Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 14.09.15
Willkommen in Deutschland
Jutta Wendland-Park
Willkommen in Deutschland

Das vorherrschende Thema in den Medien ist zurzeit die Flüchtlingsproblematik. Jeden Tag sehen wir Bilder, die uns erschrecken und sich tief in unser Gedächtnis eingraben: Ein kleiner ertrunkener Junge am Strand liegend. Tote Männer, Frauen und Kinder in einem Kühllaster. Menschen, die lauthals ihre Fremdenhass-Parolen den Flüchtlingen entgegenschreien. Bilder, die beschämen und fassungslos machen.

Aber es gibt auch die andere Seite. Prominente und Politiker, die klare und deutliche Worte finden. Menschen, die mit großem ehrenamtlichem Engagement vor Ort unterstützen. Bilder von Menschen, die erschöpfte Flüchtlinge mit Applaus und Welcome-Schildern am Bahnhof begrüßen. Mit ihren Worten und Taten bilden sie alle einen Gegenpol zu Fremdenhass und Ausgrenzung.

Auch hier in Rotenburg und den umliegenden Gemeinden gibt es eine große Bereitschaft zu helfen durch ehrenamtliche Unterstützerkreise, durch Nachbarn und Patenschaften, durch Kirche und Diakonie.

Migration und Flucht ziehen sich wie ein roter Faden auch durch die Bibel. Schon das Volk Israel flüchtete aus Ägypten. Und Maria und Josef fliehen mit ihrem Baby vor der Gewalt des Diktators Herodes nach Ägypten. Die erste Erfahrung im Leben des Kindes Jesus ist die Flucht. "Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen." So heißt es im Alten Testament und Christen werden im 2. Petrusbrief selbst als Fremdlinge auf dieser Erde bezeichnet.

Flüchtlinge sind also eine Chance, der Liebe Gottes in Jesus Christus eine Gestalt zu geben und sie erfahrbar werden zu lassen. Einen großen Dank an alle, die sich daran beteiligen und damit Zeichen setzen.

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Jutta Wendland-Park

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Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke
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Mo. 14.09.15
Sieben in einer Warteschlange
Dr. Matthias Wilke
Sieben in einer Warteschlange

„Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht“ (2. Timotheus 1,10). Das heißt übersetzt: ich muss nicht mehr vor dem Tod zurückschrecken, sondern kann mich darauf konzentrieren zu leben. Was würde passieren, wenn ich das begreifen könnte? Reihen wir uns einmal ein in die Schlange derer, die darauf warten, dass sie an der Reihe sind.

Ein Bahnhofsschalter. Hinter uns ein Mann, Anfang 60, weißhaarig, gepflegtes Äußeres. Er und seine Frau – ein Team: er redet, sie bestätigt. Beide werden von einer kleinen, korpulenten Dame an die Seite gedrängt, die eine zweite Frau mit Krückstock hinter sich her dirigiert. Der gepflegte Weiße: „Da hinten ist das Ende…“ – die korpulente Kleine: „Wir sind zu 90% schwerbehindert und dürfen hier gleich nach vorne.“ Der Mann nach kurzer Erregung zu seiner Frau: „Man sollte zwei Schlangen einrichten: eine für Behinderte und Senioren und eine für Normale.“ Wo würde er sich einreihen? Und was würde sich ändern, wenn er sich darauf konzentrieren würde, wie und wofür er lebt?

Zweite Szene. Gleiche Schlange vor uns. Ein junger Mann vertieft sich in sein Smartphone. Darauf ein Bild: eine Frau mit Mütze, trauriger Blick, ein Winken? Ein Bild zurück auf das Land, von dem er gerade abgelegt hat. Lange schaut er, dann schaltet er um auf „Fotografieren“, zieht ein Dokument aus der Tasche („Mehrzwecktasche zum wiederholten Gebrauch“ steht unten auf ihr geschrieben) und fotografiert es ab: „Antrag auf Bundesdeutsches Asyl“. Was für ein Bild wäre auf meinem Smartphone? Und was würde ich ändern, wenn ich begreifen könnte, dass ich frei bin, zu leben?

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Dr. Matthias Wilke

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Matthias
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Mo. 07.09.15
Züge aus Ungarn
Peter Handrich
Züge aus Ungarn

1989 sammelten sich in den Botschaften Ungarns und der Tschechoslowakei Menschen aus der DDR, die in den Westen wollten. Am 30. September 1989 wurde klar, dass die in Budapest Campierenden mit Zügen nach Westdeutschland ausreisen durften. Die Freude war groß.

Dieser Tage kommen wieder Züge aus Ungarn in Deutschland an. In ihnen sind Flüchtlinge aus Syrien, die den jahrelangen Bürgerkrieg einfach nicht mehr aushalten können – und auch Flüchtlinge aus anderen Ländern, die zu uns kommen, weil die wirtschaftliche Lage in ihren Heimatländern sie hoffen lässt, dass es ihnen bei uns besser gehen wird. Das sind die so genannten „Wirtschaftsflüchtlinge“, die viele gern sofort wieder zurückschicken möchten, allen voran unser Innenminister.

Allerdings gibt es bei uns so viele Dinge nur deshalb zu so günstigen Preisen zu kaufen, weil sie in anderen Ländern unter Bedingungen hergestellt werden, die Menschen arm machen. Kein Wunder, dass sie zu uns wollen. Weil wir hier ja viel Geld verdienen und alles so billig ist. „Etwas besseres als den Tod finden wir überall“, sagen die Bremer Stadtmusikanten. In unseren Zeiten haben sie nur halb Recht, weil sie auch im Meer ertrinken oder in LKWs ersticken können – aber wenn sie dann hier sind, dann haben wir doch die moralische Pflicht, ihnen auf eine Weise weiter zu helfen, dass sie bei uns gut leben können. Gut, dass das viele Menschen gerade auch genau so machen.

