Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 11.09.16
Zwischen den Wahltagen
Jens Ubben
Zwischen den Wahltagen

Sie kriegen unser Kreuz und fragen bis zur nächsten Wahl nicht nach unserer Meinung. Sie sagen heute das, und morgen erinnern sie sich nicht mehr. Sie schreiben sich Dinge auf die Fahnen, die eigentlich andere getan haben. Manche sagen, dass das bei Politikern so sei.

Andere sagen: Sie wollen etwas bewegen. Sie bewahren einen langen Atem für komplexe Themen. Sie schlagen sich lange Abende um die Ohren. Sie tun das im kommunalen Bereich ehrenamtlich. Sie tun das, obwohl es immer Leute gibt, die die Ergebnisse blöd finden und es sowieso besser wissen.

Was können wir tun als Bürger, zwischen Wahltagen? Neben persönlichen Kontakten zu unseren Volksvertretern, neben konstruktiven Ideen, ermutigenden Worten, kritischen Rückfragen? Was tun, statt gleichgültig-frustriertem Ignorieren?

Christen sind aufgefordert zu beten! So heißt es im Neuen Testament im 1. Timotheusbrief: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit.“ Vier Arten des Betens, auch für Politiker!

Beten heißt, Gott einzubeziehen in unser Leben und unser Miteinander. Eine Letztverantwortung bei etwas Größerem anzuerkennen, und den Kontakt zu diesem zu pflegen. „Bitte“ meint: Wir holen Gott hinein in unser Leben, nennen das, was wir brauchen. „Gebet“ steht für das alltägliche Gespräch mit Gott, das die Dinge des Lebens in das vertraute Gespräch mit ihm einfließen lässt. „Fürbitte“ bedeutet, die Not des anderen zu sehen. Zu wissen, dass wir allein es nicht lösen können, und darin dann den eigenen Beitrag zu erkennen. Der „Dank“ schaut wertschätzend zurück und freut sich am nicht Selbstverständlichen.

Tun wir das doch auch im Blick auf unsere Volksvertreter: Die „Bitte“, die Gott bewusst hineinholt in unser Leben. Das „Gebet“, das eigene gesellschaftliche Haltungen im stillen Zwiegespräch mit Gott reifen lässt. Die „Fürbitte“, die um Kraft, gutes Urteilsvermögen, Besonnenheit und Ausdauer für unsere Abgeordneten bittet. Und der „Dank“, der die Wertschätzung für das Gelungene wachsen lässt und auch persönlich zum Ausdruck bringt.

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
So. 04.09.16
Etwas für´s ganze Leben
Frank Hasselberg
Etwas für´s ganze Leben

„Ein Freund, ein guter Freund,

das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.

Ein Freund bleibt immer Freund,

auch wenn die ganze Welt zusammenfällt.

Drum sei auch nie betrübt,

wenn dein Schatz dich nicht mehr liebt.

Ein Freund, ein guter Freund,

das ist der größte Schatz, den´s gibt.“

 

So sangen einst die Comedian Harmonists. Auch in der Bibel wird ein hohes Lied gesungen auf den Wert der Freundschaft. Der Weisheitslehrer Jesus Sirach schreibt: „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den findet, der findet einen großen Schatz. Ein treuer Freund ist nicht mit Geld oder Gut zu bezahlen.“ Und von der tiefen Verbundenheit zwischen David und Jonathan heißt es im Alten Testament sogar, dass sie David wichtiger gewesen sei als die Liebe der Frauen. Die Heilige Schrift weiß an vielen Stellen um den hohen Wert wahrer menschlicher Freundschaft, um den Wert tiefer, verbindlicher Beziehungen. Im Johannesevangelium sagt Jesus sogar direkt zu seinen Jüngern: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde“.

