Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 24.04.16
Reif für den Segen
Thomas Steinke
Reif für den Segen

In diesen Wochen wird sie an verschiedenen Stellen geprüft: Die Reife. Die sechsjährigen Kinder werden zur Schule angemeldet - und dann wird geprüft, ob sie auch reif dafür sind. An den Gymnasien, den Gesamt- und den Berufsschulen laufen gerade die Abiturprüfungen - und wenn alles gut geht, steht am Ende jeweils die bescheinigte Hochschulreife.

Zugleich finden in unseren Kirchengemeinden gerade die Konfirmationen statt. An der Schwelle zum Erwachsenwerden, zum Mündigsein auch in Fragen des Glaubens, liegt hier der Schwerpunkt allerdings nicht auf einer Prüfung. Hier geht es nicht um unsere Leistung, sondern um unser Vertrauen zu Gott und zueinander. Und vor allem um Gottes Zuspruch; Einsegnung heißt die Konfirmation deshalb auch: „Hab keine Angst vor der Zukunft, ich bin bei Dir. Auch wenn Du immer selbstständiger wirst und immer mehr Verantwortung übernehmen musst - Du bist und bleibst mein geliebtes Kind, für das ich jeden Augenblick da bin. Auch wenn vieles noch ungewiss ist und Du keinen wirklichen Plan für Dein Leben hast - ich, Dein Gott, geh mit, auf mich kannst Du Dich verlassen!“

Genau genommen sind nicht nur die Konfirmandinnen und Konfirmanden reif für den Segen Gottes. Genau genommen sind wir es alle. Immer wieder. Jeder Tag ist ein Geschenk aus seiner Hand. Wir verdanken uns nicht selbst. Und täglich leben wir davon, dass uns von außen neue Kräfte zuströmen und wir den Mut nicht verlieren. So gilt dieser Segen auch Ihnen und mir: „Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist gebe dir seine Gnade: Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass du bewahrt werdest zum ewigen Leben. Friede sei mit dir.“

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Thomas Steinke

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Thomas
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So. 17.04.16
Der gläserne Mensch
Frank Hasselberg
Der gläserne Mensch

Waren Sie in den letzten vier Monaten im Gefängnis? Und falls ja: Was geht mich das an? Richtig: gar nichts! Aber neuerdings will eine Institution bei uns das ganz genau wissen.

Kürzlich ging ich wieder einmal zur Blutspende. Der Fragebogen war plötzlich von zwei auf vier Seiten angewachsen, schon eine Hürde für manch gutwillige Menschen. Und eine der Fragen lautete eben: „Waren Sie in den letzten vier Monaten im Gefängnis?“ Ich sehe ja ein, dass manche Klärungen nötig sind, um die Empfänger der Blutspende nicht in Gefahr zu bringen. Aber was, bitteschön, sollte jetzt diese Frage? Ich habe sie aus Prinzip erstmal nicht beantwortet. Beim Arzt dann hieß es: Sie müssen Ja oder Nein ankreuzen, sonst dürfen Sie nicht spenden. Mein Einwand, bei meinen bisherigen 126 Blutspenden habe das auch niemanden interessiert, und wer etwas zu verbergen habe, werde die Frage sicher nicht ehrlich ankreuzen, erhielt ich vom Arzt zur Antwort: „Mir ist egal, wo Sie Ihr Kreuz machen. Hauptsache, Sie machen es. Das ist so vorgeschrieben.“ Er sprach noch von der Gefahr von Hepatitis infolge von Tattoos und HIV durch Geschlechtsverkehr; ich war noch nie im Gefängnis und konnte nicht mitreden. Die Diskussion war sinnlos. Na gut, wo ich schon einmal da war, wollte ich auch meine Blutspende abgeben, schließlich hilft man damit anderen Menschen. Das ist mir wichtig, darum spende ich seit meinem 18. Lebensjahr.

Aber eines ist klar: Andere Menschen und Institutionen müssen nicht alles von mir wissen. Und auch ein ehemaliger „Knasti“ muss unbelastet neu anfangen können. Der einzige, dem ich Einblick in mein Innerstes gewähre, ist Gott. Denn ich weiß, dass er es gut mit mir meint. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (I Samuel 16, 7). Diese gute Erfahrung wünsche ich auch allen Jugendlichen, die in diesen Wochen konfirmiert werden. Gott legt dich nicht auf deine Vergangenheit fest, er bietet dir eine Zukunft.

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Frank Hasselberg

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So. 10.04.16
Kaufen, haben, kaufen
Susanne Briese
Kaufen, haben, kaufen

„Oh, ich kauf mir was, kaufen macht so viel Spaß, ich könnte ständig kaufen gehen, kaufen ist wunderschön…“ Herbert Grönemeyer – ein Song aus seiner CD „Gemischte Gefühle“. „Gemischte Gefühle“ - das passt gut zum Thema „Kaufen“, finde ich. Kaufrausch gibt es heute wie damals. Kaufen, haben, wegwerfen, neu kaufen - längst schon ist ein „must-have“ etwas, das man einfach haben muss, auch wenn man es gar nicht wirklich braucht.

Kaufen, haben, kaufen - es will kein Ende nehmen. Man kann 24 Stunden am Tag im Internet alles bestellen, was man haben will. „Bin ich erst im Kaufrausch, frag ich gleich nach Umtausch, weil ich an sich nichts brauch, kaufen tut gut…“ - Herbert Grönemeyer hält den Spiegel vor. Kaufen kann zum Selbstzweck werden. Kaufrausch und Kaufsucht liegen nahe beieinander. Wenn Selbstbestätigung durch Konsum gesucht wird, die nur durch ständig neuen Konsum aufrechterhalten werden kann, wird das ein Teufelskreis, der die Seele belastet. Wie gut wäre es, wenn man zufrieden sein könnte, ohne das Haben-müssen!