Aber wir haben noch zwei weitere moralische Pflichten: Solange die Weltwirtschaft so funktioniert, wie sie funktioniert, brauchen wir erlaubte und sichere Fluchtrouten. Fähren. Und Busse. Und wir müssen alles dafür tun, dass alle Menschen von ihrer Arbeit gut leben können. In Europa und in allen anderen Ländern.

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Peter Handrich

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Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
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(04261) 920889
Mo. 31.08.15
Tür-und-Angel-Gespräch
Roger Moch
Tür-und-Angel-Gespräch

Es gibt viele Menschen, die drückende Lasten viel zu lange mit sich herumschleppen. Sicher, einige können diese inneren Belastungen auch ganz gut verdrängen. Sie schalten ihr Gewissen einfach aus. Sie rechtfertigen sich selbst und reden sich ein, die anderen sind auch nicht besser als ich - selber schuld, wenn sie sich so benehmen, oder man muss ja irgendwie sehen, wie man im Leben zurechtkommt.

Aber es gibt eben auch Menschen, die so einfach keinen Frieden in ihrem Leben finden. Sie kommen mit sich und der Welt nicht richtig ins Reine. Manchmal hat das sehr konkrete Ursachen. In einem Gespräch zwischen Tür und Angel in der Schule (das passiert nicht selten) erzählte mir ein Jugendlicher, dass er auf einer Party mehrere CDs mitgehen lassen hatte. Die Musik hätte ihm so gut gefallen, dass er nicht widerstehen konnte. Doch nachdem er die CDs einfach eingesteckt hatte, fand er keine Ruhe mehr. Jedes Mal, wenn er die Musik anhörte, er hatte sie in der Zwischenzeit auf sein iPhone gezogen, konnte er sich nicht darüber freuen, immer wieder kam sein schlechtes Gewissen hoch. Er fragte mich, was er jetzt machen solle. Ich überlegte und riet ihm dann, er könne zum Besitzer hingehen und ihm den Diebstahl beichten und die gestohlenen CDs zurückgegeben. „Nee, das will ich eigentlich nicht, dann kriegen ja alle mit, dass ich geklaut habe. Sie wissen doch, wie schnell das über Facebook und WhatsApp und so geht“, entgegnete er. Ein paar Wochen später sagte er mir nach dem Unterricht, dass er die CDs zurückgegeben habe. Und über Facebook & Co sei nichts gekommen.

Ich finde das sehr mutig. Viele Streitigkeiten und Beleidigungen könnten durch ernst gemeinte Entschuldigungen schnell wieder aus der Welt geräumt werden.

Manche Menschen werden Tag und Nacht geplagt, weil sie einen Fehler begangen haben. Manche haben Angst, was sie nun alles umgekehrt treffen wird und sie ihren Frieden los sind. Aber nicht jedes Unrecht lässt sich so leicht aus der Welt schaffen, wie gestohlene CDs. Der Apostel Paulus, der lange mit seinem Eifer und seinen Ängsten ringen musste schreibt dazu: "Wir haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir im Glauben den Zugang haben zur Gnade." Ich verstehe das so: Christus beschenkt mich mit seinem Frieden. Gott lässt mich nicht fallen. Er schätzt mich. Ich bin in Ordnung, auch wenn ich mal etwas falsch gemacht habe. Das kann ich glauben. Das gibt mir Ruhe. Das gibt mir Frieden. Das wünsche ich Ihnen auch, dass Sie diesen Frieden erleben können.

 

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Roger Moch

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Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
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27386
Westerwalsede
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Do. 27.08.15
Geschenkte Zeit
Frank Hasselberg
Geschenkte Zeit

„Wenn man älter wird, vergeht die Zeit immer schneller.“ Früher hat meine Oma diesen Satz gesagt, später meine Mutter, und heute empfinde ich das selber so. Als Kind war die Zeit bis Weihnachten immer endlos lang, als Jugendlicher konnte ich es kaum erwarten, endlich 18 zu werden. Und heute? Die erste Hälfte des Jahres 2015 ist wie im Flug vergangen, abends wird es schon spürbar früher dunkel. Beängstigend. In einem neueren Kirchenlied heißt es: „Hilflos seh´ ich, wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag´, wo sie geblieben sind.“ Genauso geht es mir häufig.

Da kommt ein Zeit-Geschenk wie gerufen. Leider bewegt sich unsere Erde ja nicht so gleichmäßig, wie die Atomuhr es verlangt. Da muss der Mensch natürlich die Schöpfung korrigieren, deshalb wurde kürzlich eine Schaltsekunde eingefügt. Haben Sie es bemerkt oder diesen Augenblick verschlafen? Auf die Frage, was sie mit dieser zusätzlichen Sekunde anfangen wollen, antworteten Passanten bei einer Umfrage: „einen Schluck Wein trinken“, „schlafen“, „meinen Partner küssen“. Alles Drei sympathische Ideen, wie ich finde. Und mir wird deutlich: Die Zeit können wir nicht beeinflussen, aber was wir daraus machen, liegt zum großen Teil in unserer Hand. Gut: Für uns Menschen ist eine Sekunde nichts, aber für eine Eintagsfliege könnte sie ähnlich viel bedeuten wie für uns die „geschenkte“ Stunde am Ende der Sommerzeit. Das ist immer relativ und liegt im Auge oder im Empfinden des Betrachters. Worauf es mir ankommt: Zeit ist immer ein Geschenk, sie ist Gabe und Aufgabe, etwas daraus zu machen. Ich will sie sinnvoll nutzen und bewusst genießen, nicht nur jetzt im Urlaub in Dänemark. Und Gott dafür danken, so wie es im Refrain des Liedes heißt: „Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

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Frank Hasselberg

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Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor in der Markusgemeinde
Ernst-Dax-Straße 8
29640
Schneverdingen
Tel.: 
05193 4130
Mo. 03.08.15
Huch!? Ein Ungeheuer!
Benjamin Jäckel
Huch!? Ein Ungeheuer!