 

Ich glaube, manchmal verwenden wir das Wort Freundschaft zu leichtfertig und meinen eher lose Bekanntschaften, etwa im Sinne von Sports-, Partei- oder Geschäftsfreunden. Solche Beziehungen mögen auch wichtig sein, sind aber oft nur oberflächlich und von kurzer Dauer. In der Bibel geht es um echte, tragfähige, lebenslange Freundschaften. Wo ich mich so geben kann, wie ich bin, wo ich mich nicht verbiegen muss und alles erzählen kann, wo ich aufgefangen werde, wenn ich einmal falle. Eine solche Freundschaft bietet Jesus uns an. Er möchte unser treuer und verlässlicher Freund und Wegbegleiter sein. Man sagt, „kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“. Er hat uns ein viel größeres Geschenk gemacht, indem er uns ein ganz neues Leben bei Gott eröffnet; wir brauchen es nur anzunehmen. Denn Freundschaften müssen auch gepflegt werden, damit sie nicht verkümmern. Vielleicht bieten die herrlichen Spätsommertage, die wir erleben, wieder einmal die Gelegenheit dazu, an dieser Freundschaft zu arbeiten, sie neu zu beleben. Es wartet jemand darauf.

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Frank Hasselberg

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Frank
Hasselberg
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29640
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(05193) 4130
So. 28.08.16
Wer lacht, sündigt nicht
Frank Hasselberg
Wer lacht, sündigt nicht

Warum guckt die Frau an der Kasse mich nur so seltsam an? „Entschuldigung, aber so kennt man Sie ja gar nicht… in kurzen Hosen und T-Shirt. Ich hätte Sie beinahe nicht erkannt.“ Ich muss lachen. Nein, bei der Hitze laufe ich auch als Pastor nun wirklich nicht im schwarzen Anzug herum. Da hat sich im Laufe der Zeit manches geändert – Gott sei Dank!

Anderes hält sich zäh. Zum Beispiel, dass man im Gottesdienst nicht lacht. Wer hat das bloß erfunden? Manchmal bin ich enttäuscht, wenn ich in die Predigt einen Scherz einbaue und niemand sich richtig zu lachen traut. Ein altes Phänomen. Von Wilhelm Buschs Neffen, dem Pastor Otto Nöldeke, wird folgendes erzählt: Als eines seiner Schäfchen krank im Bett lag, brachte Pfarrer Nöldeke einen Band seines Onkels zu dem Kranken in der Hoffnung, die lustigen Zeichnungen und Verse würden ihn etwas aufmuntern. Nach vier Wochen besuchte er den Kranken wieder und fragte, wie ihm das Buch gefallen habe. Die Antwort lautete: „Ich hätte wohl sehr lachen mögen über die Geschichten, aber da ich das Buch von Ihnen erhalten hatte, traute ich mich nicht so recht.“

Schon das ist zum Lachen, oder?! Also ich bin nicht der Mensch, der mit nach unten gezogenen Mundwinkeln herumläuft, im Gegenteil. Ich freue mich des Lebens, und mein Glaube hilft mir dabei, mit schwierigen Situationen umzugehen. Kirche, Glaube und Humor sind keine Gegensätze, für mich gehören sie untrennbar zusammen. Lachen ist gesund für Leib und Seele, und vielleicht stimmt der Titel des Buches, das ich gerade lese: „Wer lacht, sündigt nicht!“ - Wie, die Bibel sprüht nicht gerade vor lustigen Geschichten? Mag sein, zumindest nicht vordergründig, aber wissen Sie was: Nach dem Johannesevangelium (Kapitel 2, Verse 1-12) hat Jesus während der Hochzeitsfeier in Kana das Wasser nun gerade nicht in essigsaure Tonerde, sondern in Wein verwandelt. Das Fest der Freude konnte weitergehen. Das erste Zeichen, das Jesus tat, diente der Lebensfreude.