Das klingt doch sehr entspannt, geradezu befreiend. Haben um jeden Preis macht niemanden auf Dauer glücklich. Und das Wichtigste im Leben kann man sowieso nur geschenkt bekommen. Paulus, der große Mann der Bibel, scheibt, man solle „kaufen, als behielte man es nicht, und diese Welt gebrauchen, als brauchte man sie nicht…“ Dieser Blick macht frei. So kann man die Welt anders anschauen. Es kommt eher darauf an, wie das Leben gestaltet wird - mit dem, was man hat und mit den Menschen, die zu einem gehören. Nämlich so, dass die Zukunft stets im Blick ist - also Leben angesichts des Kommens des Herrn. Mit anderen Worten: Beziehungen, Erfahrungen und Güter sollen im Lichte der Ewigkeit angesehen werden. Das ist etwas Anderes als Kaufrausch und Wegwerfmentalität.

Im guten Sinne sind das die wahren „gemischten Gefühle“: Wir können unser Lebensglück genießen, sollen es auch in Dankbarkeit tun, und die Ewigkeit in Gottes Reich bietet uns dazu eine tragfähige und gute Haltung.

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Susanne Briese

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So. 03.04.16
Wie neugeboren
Martin Söffing
Wie neugeboren

„Ich habe heute geduscht und Haare gewaschen!“, berichtet eine Patientin voller Freude. „Ich fühle mich wie neugeboren!“ Zehn Tage nach der Operation wieder frisches Wasser auf der Haut zu spüren, fühlt sich wunderbar an.
Ein anderer Patient erzählt erleichtert: „Es ist nichts Bösartiges! Ich bin so froh! Ich fühle mich wie neugeboren!“
Patienten, die von Ostererfahrungen berichten und ich höre: Ich habe wieder Kraft bekommen, ich fühle mich wieder lebendig! Ich bin Angst und Sorge los!
Und dann besuche ich einen Patienten, der kann nicht mehr selbst duschen, er wird auch nicht mehr gesund, er weiß, dass er sterben wird. Er sagt zu mir: „Es ist alles gut. Ich bin ganz gelassen.“
Und ich sage nur: Danke, Gott.

Ostererfahrungen mitten im Leben und am Lebensende. Ich bin dankbar, an ihnen teilhaben zu dürfen. Wie neugeboren – so lautet der Name dieses Sonntags.

Petrus schreibt darüber in einem Brief an Christen in Kleinasien. Er erinnert sie: Mit Jesu Auferstehung ist ein neues Leben angebrochen. Dieses Leben ist noch anders als einzelne Ostererfahrungen, es ist eine neue Haltung gegenüber den Menschen. Wir verdanken sie der Barmherzigkeit Gottes. Gott schenkt Hoffnung trotz aller Todesspuren in der Welt. Deshalb seid selbst barmherzig, lebt nach dem Willen Gottes in seiner Liebe. Und habt keine Angst vor Anfeindung oder gar Tod. Gott wird neues Leben schenken.

Das schreibt Petrus damals. Und heute sehe, höre, lese ich vom Terror gegen Christen in Pakistan, Gewalt, Krieg, Tote überall in Gottes Welt. Todesspuren überall. Es ist schwer, der Barmherzigkeit und der Liebe zu vertrauen. Aber nur so haben Menschen und Schöpfung eine Chance.

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Martin Söffing

Martin
Söffing
Pastor/Leitung Klinikseelsorge AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM
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27356
Rotenburg
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(04261) 77 - 2003
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Mobil: 
(0172) 8450895
Mo. 21.03.16
Peng, du bist tot
Peter Handrich
Peng, du bist tot

Es ist Fastenzeit. Es ist Passionszeit. Es ist die Zeit vor Ostern, in der wir in der Kirche daran denken, dass vor Ostern Jesus erst einmal am Kreuz gestorben ist.

Er wurde verhaftet, verhört, gefoltert und starb am Ende am Kreuz.

Merkwürdig ist, dass daraus eine Religion werden konnte, das Christentum. Das sich heute noch unter dem Zeichen des Kreuzes versammelt, nicht unter dem Zeichen der Auferstehung.

Früher haben Menschen die Christen verspottet. Dieser Jesus, das soll euer Gott gewesen sein? Wie kann es sein, dass euer Gott am Kreuz umgebracht werden konnte? Warum hat euer Gott das nicht verhindert?

Inzwischen wissen wir, warum das so ist. Menschen wie Jesus werden heute noch umgebracht. In Syrien. Im Irak. Im Sudan. In Mali. Manchmal sogar in Paris.

Und das nicht, weil jemand eine Mordswut hat. Nicht, weil jemand dringend Geld braucht. Nicht, weil jemand nicht mehr ein noch aus weiß. Sondern: Weil Menschen den Krieg, den Tod und die Gewalt als eine Möglichkeit sehen sich einen Vorteil zu verschaffen. Weil Waffen verkauft und ausprobiert werden müssen, wenn man damit Geld verdienen will. Weil viele Länder und auch unser Land diese Waffen herstellen und verkaufen. Weil Europa sich nicht dafür verantwortlich fühlt, dass Menschen ihr Heil vor den Waffen in der Flucht suchen.

Während Sie diese Zeilen lesen, stirbt Jesus in Syrien, im Irak, im Sudan, in Mali, vielleicht sogar in Paris. Während Sie diese Zeilen lesen, stirbt Jesus überall in der Welt. Als Mann, als Frau, als Kind und als Gott.

Und was können wir dagegen tun?

Nur das Übliche: Gott lieben und unsere Nächsten wie uns selbst. Mehr geht nicht. Und die Fremden sind mit den Nächsten mitgemeint.

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Peter Handrich

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Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
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Mo. 21.03.16
Komm, steh auf
Jutta Wendland-Park
Komm, steh auf

Komm, steh auf! Ich erinnere mich noch gut an die Worte meiner Mutter. Sie kam damals ins Zimmer und meinte: „Steh auf, du musst zur Schule. Sonst ist der Bus weg.“ Am liebsten hätte ich die Bettdecke über den Kopf gezogen und wäre einfach liegengeblieben. Aber schließlich siegte die Vernunft und ich sprang aus dem Bett. Zugegeben, bis heute gibt es manchmal Tage, an denen ich lieber der Welt den Rücken kehren würde. Einfach liegen bleiben. Aber letztendlich stehe ich dann doch auf.

