutter und den leiblichen Geschwistern gegenüber seltsam, fast schroff. Aber er will deutlich machen, worum es letztlich geht. Darum definiert er ganz neu, was Verwandtschaft bedeutet. Er sagt: „Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.“ (Lukas 8, 21).

Morgen ist Diakoniesonntag. „Wir sind Familie“ ist diesmal das Motto. Für mich ist das genau die Frage: Wer ist „wir“? Wer gehört dazu? Familie ist wunderbar, himmlisch, ist Lebensziel, macht glücklich. Oder: Familie ist lästig, nervtötend, zeitraubend, anstrengend. Beides stimmt, beide Erfahrungen werden Sie, liebe Leser, gemacht haben. Das mag auch vom Lebensalter abhängen: Wie wichtig sind einem die Familie, wie wichtig Freundschaften?

Mir geht es ähnlich: Familie beginnt im Herzen. Ich sehe dich als Menschen – als Bruder oder Schwester. Ganz einfach eigentlich. Mal sehen, wie weit und wohin wir damit kommen.

Einen schönen Diakoniesonntag!

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 01.09.14
Bienenpredigt
Frank Hasselberg
Bienenpredigt

Emsig summt es vor dem Fenster meines Arbeitszimmers. Bekannte haben während der Zeit der Heideblüte einige Bienenkörbe in meinen Garten gestellt. Die Bienen scheinen sich hier wohlzufühlen. So dürfen wir auf eine reiche Ernte hoffen und uns auf den köstlichen Heidehonig freuen. Und im Winter können wir aus dem Bienenwachs wunderschöne Kerzen drehen, die warmes Licht und einen süßen Duft verströmen.

Manchmal lasse ich mich von der Arbeit ablenken und schaue den kleinen Insekten zu. Wie fleißig sie ein- und ausfliegen, immer wieder den Weg zurück zu ihrem Volk finden, ihren Ertrag abladen und sich sofort wieder auf den Weg machen. Ich kann mich direkt danebenstellen: Sie beachten mich nicht, sind viel zu beschäftigt, nur darauf bedacht, ihre Arbeit zu tun und ihr Volk zu versorgen. Im Sommer besteht es aus rund 40.000 Bienen – soviel, wie Schneverdingen und Rotenburg zusammen Einwohner haben!

Dazu kommt mir die Liedstrophe von Paul Gerhardt in den Sinn (Ev. Gesangbuch Nr. 503, Strophe 6): „Die unverdroßne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise…“ Und mein kleiner Großneffe John, den ich für sein tägliches Honigbrot mit dem Bienenprodukt versorge, was mir bei ihm schon längst den Namen „Onkel Honig“ eingebracht hat. Ich glaube, er weiß gar nicht, wie ich eigentlich heiße.

Und dann denke ich: Was ich da vor mir sehe, ist eine einzige, fliegende, summende Predigt. Sie sagt: Jeder Einzelne ist wichtig und wertvoll für das Ganze. Auch wenn wir meinen, wir könnten nicht viel tun: Jeder kleine Beitrag hilft mit und ist unverzichtbar. Erst das Zusammenspiel führt zu einem guten Ergebnis. Auf die Kirche und unsere Gemeinden übertragen heißt das: Es ist wichtig, dass wir als Christen uns als Einheit verstehen, bei allen Unterschieden. Und schließlich die Frage: Bringen wir einander voran, sind wir nützlich für andere? Machen wir es doch wie die Bienen: Nicht viel reden, diskutieren, debattieren – tun und leben wir. Ganz praktisch. So wird es immer heller und schöner da, wo wir leben.

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 11.08.14
Lachen erlaubt
Frank Hasselberg
Lachen erlaubt

Warum guckt die Frau an der Kasse mich nur so seltsam an? „So kennt man Sie ja gar nicht… in kurzen Hosen und T-Shirt.“ Ich muß lachen. Nein, bei der Hitze laufe ich auch als Pastor nun wirklich nicht im schwarzen Anzug herum. Da hat sich im Laufe der Zeit manches geändert.