Urlaubszeit – Zeit zum Entspannen? Samstagmittag: Ich fahre mit dem Auto; wobei – von „fahren“ kann nicht die Rede sein. Ich krieche mit dem Auto, und dann stehe ich. Irgendwo auf der A7. Die Sonne verwandelt meinen Wagen in eine Sauna. Klimaanlage wäre schön gewesen. Langsam schiebt sich die Autoschlange auf der Fahrbahn dahin. Und in den Autos?

Menschen auf der Suche nach Entspannung, nach Urlaub. Klar sind sie zu erkennen an ihren Utensilien im Kofferraum: Ein grünes Schwimmringungeheuer grinst mich an. In die hinterste Ecke hat gerade so noch ein Schlafsack gepasst. Kofferräume, die bis obenhin beladen sind. Alles, was man braucht für einen Urlaub (und wahrscheinlich noch viel mehr).

Urlaubszeit – Zeit zum Entspannen? Wäre doch mal interessant zu wissen, wie viele Urlaube so anfangen: Im Stau auf der Autobahn. Oder alternativ am Flughafen: Flieger fällt aus. Oder am Bahnhof: Anschlusszug verpasst. Ergebnis ist ja immer dasselbe: Stress pur. Den hätte man ja eigentlich auch zu Hause haben können oder auf der Arbeit.

Zurück aber in meine kleine rollende Sauna: Während ich da so im Stau vor mich hin stehe, krame ich auf dem Beifahrersitz. Eine Karte liegt da. Auf ihr steht: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Jetzt heißt es: Humor beweisen, denn meine Zeit wird die nächsten anderthalb Stunden noch in diesem Stau in deinen Händen stehen! Obwohl: Wo ich hier schon so stehe – so richtig „entschleunigt“ im wahrsten Sinne: Gut, nehme ich die zwangsverordnete Pause doch mal an. Schließlich können solche Momente auch gut sein, um etwas Verborgenes zu entdecken. Und wenn es zuerst nur das Schwimmringungeheuer im Auto vor mir ist.

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Benjamin Jäckel

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Pastor/-innen
Benjamin
Jäckel
Pastor
Große Straße 14
27383
Scheeßel
Mobil: 
(0151) 41445627
Mo. 27.07.15
Copy and paste
Pastorin Sabine Krüg…
Copy and paste

Seitdem ich mit dem Computer arbeite, ist das Leben um vieles leichter geworden. Ich mag mich gar nicht erinnern, wie ich damals im Studium noch mit Schreibmaschine und Tippex arbeiten musste. Und dann diese Erleichterungen! Fast automatisch werden heute die Tasten für copy and paste (kopieren und einfügen) genutzt, um fremde Texte oder Zitate in den eigenen Text zu kopieren.

Copy and paste sorgt aber gelegentlich auch für Ärger. Macht man diese fremden Texte zu seinem Eigentum, ohne sie als Zitate mit Anführungszeichen und Stellenangabe zu versehen, dann ist das geistiger Diebstahl. Ganze Doktortitel wurden so aberkannt, weil spitzfindige Prüfer den geistigen Dieben auf die Schliche kamen.

Copy und paste wird aber auch immer mehr zu einem Lebensstil. Es schockiert mich, wie viel in unserem Leben kopiert wird. Vielleicht aus Bequemlichkeit, Faulheit, Gleichgültigkeit oder auch Angst? Und der Ordner für unsere Lebenskopien ist groß. Meinungen und Ansichten anderer werden kopiert, weil es zu anstrengend ist, den eigenen Kopf zu bemühen. Neueste Modetrends kommen in den Schrank, ob sie nun gut an mir aussehen oder nicht, denn man möchte ja dazugehören. Junge Mädchen kopieren Körpermaße aus Model-Shows und hungern sich fast zu Tode, nur um irgendwelchen unverantwortlichen Schönheitsidealen nachzueifern.

Seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, ist gewiss nicht immer leicht. Den eigenen Weg zu finden, das ist manchmal auch steinig und schwer. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Im Kindermutmachlied heißt es: „Gott sagt zu Dir: Ich hab dich lieb. Ich wär so gern dein Freund.“ Wir haben jemanden an unserer Seite, der mit uns geht. Er hilft mir zu erkennen: Ich bin keine Kopie! Denn das ist mein Leben: niemand kann an meiner Stelle seine Risiken und seine Chancen aus Gottes Hand nehmen. Das ist mein Körper: ein Teil von Gottes Schöpfung, einzigartig und darum kostbar. Das bin ich: von Gott gewollt und bejaht, so wie ich bin.

 

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Pastorin Sabine Krüger

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindegruppen
Kirchenvorstand
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Sabine
Krüger
Pastorin der Stadtkirchengemeinde
Am Kirchhof 8
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
04261 4962
Mo. 06.07.15
Reichtum und Armut
Barbara Dieterich
Reichtum und Armut

Morgens vor dem Aufstehen höre ich die Nachrichten und den Wetterbericht, um mich für meine Fahrradfahrt zur Arbeit entsprechend anzuziehen. Vor einiger Zeit hörte ich unter anderem, dass jemand sich für etwa 120 Millionen Euro ein Werk von Picasso ersteigert hat. Diese kurze, eher neben-sächliche Bemerkung hat mich nicht mehr losgelassen. So viel Geld! Was könnte damit zum Wohle der Allgemeinheit alles finanziert werden!

Der Kirchenkreis Rotenburg hat es geschafft, für ein selbst ausgewähltes Brot-für-die-Welt-Projekt zur Unterstützung von Bauern in den peruanischen Anden innerhalb von drei Jahren knapp 190 000 Euro aufzubringen. Eine stolze Leistung, finde ich. Aber was sind 190 Tausend Euro im Vergleich zu 120 Millionen! Dieses Beispiel macht deutlich, wie die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird. Immer weniger Menschen besitzen immer mehr. Das schürt auf der einen Seite die Ängste der Reichen, von ihrem Besitz etwas zu verlieren, und vergrößert auf der anderen Seite die Sorge derer, die wenig haben. Das schafft ein bedrohliches soziales Klima für unsere Zukunft und die unserer Kinder.