„Komm, steh auf!“ Es gibt Situationen, in denen wir die aufmunternden Worte eines Menschen benötigen. Immer dann, wenn wir uns in unser Schneckenhaus zurückgezogen haben, weil ein Ereignis uns aus der Bahn geworfen hat. Die Diagnose einer schweren Krankheit, der Verlust der Arbeit, eine Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen. All das kann uns den Mut nehmen, aufzustehen und dem Leben wieder entgegenzutreten. Dann braucht es einen Freund an unserer Seite ist. Jemand, der unsere Verzweiflung und Resignation erträgt und irgendwann auch beherzt sagt: „Komm, steh auf!“ Und es kann geschehen, was Marie Luise Kaschnitz in einem Gedicht so beschreibt: „Manchmal stehen wir auf – stehen wir zur Auferstehung auf – mitten am Tage.“

„Steh auf, nimm dein Bett und geh!“ Diese Worte sagt Jesus zu einem Kranken am Teich Bethesda und sogleich wird der Mensch gesund und nimmt sein Bett und geht. Wir haben leider nicht die Fähigkeit, solche Wunder zu vollbringen. Uns Menschen sind Grenzen gesetzt. Und die schmerzlichste Grenze markiert der Tod. Doch bald feiern wir die Auferstehung Jesu von den Toten. Diese Osterbotschaft schenkt uns die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Sie ermutigt uns, an die Auferstehung zu glauben mitten im Leben und über den Tod hinaus.

Ich wünsche Ihnen die Kraft dieser Hoffnung in den Widrigkeiten des Lebens und darüber hinaus

Jutta Wendland-Park
 

 

 

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Jutta Wendland-Park

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Jutta
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Sa. 05.03.16
Ich dachte… umsonst
Dr. Matthias Wilke
Ich dachte… umsonst

Nach so mancher „Tagesschau“ liegt es nicht fern, resigniert zu denken: Für eine menschenfreundlichere Welt sich einzusetzen, ist doch zwecklos. Oder wie schon der Prophet Jesaja klagte: „Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehre meine Kraft umsonst“ (Jesaja 49,4). Doch Jesaja besann sich darauf, dass er letztlich nicht für sich selbst an seinen Idealen festhielt, sondern um vielen, ihm noch ganz fremden Menschen das Licht des Glaubens und der Hoffnung zu bringen. Manchmal funkelt es in den seltsamsten Situationen auf.

Dazu für uns heute eine kleine Geschichte aus Österreich. Einem Salzburger Bauern erging es einmal so, sagt eine alte Sage: Der Bauer war ein schlauer Fuchs, auch irgendwie gottesfürchtig, hatte aber stets Angst, er könnte zu wenig für sich übrig behalten. Eines Tages wurde er gebeten, seinen Hof für Durchreisende zu öffnen. Der Bauer stimmte nach einigem Bedenken zu, machte aber zur Bedingung, dass alle, die über seinen Hof wollten, ein „Vergelt´s Gott“ für ihn sprächen. Gesagt getan. Wenige Jahre später starb der Bauer und klopfte an die Himmelstür. Petrus war ganz verdutzt, was denn der bei ihm wollte. Doch der Bauer wies ihn auf die vielen „Vergelte es Dir Gott, was Du an uns tust“ hin – und Petrus nahm die Worte der Durchreisenden Ernst und ließ den Bauern „in den Himmi einischlupfen“.

Als norddeutscher Protestant werde ich immer darauf beharren: Den Platz bei Gott kann man sich weder ergaunern noch verdienen. Aber die Geschichte lässt mich doch auch still lächeln. Denn es macht mir Mut, mir vorzustellen, dass die Begegnung mit „den Fremden“ dem Bauern ebenso wie einst Jesaja hilft, seinen Weg mit und zu Gott (wieder) zu finden.

 

 

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Dr. Matthias Wilke

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Mo. 22.02.16
Klare Kante
Roger Moch
Klare Kante

Das Jahr 2016 ist erst sieben Wochen alt. Seit Silvester habe ich das Gefühl, dass ein schrecklicher Tagesbericht den nächsten ablöst. Blitzartig. Als hätte jemand einen Turbo im Weltgeschehen eingeschaltet. Ich habe dabei das Gefühl, dass ich die Orientierung verliere. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen, junge Erwachsene, die sich einen abartigen Spaß daraus machen, Passanten zu verprügeln, immer neue Terrorangriffe und Kriege, die Menschen ihr Zuhause oder ihre Sicherheit oder ihr Leben verlieren lassen, Missbrauch von Kindern, verseuchte Lebensmittel ...

Das kann ich nur schwer aushalten. Wo soll ich eingreifen, was soll ich tun, und wie soll ich das machen? Oder soll ich einfach keine Nachrichten mehr gucken, keine Zeitung mehr lesen und darüber hinwegsehen, weghören und nicht darüber sprechen?

Es ist noch nicht allzu lange her, da glaubten wir an eine breite gesellschaftliche Einigkeit angesichts der Not der vielen Menschen, die vor Krieg und Terror geflohen sind. Menschen, die bei uns Schutz und eine neue Lebensperspektive suchen. Wenn Menschen in Not sind, dann helfen wir ihnen. Von dieser Gemeinsamkeit war ich überzeugt. Aber jetzt bin ich verunsichert und vieles bestürzt mich. Die ansteigende aggressive Fremdenfeindlichkeit, die kaum mehr durchschaubaren politischen Kämpfe. Das alles belastet die öffentliche Stimmung. Vielleicht, weil der Kurs nicht mehr stimmt. Es scheint, wie es manchmal beim Segeln ist, entweder das Boot dümpelt vor sich hin, wie bei einer Flaute, oder ein Sturm treibt es vor sich her. Klares Kurshalten scheint schwierig geworden. Da braucht man einen Kompass, der die Richtung zeigt.