Anderes hält sich zäh. Zum Beispiel, dass man im Gottesdienst nicht lacht. Manchmal bin ich enttäuscht, wenn ich in die Predigt einen Scherz einbaue und niemand sich richtig zu lachen traut. Ein altes Phänomen. Von Wilhelm Buschs Neffen, dem Pastor Otto Nöldeke, wird folgendes erzählt: Als eines seiner Schäfchen krank im Bett lag, brachte Pfarrer Nöldeke einen Band seines Onkels zu dem Kranken in der Hoffnung, die lustigen Zeichnungen und Verse würden ihn etwas aufmuntern. Nach vier Wochen besuchte er den Kranken wieder und fragte, wie ihm das Buch gefallen habe. Die Antwort lautete: „Ich hätte wohl sehr lachen mögen über die Geschichten, aber da ich das Buch von Ihnen erhalten hatte, traute ich mich nicht so recht.“

Schon das ist zum Lachen, oder?! Also ich bin nicht der Mensch, der mit nach unten gezogenen Mundwinkeln herumläuft, im Gegenteil. Ich freue mich des Lebens, und mein Glaube hilft mir dabei, mit schwierigen Situationen umzugehen. Kirche, Glaube und Humor sind keine Gegensätze. Wie, die Bibel sprüht nicht gerade vor lustigen Geschichten? Mag sein, zumindest nicht vordergründig, aber wissen Sie was: Nach dem Johannesevangelium (Kapitel 2, Verse 1-12) hat Jesus während der Hochzeitsfeier in Kana das Wasser nun gerade nicht in essigsaure Tonerde, sondern in Wein verwandelt. Das Fest der Freude konnte weitergehen. Das erste Zeichen, das Jesus tat, diente der Lebensfreude.

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Mo. 04.08.14
Das Zeugnis der achten Klasse
De van Nguyen
Das Zeugnis der achten Klasse

Beim Aufräumen fiel mir ein Ordner wieder in die Hände. „Zeugnisse“ stand drauf. Von der ersten Klasse bis zum 2. Examen waren da alle Noten abgeheftet. Ein Ordner, dessen erstes Blatt auf 1982 datiert ist. Ich habe die Zeugnisse durchgesehen. Zum ersten Mal seit 1982 haben Augen auf das Zeugnis der ersten Klasse geschaut. Zum ersten Mal seit 1990 wurde mein Zeugnis aus der achten Klasse in die Hand genommen.

Mal Hand auf´s Herz: Haben Sie jemals in ihrem Leben das Zeugnis der achten Klasse gebraucht?  Ich nicht. Niemanden auf Gottes großer Welt hat die Fünf in Mathematik interessiert, die ich in jenem Jahr kassiert habe. Die Eins in Geschichte übrigens auch nicht.

Nicht alle Schüler sind am Mittwoch frohgemut in die Ferien gestartet. Bei manchen stand erst einmal der Offenbarungseid an, als den Eltern das Zeugnis überreicht wurde.

Es gibt wichtigeres als ein Zeugnis. Und es gibt schlimmeres als eine Fünf.

Um ein biblisches Wort abzuwandeln: Der Mensch sieht auf das, was auf dem Zeugnis steht; Gott aber sieht das Herz an.

Wenn Ihr Kind am Mittwoch nicht die Noten mit nach Hause gebracht hat, die Ihren Erwartungen entsprechen, dann atmen Sie einmal tief durch. Holen Sie Ihr eigenes Zeugnis aus demselben Schuljahr noch mal raus. Und sollte es wirklich sehr viel bessere Noten aufweisen, dann fragen Sie sich noch einmal: Hat Ihr eigenes Zeugnis aus dem Jahr jemals irgendjemanden interessiert?

Auch wenn wir in der Bibel nur spärliche Informationen darüber haben, wie es im Himmel, einmal aussehen wird – ich kann Ihnen versprechen, dass Gott nicht nach dem Zeugnis aus der achten Klasse fragen wird.

Euch Schülern unter den Lesern wünsche ich schöne Sommerferien und danach: neue Runde, neues Glück.

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De van Nguyen

De
van Nguyen
Pastor i. R.
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 5560
Mo. 28.07.14
Beim Namen genannt werden
Barbara Dieterich
Beim Namen genannt werden

Manche Menschen haben ein gutes Namensgedächtnis, andere können sich besser Zahlen merken. Ich selbst kann mich relativ gut an Gesichter erinnern, allerdings vergesse ich Namen schnell wieder. Das ist mir oft unangenehm.

In dem Bibelwort für die kommende Woche heißt es: „So spricht Gott, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ (Jesaja 43,1).

Ich finde das einen ermutigenden Satz gerade jetzt, wenn es in den Schulen wieder Zeugnisse gibt. Da werden die Schüler und Schülerinnen namentlich aufgerufen, um die Bewertung ihrer Leistungen in Empfang zu nehmen. Viele werden sie voller Stolz ihren Eltern präsentieren, andere würden sie lieber verstecken, wohl kaum jemandem wird gleichgültig sein. Natürlich ist es wichtig, eine Vergleichbarkeit herzustellen, um herauszubekommen, ob jemand das Klassenziel erreicht. Wenn ein Mensch allerdings nur nach seinen Zensuren bewertet und nicht in seiner Einzigartigkeit gewürdigt wird, kann das Be- zum Verurteilen werden und Menschen schädigen.