Schon vor einigen Jahren hat ein Wirtschaftswissenschaftler davon gesprochen, dass es an der Zeit ist, nicht nur eine Armutsgrenze festzusetzen, sondern auch über eine Reichtumsgrenze nachzudenken, vielleicht auch über eine Gehalts-Obergrenze.

Der Mensch braucht für ein menschenwürdiges Leben über die Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf, Bildung und Arbeit hinaus noch etwas, das sich nicht mit Geld bezahlen lässt. Er möchte sich selbst als wertvoll und wertgeschätzt erleben. In Jesu Nähe haben Menschen das erlebt. Jesus hat uns in seinem Doppelgebot der Liebe eine Anweisung für gelingendes Miteinander gegeben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen dienen Kräften“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ (Markus 12, 30f.) Das in mein Leben hineinzubuchstabieren ist sicherlich eine lebenslange Aufgabe. Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt und meinem Leben Sinn und Tiefe gibt – auch wenn ich mir keinen Picasso leisten kann und will.

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Barbara Dieterich

Barbara
Dieterich
Pastorin
Jägerberg 10
27383
Scheeßel-Bartelsdorf
Tel.: 
04261/776299
Mo. 29.06.15
Schlaflos in Deutschland
Jutta Wendland-Park
Schlaflos in Deutschland

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht kennen einige von Ihnen den Film „Schlaflos in Seattle“. Er erzählt von einem Architekten, der nach dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn nach Seattle zieht, um Abstand zu gewinnen. Dort ruft sein Sohn bei einer Radiosendung an, weil er für seinen Vater eine neue Frau sucht. Die Radiomoderatorin betitelt das Gespräch mit dem Vater aufgrund dessen Schlaflosigkeit „Schlaflos in Seattle“.

Wie schön kann es ein, sich nach einem anstrengenden Tag ins Bett fallen zu lassen und Ruhe zu finden für Körper, Geist und Seele. Aber das gelingt nicht immer. Stattdessen kreisen die Gedanken im Kopf und an Schlaf ist nicht zu denken.

Vielleicht ergreifen Ängste von einem Menschen immer wieder Besitz, berufliche und persönliche Sorgen liegen bleischwer auf der Seele oder der Tod eines geliebten Menschen lässt die Welt aus den Fugen geraten. So vergeht Stunde um Stunde und die Nacht wird zum Tag.

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter Schlaflosigkeit. Laut Bericht einer Wochenzeitung wurden 2014 allein 18,7 Millionen Packungen von Beruhigungs- und Schlafmitteln in deutschen Apotheken verkauft. 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen kommen ohne diese Medikamente nicht durch die Nacht und oft auch nicht mehr durch den Tag.

Eine erschreckende Bilanz. Sie zeigt, wie belastet viele Menschen sind und wie wenig sie noch Ruhe im Alltag finden. Die Zahlen sind ein stummer Hilferuf und eine Anfrage an unsere Lebens- und Arbeitsweise. Schon die Bibel kennt die Unruhe der Menschen. Im Psalm 42 fragt der Beter: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“

Wir leben in einer lauten und hektischen Welt, in der zudem Arbeit und Freizeit oftmals verschmelzen. Doch jeder Mensch braucht Zeiten der Entschleunigung, in denen er alle Sorgen einmal vergessen und aufatmen kann. Er braucht Bedingungen, die ihm dies ermöglichen und Quellen der Kraft.

Der Glaube an Gott kann eine solche Kraftquelle sein. Er entbindet nicht von allen menschlichen Bemühungen, aber hilft, Ruhe zu finden.

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Jutta Wendland-Park

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(0426) 920212
Fax: 
(0426) 920200
Mo. 22.06.15
Was ist es uns wert?
Thomas Steinke
Was ist es uns wert?

Was ist es uns wert, dass unsere Kleinsten in den Kitas nicht nur verwahrt werden, sondern eine angemessene frühkindliche Erziehung und Bildung erhalten? Die Erzieherinnen und Erzieher haben in den vergangenen Wochen zurecht auf diesen Missstand aufmerksam gemacht: Die finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit entspricht nicht den gestiegenen Anforderungen und Erwartungen.

Was ist es uns wert, dass wir im Krankheitsfall oder im Alter eine zugewandte, liebevolle Pflege erfahren? Auch hier wird sich die Wertschätzung der Arbeit in den pflegenden Berufen deutlich erhöhen müssen, schon allein um den sich abzeichnenden Pflegenotstand abzufedern. Zudem zeigt die aktuelle Debatte um die Sterbehilfe, wie wichtig eine für alle zugängliche palliativ-medizinische Versorgung und Pflege ist.

Was ist es uns wert, dass wir guten Gewissens einschlafen können, weil unsere "Nachbarn" auch in Sicherheit und Freiheit sind und ein Dach über dem Kopf haben? Das Geschachere um die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge in den einzelnen EU-Staaten und was dabei herausgekommen ist, ist einfach nur beschämend: Was ist das für eine Wertegemeinschaft, in der wir in Europa leben?!

Diese Fragen machen deutlich: Wir müssen uns entscheiden, was für uns persönlich und für uns als Gesellschaft im Vordergrund steht - der finanzielle Profit oder der Mensch.

Als Christen berufen wir uns auf Jesus. Für ihn stand der Mensch im Mittelpunkt. Sein Einsatz galt gerade den Schwachen und Ausgegrenzten. Ein Wort von ihm finden wir im Wochenspruch der kommenden Woche: "Der Menschensohn - und damit meint Jesus sich selbst - ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." (Lukas 19,10) Wer von uns könnte nicht auch vom einen Augenblick auf den anderen zu den Schwachen gehören? Ich wünsche Ihnen und mir, dass Christus uns in seiner Nachfolge mehr und mehr verändert: Dann sind wir glücklich und gönnen dasselbe jedem anderen Menschen auch! Das sollte es uns wert sein, dass wir dafür auch bereit sind, zu teilen und Opfer zu bringen!

