Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 03.01.16
Zeitenwechsel?
Roger Moch
Zeitenwechsel?

Das Neue Jahr hat begonnen. Was wird es diesmal bringen? „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Das hat Gott vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren seinem Propheten Jesaja (Jes 43,19) angekündigt. Der hat es weiter gesagt an Leute, die ihr Leben aus verschiedenen Gründen nicht mehr ertragen konnten. „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Auch das noch, in dieser Zeit, wo soviel passiert und nichts mehr so bleibt, wie es war. Bitte nicht noch mehr Neues! Ich habe genug von all den Veränderungen und Neuerungen der letzten Monate. Neuerungen bringen fast immer Unruhe mit sich und kaum etwas Gutes. Vermutlich kennen auch Sie Lebensverhältnisse und Beziehungen, die nicht so bleiben können, wie Sie es gewohnt sind. So ging es den Menschen, mit denen der Prophet damals, vor fast 3.000 Jahren, sprach. Manche hatten schon aufgehört zu hoffen, dass sich irgendetwas ändern könnte. Diesen Menschen hat damals Jesaja im Auftrag Gottes gesagt: Ihr müsst nicht in einem fremdem Land als Geflohene, Verschleppte und Vertriebene die niedrigsten Arbeiten erledigen. Das ist nicht gottgewollt, dass es euch so geht. Gott selbst wird euch einen neuen Anfang möglich machen. Er wird euch aus der Sackgasse Eures Lebens führen. Mir fallen heute junge Leute ein, die trotz ausreichender Angebote aus verschiedenen Gründen keinen Ausbildungsplatz finden. Ich denke an lieblos gewordene Partnerschaften und an Menschen, deren Krankheit ihr Leben plötzlich umkrempelt. Manche Menschen fühlen sich wie gefangen in ihrem Leben oder in ihrem Land. Und für die gilt Gottes Ankündigung: „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Ich glaube, das gilt bis heute für die, die nicht mehr weiterkönnen und nicht mehr weiterwissen. Für die, die spüren, wenn sich nicht bald etwas ändert, dann bleibt nichts Sinnvolles mehr übrig von meinem Leben. Es gibt Menschen, die fühlen sich wie eingesperrt in ihrem Leben. Weil sie im falschen Land sind. Oder weil sie dort keinen Platz finden können. Oder weil es ihnen nicht gelingt, auch mal Nein zu sagen. Oder weil sie sich auffressen lassen von den Ansprüchen anderer. Aber nicht allein für diese Menschen gilt der Spruch: „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“. Manchmal sieht man wirklich nicht, dass das Neue schon angefangen hat. Wir schaffen das schon, gerade wenn im neuen Jahr wieder unvorhergesehene Dinge geschehen werden.

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Roger Moch

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So. 27.12.15
Das war´s mal wieder…
Frank Hasselberg
Das war´s mal wieder…

Nun ist Weihnachten (fast) schon wieder vorbei – je nachdem, wann Sie diese Zeilen lesen. Mancher freut sich: Endlich Schluss mit all dem Stress und der aufgesetzten Rührseligkeit. Andere blicken auf ein schönes Fest zurück und bedauern es, dass sie bald der Alltag wiederhat. Die einen zehren noch von der Ankunft Gottes, die anderen von den Kalorien des Weihnachtsessens. Für die einen ist Weihnachten der Neubeginn Gottes mit uns Menschen, für die anderen schlicht Brauchtum ohne großen Sinn dahinter.

Wie dem auch sei: Wenn schon kein Schnee rieselt, so doch die Nadeln des Tannenbaums. Mancher muss auch „zwischen den Jahren“ arbeiten. Der Begriff rührt übrigens daher, dass der Geburtstag Jesu am 25. Dezember oder aber am 6. Januar gefeiert wird und damit früher auch das neue Jahr begann. Und dann kommt Silvester mit Böllern und Raketen, mit denen viele die „bösen Geister“ des alten Jahres vertreiben wollen. Da werden wieder hunderte von Millionen Euro verpulvert, die doch besser armen Menschen helfen könnten, etwas zu essen zu bekommen. Ein Feuerwerk sieht schön aus, macht aber nicht satt.

Es ist eine Zeit voller Widersprüche. Besonders erlebe ich das in diesen kurzen, viel zu warmen Tagen. Manchmal möchte ich mich verkriechen. Wie wohl tut es da, im Wohnzimmer eine Kerze anzuzünden oder am flackernden Kaminfeuer zu sitzen. Die Dunkelheit schlägt irgendwie auf´s Gemüt; im Licht leben wir Menschen wieder auf. Das haben wir an Weihnachten gefeiert: Wie Jesus Christus hineinkommt in unsere Welt mit ihrer Dunkelheit. So wie eine einzige Kerze einen Raum in ein ganz anderes Licht taucht, so lässt Jesu Ankunft in dieser Welt unser Leben in einem neuen Licht erscheinen. Ich jedenfalls möchte mich vom ihm leiten lassen, weil er mich auch über Abgründe meines Lebens hinwegtragen kann. Der Dichter Christian Morgenstern hat einmal gesagt: „Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandern.“ Und das gilt nicht nur an Weihnachten.

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Frank Hasselberg

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Do. 24.12.15
„Ich komme bald“
Susanne Briese
„Ich komme bald“

Das klingt wie ein kurzes Telegramm. Mehr dahin gekritzelt, als dass es ordentlich geschrieben worden wäre. Drei Worte. Mehr steht nicht drauf auf dem Zettel. Und bei genauem Hinsehen entdecke ich: Das „e“ hebt sich vom Wort „Komme“ ab. Und die ersten beiden Worte scheinen in einem Zuge geschrieben worden zu sein, womöglich standen diese Worte zuerst da: „Ich komme“. Und dann erst „bald“. Oder haben zwei verschiedene Schreiber hier ihre Notiz hinterlassen? Der eine kündigt seine Ankunft an und der andere wünscht sich, dass es schnell gehen möge damit. Könnte ja auch sein.