Wie gut ist es, darauf zu vertrauen, dass Gott uns in unserer Einzigartigkeit gelten lässt. Mit den Kindern im Religionsunterricht singe ich am Anfang der Stunde: „Ja, Gott hat alle Kinder lieb, jedes Kind in jedem Land. Er kennt alle unsere Namen, hat uns alle in der Hand“. Und dann wird jeder Name einzeln genannt. Ich merke, wie wichtig den Kindern dieses Ritual ist, in dem sie sich alle wahr- und ernst genommen fühlen – unabhängig davon, was sie leisten. Ich kann mir vorstellen, dass es uns allen helfen würde, wenn wir uns in unseren Eigenheiten, statt sie zu vergleichen und zu bewerten, gegenseitig mehr gelten lassen würden. Darin könnte ein Stück Erlösung liegen, von der der Prophet Jesaja spricht.

 

Barbara Dieterich

Pastorin, Agaplesion Diakonieklinikum

 

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Barbara Dieterich

Barbara
Dieterich
Pastorin
Jägerberg 10
27383
Scheeßel-Bartelsdorf
Tel.: 
04261/776299
Sa. 19.07.14
Sieg und Niederlage
Roger Moch
Sieg und Niederlage

Deutschland ist nach 24 Jahren wieder Weltmeister geworden. Bis kurz vor Schluss stand die Partie auf des Messers Schneide. Dann das erlösende 1:0 durch Mario Götze. Alles wurde gut. Deutschland ist verdienter Weltmeister geworden. Nicht zuletzt wegen guter sportlicher Leistungen, sondern auch wegen der Fairness, die die Spieler z.B. nach dem 7:1 Kantersieg gegenüber dem Gastgeber und Herausforderer Brasilien gezeigt haben. Die Haltung im Umgang mit den Brasilianern war nicht überheblich, herablassend, sondern aufrichtig mitfühlend.

Wie wäre es gewesen, wenn in der 30. Minute Gonzalo Higuains Tor kein Abseitstor gewesen wäre? Dann hieße es vielleicht: Deutschland hat eine schwere Schlappe erlitten, oder musste eine derbe Niederlage einstecken. Die Wörter lassen schon spüren, wie man sich fühlen kann, wenn man verloren hat: niedergedrückt, deprimiert, am Boden. „The winner takes it all, the looser’s  standing small“ – sangen ABBA in einem Song, der Gewinner kriegt alles, der Verlierer geht leer aus, oder steht klein da, wörtlich übersetzt. Der WM-Zweite wird in kurzer Zeit nicht mehr erwähnt werden. Niederlagen zählen nicht im Sport und nicht im gesellschaftlichen oder politischen Leben. Sie bringen einen aus der Ruhe, weil wir in einer Erfolgsgesellschaft leben, die für Looser keine Zeit hat, wie es in der Fußball und -Siegeshymne „We are the champions“ heißt, „no time for loosers“. Das bedeutet, Verlierer sind unnütz, wertlos, sie kriegen nicht mal unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit. So tun Niederlagen weh, wirklich weh. Sie tun nicht weh, oder wenigstens weniger, wenn sich Spielpartner oder Gegner auf Augenhöhe begegnen und beide wissen, dass sie Gewinner hätten sein können aber auch Verlierer. Deswegen sind verächtliche Siegerposen fehl auf dem Platz, weil sie verdrängen, dass man früher oder später auch mal scheitern kann. Denn niemand gewinnt immer. Misserfolge ärgern jeden, na klar. Wenn ich aber weiß, dass mein Leben nicht an diesem einen Spiel oder an dieser einen Situation hängt, wenn ich weiß, dass ich neue Chancen im Leben bekomme, was auch passiert ist, kann ich damit irgendwie zurecht kommen. Ich habe zwar verloren, bin aber deswegen nicht gleich verloren. Niederlagen tun auch dann weniger weh, wenn mir diese Erfahrung geläufig ist. Ich weiß, dass sie zum Leben gehören, zu jedem Leben, nicht nur zu meinem. Und wenn man gelernt hat, dass man aus Niederlagen auch lernen kann, dass zum Beispiel zum Erfolg, zum Gewinnen auch viel, viel Glück gehört, sieht das schon ganz anders aus. Was macht einen zum Gewinner oder zum Verlierer? Ich meine, manchmal schätzt man einen Sieg erst, wenn man auch mal verloren hat. Das hat die deutsche Mannschaft bei den vergangenen Welt- und Europameisterschaften gelernt und das macht ihr Auftreten bei der WM in Brasilien umso sympathischer. „Gott sei Dank hat es geklappt“, sagte Bundespräsident Gauck nach dem Spiel.