Für mich ist eines ganz eindeutig. Die Menschen haben Vorrang und Vorrecht. Nicht die nackten Zahlen und nicht das Geld. Es geht um den einzelnen Menschen mit seiner Lebensgeschichte, seinem Schicksal, seiner Zuversicht.

Jesus hat in einer Zeit gelebt, die viel trostloser war als die heutige. Trotzdem hat er Gutes getan, weil er z.B. nicht hinnehmen wollte, dass Fremde gedemütigt werden, oder eine Frau von Männern gesteinigt wird. Er hat seine Vorsätze nicht mit Gewalt durchgesetzt, sondern Frieden geschaffen. Hat eben nicht zurückgeschlagen, sondern vergeben. Jesus hat mit offenen Sinnen die Missstände in der Gesellschaft angeschaut und dann klare Worte gefunden. Für eine gerechte Welt, auf der alle Menschen in Frieden leben können. Glauben, Wahrnehmen, Handeln, das ist nötig. Damals wie heute. Das gibt mir Orientierung.

 

 

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Roger Moch

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Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
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Westerwalsede
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(04269) 1899
Mo. 01.02.16
Krieg oder Frieden
Frank Hasselberg
Krieg oder Frieden

„Wir erklären uns den Ehekrieg.“ So hatte es meine Schwester vor längerer Zeit in ihrer Heiratsanzeige formuliert. Nun verläuft diese Ehe nach allgemeiner Einschätzung durchaus friedlich und hält seit nunmehr 36 Jahren, Ende nicht absehbar. Leider kann man das nicht von allen Beziehungen sagen. Streit gibt es überall: in Partnerschaften mit und ohne Trauschein, in Familien, unter Nachbarn, Kollegen, Parteien und Staaten. Im Moment erlebe ich das in meiner Umgebung an vielen Punkten, und ich frage mich: Warum kann es in dieser Welt nicht friedlicher zugehen? Gut, in den großen Bereichen kann ich nicht viel dazutun, aber im kleinen, persönlichen Alltag, da muss es doch möglich sein…

Am 30. Januar 1648 wurde im Ratssaal zu Münster der entscheidende Teil des Westfälischen Friedens geschlossen. Damit war der 30-jährige Krieg zu Ende, der unermessliches Leid über Mitteleuropa gebracht hat. Ganze Landstriche waren verwüstet und entvölkert. „Endlich Friede!“ werden die Überlebenden damals gedacht haben. „Endlich Friede!“ war auch die vorherrschende Stimmung im Mai 1945 bei uns. „Endlich Friede!“ möchten gern auch viele Menschen sagen können, die im Moment in ganz persönlichen Konflikten feststecken und keine Lösung wissen. Natürlich ist das nicht so einfach, können Wege zur Versöhnung steinig sein. Aber es wird mit Sicherheit keinen Weg zum Frieden geben, wenn ich nicht selber dazu beitrage, vielleicht auch mal über meinen Schatten springe.

Ein modernes Lied in unserem Gesangbuch (EG 612) illustriert das wunderbar:

„Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen, / gib mir den Mut zum ersten Schritt. / Lass mich auf deine Brücken trauen / und wenn ich gehe, geh du mit.

Ich möchte gerne Brücken bauen, / wo alle tiefe Gräben seh'n. / Ich möchte über Zäune schauen / und über hohe Mauern geh'n.

Ich möchte gerne Hände reichen, / wo jemand harte Fäuste ballt. / Ich suche unablässig Zeichen / des Friedens zwischen Jung und Alt.

Ich möchte nicht zum Mond gelangen, / jedoch zu meines Feindes Tür. / Ich möchte keinen Streit anfangen. / Ob Friede wird, liegt auch an mir.“

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Frank Hasselberg

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Frank
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So. 24.01.16
Einfach die Maske ablegen
Marita Meixner-Ander…
Einfach die Maske ablegen

Ob "Alaaf" oder "Helau", traditionell oder alternativ, im Fernseher, im Festsaal oder auf der Straße: Die Karnevalszeit ist in vollem Gange. Man darf wieder Masken tragen. Es ist schon lustig, mal jemand ganz anderer zu sein. Aber wenn dann der Fasching spätestens am Aschermittwoch vorbei ist, wenn eigentlich kein Verkleiden mehr dran ist, dann verstecken sich viele auch weiterhin oft hinter einer Maske – verstellen sich, tun so, als ob.

Eine Frau hat gerade noch geweint und nun lächelt sie wieder, nur weil andere dazugekommen sind. Ein Mann gibt zu: "Ich kann einfach nicht mehr." Doch vor seiner Familie und den Kollegen tritt er ganz anders auf. Wir alle haben es gelernt, unsere Rollen zu spielen und zu funktionieren – tragen unsere Masken ganzjährig.

Der große Pantomime Marcel Marceau spielte einmal eine Szene, die mich tief berührte: Er hält sich kurz beide Hände vors Gesicht, und wenn er die Hände wegnimmt, ist er ein völlig anderer. Er setzt eine Maske nach der anderen auf und wieder ab, bis er eine Maske nicht mehr vom Gesicht bekommt. Er zerrt und zerrt, doch sie bleibt und er in ihr gefangen.

Einen Ort, um die eigene Alltagsmaske ablegen zu können, braucht jeder Mensch. Es ist gut, Freundinnen oder Freunde zu haben, vor denen wir so sein können, wie wir gerade wirklich sind. Vor allem ist es gut, dass es einen Gott gibt, der unsere Herzen kennt und vor dem wir uns nicht zu verstecken brauchen.

Übrigens, es lohnt sich der Versuch, die Maske einmal abzulegen und einfach ein Stück Herz zu zeigen. So entgehen wir der Gefahr, hinter unserer Maske zu versteinern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – nicht nur – an diesem Wochenende bewegende Momente voller Herz und befreienden Erfahrungen.

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Marita Meixner-Andersohn

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Meixner-Andersohn
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So. 03.01.16
Zeitenwechsel?
Roger Moch
Zeitenwechsel?