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Thomas Steinke

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Thomas
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Di. 26.05.15
Herrlich unvollkommen
Frank Hasselberg
Herrlich unvollkommen

„Niemals könnte ich mich entschließen, einer Kirchengemeinde beizutreten. Keine von ihnen ist vollkommen“, sagte ein Zuhörer nach dem Vortrag eines bekannten Predigers. „Tja, mein lieber Freund“, antwortete dieser, „sollten Sie jemals eine vollkommene Kirche finden, so wird sie sich weigern, Sie aufzunehmen. Denn sobald Sie aufgenommen wären, würde sie aufhören, vollkommen zu sein.“

Wir feiern Pfingsten, gleich zwei Tage lang. Es ist der „Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes“ oder auch der „Geburtstag der Kirche.“ Also: herzlichen Glückwunsch, alte Dame! Als Geschenke bringen viele Menschen allerdings erstmal ihre hohen Erwartungen mit – so wie der Mann, von dem eben die Rede war. Sie muss – stellvertretend für alle – ein hohes Ideal erfüllen. Edel sei die Kirche, hilfreich und gut. Dabei kann niemand eine solche Messlatte erreichen. Eine vollkommene Kirche in einer unvollkommenen Welt – wie soll das gehen? Schließlich besteht sie aus Menschen wie du und ich – das ist ihr Problem, aber auch ihre Chance. Denn jeder von uns hat seine ganz persönlichen Stärken und Schwächen. Und genau die können wir in unsere Kirche einbringen, gleich zu welcher Gemeinde wir gehören. Fühlt sich nicht ein unvollkommener Mensch gerade in einer unvollkommenen Kirche zuhause? Ich lebe und arbeite jedenfalls gern in ihr, weil ich weiß: Ich bin willkommen so, wie ich bin. Was nicht heißt, dass ich nicht besser werden könnte.

Alle sind eingeladen, mitzuarbeiten, frischen, „pfingstlichen“ Wind hineinzubringen. Wer seine Zweifel an der Kirche hat, der möge Mutter Teresa hören. Auf die Frage eines Journalisten: „Was meinen Sie, was sich an der Kirche ändern sollte?“ antwortete sie: „Sie und ich!“ Ein frohes Pfingstfest!

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Frank Hasselberg

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Pastor/-innen
Frank
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Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
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Mo. 18.05.15
20:07 Uhr vor dem Fernseher
Dr. Matthias Wilke
20:07 Uhr vor dem Fernseher

Es ist kurz vor acht. Der Fernseher läuft. „… Licht“, sagt er in Gedanken verloren. Wartend sitzt er vor dem Apparat und erzählt sich gerade noch etwas, was er im Laufe seines langen Lebens erlebt hat, zählt leise Namen und Stationen von damals auf: der Krieg, Feinde und Freunde, dann die Familie. Es ist kurz vor acht. „Jetzt aber, jetzt ist Frieden“, sagt er nun lauter zu sich und fügt hinzu: „Gott sei Dank!“ Seine Hände legen sich wie von selbst ineinander, bevor seine Lippen sich an die Worte des 27. Psalms erinnern, den Psalm für den morgigen Sonntag: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil…“. Aus dem Fernseher dringt die allabendliche Melodie zu ihm durch, die ihn daran erinnert: 20.00 Uhr, Nachrichten. Gehorsam dem Ton folgend richtet er seinen Blick auf die Ereignisse der Welt. Aus dem „ich erzähle mir mein Leben“ wird für ihn um acht Uhr abends ein Zuschauen und Zuhören. Er schaut Nachrichten, sieht Bilder aus Nepal, vom Mittelmeer, aus Auschwitz und Israel – und hört zu. Dabei blickt er erst geradeaus auf die Bilder, dann hinunter auf seine noch gefalteten Hände. Es sind nur wenige Sekunden, um kurz nach acht Uhr abends, in denen dann das Folgende geschieht. In diesen wenigen Sekunden drückt er alles Dunkle, Unfassbare, Grausame, das er gerade gesehen hat, in seine betenden Hände. Nicht zu fest, liebevoll bittend. Gerade noch erinnerte er sich an Gottes Licht in seinem Leben – und er will, dass auch die Welt heller werde. Nur so ungefähr hat er den 27. Psalm noch im Ohr, aber das genügt ihm, um in diesem alten jüdischen Gebet Halt zu finden – um 20:07 Uhr vor dem Fernseher: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei uns gnädig und antworte uns!“

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
Tel.: 
(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
Mo. 04.05.15
Singen macht glücklich
Haike Gleede
Singen macht glücklich

„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Diesem Vers aus Psalm 98 verdankt der heutige Sonntag seinen Namen: „Kantate“, das bedeutet: „Singt!“

 

Singen liegt in der Natur des Menschen. Schon seit Urzeiten drücken wir tiefe Emotionen wie Freude, Trauer, Liebe in Liedern aus. Die Sklaven in Amerika legten ihre Hoffnung auf Freiheit in die Gospels, die bis heute weltberühmt sind. In der Musik bringen wir zum Ausdruck, was wir nicht in Worte fassen können.

„Das Singen ist der Atem der Seele. Es kann unseren Körper aus jeglicher Erstarrung befreien und uns den Rhythmus des Lebens lehren ...“

In einer Studie wurde nachgewiesen, dass Menschen, die regelmäßig singen, gesünder und zufriedener sind. Sie haben mehr Selbstvertrauen, und sind belastbarer.