„Ich komme bald“ – Der Künstler und emeritierte Professor Thomas Zacharias hat die Radierung geschaffen. Drei Worte. Es scheint mit diesen Worten alles gesagt. Der Adressat scheint sehr gut bekannt zu sein. Die Ankündigung ist schon die Botschaft selbst. Und was heißt das? Was wird die Ankunft bringen, was bedeutet sie? Ich denke an Hoffnung, wenn ich die Worte ansehe. Aber sie ermahnen auch. Einige werden die drei Worte mit Erleichterung lesen. Andere müssen sich wohl eher warm anziehen.

Mich erinnert der kleine Zettel an das Wort aus dem letzten Buch der Bibel, an die Offenbarung des Johannes. Der Seher Johannes beschreibt die Ankunft Jesu Christi, der diejenigen, die sich an ihn halten, erlösen und befreien wird. Die anderen aber werden sehen, dass ihr Mangel an Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Glaube ebenfalls genau angeschaut wird – je nach der eigenen Lebensweise.

Diese Zeit ist eine Zeit der Besinnung. Jenseits des lieblichen Kerzenduftes ist Raum da zum Nachdenken darüber, was Jesus wohl über das eigene Leben zu sagen hätte. Manches wird daran wirklich so sein, dass man es ihm gern zeigt. Hier und da aber haben sich auch Dinge in das Leben eingeschlichen, die man noch nicht einmal selbst gern ein zweites Mal anschaut. Wir können Dinge ändern und neu starten. Schade wäre es, wenn wir jetzt die Augen davor verschließen würden. Denn ein Leben in Frieden ist allemal lebenswerter und bringt Segen – für sich selbst, aber vor allem auch für andere.

 

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Susanne Briese

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Mo. 07.12.15
Nikolaus - nicht aus Schokolade
Martin Söffing
Nikolaus - nicht aus Schokolade

In Myra, einer Hafenstadt in der heutigen Türkei, herrschte damals zu Lebzeiten des Bischofs Nikolaus große Not. Die Bevölkerung hungerte. Gewalt, Krieg, Krankheit gehörten zum Alltag. Grausame Zeit. Von Bischof Nikolaus wird erzählt, dass er in grausamer Zeit für die Menschen sorgte. Wunder habe er vollbracht. So haben die Menschen seine tatkräftige Hilfe erlebt und Legenden und Geschichten um Bischof Nikolaus erzählt und Lieder gesungen.

Nikolaus war ein guter Mann. So heißt es in dem fröhlichen Lied, das Kinder und Erwachsene in dieser Zeit gerne trällern.

Die Zeit des Bischof Nikolaus war überhaupt nicht lustig – kein Tralala. Aber danken können wir ihm: Bischof Nikolaus war ein mitfühlender, wachsamer, mutiger und aufrechter Mann. Er hatte den Mut, für Menschen einzustehen. Was Recht war, sollte auch Recht sein, wo Not war, musste sie gelindert werden, wo Geld war, diente es zum Teilen, wo Krieg war, rief er zum Frieden, wo Tod war, rief er zum Leben.

Wenn er sich doch vervielfachen könnte! Aber nicht aus Schokolade! Wenn wir so viele lebendige Nikoläuse hätten wie aus Schokolade in den Regalen der Supermärkte stehen, hätten wir vielleicht ausreichend Sozialen Wohnraum, genügend Ärzte und Pflegekräfte in unseren Krankenhäusern, viele aufrechte Menschen in den Regierungen in Berlin, im Land, in den Kreisen und Kommunen, die den Reichtum in unserem Land dort verteilen, wo es notwendig ist.

In einem Adventslied bitten wir: „O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!“

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Martin Söffing

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Mo. 07.12.15
Else ist kein Nikolaus
Dr. Matthias Wilke
Else ist kein Nikolaus

Es begab sich zu einer Zeit, als die Regale noch nicht so inflationär mit Nikoläusen gefüllt waren. So ein richtig stattlicher war da schon eher eine Besonderheit. Und so kam es, dass die kleine Else sich mächtig freute, als sie, um den zweiten Advent, von einem amerikanischen „Besatzungssoldaten“ einen echten und auch noch großen Schokoladennikolaus geschenkt bekam. Else strahlte über beide Wangen und brachte den süßen Mann behutsam im Arm nach Hause. Und hier sollte er nun stehen – aber wo? Auf keinen Fall wollte sie ihn gleich essen. Also stellte sie ihn oben auf das Regal, wo er nicht kaputtgehen konnte, gleich neben die kleine Lampe. Aber ach! Am nächsten Morgen schaute der Nikolaus ganz geknickt aus. Nicht, dass er zerbrochen war, nein, aber durch die Wärme der Lampe war er am Hals geschmolzen und sein Kopf floss nun auf seine Brust. So in etwa fühlte sich nun auch Else. Kopf und Herz waren „detsch“. Wie gut aber, dass Else nicht aus Schokolade war. Während dem Nikolaus liebe Worte nicht wieder zu „alter Form“ verhalfen, führte der Trost ihrer Mutter, dass Else nicht weinen solle, denn Weihnachten stehe doch erst noch vor der Tür, bei Else hingegen dazu, ihre alte Form wiederzufinden.

Wenn mir die Ereignisse um mich herum und in mir zu nahe kommen, mögen sich meine Gedanken wie schmelzende Schokolade nach unten bewegen. Worte von Weihnachten aber können meine „Gefühlsdetsche“ wieder zurechtbiegen. Denn die richtigen Worte zur richtigen Zeit bringen Hoffnung zum Klingen und verändern so meine Form – mit geradem Blick hin zur Heiligen Nacht: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich Eure Erlösung naht“ (Evangelium nach Lukas 21,28).