Das Neue Jahr hat begonnen. Was wird es diesmal bringen? „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Das hat Gott vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren seinem Propheten Jesaja (Jes 43,19) angekündigt. Der hat es weiter gesagt an Leute, die ihr Leben aus verschiedenen Gründen nicht mehr ertragen konnten. „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Auch das noch, in dieser Zeit, wo soviel passiert und nichts mehr so bleibt, wie es war. Bitte nicht noch mehr Neues! Ich habe genug von all den Veränderungen und Neuerungen der letzten Monate. Neuerungen bringen fast immer Unruhe mit sich und kaum etwas Gutes. Vermutlich kennen auch Sie Lebensverhältnisse und Beziehungen, die nicht so bleiben können, wie Sie es gewohnt sind. So ging es den Menschen, mit denen der Prophet damals, vor fast 3.000 Jahren, sprach. Manche hatten schon aufgehört zu hoffen, dass sich irgendetwas ändern könnte. Diesen Menschen hat damals Jesaja im Auftrag Gottes gesagt: Ihr müsst nicht in einem fremdem Land als Geflohene, Verschleppte und Vertriebene die niedrigsten Arbeiten erledigen. Das ist nicht gottgewollt, dass es euch so geht. Gott selbst wird euch einen neuen Anfang möglich machen. Er wird euch aus der Sackgasse Eures Lebens führen. Mir fallen heute junge Leute ein, die trotz ausreichender Angebote aus verschiedenen Gründen keinen Ausbildungsplatz finden. Ich denke an lieblos gewordene Partnerschaften und an Menschen, deren Krankheit ihr Leben plötzlich umkrempelt. Manche Menschen fühlen sich wie gefangen in ihrem Leben oder in ihrem Land. Und für die gilt Gottes Ankündigung: „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ Ich glaube, das gilt bis heute für die, die nicht mehr weiterkönnen und nicht mehr weiterwissen. Für die, die spüren, wenn sich nicht bald etwas ändert, dann bleibt nichts Sinnvolles mehr übrig von meinem Leben. Es gibt Menschen, die fühlen sich wie eingesperrt in ihrem Leben. Weil sie im falschen Land sind. Oder weil sie dort keinen Platz finden können. Oder weil es ihnen nicht gelingt, auch mal Nein zu sagen. Oder weil sie sich auffressen lassen von den Ansprüchen anderer. Aber nicht allein für diese Menschen gilt der Spruch: „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“. Manchmal sieht man wirklich nicht, dass das Neue schon angefangen hat. Wir schaffen das schon, gerade wenn im neuen Jahr wieder unvorhergesehene Dinge geschehen werden.

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Roger Moch

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Roger
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So. 27.12.15
Das war´s mal wieder…
Frank Hasselberg
Das war´s mal wieder…

Nun ist Weihnachten (fast) schon wieder vorbei – je nachdem, wann Sie diese Zeilen lesen. Mancher freut sich: Endlich Schluss mit all dem Stress und der aufgesetzten Rührseligkeit. Andere blicken auf ein schönes Fest zurück und bedauern es, dass sie bald der Alltag wiederhat. Die einen zehren noch von der Ankunft Gottes, die anderen von den Kalorien des Weihnachtsessens. Für die einen ist Weihnachten der Neubeginn Gottes mit uns Menschen, für die anderen schlicht Brauchtum ohne großen Sinn dahinter.

Wie dem auch sei: Wenn schon kein Schnee rieselt, so doch die Nadeln des Tannenbaums. Mancher muss auch „zwischen den Jahren“ arbeiten. Der Begriff rührt übrigens daher, dass der Geburtstag Jesu am 25. Dezember oder aber am 6. Januar gefeiert wird und damit früher auch das neue Jahr begann. Und dann kommt Silvester mit Böllern und Raketen, mit denen viele die „bösen Geister“ des alten Jahres vertreiben wollen. Da werden wieder hunderte von Millionen Euro verpulvert, die doch besser armen Menschen helfen könnten, etwas zu essen zu bekommen. Ein Feuerwerk sieht schön aus, macht aber nicht satt.

Es ist eine Zeit voller Widersprüche. Besonders erlebe ich das in diesen kurzen, viel zu warmen Tagen. Manchmal möchte ich mich verkriechen. Wie wohl tut es da, im Wohnzimmer eine Kerze anzuzünden oder am flackernden Kaminfeuer zu sitzen. Die Dunkelheit schlägt irgendwie auf´s Gemüt; im Licht leben wir Menschen wieder auf. Das haben wir an Weihnachten gefeiert: Wie Jesus Christus hineinkommt in unsere Welt mit ihrer Dunkelheit. So wie eine einzige Kerze einen Raum in ein ganz anderes Licht taucht, so lässt Jesu Ankunft in dieser Welt unser Leben in einem neuen Licht erscheinen. Ich jedenfalls möchte mich vom ihm leiten lassen, weil er mich auch über Abgründe meines Lebens hinwegtragen kann. Der Dichter Christian Morgenstern hat einmal gesagt: „Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandern.“ Und das gilt nicht nur an Weihnachten.

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Frank Hasselberg

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Frank
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Do. 24.12.15
„Ich komme bald“
Susanne Briese
„Ich komme bald“

Das klingt wie ein kurzes Telegramm. Mehr dahin gekritzelt, als dass es ordentlich geschrieben worden wäre. Drei Worte. Mehr steht nicht drauf auf dem Zettel. Und bei genauem Hinsehen entdecke ich: Das „e“ hebt sich vom Wort „Komme“ ab. Und die ersten beiden Worte scheinen in einem Zuge geschrieben worden zu sein, womöglich standen diese Worte zuerst da: „Ich komme“. Und dann erst „bald“. Oder haben zwei verschiedene Schreiber hier ihre Notiz hinterlassen? Der eine kündigt seine Ankunft an und der andere wünscht sich, dass es schnell gehen möge damit. Könnte ja auch sein.

„Ich komme bald“ – Der Künstler und emeritierte Professor Thomas Zacharias hat die Radierung geschaffen. Drei Worte. Es scheint mit diesen Worten alles gesagt. Der Adressat scheint sehr gut bekannt zu sein. Die Ankündigung ist schon die Botschaft selbst. Und was heißt das? Was wird die Ankunft bringen, was bedeutet sie? Ich denke an Hoffnung, wenn ich die Worte ansehe. Aber sie ermahnen auch. Einige werden die drei Worte mit Erleichterung lesen. Andere müssen sich wohl eher warm anziehen.