Und doch tun sich viele schwer, ihre Stimme erklingen zu lassen. Ärzte haben festgestellt, dass Kinder immer kürzere Stimmbänder haben, weil sie zu selten zum Singen ermuntert werden. Es ist einfacher mal eben den Kopfhörer ins Ohr zu stecken und die Profis singen zu lassen.

Der Widerspruch liegt auf der Hand: Einerseits verzeichnen Talentshows, in denen am Ende einer zum Star gekürt wird, hohe Einschaltquoten. Andererseits ist es nicht nur Jugendlichen peinlich, selber zu singen.

Ich finde das schade, denn Singen ist eine ursprüngliche Fähigkeit, die uns geschenkt ist, um unser Leben bewältigen zu können.

 

In der Bibel sind uns Lieder überliefert, die sind schon einige tausend Jahre alt. Die Psalmen haben Menschen durch alle Zeiten des Lebens getragen und bis heute finden wir darin Trost und Ermutigung. Musik geht zu Herzen und kommt vom Herzen. Ein Gottesdienst ohne Musik, ohne Gesang – undenkbar.

Ich freue mich, wenn Chöre die Gottesdienste zu einem lebendigen, fröhlichen Ereignis werden lassen. Ob Kirchenchor oder Band, ob Gitarre oder Orgel – ob Choral, Gospel oder moderne Kirchenmusik – Singen regt meinen Körper und meinen Geist an und gibt mir neue Lebenskraft.

Darum: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

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Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
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Haike
Gleede
Pastorin
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27367
Horstedt
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(04288) 320
Mo. 27.04.15
Der Kühlturm zu Babel – äh, Deutschland
Ina Jäckel
Der Kühlturm zu Babel – äh, Deutschland

Am 26. April 1986 ereignete sich ein schwerer Reaktorunfall im Block vier des Atomkraftwerks von Tschernobyl. Eine gewaltige Explosion war die Folge. Die radioaktiven Spaltprodukte, die aus der Kernschmelze austraten, wurden in die Atmosphäre geschleudert. Und dann breitete sich eine atomare Wolke über weiten Teilen Europas aus. Auch in Deutschland war plötzlich alles Schöne und Gesunde gefährlich: die frische Luft, die grünen Wiesen, die Milch. Überall war Radioaktivität messbar.

Niemals werden die Folgen dieser atomaren Katastrophe verschwinden – vor allem nicht in den Ländern in der Nähe von Tschernobyl. Viele Kirchengemeinden und Vereine leisten wertvolle Hilfe in Form von Hilfstransporten in die betroffenen Gebiete. Auch in Deutschland sind in manchen Gebieten selbst heute – nach 29 Jahren! – immer noch radioaktive Teilchen in Waldböden nachweisbar.

Ungeahnte Risiken und unkalkulierbare Folgen – beides bleibt auch heute jenseits von Tschernobyl und Fukushima. Denn die Frage der Endlagerung der atomaren Abfallprodukte ist weiterhin ungeklärt. Vor allem, weil es dabei um Zeiträume geht, die die Möglichkeiten menschlicher Planung übersteigen. – „Wohlauf, lasst uns einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen“ (1. Mose, 11,4). Hätten die Babylonier vor ca. 5.000 Jahren statt des berühmten Turms zu Babel ein AKW gebaut und nur vier Jahre lang betrieben, dann hätten sie vier Jahre lang Freude an ihrer Energie gehabt – und uns Atommüll hinterlassen, der heute immer noch strahlen würde. Das könnte am Gedenktag zum Weiterdenken anregen.

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Ina Jäckel

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Ina
Jäckel
Pastorin
Dorfstraße 4
27386
Brockel
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(0 42 66) 95 55 65
Di. 14.04.15
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am…
Susanne Briese
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945

„Christus hat sein Leben auf dieser Erde noch nicht zu Ende gebracht. Er lebt es weiter im Leben seiner Nachfolger.“ Ich lese daraus: Nicht, was ich will oder für richtig halte, ist letztlich entscheidend, sondern das, worin Gottes Wille sich zeigt, soll die Leitlinie für mein christliches Entscheiden und Handeln sein. Das ist ein deutlicher und klarer Aufruf, die kritische Kraft des Evangeliums mutig in die gegenwärtige Zeit einzutragen.

Darin drückt sich die Haltung aus, die hinter der Ethik Dietrich Bonhoeffers steht. Vor zwei Tagen jährte sich sein Todestag, der 9. April 1945. Kurz vor Ende des Krieges wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Dietrich Bonhoeffer hat deutliche Spuren hinterlassen. Er hätte in seinem Leben die Möglichkeit gehabt, nach persönlichen Interessen zu entscheiden, um sich selbst zu schützen. Er hätte schweigen oder fliehen, sich heraus halten können aus dem eskalierenden Wahnsinn des Nationalsozialismus. Stattdessen hielt er mutig stand bis zuletzt, getragen vom Gottvertrauen und Gehorsam gegenüber Gottes Willen.

Das ist beeindruckend. Diese Kraft und dieses Vertrauen wünsche ich mir auch für unsere Zeit. 70 Jahre sind seit seinem Tod vergangen, doch haben seine Einsichten nicht an Bedeutung verloren. Auch und vielleicht gerade heute ruft sein Erbe dazu auf, angesichts von Gewalt und Unterdrückung für Menschenrechte und Menschenwürde einzutreten. Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt der schreckliche Brandanschlag auf die für die Ankunft von Flüchtlingen vorbereitete Unterkunft in Tröglitz am vergangenen Wochenende.

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Do. 09.04.15
Tiefer Abgrund
Roger Moch
Tiefer Abgrund

Es ist viel gesagt und geschrieben worden in den letzten Tagen über den Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. Die Katastrophe lässt einen bis jetzt nicht los und je nach persönlicher Betroffenheit wird sie einige Menschen nie loslassen.

Abstürze in einen tiefen Abgrund können jeden Menschen treffen. Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Man bekommt vor Entsetzen keinen Laut mehr heraus.