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Frank Hasselberg

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Pastor/-innen
Frank
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Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
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So. 21.08.16
Die Saat der Diakonie
Matthias Richter
Die Saat der Diakonie

Neulich im Campus Unterstedt – der Landessuperintendent will sich ein Bild davon machen, wie die Diakonie die Flüchtlinge in Rotenburg betreut. Mit dabei sind vier junge Männer, aus Syrien, dem Irak, dem Iran. Sie erzählen, was sie nach Deutschland getrieben hat, was sie erlebt haben. Manche Träne fließt, besonders wenn sie von ihren Angehörigen in der Heimat berichten. Aber Augen leuchten auch, wenn es um die Zukunft geht. Einer hat gerade eine Festanstellung in einer Rotenburger Pizzeria bekommen. Der jüngste in der Runde – gerade 19 Jahre alt – wird rot, als zur Sprache kommt, dass er als erster eine einheimische Freundin hat. Er ist dankbar, dass er auch in ihrer Familie sehr herzlich aufgenommen wurde. Der andere steht in Gesprächen, wie er sein syrisches Studium hier fortsetzen kann. Alle haben in den letzten Monaten Deutsch gelernt, einer spricht holprig, der Student schon ziemlich geschliffen.

Würden wir es eigentlich merken, wenn unter unseren Bewohnern jemand radikal, vielleicht sogar gefährlich werden würde? Die erste Antwort auf unsere Frage überrascht uns nicht: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht – nirgendwo auf der Welt, bei keinem Menschen, egal wo er herkommt. Denn was jemand im Verborgenen seines Herzens oder in den Untiefen des Internets treibt, ist nicht immer erkennbar. „Aber alles andere würden wir merken und gleich an Euch weitergeben“, sagt der angehende syrische Student und zählt die vielen Sprachen auf, die er versteht und die alle im Campus gesprochen werden. Da sind sich die vier Männer einig: Sie haben in den letzten Monaten durch Mama Grube, Madame Clüver und Frau Conny – wie sie ihre Betreuerinnen nennen – so viel Gutes erfahren, Trost gefunden und Hoffnung geschöpft, dass sie und alle, die sie kennen, für Hassparolen nicht anfällig sind.

Für mich ist es ein berührender Moment in dem schlichten Campuszimmer. Hier geht eine gute Saat der Diakonie auf. Das Zugehen auf den Nächsten hilft nicht nur dem Menschen, sondern kommt auch zurück. So wirkt Nächstenliebe mindestens doppelt. Ich glaube, wir schaffen es, die vielen Geflüchteten und Entwurzelten zu integrieren, wenn wir ihnen das Gefühl geben: Ihr seid Menschen, so wie wir – und Euer Schicksal lässt uns nicht kalt. Das ist oft schwierig, bewirkt aber tausendmal mehr als alle Parolen, die weiter spalten und nichts und niemanden nach vorne bringen.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
So. 21.08.16
Gold für die Liebe
Peter Thom
Gold für die Liebe

Täglich haben wir sie vor Augen, die Sportler bei den olympischen Spielen: Wie sie kämpfen, sich verausgaben, fighten und manchmal unter Schmerzen das Letzte geben. Hochachtung! Und doch können nur die Besten über Medaillen jubeln. Die anderen gehen leer aus und ihnen bleiben nur Trauer und Tränen.

Wofür es bei den olympischen Spielen alles Medaillen gibt! Mindestens ebenso aufschlussreich ist, wofür keine Medaillen vergeben werden. Es gibt viele Ziele, für die zu kämpfen lohnen würde. Aber eben nicht mit Muskelkraft, sondern mit dem Herzen. Die olympischen Spiele der Herzen müssen erst noch erfunden werden. „Fairness im Straßenverkehr“ wäre eine echte Herausforderung. Sehr reizvoll wäre auch ein Wettkampf im Komplimente machen. Wo doch Wertschätzung so wichtig ist! Und warum kämpfen die Nationen dieser Welt nicht für die Menschenrechte, obwohl man dafür ganz viel Kraft, Mut und Ausdauer braucht?

In der Bibel steht: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei“, die sind die Besten, die gehören auf’s Treppchen. „Aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Gold für die Liebe? Wer hätte das gedacht! Mit der Liebe hat keiner gerechnet, die hatte keiner auf dem Zettel. Ausgerechnet die Liebe! Donnerwetter!