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Mi. 02.12.15
Triumphzug der Armut
Dr. Matthias Wilke
Triumphzug der Armut

„Siehe, dein König kommt zu Dir, … ein Helfer, … arm und reitet auf einem Esel!“ Es ist Advent! Spätestens zu dieser Jahreszeit werden die Könige wieder zu Bettlern – und Gott nimmt sich der Armen besonders an. Und wie mag das aussehen?

„Triumphzug der Armut“, so hat Hans Holbein (der Jüngere) um das Jahr 1530 eines seiner Bilder überschrieben. Sie finden es ganz einfach, wenn Sie den hier angegebenen Link einfach anklicken. http://www.fraperu.de/ftp/homepage45/3148.JPG Das Originalbild zierte einst in London einen Saal im Haus der Hanse. Hier tanzten die Söhne reicher Kaufleute. Hier wurden sie ausgebildet und im „Networking“ geschult – und hier ließen sie sich die Armut vor Augen malen. Warum? Schaue ich auf das Bild, so fällt mir auf: Da steht viel in Latein geschrieben und das Bild ist alt und unverständlich. Nehme ich mir aber die Zeit, genauer hinzuschauen (und übersetzt mir einer die lateinischen Begriffe), so sehe ich auch: Die Gestalt, die diesen seltsamen Zug arm aussehender Gestalten anführt, trägt nicht den Namen „Unruhe oder Besorgnis (Sollicitudo)“. Das hätte mir eingeleuchtet, denn was sonst macht Armut aus? Das aber steht erst über der zweiten Figur. Angeführt wird der Zug hingegen von der „Achtsamkeit (diligentia)“. Spätestens bei diesem Wort werde ich hellhörig. Es ist Advent – und im Advent 2015 tut es mir gut, mir vor Augen malen zu lassen, dass auch ich nicht von der Besorgnis durchs Leben getrieben werde, sondern die Achtsamkeit mich leitet. „Siehe, dein König kommt zu Dir, … ein Helfer.“ Er reitet nicht an uns vorbei, sagt der Glaube, sondern bleibt aufmerksam stehen, um mit uns zu gehen – in aller Besorgnis.

 

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Dr. Matthias Wilke

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Mo. 16.11.15
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“
Roger Moch
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

Am 14. November jährt sich der Geburtstag von Astrid Lindgren zum 108. Mal. Generationen sind mit ihren Büchern groß geworden. Mit Pippi, Ronja, Michel... Mich hat schon sehr früh Pippis Stärke beeindruckt und Michels verschmitzter Einfallsreichtum. Ihr freudiger Umgang mit unterschiedlichen Menschen und die Zuwendung zu ihnen faszinieren mich noch heute. Über Astrid Lindgrens Verhältnis zur Kirche ist immer mal wieder spekuliert worden. Sie soll ein zurückhaltendes Verhältnis zur schwedischen Amtskirche gehabt haben. In ihren Kinderbüchern finden sich trotzdem viele christliche Bilder, religiöse Anfragen und Bibelworte

Ihren Gottesglauben beschreibt sie so: „Geht alles gut, mache ich mir keine Gedanken darüber.“ Und an anderer Stelle sagt sie: „Ich denke an Gott, wenn ich ihn dringend brauche.“ Von der schwedischen Staatskirche sei sie abgeschreckt worden, vor allem wegen der Unbarmherzigkeit einiger Pfarrer, die sie erlebt hat. Dennoch war ihr Menschenbild zutiefst christlich geprägt. So findet sich die Speisungsgeschichte Jesu auch bei „Michel aus Lönneberga“: Als Michel sah, dass die Armenhäusler von Katthult nichts von den traditionellen Weihnachtsgaben abbekommen hatten, lud er sie kurzerhand auf den Hof ein. Seine Eltern waren nicht zu Hause und so verteilte Michel die Vorräte, die eigentlich für den Weihnachtsbesuch am nächsten Tag bestimmt waren. „Die sind schon dick genug“, sagte er, als Schwester Klein-Ida Einwände erhob.

Eines der typischen Lindgren-Themen sei der Schaden und Nutzen von Macht, wird ihr nachgesagt. Die starke und selbstbewusste Pippi Langstrumpf zeigt, wie Macht für Gutes genutzt werden kann. „Ronja Räubertochter“ gibt ein Beispiel, wie Feindschaft zwischen Gruppen überwunden werden kann. In Büchern wie „Mio, mein Mio“ oder „Brüder Löwenherz“ ist der Tod Thema und im Märchen „Sonnenau“ das biblische Paradies. Ich finde es gut, dass den Kindern hier keine heile Welt vorgetäuscht wird. Astrid Lindgren hat in diesen Werken versucht, Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen.

Das Menschenbild der Schriftstellerin wird z.B. in einer Geschichte sichtbar, in der Michels Mutter von den Bewohnern von Lönneberga Geld bekommt, damit sie ihren wilden, lümmelhaften Lausbuben nach Amerika verkaufen kann. Doch Michels Mutter wirft ihnen das Geld vor die Füße: „Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

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Roger Moch

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Mo. 09.11.15
Eine Gabe ist eine Aufgabe
Susanne Briese
Eine Gabe ist eine Aufgabe

„Brot!“ Schlicht und einfach. Manchmal braucht eine Wahrheit nur ein Wort. „Brot!“ Mit diesem Wort ist ein berühmtes Bild der Künstlerin Käthe Kollwitz überschrieben.

Wenn ich mir das Bild in Erinnerung rufe, spüre ich wieder das Mitgefühl für die Kinder, die am Rockzipfel der Mutter hängen, weil sie es vor Hunger nicht mehr aushalten können. „Wann gibt es was zu essen?“ Oder vielleicht – was noch schwerer zu ertragen wäre: „Warum gibst du uns nichts zu essen?“ Die Mutter, die auf dem Bild gezeichnet ist, kann ihren eigenen Kindern nicht in die Augen sehen. Sie verbirgt ihr Gesicht. Es muss schrecklich sein für eine Mutter, ihre Kinder leiden zu sehen und nichts dagegen tun zu können. Hunger tut weh. Auch der Seele. Käthe Kollwitz fertigte die Lithographie „Brot!“ im Jahre 1924 an und legt ihr klares Engagement für Menschen in Not hinein.