Wahrscheinlich ging es den Passagieren wie auch der Besatzung so und nun den Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes. Völlig sprachlos und unerträglich traurig sein.

Jeder reagiert da unterschiedlich. Manche weinen und schreien und sind aufgebracht. Andere sacken in sich zusammen, ziehen sich zurück, sind wie versteinert und schotten sich von der Außenwelt völlig ab.

Da kann man froh sein, wenn es Menschen gibt, die einem zur Seite stehen. Die einfach da sind und die einen festhalten, wenn man ins Bodenlose fällt. Menschen, die bereit stehen und Acht geben, wann ihre Hilfe gefragt ist. Die klar sehen, wie gehandelt werden muss und dann machen, was nötig ist. Verwandte und Freunde und Nachbarn können das sein. Lehrer oder Mitschüler, die sich in den Arm nehmen und ertragen, dass der andere weint und sie nicht wirklich helfen können. Dem Co-Piloten der Maschine mit der Flugnummer 4U9525 fehlten möglicherweise solche Menschen, oder sie haben es nicht bemerkt, was mit ihm los war, weil er sich gut hinter sich selbst verstecken konnte.

Es gibt so Tage und Wochen, wo man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Christen denken jedes Jahr besonders vor Ostern daran. Nicht, weil sie es sich gerne kompliziert machen und sich gerne mit dunklen Phantasien herumplagen. Nein, die Welt wird eben manchmal so dunkel, dass Nichts mehr zu sehen ist. Wie damals, als Jesus hingerichtet worden war. Das haben seine Freunde auch kaum ausgehalten. Ein Teil ist kopflos weggelaufen, andere haben sich versteckt.

Später haben sie gespürt, dass Gott Jesus nicht seinem Schicksal überlassen hat. Wir Christen glauben, dass Gott uns auch in schweren Situationen nicht alleine lässt. So kann das Leben auch neu beginnen.

Es ist aber nicht immer einfach, so zu glauben. Gerade nicht, wenn alles in Trümmer gefallen ist. Ich hoffe, es kann den Schmerz der Angehörigen ein wenig lindern, wenn sie bemerken, wie viele Menschen in der ganzen Welt Anteil an ihrem Zustand nehmen. Auch wenn immer noch viele Fragen offen sind.

 

 

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Roger Moch

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Mo. 30.03.15
HERR, wohin sollen wir gehen?
Karin Klement
HERR, wohin sollen wir gehen?

HERR, wohin sollen wir gehen? Fassungslos, erschrocken bis tief in die Seele. Unlösbare Fragen blitzen auf: Warum? Was nun? Die Bilder des völlig zerschmetterten Flugzeuges in den französischen Südalpen und alles, was darauf folgte, erschüttern uns noch immer. Der Schmerz frisst Löcher in die Herzen. Politiker, Leitungskräfte ringen um tröstende Worte. Ärzte, Psychologen, Notfallseelsorger begleiten Angehörige und Freunde. Das Leid bewegt unzählige Menschen weltweit. Sie suchen Wege zueinander, suchen Wege zum Verstehen, was da geschehen ist. Bis heute lassen sich vermutlich keine zufriedenstellenden Antworten finden, auch wenn wir sie dringend brauchen.HERR, wohin sollen wir gehen? Die Angehörigen der Opfer reisten, so schnell es ging, in die Nähe des Unglücksortes. Mit eigenen Augen sehen; den geliebten Kindern, Angehörigen, Freunden so nahe sein wie möglich. Die Menschen im kleinen Ort Seyne-les-Alpes öffneten ihre Kirchen, ihre Häuser, boten Schutzräume für die verwundeten, fassungslosen Herzen. Anteil nehmen am Erschrecken und Trauern. Den Schmerz zwar nicht aufheben können, aber mittragen, nachempfinden. Und da sein! Das ist unsere Aufgabe als Mitmenschen – und als Christen ganz besonders.HERR, wohin sollen wir gehen? Auf diesem öffentlich sichtbaren Kreuzweg laufen Menschen sich Fuß und Herzen wund. Aber sie weichen nicht aus; sie stellen sich den Fragen, helfen mit ihren Möglichkeiten, unterstützen, tragen, organisieren und informieren, suchen gemeinsam Antworten. Sie nehmen in die Arme, setzen sich zusammen, hören zu, beten. Menschen achten auf einander. Sie lassen die Betroffenen nicht allein. Mit unserer kleinen Kraft gehen wir Schritt für Schritt durch das Erschrecken und die Dunkelheit. Wir wissen nicht, wo wir ankommen werden, wenn der Tag sich neigt. Aber wir glauben fest, dass Ostern uns bevorsteht.Denn: HERR, Du hast Worte des ewigen Lebens. (Joh 6,68)

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Karin Klement

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Mo. 23.03.15
Was willst'n da in der Kirche?!
Yorick Schulz-Wacker…
Was willst'n da in der Kirche?!

Ich kann die Skeptiker meist gut verstehen. Schließlich ist oft nichts Gutes zu hören, wenn es um das Thema Religion geht: Sei es die brutale Gewalttat im Namen Gottes, die diskriminierende Äußerung einer vermeintlich frommen Autorität oder der fanatische Protest einer religiös empörten Masse – wie oft hören wir „Religion“ und denken in einem Atemzug: „Nicht schon wieder!“?