Nur Insider wussten es schon immer. Fragen Sie mal die Verliebten, die haben es selbst erlebt: „Die Liebe ist das Größte überhaupt!“ Und die Miteinander-Alt-Gewordenen bekennen: „Nur die Liebe lässt uns leben.“ Christen wissen es ganz genau: „Nächstenliebe ist das höchste Gebot. Das ist die Königsdisziplin im Olympia der Herzen.“ Dafür lohnt es sich, alle Kräfte einzusetzen und zu kämpfen. Keine Frage, ohne Kampf geht es nicht. Keiner soll meinen, er käme kampflos zum Ziel. Das echte Leben ist im Schongang nicht zu haben. Aber der Kampf lohnt sich. Und jeder kann mitmachen. Auf die Plätze, fertig – los!

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Peter Thom

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Kindergottestdienst
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Pastor/-innen
Peter
Thom
Pastor
Lüdinger Str. 5
27374
Visselhövede
Tel.: 
(04260) 507
So. 14.08.16
Nicht einfach zu knicken
Alexa Wilke
Nicht einfach zu knicken

Eigentlich war einfach ein netter Abend geplant. Daraus wurde nichts. Das hatte er gleich gesehen, als sein Freund in der Tür stand. „Frag nicht!“, sagte der, grüßte kaum und saß kurz danach ziemlich geknickt auf dem Sofa. „Mensch, es gibt Tage…“ fing er an. Der Morgen beim dementen Vater. Und am Nachmittag dann auch noch Streit mit seiner Freundin. „Es gibt Tage, die ziehen einen nur runter...“

Im Laufe des Abends erzählte er. Der Vater am Morgen. Früher war er offen für die Welt, hatte Freunde und stand im Leben. „Er hatte richtig Feuer, weißt Du?“ Und heute erkundigten sich die Nachbarn zwar höflich, wie es ihm ginge. Doch hinter der Hecke hörte er sie munkeln: „Mit dem ist nichts mehr los!“ „Und dabei ist das nicht wahr! Wenn ich Papa Bilder von früher zeige, dann funkeln seine Augen richtig. Und ich sehe wieder den Papa, der er immer für mich gewesen ist.“

Eine Weile blieb er ruhig. „Aber das mit der Moni…“ begann er dann. „Das mit der Moni – ich hab wirklich Angst, dass das in all der Belastung zerbricht.“ Er sackte noch tiefer in sich zusammen: „Mensch, ich will sie nicht so knicken…“

Eigentlich war ein netter Abend geplant. Und nun saß sein Freund auf dem Sofa, erzählte und schimpfte, versank in Gedanken. Erzählte sich Stück um Stück aus seiner Traurigkeit und seinem Ärger über sich selber heraus und wurde ruhiger. Hätte er den Wochenspruch für die kommende Woche gekannt. Er hätte etwas mit ihm anfangen können. In solchen Begegnungen wie denen, die ihn an diesem Tag runtergezogen hatten, können wir ahnen, was es bedeutet (Jesaja 42,3), „Gott wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

 

 

 

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Alexa Wilke

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Öffentlichkeitsarbeit
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Pastor/-innen
Dr. Alexa
Wilke
Pastorin der Stadtkirchengemeinde, Fundraiserin
Goetherstraße 20
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Rotenburg //Postadresse: Westerwalseder Str. 7, 27386 Kirchwalsede
Tel.: 
(04261) 6303914
So. 14.08.16
Ber Jesus in der Küche
Thomas Steinke
Ber Jesus in der Küche