 

„Gabe ist eine Aufgabe“. Dieses Lebensmotto verdankt die Künstlerin ihrem Großvater Julius Rupp. Sie hat ihr Wirken diesem Leitsatz folgend Menschen gewidmet, die Unterstützung brauchen. Sie erarbeitete Bilder zu Hunger, Verzweiflung und Arbeitslosigkeit, sie zeigte in ihren Bildern Witwen, schuf Bilder vom Elend und vom Sterben der Kinder. Allesamt Bilder, die zum Frieden mahnen. „Gabe ist eine Aufgabe“. Was sie kann, setzt sie ein für andere. Die Bilder von Käthe Kollwitz öffnen Augen und werben für die Solidarität mit den Schwachen.

 

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8) Eine Gabe ist eine Aufgabe. Das bleibt auch heute wichtig.

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Mo. 02.11.15
Hallo Reformationstag
Roger Moch
Hallo Reformationstag

Reformationstag und Halloween – das sind auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Feste, die einander vor allem aufgrund des Datums Konkurrenz machen.

Halloween ist ein Fest, über das manche den Kopf schütteln. Das Treiben der Kinder und Jugendlichen wird argwöhnisch beobachtet. Nicht nur junge Menschen ziehen Zombie-Kostüme an und jagen anderen Angst ein. Sie schreien: „Süßes, oder es gibt Saures!", stacheln rachsüchtig Streiche an, wenn die Drohung nicht gefruchtet hat. Da klagen oder stöhnen manche, dass der Tag des Thesenanschlags dem Spaßfaktor von meist Jugendlichen und des Eindringens von Unglauben zum Opfer fällt. Dabei zeugt der Name „All Hallows’ Eve (Abend vor Allerheiligen)“ von dem Versuch, ein ursprünglich heidnisches Fest, dessen Wurzeln im Dunklen liegen, zu christianisieren.

Im Mittelalter war es die Kirche, die den Teufel an die Wand malte, die Furcht und Schrecken verbreitete. „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt", war ein weit verbreiteter Spruch. Denn wer nicht den Ablass zahlen wollte, für den sah es ganz düster aus. Hölle und Feuersbrunst warteten darauf, die menschliche Seele zu verzehren. Welcher Erwachsene konnte sich angesichts dieses Schreckens der Ablasszahlung widersetzen?

Kinder und Jugendliche heute fürchten ebenso das Böse, wie dunkle Gestalten im Gebüsch, Monster unter dem Bett, abschreckende Bilder im Internet. Sie haben Angst, allein zu sein, schuldig zu sein, vor dem Sterben und dem Tod. Kommen ihre Ängste in unseren Kirchen, Gottesdiensten und Gemeinden vor? Werden ihre Befürchtungen von Erwachsenen wahr- und ernst genommen?

Kinder und Jugendliche versuchen da, sich selbst zu helfen. Auf dem Pausenhof spielen sie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann" und laufen „dem Bösen" entgegen. In der dunklen Jahreszeit schlüpfen sie sogar in die Rollen, die ihre gemeinschaftliche Angst verkörpern, in die der Zombies, Mörder und Totenmänner. Sie gestehen sich ihre „Lust" ein, auch mal „böse" sein zu wollen, und lassen gegebenenfalls Wut und Aggressionen zu. An Halloween verkehrt sich nämlich, was sie sonst erleben. Den Erwachsenen gegenüber sind sie nicht mehr schwach, sondern stark. Erwachsene spielen das Spiel mit, so wie damals auf dem Pausenhof. Sie stellen sich dem „schwarzen Mann" entgegen, auch wenn meist nur harmlose verkleidete Kinder vor der Tür stehen, und zahlen wie im Mittelalter einen Ablass. Vor nicht mal 500 Jahren nahm Martin Luther die Höllenängste der Menschen ernst. Er zeigte nicht abwertend mit dem Finger auf die Fratzen, die sie an Hauswände gemalt hatten. Sondern er wies ihnen den Weg aus der Angst. Das feiern wir unter anderem auch heute noch am Tag der Reformation.

 

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Mo. 02.11.15
Die armen Seelen in Not
Meret Köhne
Die armen Seelen in Not

Vor langer Zeit lebte in Irland ein Hufschmied namens Jack Oldfield. Am Abend vor Allerheiligen saß der trunksüchtige Jack in der Dorfkneipe, als plötzlich der Teufel neben ihm stand. Jack bot ihm seine Seele an für einen letzten Drink. Der Teufel verwandelte sich in eine Sixpence-Münze, um den Wirt zu bezahlen. Jack aber steckte die Münze schnell in seinen Geldbeutel und verschloss ihn fest. Und weil er im Geldbeutel ein silbernes Kreuz hatte, konnte der Teufel sich nicht zurückverwandeln. Jack verhandelte mit dem Teufel: Er ließ ihn frei und der Teufel versprach, Jacks Seele nicht anzurühren.

Als Jack viele Jahre später starb, bat er im Himmel um Einlass. Da er in seinem Leben nicht gerade brav gewesen war, wurde er abgewiesen. Er begab sich zu den Höllentoren. Aber auch der Teufel schickte ihn weg. Doch weil es so dunkel, kalt und windig war, bekam der Teufel Mitleid und schenkte Jack eine glühende Kohle direkt aus dem Höllenfeuer. Jack steckte die Kohle in eine ausgehöhlte Rübe. Seitdem wandelt seine verdammte Seele mit der Laterne an Halloween durch die Dunkelheit.