Offenbar scheinen der Weltmeistertitel und die folgenden Feierlichkeiten einigen Spielern nicht gutgetan zu haben. Bei der Party auf der Fanmeile in Berlin machten sich mehrere Fußballprofis über die Brasilianer und Finalgegner Argentinien lustig. Schade, dass der gute Eindruck dadurch nun wieder getrübt wird.

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Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Stühkamp 20
27386
Westerwalsede
Tel.: 
(04269) 1899
Mo. 07.07.14
Werden wir Weltmeister?!?
Werden wir Weltmeister?!?

Vielleicht ist diese Frage nach dem Spiel am Freitag ja schon längst beantwortet… Doch unabhängig davon, ob Deutschland gegen Frankreich verloren oder gewonnen hat, ist der Wunsch nach dem Weltmeister-Titel bei allen Fußball-Fans hierzulande sicherlich groß. Aber der Ball ist ja bekanntlich rund …

 

Bei dem Spiel auf dem grünen Rasen ging mir auch die Frage durch den Kopf: Wie steht es eigentlich in der Meisterschaft, in der wir alle mitspielen? Wie steht es um unsere WELT-Meisterschaft? Werden wir diese Welt meistern? Werden wir Gottes Spielregeln für eine gerechte Welt doch noch begreifen und sie an unserem jeweiligen Platz umsetzen lernen?

 

Das ist vielleicht noch schwieriger als die Herausforderung, besser als alle anderen das Runde ins Eckige zu treten oder zu köpfen. Besonders, weil wir diesen Wettbewerb nicht bequem vom Sessel vor dem Fernseher aus verfolgen können, auch nicht von den Rängen in den Stadien. Wir sind selbst mit dabei, sind mitverantwortlich dafür, am Ball zu bleiben und weder uns noch andere dabei ins Abseits zu stellen.

 

Werden wir da Weltmeister darin, in dieser Welt und mit ihr so zu leben, dass alle auf ihr leben können? – Zugegeben, manchmal gerät man ganz schön aus der Puste bei dieser WELT-Meisterschaft. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass einmal alle Menschen zu den Gewinnenden gehören werden. Unter dem Geist Gottes könnte der Himmel trotz mancher Niederlagen dieser Erde noch ein gutes Stück näher kommen.

 

Den Fußball-Fans wünsche ich noch spannende Spiele bis zum Ende der WM und uns allen viel Mut und gute Ideen beim Spiel in unserer WELT-Meisterschaft.

Mo. 07.07.14
Suche Hühner
Dr. Matthias Wilke
Suche Hühner

Suche Hühner

sportlich, auch mal lustig, 30-50, schlank gewesen, erfolgreich verheiratet, beruflich eingebunden, Kinder auf gutem Weg, glücklich irgendwie und zufrieden sucht für die Freizeit gepflegte Hühner für freundlichen Hintergarten.

So in etwa könnte eine Annonce aussehen, wenn ich Hühner suchen würde. Aber warum sollte ich Hühner suchen? Nun, vielleicht, um zu wissen, was ich suche, wenn sie weggelaufen sein sollten. Denn, so schrieb schon der alte chinesische Weise Mengzi: „Gehen dem Menschen Hühner und Hunde verloren, so weiß er, wo er sie suchen soll. Geht ihm sein Herz verloren, so weiß er nicht, wo er es suchen soll.“ Also schaffe ich mir Hühner an. Ganz abgesehen davon, dass Hühner auch noch Nutzen bringen. Ei, wie könnte ich mich dann darauf freuen, des Morgens in den Stall zu pilgern und zu suchen. Ich wüsste jeden Morgen genau, wonach ich Ausschau halte, und würde das Gefundene voller Freude – in die Pfanne hauen.