Seit etwa einem Jahr bin ich in einer Kirchengemeinde als Vikar tätig. Dort habe ich es mit Menschen zu tun, über die ich nur staunen kann – engagierte, offenherzige, liebevolle Menschen, die ihre Zeit und Kraft für ihre Mitmenschen einsetzen: „Was können wir tun, um zu helfen?“, fragen sie und bilden einen Besuchskreis, der es sich zur Aufgabe macht, Zeit mit alten, einsamen und kranken Menschen zu verbringen. Andere überlegen sich, wie sie Flüchtlinge in unserer Mitte willkommen heißen können. Wieder andere spenden mit geradezu beschämender Großzügigkeit von ihrem hart erarbeiteten Lohn oder von ihrer Rente für gute Zwecke. Auch das ist Religion. Das ist Kirche – zumindest so, wie ich sie erlebe. Darüber wird nur nicht so viel berichtet. Die Schreihälse und Selbstdarsteller werden sich immer wieder Gehör verschaffen und die Machtgierigen und Aggressiven werden nicht aufhören, Religion für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Ich sehe aber auch, wie der Glaube an einen Gott der Liebe Menschen gerade im Kleinen und Verborgenen dazu animiert, diese Liebe als ein Licht in die dunklen Ecken unserer Welt zu tragen, dorthin wo es an Liebe und Fürsorge mangelt. Das macht mir Hoffnung für diese Welt, die oft so düster und gebrochen wirkt. „Was willst'n da in der Kirche?“ Genau das!

 

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Yorick Schulz-Wackerbarth

Yorick
Schulz-Wackerbarth
Vikar in der Kirchengemeinde Fintel
Mo. 16.03.15
Unbequemer Denker
Roger Moch
Unbequemer Denker

Die eigene Meinung sagen und dabei bleiben, das ist nicht so einfach. Schafft das jemand, bekommt er große Bestätigung. Wenn man allerdings eine andere Meinung hat als die Mehrheit, dann wird man leicht Weltverbesserer oder Nörgler genannt. Und wenn man dann noch seinen Glauben an Gott als Begründung nennt, dann sagt man, das ist aber ein Besserwisser. Und auf vermeintliche Besserwisser, Störenfriede und Moralapostel hört niemand gerne.

So ist es wahrscheinlich vor über zweieinhalb tausend Jahren auch dem Propheten Jeremia gegangen. Er hat die soziale Ungerechtigkeit angeklagt und die religiöse und moralische Ratlosigkeit der Menschen. Alle suchen sich das aus, was für sie gerade passt. Aber die Gebote Gottes, die haben sie vergessen, hat er sich aufgeregt. Für diese Meinung haben die Leute Jeremia beleidigt und ausgelacht. „Des Herrn Wort bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn" (Jer 20,8) hat sich Jeremia geärgert. „Alle meine Bekannten warnen mich und warten darauf, dass ich stürze", notierte er. Aber wenn ich mir vornehme, nicht mehr zu sagen, was ich glaube und wie ich die Lage im Land sehe, dann brennt es in meinem Herzen wie Feuer. Ich sage einfach das, was ich für richtig halte.


Mich erschreckt, dass freie Meinungsäußerung und Anklage von sozialen Missständen auch heute nicht überall auf der Welt möglich ist. Ich denke da z.B. an den vor zwei Wochen ermordeten russischen Kreml-Kritiker Boris Nemzow, der auch sagte, was er dachte und an Ai Weiwei, der die Verstöße gegen die Menschenrechte in China kritisiert, die wirtschaftliche Ausbeutung der Menschen und die Umweltzerstörung und dafür inhaftiert wurde.

Eigentlich ging es ja auch Jesus nicht anders. Zu seinen bissigsten Gegnern zählten von Beginn an große Teile der Schriftgelehrten und Pharisäer. Das war die theologische Elite im damaligen Israel. Die haben dabei nicht nur Anstoß an seiner fehlenden theologischen Ausbildung genommen. Besonders hat sie genervt, wie dieser einfache Zimmermannssohn den Menschen die Vergebung ihrer Schuld zusprach. Das war für sie Gotteslästerung. Wahrscheinlich haben gerade die entschiedensten Gegner am ehesten verstanden, wie Jesus seine Sendung als Gesalbter Gottes (hebr. Messias, griech. Christus) verstand. Doch weil sie dies nicht akzeptieren konnten und wollten, arbeiteten sie planmäßig an seiner Verurteilung zum Tod.

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Roger Moch

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Roger
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Mo. 09.03.15
König von Deutschland
Peter Handrich
König von Deutschland

Nach einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besitzt ein Prozent der Menschen in Deutschland rund ein Drittel des vorhandenen Privatvermögens. Tendenz steigend. Zugleich ist der der Anteil der Menschen in Deutschland, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, gerade auf 15,5 Prozent gestiegen – das sind 12,5 Millionen Menschen.

Wer das für verrückt hält, muss entweder ein unverbesserlicher Sozialist oder ein durchgeknallter Christ sein, der noch glaubt, in einer Gesellschaft wie der unseren müsse sich doch gegenseitig geholfen werden. Stattdessen sind wir eine Gesellschaft, in der wir stolz darauf sind, dem Finanzamt vollkommen legal ein Schnippchen geschlagen zu haben oder unser Geld ganz illegal nach Luxemburg geschmuggelt zu haben – anscheinend mit der systematischen Hilfe von Banken, die wir Nichtschmuggler noch vor wenigen Jahren vor dem Bankrott retten mussten.

Natürlich, wenn ich König von Deutschland wäre, würde ich das alles ändern. Bei mir gäbe es für alle Menschen ein durch Finanztransaktionssteuern finanziertes Bürgergeld, ein Grundgehalt ohne Vorbedingungen, und keiner müsste mehr arm sein (nur wer will, dürfte weiterhin reich sein).

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich König von Deutschland werde, ist gering. Deshalb wird aus dem Bürgergeld wohl nicht so schnell etwas werden – obwohl man es tatsächlich rechnen kann.

Inzwischen kann ich Ihnen nur raten: Gucken Sie hin. Armut ist überall. Geben Sie Geld weg, kaufen Sie Zeitungen von Wohnungslosen, sehen Sie Betteln nicht nur als schmutziges Geschäft. Lassen Sie sich notfalls über den Tisch ziehen, einmal behumst ist immer besser als nie etwas getan zu haben. Unterstützen Sie gute Projekte mit Ihrer Zeit oder Ihrem Geld.

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Peter Handrich

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