Mittlerweile sieht man auch vor immer mehr norddeutschen Haustüren glühende Kürbisfratzen stehen. Die Legende vom gerissen Jack Oldfield klingt faszinierend und schaurig schön. Hier kommt der einfache Volksglauben nochmal auf seine Kosten. Bedauerlicherweise fällt Halloween auf den 31. Oktober. Genau an diesem Tag ging Martin Luther mit seiner reformatorischen Idee an die Öffentlichkeit. Sein Anliegen war es, seinen verängstigten Mitmenschen klar zu machen: Gott sieht jeden Gläubigen als sein geliebtes Kind an, unabhängig von seinen Leistungen.

Ich mag Halloween nicht! Die Vorstellung Seelen irren nach dem Tod ungehalten in einer Zwischenwelt herum, macht mir Angst. Mir tut es gut, mich in diesen dunklen Zeiten, auf meinen Gott verlassen zu können, der mich so annimmt, wie ich bin – ganz nach Luther.

Einen schönen Reformationstag wünscht Ihnen,

Meret Köhne

Vikarin in Horstedt

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Meret Köhne

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Mo. 26.10.15
Fürchte dich nicht!
Yorick Schulz-Wacker…
Fürchte dich nicht!

„Du gehörst hier nicht hin! Geh zurück in dein eigenes Land! Hier bei uns wollen wir dich nicht haben.“ Mindestens 15.000 Menschen gingen am Montag in Dresden auf die Straße. 15.000 Menschen aus nur einer Stadt haben Angst davor, dass ihnen Menschen aus anderen Ländern etwas wegnehmen oder kaputt machen wollen: Unsere Kultur? Unseren Wohlstand? Unsere Ruhe? ... Was eigentlich? Angst ist kein guter Ratgeber. Das steht fest. Wo Menschen Angst haben, werden keine guten Entscheidungen getroffen.

„Fürchte dich nicht!“ So heißt es in der Bibel. Bei der Taufe sprechen wir einem Kind diesen Satz zu: „Fürchte dich nicht […] ich habe dich bei deinem Namen gerufen“. Als Christen glauben wir, dass wir die Angst nicht besiegen, indem wir einen Feind bekämpfen. Wir sind sogar dazu aufgerufen, unsere Feinde zu lieben. Den Mut und die Kraft dazu spendet die Zusage Gottes: „Fürchte dich nicht, […] ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“. Das sagt Gott zu dir. Das sagt Gott zu jedem Flüchtling. Das sagt Gott zu jedem Menschen, der Angst hat: „Du bist mein“.

Die Zusage Gottes löst nicht gleich alle Probleme. Konkrete Fragen müssen geklärt werden: Wo bringen wir die Menschen unter, die zu uns geflohen sind? Wie können wir aufeinander zugehen, wenn unterschiedliche Sprachen und Sitten zwischen uns stehen? Gottes Zuspruch lässt diese Probleme nicht einfach verschwinden, er bietet uns aber eine andere Herangehensweise an diese Probleme. Er lässt Menschen, die uns eventuell Angst machen oder die uns wie Feinde erscheinen, in einem neuen Licht erscheinen: Ihnen gilt der Zuspruch Gottes genau wie uns.

Mindestens 15.000 Menschen sind am Montag aus Angst auf die Straße gegangen. Am selben Tag haben sich aber genau so viele Dresdener aufgemacht, um gegen die Angstmacherei ein Zeichen zu setzen: Mit „Herz, statt Hetze“. Mit Vertrauen statt Angst. So kann es auch sein. „Fürchte dich nicht!“

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Yorick Schulz-Wackerbarth

Yorick
Schulz-Wackerbarth
Vikar in der Kirchengemeinde Fintel
Di. 20.10.15
Gottes Wille im Herzen
Susanne Briese
Gottes Wille im Herzen

Sie ist eine ganz normale Frau „aus guten Verhältnissen“. Nicht viele wissen oder ahnen, dass sie die meiste Freizeit in einer Obdachloseninitiative ihrer Kirchengemeinde verbringt. Dort kocht sie mit Lebensmitteln, die täglich von der „Tafel“ als Spenden geliefert werden. Abends wird der Tagestreff für Obdachlose geschlossen. Die Männer und Frauen müssen wieder auf die Straße. Am liebsten würde sie eine Unterkunft anbauen. Mit Vorurteilen gegen die Obdachlosen kann sie umgehen. Sie hatte früher selbst welche. Aber jetzt hat sie keine Berührungsängste mehr. Vor kurzem fragte sie einen der Männer im Obdachlosentreffpunkt, ob er Familie hat. - Nein, sagte er. Er habe keine Geschwister. Und seinen Vater habe er nie kennen gelernt. Seine Mutter sei mit 35 durch Alkoholvergiftung gestorben. Seit Jahren schon lebe er auf der Straße. - Kann man da noch sagen: Selber schuld an seinem Schicksal?

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“, lässt Gott den Propheten Jeremia sagen. Diese Frau, die einen großen Teil ihrer Freizeit in die Arbeit mit Obdachlosen investiert, ist ein gutes Beispiel für Menschen, denen Gottes Wille in das Herz gegeben ist. Leute wie sie haben einen guten inneren Kompass. Und der leitet sie. Sie engagieren sich für das, was sie als Gutes begriffen haben - oder vielleicht besser: was sie ergriffen hat. Und das macht sie auch stark gegen Widerspruch und Vorurteile. Und ganz nebenbei macht das Engagement das Leben reicher: „Ich bin gern für andere Menschen da. Das ist für mich christliches Leben. Und mein Alltag ist dadurch auch anders geworden. Irgendwie lebe ich mit mehr Tiefe.“

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Mo. 28.09.15
Mauern überwinden
Frank Hasselberg
Mauern überwinden