Und mein Herz? Das hat auch nichts gegen Eier, auch wenn ich zugebe, dass ihm doch noch nach mehr verlangt. So eine Tasse Kaffee dazu, das wäre schon nicht schlecht, und, ja, auch etwas Schinken wäre fein. Und wenn ich dann – vielleicht so wie Sie jetzt, wenn Sie diese Zeilen lesen und sich fragen: „Was will er von uns?“ – wenn ich dann mein lecker Ei mit Schinken gegessen habe, dann könnte es passieren, dass ich in der „Denkpause“ dieser Zeitung lesen würde: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“, ein Wort aus dem Neuen Testament, dem Lukasevangelium, Kapitel 19, Vers 10. Und ich würde in meiner Bibel nachlesen, was da steht – und mein Herz wäre da! – erfüllt von Fragen und Freude.

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
Tel.: 
(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
Mo. 07.07.14
Sich etwas sagen lassen?
Sich etwas sagen lassen?

Die Aufregung war groß: ein Wort zum Sonntag in der Halbzeitpause England gegen Italien, spät in der Nacht. Manche werden froh sein, wenn an diesem Samstag das ZDF die Achtelfinals überträgt - ohne Wort zum Sonntag. In der Halbzeitpause, vor dem Seitenwechsel nachdenken über das, was da geschieht und was es auch sonst für unser Leben bedeutet: Geht das oder stört es nur einfach?

Ich konnte den Gedanken der Sprecherin Verena Maria Kitz gut nachvollziehen: „Seitenwechsel“ meint doch, unter den Bedingungen, die bisher der Gegner hatte, weiterspielen. Seitenwechsel ist ein Akt der Fairness, der Gerechtigkeit. Die viel weiter reichende Frage schließt sich wie von selbst an: Was würde „Seitenwechsel“ sonst im Leben bedeuten? Wer holt jetzt den Getränke-Nachschub? Immer dieselben oder gibt es da auch einen Wechsel? Wer sitzt und schaut zu und wer arbeitet? Ist das immer gleich verteilt oder gibt es da auch Wechsel? Im Spiel wie im Leben? Im Privaten wie im Beruflichen und sogar in der Politik? Profitieren immer dieselben oder muten wir einander zu, auch die Bedingungen der anderen zu sehen und, wo es geht, zu teilen?

Aber für die, die hinterher in großer Zahl twitterten und kommentierten, war das alles eine Zumutung. „Viele Fußballfans sehen schon oft das Elend auf dem Fußballfeld. Da sollten sie mit dem Elend der Bevölkerung draußen vor den Stadien nicht überfordert werden!“ Das war noch einer der milderen Kommentare.

Von wem lasse ich mir etwas sagen? Und wann? Ich sehe, dass wir Menschen da empfindlich sind, vielleicht weil wir uns oft bevormundet fühlen. Die Augen kann man schließen, aber die Ohren nicht. Umgekehrt kann uns aber auch nur so das Wort erreichen, das wir uns nicht selbst sagen können, das uns anstößt, weiter führt, Neues denken oder Altes wiederentdecken lässt. „Verschließt euer Herz nicht!“ – für die Bibel ist das die größere Gefahr, dass Menschen sich abschotten und nicht mehr hinhören. Sogar Gott selbst erreicht uns ja nicht anders als durch die Worte und Gesten der Menschen, die uns begegnen. Darum bin ich auf das gespannt, was mich an diesem Wochenende anspricht oder anstößt auch jenseits der Spiele. Um Gottes willen macht Offenheit einfach Sinn.

Mo. 23.06.14
Sommer
Jens Ubben
Sommer

Wann wird´s mal wieder richtig Sommer? Natürlich heute! Vielleicht nicht unbedingt beim Blick aus dem Fenster – pünktlich zum Hurricane-Festival in Scheeßel kommen die Regentropfen heraus, und die sonnigen Tage der letzten Wochen sind schon wieder fast vergessen. Aber heute ist Sommersonnenwende! Das bedeutet: Die kürzeste Nacht und der längste Tag stehen an. Offiziell heißt das bei uns Sommeranfang. Auch wenn es natürlich so ist, dass die Tage nun schon wieder kürzer werden.

Trotzdem ein faszinierender Termin. Die Sonnenwenden waren schließlich über lange Zeit wichtige Feste mit zutiefst religiöser Dimension. Da wurde gefeiert, getanzt, gebetet. Denn die jährlichen Wechsel der Jahreszeiten waren zentral für die Menschen damaliger Zeiten: Da waren solche Übergänge noch von viel grundlegenderer Art: Helligkeit und Dunkelheit. Wärme, Kälte, Leben und Tod. Menschen waren ganz anders in die Abfolgen und Regelmäßigkeiten der Natur einbezogen. Und sie wussten, wie abhängig sie waren von ihrer Umwelt.