Als meine Geschwister und ich klein waren, haben unsere Eltern mit uns abends oft diese Liedstrophe gesungen: „Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein...“ (Ev. Gesangbuch 477,8). Warum Jesus in die Küche gehen soll, habe ich nicht verstanden. Aber ich dachte an Onkel Willys und Tante Lenes Bauernhaus: Bei ihnen kam man nämlich von der Diele, auf der die Kühe standen, direkt in die Küche. Hier spielte sich das ganze Leben ab. Hier wurde nicht nur gekocht und gegessen. Hier setzte man sich mit den Besuchern an den Tisch, hier wurden die Pausen und der Feierabend verbracht. Hier gab es außer Schwarzbrot auch Kuchen und Chips. Hier ging es in den Gesprächen um die tägliche Arbeit und die große Politik. Kurz: Dieser Raum stand für mich als Kind für Gemeinschaft und Geborgenheit.
Und deshalb war es für mich ein beruhigender Gedanke: Wenn Jesus abends in der Küche ist, dann ist alles gut. Dann kann ich, falls ich im Dunkeln Angst haben oder falls tatsächlich etwas Schlimmes passieren sollte, ja schnell zu ihm rennen! Später habe ich den ursprünglichen Sinn des Bildes verstanden: Wie die Henne bei Gefahr ihre Flügel schützend über ihre Küken breitet, so möge Jesus in der Nacht segnend seine Hände über uns halten. Dann, wenn wir uns – möglichen äußeren und inneren Feinden wehrlos ausgeliefert – in den Schlaf fallen lassen. „Will Satan mich verschlingen, so lass die Englein singen: »Dies Kind soll unverletzet sein.«“, so geht die Liedstrophe weiter.
Und das tröstet mich noch heute, nicht nur nachts. Sondern auch tagsüber, wenn ich wieder mal den Eindruck habe, es ist buchstäblich „der Teufel los“ in unserer Welt. Dann ist es gut, diesen Zufluchtsort zu kennen: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“ (Psalm 36,8).

 

 

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Thomas Steinke

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Superintendentur
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Pastor/-innen
Thomas
Steinke
Pastor
Rotenburger Str. 11
27389
Fintel
Tel.: 
04265/9540641
So. 07.08.16
Wie schön, es läutet!
Frank Hasselberg
Wie schön, es läutet!

„Fest gemauert in der Erden

Steht die Form, aus Lehm gebrannt…“

So beginnt Friedrich von Schillers „Lied von der Glocke“. Generationen von Schulkindern mussten es auswendig lernen. Hören Sie manchmal die Glocken Ihrer Kirche? Und wenn ja: Hören Sie das Geläut gern, stört es Sie, oder gehört es einfach dazu? Schrecken Sie aus dem Schlaf auf oder sitzen Sie dann beim Essen oder vor dem Fernseher?

Immer wieder einmal beschweren sich Nachbarn über das Läuten der Kirchenglocken. Sie beschweren sich allerdings auch über den „Lärm“ der spielenden Kinder im Kindergarten nebenan. Manche Menschen stört sowieso und aus Prinzip jedes Geräusch, das sie nicht selber verursachen. Dabei rufen Kirchenglocken nicht nur zum Gottesdienst, sondern sie begleiten das Leben von uns Menschen: bei der Taufe, der Trauung, auch am Ende des Lebens. Und was wäre der Heilige Abend ohne volles Geläut?

Glocken gehören seit vielen Jahrhunderten zu unserer Kultur des „christlichen Abendlandes“, das wird leider von manchen vergessen. Sie zeigen die Uhrzeit an, und früher dienten sie auch als Warnsignal vor Unwettern, Feuern oder bei kriegerischen Bedrohungen. Ich denke an die Freiheitsglocke in Philadelphia, die eng verknüpft ist mit der Unabhängigkeit der USA. Glocken als Symbol der Freiheit!

Leider können auch die besten Dinge, kann auch Religion missbraucht werden, das erleben wir nicht nur in dieser Zeit des islamistischen Terrors. Im 2. Weltkrieg mussten viele Kirchengemeinden ihre Glocken an die Machthaber des Nazi-Staates abgeben, das Metall wurde zu Gewehrkugeln umgegossen. So waren und sind unsere Glocken eine Zeitansage in mehrerer Hinsicht. In jedem Fall aber verweisen sie auf die höhere Macht, die unser Leben bestimmt, sie weiten den Blick auf eine andere Dimension. Sie erinnern uns an Gott.