Mich erinnert der kleine Zettel an das Wort aus dem letzten Buch der Bibel, an die Offenbarung des Johannes. Der Seher Johannes beschreibt die Ankunft Jesu Christi, der diejenigen, die sich an ihn halten, erlösen und befreien wird. Die anderen aber werden sehen, dass ihr Mangel an Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Glaube ebenfalls genau angeschaut wird – je nach der eigenen Lebensweise.

Diese Zeit ist eine Zeit der Besinnung. Jenseits des lieblichen Kerzenduftes ist Raum da zum Nachdenken darüber, was Jesus wohl über das eigene Leben zu sagen hätte. Manches wird daran wirklich so sein, dass man es ihm gern zeigt. Hier und da aber haben sich auch Dinge in das Leben eingeschlichen, die man noch nicht einmal selbst gern ein zweites Mal anschaut. Wir können Dinge ändern und neu starten. Schade wäre es, wenn wir jetzt die Augen davor verschließen würden. Denn ein Leben in Frieden ist allemal lebenswerter und bringt Segen – für sich selbst, aber vor allem auch für andere.

 

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Susanne Briese

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Susanne
Briese
Superintendentin
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Mo. 07.12.15
Nikolaus - nicht aus Schokolade
Martin Söffing
Nikolaus - nicht aus Schokolade

In Myra, einer Hafenstadt in der heutigen Türkei, herrschte damals zu Lebzeiten des Bischofs Nikolaus große Not. Die Bevölkerung hungerte. Gewalt, Krieg, Krankheit gehörten zum Alltag. Grausame Zeit. Von Bischof Nikolaus wird erzählt, dass er in grausamer Zeit für die Menschen sorgte. Wunder habe er vollbracht. So haben die Menschen seine tatkräftige Hilfe erlebt und Legenden und Geschichten um Bischof Nikolaus erzählt und Lieder gesungen.

Nikolaus war ein guter Mann. So heißt es in dem fröhlichen Lied, das Kinder und Erwachsene in dieser Zeit gerne trällern.

Die Zeit des Bischof Nikolaus war überhaupt nicht lustig – kein Tralala. Aber danken können wir ihm: Bischof Nikolaus war ein mitfühlender, wachsamer, mutiger und aufrechter Mann. Er hatte den Mut, für Menschen einzustehen. Was Recht war, sollte auch Recht sein, wo Not war, musste sie gelindert werden, wo Geld war, diente es zum Teilen, wo Krieg war, rief er zum Frieden, wo Tod war, rief er zum Leben.

Wenn er sich doch vervielfachen könnte! Aber nicht aus Schokolade! Wenn wir so viele lebendige Nikoläuse hätten wie aus Schokolade in den Regalen der Supermärkte stehen, hätten wir vielleicht ausreichend Sozialen Wohnraum, genügend Ärzte und Pflegekräfte in unseren Krankenhäusern, viele aufrechte Menschen in den Regierungen in Berlin, im Land, in den Kreisen und Kommunen, die den Reichtum in unserem Land dort verteilen, wo es notwendig ist.

In einem Adventslied bitten wir: „O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!“

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Martin Söffing

Martin
Söffing
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Mo. 07.12.15
Else ist kein Nikolaus
Dr. Matthias Wilke
Else ist kein Nikolaus

Es begab sich zu einer Zeit, als die Regale noch nicht so inflationär mit Nikoläusen gefüllt waren. So ein richtig stattlicher war da schon eher eine Besonderheit. Und so kam es, dass die kleine Else sich mächtig freute, als sie, um den zweiten Advent, von einem amerikanischen „Besatzungssoldaten“ einen echten und auch noch großen Schokoladennikolaus geschenkt bekam. Else strahlte über beide Wangen und brachte den süßen Mann behutsam im Arm nach Hause. Und hier sollte er nun stehen – aber wo? Auf keinen Fall wollte sie ihn gleich essen. Also stellte sie ihn oben auf das Regal, wo er nicht kaputtgehen konnte, gleich neben die kleine Lampe. Aber ach! Am nächsten Morgen schaute der Nikolaus ganz geknickt aus. Nicht, dass er zerbrochen war, nein, aber durch die Wärme der Lampe war er am Hals geschmolzen und sein Kopf floss nun auf seine Brust. So in etwa fühlte sich nun auch Else. Kopf und Herz waren „detsch“. Wie gut aber, dass Else nicht aus Schokolade war. Während dem Nikolaus liebe Worte nicht wieder zu „alter Form“ verhalfen, führte der Trost ihrer Mutter, dass Else nicht weinen solle, denn Weihnachten stehe doch erst noch vor der Tür, bei Else hingegen dazu, ihre alte Form wiederzufinden.

Wenn mir die Ereignisse um mich herum und in mir zu nahe kommen, mögen sich meine Gedanken wie schmelzende Schokolade nach unten bewegen. Worte von Weihnachten aber können meine „Gefühlsdetsche“ wieder zurechtbiegen. Denn die richtigen Worte zur richtigen Zeit bringen Hoffnung zum Klingen und verändern so meine Form – mit geradem Blick hin zur Heiligen Nacht: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich Eure Erlösung naht“ (Evangelium nach Lukas 21,28).

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Mi. 02.12.15
Triumphzug der Armut
Dr. Matthias Wilke
Triumphzug der Armut

„Siehe, dein König kommt zu Dir, … ein Helfer, … arm und reitet auf einem Esel!“ Es ist Advent! Spätestens zu dieser Jahreszeit werden die Könige wieder zu Bettlern – und Gott nimmt sich der Armen besonders an. Und wie mag das aussehen?