Als ich Kind war, gab es in unserer Familie das geflügelte Wort, dass der 13. August ein Katastrophentag sei: Zum einen wurde da die Berliner Mauer errichtet, zum anderen unsere Tante geboren (deren Namen ich aus Gründen der Pietät hier verschweige). Während besagte Tante mit zunehmendem Alter umgänglicher wurde, behielt die Mauer bis zum Schluss ihre Schrecken. Gott sei Dank wurde dieses unmenschliche Bauwerk „nur“ 28 Jahre alt. Und doch alt genug, um Leid und Schrecken über viele Menschen zu bringen. Neulich sagte mir im Gespräch ein „Ossi“ mit zynischem Unterton: „Meinetwegen können wir, wie es einige im Westen wollen, die Mauer wieder aufbauen – aber diesmal nehmt ihr die Russen!“

Und heute? Israel erweitert seine Trennanlagen zum Westjordanland, mitten durch das Cremisan-Tal in Beit Jala bei Bethlehem. Das ist der „letzte Sargnagel Bethlehems“, kritisiert das eine Menschenrechtsorganisation. Und einige Länder am südöstlichen Rand der Europäischen Union versuchen, den Flüchtlingsstrom durch brutale Sperranlagen zu stoppen. Sie mauern sich ein und grenzen damit Hilfesuchende aus.

Ich denke, wir Deutsche haben aus unserer Geschichte gelernt, dass Mauern letztlich den Freiheitswillen von Menschen nicht behindern können und irgendwann fallen. Die Mauer in Deutschland ist bei einer friedlichen Revolution verschwunden. Die Rolle der Kirche bei diesem Geschehen fasste der ehemalige Präsident der Volkskammer der DDR, Horst Sindermann, in einem rückblickenden Interview so zusammen: „Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

So bewahrheitete sich der Vers aus dem 18. Psalm: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ Gelebter Glaube kann überwinden, was Menschen voneinander trennt. Dazu gibt es im Evangelischen Gesangbuch ein schönes Lied unter der Nummer 612: „Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehn. Ich möchte über Zäune schauen und über hohe Mauern gehn... Ob Friede wird, liegt auch an mir.“

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Mo. 28.09.15
Vielfalt statt Einfalt
Martin Söffing
Vielfalt statt Einfalt

Am kommenden Sonntag wird mit einem ökumenischen Gottesdienst zum 40. Mal die Interkulturelle Woche eröffnet. „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ lautet das Motto in diesem Jahr.

Das Plakat zeigt fünf Klingelschilder an einer Hauswand. Aber ich lese keine Namen auf den Schildern. Ich sehe Gesichter der Menschen, die dort leben.

Im Erdgeschoss lebt ein Paar, fröhliche Gesichter von zwei jungen Männern schauen mich an.

Darüber lacht mir ein junger Mann entgegen. Aus seinem dunklen Gesicht strahlen braune Augen ins Leben.

In der dritten Etage leben drei junge Menschen, vielleicht Studierende. Woher sie wohl kommen? Aus Japan vielleicht?

Über ihnen in der Wohnung lebt eine Familie. Eltern mit ihrem Sohn schauen nach oben. Da lebt eine ältere Frau. Sie blickt auf die junge Familie in der unteren Wohnung. Passt sie manchmal auf den kleinen Jungen auf? Sie hat schon viele Lebensjahre gesammelt. Ob sie ein Flüchtlingskind war? Was sie wohl alles erlebt hat?

 

Die Fotos machen mich neugierig: Welche Geschichte gehört zu diesen Menschen? Wie kann ich etwas von ihnen erfahren?

Klingeln. Ich kann einfach mal klingeln.

Vielleicht wird mir geöffnet.

Vielleicht darf ich eintreten in ihre Lebensgeschichten.

 

Sie wohnen in einem Haus, unter einem Dach. Sie leben miteinander, teilen die Haustür, das Treppenhaus, den Garten. Jeder hat einen eigenen Eingang zu seiner Wohnung.

In der Bibel erfahre ich, dass Gott der Schöpfer aller Menschen ist. Er hat alle Menschen mit Glanz und Würde gekrönt, sagt Psalm 8. Alle Menschen sind seine Hausgenossen unter seinem Dach, schreibt Paulus.

Die Vielfalt der Menschen Gottes kennenzulernen: Das Beste gegen Einfalt!

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Martin Söffing

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Mo. 14.09.15
Willkommen in Deutschland
Jutta Wendland-Park
Willkommen in Deutschland

Das vorherrschende Thema in den Medien ist zurzeit die Flüchtlingsproblematik. Jeden Tag sehen wir Bilder, die uns erschrecken und sich tief in unser Gedächtnis eingraben: Ein kleiner ertrunkener Junge am Strand liegend. Tote Männer, Frauen und Kinder in einem Kühllaster. Menschen, die lauthals ihre Fremdenhass-Parolen den Flüchtlingen entgegenschreien. Bilder, die beschämen und fassungslos machen.

Aber es gibt auch die andere Seite. Prominente und Politiker, die klare und deutliche Worte finden. Menschen, die mit großem ehrenamtlichem Engagement vor Ort unterstützen. Bilder von Menschen, die erschöpfte Flüchtlinge mit Applaus und Welcome-Schildern am Bahnhof begrüßen. Mit ihren Worten und Taten bilden sie alle einen Gegenpol zu Fremdenhass und Ausgrenzung.

Auch hier in Rotenburg und den umliegenden Gemeinden gibt es eine große Bereitschaft zu helfen durch ehrenamtliche Unterstützerkreise, durch Nachbarn und Patenschaften, durch Kirche und Diakonie.

Migration und Flucht ziehen sich wie ein roter Faden auch durch die Bibel. Schon das Volk Israel flüchtete aus Ägypten. Und Maria und Josef fliehen mit ihrem Baby vor der Gewalt des Diktators Herodes nach Ägypten. Die erste Erfahrung im Leben des Kindes Jesus ist die Flucht. "Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen." So heißt es im Alten Testament und Christen werden im 2. Petrusbrief selbst als Fremdlinge auf dieser Erde bezeichnet.

Flüchtlinge sind also eine Chance, der Liebe Gottes in Jesus Christus eine Gestalt zu geben und sie erfahrbar werden zu lassen. Einen großen Dank an alle, die sich daran beteiligen und damit Zeichen setzen.