Dann veränderte sich etwas, das den Übergang von Winter zu Sommer noch übertraf: Menschen lernten auch in unseren Breitengraden den Gott des Volkes Israel kennen. Und sagten sich daraufhin: Die Jahreszeiten der Natur und des Lebens sind natürlich prägend. Aber da ist auch ein Gott. Der steht jenseits dieser festen Abfolgen. Gott hängt doch nicht ab von Kälte und Wärme, der ist immer da. Der geht mit. Und dann können Menschen doch mutig nach vorne schauen. Sie können sich bei Gott geborgen wissen, egal, wie das Wetter draußen ist. Keine Abhängigkeit von den Jahreszeiten!

Christlicher Glaube kann Lebensgrundlage sein in allen Lagen des Lebens! Und trotzdem wäre ein sonniger Sommer nicht schlecht. Also: Schönen Sommeranfang!

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
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Mo. 16.06.14
Himmlisches Dream-Team
Frank Hasselberg
Himmlisches Dream-Team

Von ihren ganz irdischen Mannschaften träumen jetzt wieder Menschen in aller Welt. Ausnahmezustand. Und ich frage mich: Was würde wohl Jesus über Fußball sagen? Mit seinen Jüngern hätte Jesus eine starke Truppe gehabt für sein Spiel: Den draufgängerischen Judas kann ich mir gut als Mittelstürmer vorstellen, Petrus als zuverlässigen Spielführer… Ich stelle mir vor, Jesus würde sich bei der Weltmeisterschaft an den Spielfeldrand setzen, beobachten und überlegen, wen er mit Gott vergleichen könnte. Vielleicht den Schiedsrichter? Der darf keinen bevorzugen, ist unparteiisch. Jesus könnte sagen: Gott ist wie ein guter Schiedsrichter: Er ist gerecht, für alle da und unbestechlich. Niemand kann Gott für sich allein beanspruchen. Oder: Gott ist wie ein guter Linienrichter. Er hat den Überblick und sieht von seiner Position aus mehr als wir alle zusammen. Ihm kann keiner was vormachen.

Gott als guter Trainer? Er hat uns durch seinen Sohn Jesus Christus gesagt und vorgelebt, wie man gut miteinander „spielt“, wie man als Christ in der Welt leben kann. Er hat uns Mut gemacht, unser Leben Gott anzuvertrauen und nicht nur auf unsere eigene Kraft zu setzen. Dazu braucht man Training! Immer wieder zum Beispiel im Gottesdienst, im persönlichen Gebet oder Gespräch mit anderen Christen.

Gott als Torwart? Der muss ja den Ball halten, damit er kein Tor reinkriegt. Aber das gelingt nicht immer. Und ohne Tore wäre das Spiel nun mal uninteressant. Das gehört dazu, wie es wohl im Leben dazugehört, dass ich hin und wieder „ein Tor reinkriege“. Gott hält nicht alles Schwere in meinem Leben ab, aber – und das unterscheidet ihn vom Fußball-Torwart – er fängt mich auf. Er gibt mir die Kraft, immer wieder aufzustehen und „weiterzuspielen“.

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist: ein Dream-Team, das seinen Namen verdient!

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Frank Hasselberg

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Frank
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Do. 12.06.14
Der Geist des Friedens, der Wahrheit und der…
Karin Klement
Der Geist des Friedens, der Wahrheit und der Liebe

Dieses Jahr erinnert mit mehreren Jubiläen an gewaltige staatliche und menschliche Konflikte: Vor 100 Jahren begann der erste Weltkrieg, vor 75 Jahren der Zweite. Vor 25 Jahren fiel die deutsch-deutsche Mauer und verwandelte sich das chinesische „Tor zum himmlischen Frieden“ (Tian`anmen) in eine offen sichtbare Hölle, als der friedliche Protest für Freiheit und Demokratie von der chinesischen Regierung brutal niedergeschlagen wurde.

Doch der Geist der Freiheit lässt sich nicht von Panzern überrollen, nicht durch staatliche Macht wegsperren oder aus dem Wissen der Menschen verdrängen. Er durchdringt nicht nur Gedanken, er berührt Herz und Seele.