Apropos. Waren Sie schon einmal in einem islamisch geprägten Land? Wer da die Rufe der Muezzin von jedem Minarett, meist noch leicht zeitversetzt, gehört hat, weiß den heimischen Glockenturm zu schätzen. Ich fand das enorm wohltuend, nachdem ich einmal eine Nilkreuzfahrt mitgemacht hatte. Wie herrlich war da der heimische Glockenklang, ein Stück Zuhause. Wie heißt es so schön am Ende von Schillers Glocke:

„Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine

Versammle sie die liebende Gemeine….

Freude dieser Stadt bedeute,

Friede sei ihr erst Geläute.“

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Frank Hasselberg

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Öffentlichkeitsarbeit
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Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
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29640
Schneverdingen
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(05193) 4130
So. 31.07.16
Wer hat mein Leben eigentlich in seiner Hand?
Theodor Adam
Wer hat mein Leben eigentlich in seiner Hand?

Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 2Thess 3,3

 

Im Garten entdecke ich eine kleine Blattlaus auf meinem Pullover. Schnell läuft sie voran. Sie hat zwei lange Fühler, die ständig tastend in Bewegung sind. Bald erreicht sie meine Hand. Und dann verirrt sie sich. Sie läuft immer wieder um meine Hand herum und merkt gar nicht, dass ihr Weg kein Ziel haben wird.

Schlagartig wird mir bewusst: Sie ahnt gar nicht, dass sie auf einem Menschen sitzt. Sie weiß nicht einmal, was ein Mensch ist. Sie erkennt mein Gesicht über sich nicht als Gesicht, meine Augen nicht als Augen.

Ich schaue auf ihren Weg wie Gott auf meinen. Und ich habe die Macht über sie: In Bruchteilen einer Sekunde könnte ich sie zwischen den Fingern zerquetschen. Ihr Leben ist in meine Hand gegeben.

 

Wie oft kann ich wie die Blattlaus selbst gar nicht einschätzen, ob mein Weg, mein Lebensweg, ein Ziel haben wird. Angst und Sorge vor Anschlägen und politischer Instabilität rücken näher und lassen mich zaudern. Werde ich vollenden können, was mir wichtig ist, werde ich ans Ziel kommen?

Und wie oft bin ich wie die Blattlaus im Leben unterwegs, ohne mir Gedanken über den Grund zu machen, auf dem ich stehe.

 

Aber der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

 

Mit Gottes Gegenwart, die in diese unsere Situation spricht, ändert sich zweierlei:

Zum einen relativieren sich die Ziele: Sind die Ziele, die sich ein jeder von uns gesteckt hat, tatsächlich auch die, zu denen Gott uns führen will? Ist das Bild, das ich von mir entworfen habe, auch das, wie Gott mich meint?

Zum anderen wird der Grund erkennbar: Trotz der Verunsicherungen und politischen Erschütterungen liegt unser Leben nicht in der Hand politischer Entwicklungen oder gar in der Hand von Attentätern oder Terroristen: Unser Leben, unser Sein ist im Leben wie im Sterben allein in Gottes Hand gegeben, denn:

 

Der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

 

Viel Mut und Glaubensgewissheit wünscht Ihnen

Theodor Adam,

Pastor in St. Georg, Sottrum

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Theodor Adam

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So. 10.07.16
Mensch, werde wesentlich!
Harm Cordes
Mensch, werde wesentlich!

„ … schnell mal eben …“. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Formel benutze. Ich gehe „schnell mal eben“ einkaufen, bin „mal eben“ mit dem Hund draußen oder erledige „schnell mal eben“ einen Anruf. Manchmal vergehen ganze Tage in diesem „schnell mal eben“ – und am Ende lässt sich kaum sagen, was an ihnen Wesentliches geschehen ist.

Wie? Sie leben auch so? Auch Sie bringen schnell mal eben die Kinder zur Schule, schauen „schnell mal“ bei Oma vorbei … Entsetzlich dieses „schnell mal eben …“. Bedeutet es doch zugleich: Das wirklich Wichtige kommt noch. Gleich, wenn das Unvermeidliche aber Unaufschiebbare erledigt ist.