„Triumphzug der Armut“, so hat Hans Holbein (der Jüngere) um das Jahr 1530 eines seiner Bilder überschrieben. Sie finden es ganz einfach, wenn Sie den hier angegebenen Link einfach anklicken. http://www.fraperu.de/ftp/homepage45/3148.JPG Das Originalbild zierte einst in London einen Saal im Haus der Hanse. Hier tanzten die Söhne reicher Kaufleute. Hier wurden sie ausgebildet und im „Networking“ geschult – und hier ließen sie sich die Armut vor Augen malen. Warum? Schaue ich auf das Bild, so fällt mir auf: Da steht viel in Latein geschrieben und das Bild ist alt und unverständlich. Nehme ich mir aber die Zeit, genauer hinzuschauen (und übersetzt mir einer die lateinischen Begriffe), so sehe ich auch: Die Gestalt, die diesen seltsamen Zug arm aussehender Gestalten anführt, trägt nicht den Namen „Unruhe oder Besorgnis (Sollicitudo)“. Das hätte mir eingeleuchtet, denn was sonst macht Armut aus? Das aber steht erst über der zweiten Figur. Angeführt wird der Zug hingegen von der „Achtsamkeit (diligentia)“. Spätestens bei diesem Wort werde ich hellhörig. Es ist Advent – und im Advent 2015 tut es mir gut, mir vor Augen malen zu lassen, dass auch ich nicht von der Besorgnis durchs Leben getrieben werde, sondern die Achtsamkeit mich leitet. „Siehe, dein König kommt zu Dir, … ein Helfer.“ Er reitet nicht an uns vorbei, sagt der Glaube, sondern bleibt aufmerksam stehen, um mit uns zu gehen – in aller Besorgnis.

 

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Mo. 16.11.15
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“
Roger Moch
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

Am 14. November jährt sich der Geburtstag von Astrid Lindgren zum 108. Mal. Generationen sind mit ihren Büchern groß geworden. Mit Pippi, Ronja, Michel... Mich hat schon sehr früh Pippis Stärke beeindruckt und Michels verschmitzter Einfallsreichtum. Ihr freudiger Umgang mit unterschiedlichen Menschen und die Zuwendung zu ihnen faszinieren mich noch heute. Über Astrid Lindgrens Verhältnis zur Kirche ist immer mal wieder spekuliert worden. Sie soll ein zurückhaltendes Verhältnis zur schwedischen Amtskirche gehabt haben. In ihren Kinderbüchern finden sich trotzdem viele christliche Bilder, religiöse Anfragen und Bibelworte

Ihren Gottesglauben beschreibt sie so: „Geht alles gut, mache ich mir keine Gedanken darüber.“ Und an anderer Stelle sagt sie: „Ich denke an Gott, wenn ich ihn dringend brauche.“ Von der schwedischen Staatskirche sei sie abgeschreckt worden, vor allem wegen der Unbarmherzigkeit einiger Pfarrer, die sie erlebt hat. Dennoch war ihr Menschenbild zutiefst christlich geprägt. So findet sich die Speisungsgeschichte Jesu auch bei „Michel aus Lönneberga“: Als Michel sah, dass die Armenhäusler von Katthult nichts von den traditionellen Weihnachtsgaben abbekommen hatten, lud er sie kurzerhand auf den Hof ein. Seine Eltern waren nicht zu Hause und so verteilte Michel die Vorräte, die eigentlich für den Weihnachtsbesuch am nächsten Tag bestimmt waren. „Die sind schon dick genug“, sagte er, als Schwester Klein-Ida Einwände erhob.

Eines der typischen Lindgren-Themen sei der Schaden und Nutzen von Macht, wird ihr nachgesagt. Die starke und selbstbewusste Pippi Langstrumpf zeigt, wie Macht für Gutes genutzt werden kann. „Ronja Räubertochter“ gibt ein Beispiel, wie Feindschaft zwischen Gruppen überwunden werden kann. In Büchern wie „Mio, mein Mio“ oder „Brüder Löwenherz“ ist der Tod Thema und im Märchen „Sonnenau“ das biblische Paradies. Ich finde es gut, dass den Kindern hier keine heile Welt vorgetäuscht wird. Astrid Lindgren hat in diesen Werken versucht, Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen.

Das Menschenbild der Schriftstellerin wird z.B. in einer Geschichte sichtbar, in der Michels Mutter von den Bewohnern von Lönneberga Geld bekommt, damit sie ihren wilden, lümmelhaften Lausbuben nach Amerika verkaufen kann. Doch Michels Mutter wirft ihnen das Geld vor die Füße: „Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

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Mo. 09.11.15
Eine Gabe ist eine Aufgabe
Susanne Briese
Eine Gabe ist eine Aufgabe

„Brot!“ Schlicht und einfach. Manchmal braucht eine Wahrheit nur ein Wort. „Brot!“ Mit diesem Wort ist ein berühmtes Bild der Künstlerin Käthe Kollwitz überschrieben.

Wenn ich mir das Bild in Erinnerung rufe, spüre ich wieder das Mitgefühl für die Kinder, die am Rockzipfel der Mutter hängen, weil sie es vor Hunger nicht mehr aushalten können. „Wann gibt es was zu essen?“ Oder vielleicht – was noch schwerer zu ertragen wäre: „Warum gibst du uns nichts zu essen?“ Die Mutter, die auf dem Bild gezeichnet ist, kann ihren eigenen Kindern nicht in die Augen sehen. Sie verbirgt ihr Gesicht. Es muss schrecklich sein für eine Mutter, ihre Kinder leiden zu sehen und nichts dagegen tun zu können. Hunger tut weh. Auch der Seele. Käthe Kollwitz fertigte die Lithographie „Brot!“ im Jahre 1924 an und legt ihr klares Engagement für Menschen in Not hinein.

 

„Gabe ist eine Aufgabe“. Dieses Lebensmotto verdankt die Künstlerin ihrem Großvater Julius Rupp. Sie hat ihr Wirken diesem Leitsatz folgend Menschen gewidmet, die Unterstützung brauchen. Sie erarbeitete Bilder zu Hunger, Verzweiflung und Arbeitslosigkeit, sie zeigte in ihren Bildern Witwen, schuf Bilder vom Elend und vom Sterben der Kinder. Allesamt Bilder, die zum Frieden mahnen. „Gabe ist eine Aufgabe“. Was sie kann, setzt sie ein für andere. Die Bilder von Käthe Kollwitz öffnen Augen und werben für die Solidarität mit den Schwachen.