Als am 5. Juni 1989, am Tag nach der blutigen Unterdrückung, in Peking eine Panzerkolonne vorbei an abgesperrten Demonstranten über den Boulevard des „Ewigen Friedens“ rollt, läuft plötzlich ein einzelner Mann auf den ersten Panzer zu. Mit zwei weißen Plastiktüten in der Hand stellt er sich dem rollenden Machtwerkzeug in den Weg. Atemlose Stille, nur das Dröhnen der Panzerketten, die sich drohend nähern. Knapp vor dem schmalen Menschen bleibt der erste Panzer stehen und nach ihm die gesamte Kolonne. Er versucht, um ihn herum zu fahren; der Mann stellt sich erneut in den Weg. Er bleibt hartnäckig – lebensmüde oder naiv? Schließlich klettert er, immer noch mit seinen Beuteln in der Hand, ohne Eile auf das Kriegsgerät und versucht, mit den Soldaten zu reden. Niemand öffnet; er klettert wieder herunter, stellt sich neben den Metallkoloss, spricht mit Händen und Gesten. Irgendwann wird er von Menschen am Seitenrand fortgebracht. Die Militärmacht rückt weiter vor.

Das Bild vom kleinen Menschen gegen die Kriegsmacht eines Staates wird zum Symbol für Widerstand und für die Kraft des Geistes. Dass Widerstand im Geist des Friedens sich lohnt, auch, wenn es Jahrzehnte und länger dauern kann. Mächtige versuchen, die Gedanken ihrer Untertanen zu manipulieren, die Wahrheit zu verdrehen oder totzuschweigen. Wenn gar nichts mehr hilft, werden Menschenleben vernichtet. Doch der Tod hält den Geist nicht auf.

Der Geist des Friedens, der Wahrheit und der Liebe scheint äußerlicher Macht unterlegen. Doch in jedem Menschenkind glüht ein Feuer seiner Lebendigkeit und setzt der Welt ein Licht auf. Gott sei Dank! Zu Pfingsten feiern wir, dass Gott uns mit seinem Geist des Friedens, der Wahrheit und der Liebe begabt.

 

 

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Karin
Klement
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Mo. 02.06.14
Wo ist der Himmel?
Frank Hasselberg
Wo ist der Himmel?

Bankett im Kreml. Chruschtschow zieht Gagarin beiseite: „Hast du - ich meine - da oben - IHN gesehen?“ Der Astronaut nickt. „Habe ich mir doch gedacht!“ stöhnt der Boss. „Niemandem was sagen, verstanden?!“

Kurz darauf greift sich der Metropolit der russisch-orthodoxen Kirche den Kosmonauten. „Hast du - ich meine, als du da draußen warst - IHN, hast du IHN gesehen?“ Gagarin schüttelt den Kopf. „Habe ich es mir doch gedacht!“, seufzt der Bärtige. „Niemandem was sagen, verstanden?!“

Wo ist Gott? Jedenfalls thront er nicht auf Wolke sieben. Das ist die Gefahr des Himmelfahrtsfestes: dass wir zu sehr in die Ferne blicken. Dass wir denken: Jesus ist in den Himmel gefahren, das muss ganz weit weg sein. Irgendwo hoch oben, für uns unerreichbar. Dabei ist das Wichtige oft direkt vor unserer Nase. Gott ist nicht da, wo der Himmel ist. Sondern der Himmel ist da, wo Gott ist. Wenn wir nur in den Himmel über uns blicken, in die Ferne, dann werden wir Gott nicht finden. Wenn wir aber nach vorn blicken, wenn wir die Welt sehen, in der wir leben, die Menschen, mit denen wir zusammenleben und denen wir begegnen, dann werden wir auch Gott finden und erleben.

Dann werden wir merken: Gott ist nicht da, wo alles leer ist. Er ist auch nicht unendlich weit weg. Gott ist da, wo Menschen sind, wo wir sind. Und wo Gott ist, da ist auch ein Stück Himmel. Da ist auch ein Stück von dem, was wir uns wünschen, erträumen, erhoffen.

Das Fest Christi Himmelfahrt sagt, dass Jesus zu Gott zurückgekehrt ist. Aber das ist nur die halbe Botschaft. Die andere Hälfte besteht darin, dass er uns weiterhin nahe ist. Da er für uns da ist und in unser Leben eingreift. Wenn wir davon etwas merken, werden wir staunen!

 

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Frank Hasselberg

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Frank
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Mo. 26.05.14
Unter freiem Himmel
Haike Gleede
Unter freiem Himmel

Die Sonne scheint. Einige Männer machen sich auf den Weg. Sie wollen ihren Feiertag gebührend feiern. Hinter sich her ziehen sie einen Bollerwagen mit Getränken. Es ist Vatertag. Er hat seine Wurzeln in den USA. Präsident Richard Nixon erklärte ihn in den 70er Jahren zum offiziellen Feiertag. Begangen wird er dort am dritten Sonntag im Juni. Nur in Deutschland fällt der Vatertag auf Himmelfahrt. Himmelfahrt ist ein wichtiges Fest im Kirchenjahr.