Dabei ist mein Leben viel zu schade, all diese Dinge „schnell mal eben“ zu erledigen. Ganz abgesehen davon, dass ich es nicht mag, wenn mit mir so umgegangen wird. Ich will nicht „schnell mal“ angerufen werden, wer „schnell mal“ zum Geburtstag vorbeikommt, kann gleich zu Hause bleiben; Lob und Tadel „schnell mal eben“ angebracht, berühren mich wenig.

Johann Scheffler hat dieser Hektik und Oberflächlichkeit eine Mahnung entgegengehalten: „Mensch, werde wesentlich!“. Er will sagen: lass die Finger von Dingen, die nicht wichtig für Dich sind. Verschwende Deine kostbare Zeit nicht mit Unwesentlichem. Dafür hat Gott Dir Dein Leben, Deine Mitmenschen, Deine Aufgaben nicht anvertraut. Nimm ernst, was Du tust und lebst. Wo Du bist, da sei ganz. Oder eben gar nicht. Und auch das ganz bewusst.

„Mensch, werde wesentlich!“ Dieser Satz erinnert mich daran, dass jeder Moment meines Lebens kostbar, wesentlich sein kann und darf. Weil genau dieser Moment, diese Begegnung, diese Aufgabe das Leben ist, das Gott mir schenkt. Das aber will ich, darf ich bewusst leben und gerade nicht „schnell mal eben“ hinter mich bringen.

 

 

 

 

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Harm Cordes

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Harm
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29640
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Sa. 09.07.16
Lieder erklingen
Hilke Bauermeister
Lieder erklingen

Morgen ist das Finale der Fußball-Europameisterschaft. Zwei Mannschaften werden gegeneinander antreten. Fans werden sich im Stadion versammeln. Es werden die Nationalhymnen erklingen. Die Fans werden Gesänge anstimmen während des Spiels. Im Fußballstadion singt man gern und viel. Wie in der Kirche. Da singt man auch gern und viel. Vielleicht denken Sie nun: „Das mag ja sein. Aber die passenden Töne trifft man im Stadion leichter.“ Das stimmt! Viele Kirchenlieder haben schöne, aber anspruchsvolle Melodien. Wer die Melodie nicht kennt, hat es schwer, stets den richtigen Ton zu treffen. Da hat man es im Stadion einfacher.

Kirchenlieder und Fußballgesänge haben dennoch etwas gemeinsam: Singen verbindet. Obwohl sich die vielen Menschen in den Fankurven nicht alle kennen, sind sie doch für die Zeit, in der sie zusammen singen, geeint – geeint in dem Wunsch, ihre Mannschaft kräftig anzufeuern. Kirchenlieder vereinen Menschen im Gebet: Manche Lieder singen wir, um Gott zu danken, andere singen wir, um Gott zu klagen, was uns auf dem Herzen liegt. Lieder helfen, Traditionen zu bewahren, die Erinnerung wach zu halten an die Vergangenheit, sei es die Erinnerung an die glanzvolle Vergangenheit eines Fußballvereins oder die Erinnerung daran, was unser christlicher Glaube ist. Morgen Abend ist das Finale der Europameisterschaft. Morgen Vormittag ist Gottesdienst. In den Kirchen werden Lieder erklingen. Lieder, die uns daran erinnern, woran wir als Christinnen und Christen glauben: „Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 221, Strophe 2)

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Hilke Bauermeister

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Hilke
Bauermeister
Pastorin
Berliner Ring 19
27356
Rotenburg
Mo. 04.07.16
Ans Eingemachte gehen
Martin Söffing
Ans Eingemachte gehen

Die ersten Gläser Erdbeer-Rhabarber-Marmelade sind gekocht.

Die Erntezeit hat wieder begonnen.

Früher, so erinnere ich aus meiner Kindheit, füllten sich dann die Regale im Vorratskeller. Es wurde eingekocht, eingelegt, eingeweckt, eingemacht. Und im Herbst und Winter ging´s ans Eingemachte. Das reichte bis zur nächsten Erntezeit.