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Jutta Wendland-Park

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
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Mo. 14.09.15
Sieben in einer Warteschlange
Dr. Matthias Wilke
Sieben in einer Warteschlange

„Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht“ (2. Timotheus 1,10). Das heißt übersetzt: ich muss nicht mehr vor dem Tod zurückschrecken, sondern kann mich darauf konzentrieren zu leben. Was würde passieren, wenn ich das begreifen könnte? Reihen wir uns einmal ein in die Schlange derer, die darauf warten, dass sie an der Reihe sind.

Ein Bahnhofsschalter. Hinter uns ein Mann, Anfang 60, weißhaarig, gepflegtes Äußeres. Er und seine Frau – ein Team: er redet, sie bestätigt. Beide werden von einer kleinen, korpulenten Dame an die Seite gedrängt, die eine zweite Frau mit Krückstock hinter sich her dirigiert. Der gepflegte Weiße: „Da hinten ist das Ende…“ – die korpulente Kleine: „Wir sind zu 90% schwerbehindert und dürfen hier gleich nach vorne.“ Der Mann nach kurzer Erregung zu seiner Frau: „Man sollte zwei Schlangen einrichten: eine für Behinderte und Senioren und eine für Normale.“ Wo würde er sich einreihen? Und was würde sich ändern, wenn er sich darauf konzentrieren würde, wie und wofür er lebt?

Zweite Szene. Gleiche Schlange vor uns. Ein junger Mann vertieft sich in sein Smartphone. Darauf ein Bild: eine Frau mit Mütze, trauriger Blick, ein Winken? Ein Bild zurück auf das Land, von dem er gerade abgelegt hat. Lange schaut er, dann schaltet er um auf „Fotografieren“, zieht ein Dokument aus der Tasche („Mehrzwecktasche zum wiederholten Gebrauch“ steht unten auf ihr geschrieben) und fotografiert es ab: „Antrag auf Bundesdeutsches Asyl“. Was für ein Bild wäre auf meinem Smartphone? Und was würde ich ändern, wenn ich begreifen könnte, dass ich frei bin, zu leben?

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
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Matthias
Wilke
Pastor
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Mo. 07.09.15
Züge aus Ungarn
Peter Handrich
Züge aus Ungarn

1989 sammelten sich in den Botschaften Ungarns und der Tschechoslowakei Menschen aus der DDR, die in den Westen wollten. Am 30. September 1989 wurde klar, dass die in Budapest Campierenden mit Zügen nach Westdeutschland ausreisen durften. Die Freude war groß.

Dieser Tage kommen wieder Züge aus Ungarn in Deutschland an. In ihnen sind Flüchtlinge aus Syrien, die den jahrelangen Bürgerkrieg einfach nicht mehr aushalten können – und auch Flüchtlinge aus anderen Ländern, die zu uns kommen, weil die wirtschaftliche Lage in ihren Heimatländern sie hoffen lässt, dass es ihnen bei uns besser gehen wird. Das sind die so genannten „Wirtschaftsflüchtlinge“, die viele gern sofort wieder zurückschicken möchten, allen voran unser Innenminister.

Allerdings gibt es bei uns so viele Dinge nur deshalb zu so günstigen Preisen zu kaufen, weil sie in anderen Ländern unter Bedingungen hergestellt werden, die Menschen arm machen. Kein Wunder, dass sie zu uns wollen. Weil wir hier ja viel Geld verdienen und alles so billig ist. „Etwas besseres als den Tod finden wir überall“, sagen die Bremer Stadtmusikanten. In unseren Zeiten haben sie nur halb Recht, weil sie auch im Meer ertrinken oder in LKWs ersticken können – aber wenn sie dann hier sind, dann haben wir doch die moralische Pflicht, ihnen auf eine Weise weiter zu helfen, dass sie bei uns gut leben können. Gut, dass das viele Menschen gerade auch genau so machen.

Aber wir haben noch zwei weitere moralische Pflichten: Solange die Weltwirtschaft so funktioniert, wie sie funktioniert, brauchen wir erlaubte und sichere Fluchtrouten. Fähren. Und Busse. Und wir müssen alles dafür tun, dass alle Menschen von ihrer Arbeit gut leben können. In Europa und in allen anderen Ländern.

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
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Mo. 31.08.15
Tür-und-Angel-Gespräch
Roger Moch
Tür-und-Angel-Gespräch

Es gibt viele Menschen, die drückende Lasten viel zu lange mit sich herumschleppen. Sicher, einige können diese inneren Belastungen auch ganz gut verdrängen. Sie schalten ihr Gewissen einfach aus. Sie rechtfertigen sich selbst und reden sich ein, die anderen sind auch nicht besser als ich - selber schuld, wenn sie sich so benehmen, oder man muss ja irgendwie sehen, wie man im Leben zurechtkommt.

Aber es gibt eben auch Menschen, die so einfach keinen Frieden in ihrem Leben finden. Sie kommen mit sich und der Welt nicht richtig ins Reine. Manchmal hat das sehr konkrete Ursachen. In einem Gespräch zwischen Tür und Angel in der Schule (das passiert nicht selten) erzählte mir ein Jugendlicher, dass er auf einer Party mehrere CDs mitgehen lassen hatte. Die Musik hätte ihm so gut gefallen, dass er nicht widerstehen konnte. Doch nachdem er die CDs einfach eingesteckt hatte, fand er keine Ruhe mehr. Jedes Mal, wenn er die Musik anhörte, er hatte sie in der Zwischenzeit auf sein iPhone gezogen, konnte er sich nicht darüber freuen, immer wieder kam sein schlechtes Gewissen hoch. Er fragte mich, was er jetzt machen solle. Ich überlegte und riet ihm dann, er könne zum Besitzer hingehen und ihm den Diebstahl beichten und die gestohlenen CDs zurückgegeben. „Nee, das will ich eigentlich nicht, dann kriegen ja alle mit, dass ich geklaut habe. Sie wissen doch, wie schnell das über Facebook und WhatsApp und so geht“, entgegnete er. Ein paar Wochen später sagte er mir nach dem Unterricht, dass er die CDs zurückgegeben habe. Und über Facebook & Co sei nichts gekommen.