Am Himmelfahrtstag sammeln sich zahlreiche Besucher unter freiem Himmel. Der Posaunenchor spielt. Draußen ist ein Altar aufgebaut. Der Gottesdienst beginnt und die Menschen lauschen auf die Worte aus der Apostelgeschichte. Sie erzählt, wie der auferstandene Jesus sich auf sehr ungewöhnliche Art und Weise von seinen Jüngern verabschiedet. Mit ihm haben seine Jünger und Jüngerinnen einiges erlebt. Er war gekreuzigt worden, doch dann stand er plötzlich leibhaftig vor ihnen. Auferstanden! Jetzt ist es sicher:

Er ist Gottes Sohn. Ehrfürchtig hören sie ihm zu. Plötzlich wird er von einer Wolke in den Himmel emporgehoben. Zum Abschied verspricht er ihnen: “Ihr werdet bald die Kraft des Geistes empfangen.“ Mit offenen Mündern stehen sie da und starren in den Himmel. Jesus ist längst verschwunden. Aber zwei weißgekleidete Gestalten stehen da und holen die Freunde zurück auf den Boden der Tatsachen. Jesus ist weg. Er wird wiederkommen- eines Tages, aber jetzt seid ihr dran.

Jesus hat sein Versprechen gehalten. Zehn Tage später werden sie von Gottes Geist erfasst. Sie werden zu Botschaftern Jesu auf dieser Welt. Hier auf der Erde haben sie ihren Auftrag zu erfüllen. Und sie gehen los und tragen Gottes Liebe und Jesu Worte und Taten in die Welt.

Es ist gut, wenn uns jemand an unseren Auftrag erinnert. Jeder Mensch hat seinen Platz und seine Aufgabe. Manchmal braucht es einen Anstoß von außen, damit wir uns aufraffen. Wer voller Begeisterung für eine Sache ist, der wird viel bewegen. Unter dem offenen Himmel und doch fest geerdet gehen wir unseren Weg. Beides ist wichtig, die Kraft des Geistes und die Lust zum Handeln.

Das wünsche ich den Vätern und Müttern, wenn sie nach den Feiertagen in ihren Alltag zurückkehren.

Das wünsche ich auch denen, die sich heute zur Wahl stellen, Männer und Frauen, die etwas bewegen wollen in ihrem Land, ihrem Kreis oder ihrer Stadt.

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Mo. 12.05.14
Augenringe(n)
Dr. Matthias Wilke
Augenringe(n)

 

Es gibt Tage, da sehe ich einfach „alt“ aus. Denken Sie z.B. an einen Morgen wie diesen: Die ganze Nacht haben Sie kaum zur Ruhe gefunden, weil ihr Kind Bauchschmerzen hatte oder vor Schnupfen nicht schlafen konnte; oder weil so viele Gedanken in Ihrem eigenen Kopf kreisten, dass der Schlaf einfach nicht kommen konnte. Am Morgen nun fragen Sie Ihren Spiegel, ob es diese Augen auch ohne dunkelmüde Einfassung gibt. Und jetzt stellen Sie sich ferner vor, an einem solchen Morgen setzen Sie sich statt in die Küche in die Kirche und jemand erzählt ihnen: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Und das heute...

Wie kann ich „neu“ aussehen, wenn ich mich doch echt alt fühle? Wenn ich mit den Augenringen ringe, kann mir jemand noch so gut gemeint zu sagen versuchen, ich sei doch „top frisch“. Ich werde es ihm nicht glauben (mich höchstens, wenn es gut kommt, nicht veräppelt, sondern geschmeichelt fühlen). Aber eben genau darum geht es: was im Regelfall nicht klappt, passiert. Der Glaube sieht nicht nur darauf, wie ich mich selbst fühle, sondern auf „Christus“. „Ist jemand in Christus, so ist er… “. „In Christus“? Klingt krude, aber übersetzen Sie es einmal so: „Sieht sich jemand mit den Augen Christi an, so ist er“ … neu – und dann wird das schon eingängiger. Ich sehe meine Augenringe – gebrauchtes Leben. Die Augen, mit denen Christus mich anschaut, sehen den Glanz, der in den Ringen schläft. Liebe … Augenringe …

Übrigens, wenn Sie Lust haben, den Satz einmal nachzulesen: Er steht im Neuen Testament, im 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 5, Vers 17.

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Dr. Matthias Wilke

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