 

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8) Eine Gabe ist eine Aufgabe. Das bleibt auch heute wichtig.

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Mo. 02.11.15
Hallo Reformationstag
Roger Moch
Hallo Reformationstag

Reformationstag und Halloween – das sind auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Feste, die einander vor allem aufgrund des Datums Konkurrenz machen.

Halloween ist ein Fest, über das manche den Kopf schütteln. Das Treiben der Kinder und Jugendlichen wird argwöhnisch beobachtet. Nicht nur junge Menschen ziehen Zombie-Kostüme an und jagen anderen Angst ein. Sie schreien: „Süßes, oder es gibt Saures!", stacheln rachsüchtig Streiche an, wenn die Drohung nicht gefruchtet hat. Da klagen oder stöhnen manche, dass der Tag des Thesenanschlags dem Spaßfaktor von meist Jugendlichen und des Eindringens von Unglauben zum Opfer fällt. Dabei zeugt der Name „All Hallows’ Eve (Abend vor Allerheiligen)“ von dem Versuch, ein ursprünglich heidnisches Fest, dessen Wurzeln im Dunklen liegen, zu christianisieren.

Im Mittelalter war es die Kirche, die den Teufel an die Wand malte, die Furcht und Schrecken verbreitete. „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt", war ein weit verbreiteter Spruch. Denn wer nicht den Ablass zahlen wollte, für den sah es ganz düster aus. Hölle und Feuersbrunst warteten darauf, die menschliche Seele zu verzehren. Welcher Erwachsene konnte sich angesichts dieses Schreckens der Ablasszahlung widersetzen?

Kinder und Jugendliche heute fürchten ebenso das Böse, wie dunkle Gestalten im Gebüsch, Monster unter dem Bett, abschreckende Bilder im Internet. Sie haben Angst, allein zu sein, schuldig zu sein, vor dem Sterben und dem Tod. Kommen ihre Ängste in unseren Kirchen, Gottesdiensten und Gemeinden vor? Werden ihre Befürchtungen von Erwachsenen wahr- und ernst genommen?

Kinder und Jugendliche versuchen da, sich selbst zu helfen. Auf dem Pausenhof spielen sie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann" und laufen „dem Bösen" entgegen. In der dunklen Jahreszeit schlüpfen sie sogar in die Rollen, die ihre gemeinschaftliche Angst verkörpern, in die der Zombies, Mörder und Totenmänner. Sie gestehen sich ihre „Lust" ein, auch mal „böse" sein zu wollen, und lassen gegebenenfalls Wut und Aggressionen zu. An Halloween verkehrt sich nämlich, was sie sonst erleben. Den Erwachsenen gegenüber sind sie nicht mehr schwach, sondern stark. Erwachsene spielen das Spiel mit, so wie damals auf dem Pausenhof. Sie stellen sich dem „schwarzen Mann" entgegen, auch wenn meist nur harmlose verkleidete Kinder vor der Tür stehen, und zahlen wie im Mittelalter einen Ablass. Vor nicht mal 500 Jahren nahm Martin Luther die Höllenängste der Menschen ernst. Er zeigte nicht abwertend mit dem Finger auf die Fratzen, die sie an Hauswände gemalt hatten. Sondern er wies ihnen den Weg aus der Angst. Das feiern wir unter anderem auch heute noch am Tag der Reformation.

 

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Die armen Seelen in Not
Meret Köhne
Die armen Seelen in Not

Vor langer Zeit lebte in Irland ein Hufschmied namens Jack Oldfield. Am Abend vor Allerheiligen saß der trunksüchtige Jack in der Dorfkneipe, als plötzlich der Teufel neben ihm stand. Jack bot ihm seine Seele an für einen letzten Drink. Der Teufel verwandelte sich in eine Sixpence-Münze, um den Wirt zu bezahlen. Jack aber steckte die Münze schnell in seinen Geldbeutel und verschloss ihn fest. Und weil er im Geldbeutel ein silbernes Kreuz hatte, konnte der Teufel sich nicht zurückverwandeln. Jack verhandelte mit dem Teufel: Er ließ ihn frei und der Teufel versprach, Jacks Seele nicht anzurühren.

Als Jack viele Jahre später starb, bat er im Himmel um Einlass. Da er in seinem Leben nicht gerade brav gewesen war, wurde er abgewiesen. Er begab sich zu den Höllentoren. Aber auch der Teufel schickte ihn weg. Doch weil es so dunkel, kalt und windig war, bekam der Teufel Mitleid und schenkte Jack eine glühende Kohle direkt aus dem Höllenfeuer. Jack steckte die Kohle in eine ausgehöhlte Rübe. Seitdem wandelt seine verdammte Seele mit der Laterne an Halloween durch die Dunkelheit.

Mittlerweile sieht man auch vor immer mehr norddeutschen Haustüren glühende Kürbisfratzen stehen. Die Legende vom gerissen Jack Oldfield klingt faszinierend und schaurig schön. Hier kommt der einfache Volksglauben nochmal auf seine Kosten. Bedauerlicherweise fällt Halloween auf den 31. Oktober. Genau an diesem Tag ging Martin Luther mit seiner reformatorischen Idee an die Öffentlichkeit. Sein Anliegen war es, seinen verängstigten Mitmenschen klar zu machen: Gott sieht jeden Gläubigen als sein geliebtes Kind an, unabhängig von seinen Leistungen.

Ich mag Halloween nicht! Die Vorstellung Seelen irren nach dem Tod ungehalten in einer Zwischenwelt herum, macht mir Angst. Mir tut es gut, mich in diesen dunklen Zeiten, auf meinen Gott verlassen zu können, der mich so annimmt, wie ich bin – ganz nach Luther.

Einen schönen Reformationstag wünscht Ihnen,

Meret Köhne

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