Ich finde das sehr mutig. Viele Streitigkeiten und Beleidigungen könnten durch ernst gemeinte Entschuldigungen schnell wieder aus der Welt geräumt werden.

Manche Menschen werden Tag und Nacht geplagt, weil sie einen Fehler begangen haben. Manche haben Angst, was sie nun alles umgekehrt treffen wird und sie ihren Frieden los sind. Aber nicht jedes Unrecht lässt sich so leicht aus der Welt schaffen, wie gestohlene CDs. Der Apostel Paulus, der lange mit seinem Eifer und seinen Ängsten ringen musste schreibt dazu: "Wir haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir im Glauben den Zugang haben zur Gnade." Ich verstehe das so: Christus beschenkt mich mit seinem Frieden. Gott lässt mich nicht fallen. Er schätzt mich. Ich bin in Ordnung, auch wenn ich mal etwas falsch gemacht habe. Das kann ich glauben. Das gibt mir Ruhe. Das gibt mir Frieden. Das wünsche ich Ihnen auch, dass Sie diesen Frieden erleben können.

 

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Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Stühkamp 20
27386
Westerwalsede
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(04269) 1899
Do. 27.08.15
Geschenkte Zeit
Frank Hasselberg
Geschenkte Zeit

„Wenn man älter wird, vergeht die Zeit immer schneller.“ Früher hat meine Oma diesen Satz gesagt, später meine Mutter, und heute empfinde ich das selber so. Als Kind war die Zeit bis Weihnachten immer endlos lang, als Jugendlicher konnte ich es kaum erwarten, endlich 18 zu werden. Und heute? Die erste Hälfte des Jahres 2015 ist wie im Flug vergangen, abends wird es schon spürbar früher dunkel. Beängstigend. In einem neueren Kirchenlied heißt es: „Hilflos seh´ ich, wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag´, wo sie geblieben sind.“ Genauso geht es mir häufig.

Da kommt ein Zeit-Geschenk wie gerufen. Leider bewegt sich unsere Erde ja nicht so gleichmäßig, wie die Atomuhr es verlangt. Da muss der Mensch natürlich die Schöpfung korrigieren, deshalb wurde kürzlich eine Schaltsekunde eingefügt. Haben Sie es bemerkt oder diesen Augenblick verschlafen? Auf die Frage, was sie mit dieser zusätzlichen Sekunde anfangen wollen, antworteten Passanten bei einer Umfrage: „einen Schluck Wein trinken“, „schlafen“, „meinen Partner küssen“. Alles Drei sympathische Ideen, wie ich finde. Und mir wird deutlich: Die Zeit können wir nicht beeinflussen, aber was wir daraus machen, liegt zum großen Teil in unserer Hand. Gut: Für uns Menschen ist eine Sekunde nichts, aber für eine Eintagsfliege könnte sie ähnlich viel bedeuten wie für uns die „geschenkte“ Stunde am Ende der Sommerzeit. Das ist immer relativ und liegt im Auge oder im Empfinden des Betrachters. Worauf es mir ankommt: Zeit ist immer ein Geschenk, sie ist Gabe und Aufgabe, etwas daraus zu machen. Ich will sie sinnvoll nutzen und bewusst genießen, nicht nur jetzt im Urlaub in Dänemark. Und Gott dafür danken, so wie es im Refrain des Liedes heißt: „Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor in der Markusgemeinde
Ernst-Dax-Straße 8
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Schneverdingen
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Mo. 03.08.15
Huch!? Ein Ungeheuer!
Huch!? Ein Ungeheuer!

Urlaubszeit – Zeit zum Entspannen? Samstagmittag: Ich fahre mit dem Auto; wobei – von „fahren“ kann nicht die Rede sein. Ich krieche mit dem Auto, und dann stehe ich. Irgendwo auf der A7. Die Sonne verwandelt meinen Wagen in eine Sauna. Klimaanlage wäre schön gewesen. Langsam schiebt sich die Autoschlange auf der Fahrbahn dahin. Und in den Autos?

Menschen auf der Suche nach Entspannung, nach Urlaub. Klar sind sie zu erkennen an ihren Utensilien im Kofferraum: Ein grünes Schwimmringungeheuer grinst mich an. In die hinterste Ecke hat gerade so noch ein Schlafsack gepasst. Kofferräume, die bis obenhin beladen sind. Alles, was man braucht für einen Urlaub (und wahrscheinlich noch viel mehr).

Urlaubszeit – Zeit zum Entspannen? Wäre doch mal interessant zu wissen, wie viele Urlaube so anfangen: Im Stau auf der Autobahn. Oder alternativ am Flughafen: Flieger fällt aus. Oder am Bahnhof: Anschlusszug verpasst. Ergebnis ist ja immer dasselbe: Stress pur. Den hätte man ja eigentlich auch zu Hause haben können oder auf der Arbeit.

Zurück aber in meine kleine rollende Sauna: Während ich da so im Stau vor mich hin stehe, krame ich auf dem Beifahrersitz. Eine Karte liegt da. Auf ihr steht: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Jetzt heißt es: Humor beweisen, denn meine Zeit wird die nächsten anderthalb Stunden noch in diesem Stau in deinen Händen stehen! Obwohl: Wo ich hier schon so stehe – so richtig „entschleunigt“ im wahrsten Sinne: Gut, nehme ich die zwangsverordnete Pause doch mal an. Schließlich können solche Momente auch gut sein, um etwas Verborgenes zu entdecken. Und wenn es zuerst nur das Schwimmringungeheuer im Auto vor mir ist.

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