Heute werden Früchte meistens eingefroren. Aber redensartlich ist uns das Eingemachte geblieben. Ans Eingemachte gehen, so der Duden, meint: an die Substanz gehen, von der Substanz nehmen.

In entscheidenden Situationen, wenn Stellungnahmen gefordert sind, wenn es um zentrale Fragen und die Auseinandersetzung geht, ist das „Eingemachte“ gefordert.

In unseren unruhigen und verunsichernden Zeiten möchte ich nicht, dass aus dem Keller alte Parolen aus brauner Vorzeit hervorgeholt werden und an Macht gewinnen. Ich möchte von dem Vorrat nehmen, der uns im Evangelium zur Verfügung gestellt ist: Das ist ein unerschöpflicher Vorrat an guter Botschaft. Sie will Frieden stiften, dem Leben dienen, Gemeinschaft fördern, eintreten für die Würde des Menschen, für die Bewahrung der Schöpfung.

Aber auch dieser gute Vorrat darf nicht zur Parole entleert werden.

Wir können daraus Kraft schöpfen, wir dürfen Menschen der Hoffnung sein und des festen Vertrauens auf Gottes Wirken in der Welt.

Und er braucht dazu unsere Hände und Füße, unsere Ohren, Augen und unseren Mund und unser Mit-Fühlen und unseren Verstand. Richtig viel ist uns gegeben! Wir können es einsetzen und es werden wieder viele gute Früchte daraus wachsen.

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Martin Söffing

Martin
Söffing
Pastor/Leitung Klinikseelsorge AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM
Elise-Averdieck-Straße 17
27356
Rotenburg
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(04261) 77 - 2003
Fax: 
(04261) 77 - 2029
Mobil: 
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So. 19.06.16
Weisheit und Gelassenheit
Frank Hasselberg
Weisheit und Gelassenheit

„Ich habe auch nur zwei Hände und einen Kopf zum Denken!“ Genervt lege ich das Telefon beiseite. Es tut mir leid, dass ich etwas ungeduldig war, aber manchmal kommt wirklich alles auf einmal: „Ist das Plakat für das Konzert schon fertig?“ – „Welche Lieder singen wir Sonntag im Gottesdienst?“ – „Denken Sie an die Einladung zur nächsten Sitzung?“ – „Kannst Du noch mal eben…?“ Nein, manchmal kann ich nicht mehr. Und ich hoffe, dass die Menschen in meiner Umgebung das verstehen.

Jeder von uns ist nur bis zu einem gewissen Grad belastbar. Trotzdem, was heißt schon: „nur zwei Hände und einen Kopf“? Ich bin froh, dass die noch ganz gut funktionieren und der Rest im Großen und Ganzen auch. Ich danke Gott, dass er mich mit einem wachen Geist und gesunden Gliedmaßen ausgestattet hat. Mehr als zwei Arme und einen Kopf möchte ich, ehrlich gesagt, auch gar nicht haben – zum einen aus optischen Gründen, zum anderen, weil ich denke, es ist gut und richtig so, wie Gott mich geschaffen hat. Er hat sich bestimmt etwas dabei gedacht! Und er gibt mir immer wieder auch die Kraft, stressige Zeiten durchzustehen, das spüre ich deutlich. Vielleicht will er mich darauf stoßen, einmal genauer zu überlegen, was ich eigentlich tue. Und warum. Dass ich mir überlege, was ich jetzt machen muss und was ich ebenso gut lassen kann.

Ja, so will ich die Zeit erhöhter Beanspruchung verstehen: als eine Gelegenheit, mit mir selbst und meinen Aufgaben ins Reine zu kommen. Und dabei immer wieder an das Gebet denken: „Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“ In diesem Sinne: einen geruhsamen Sonntag – mit einer guten Portion Mut und Gelassenheit!

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Frank Hasselberg

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Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor in der Markusgemeinde
Ernst-Dax-Straße 8
29640
Schneverdingen
Tel.: 
05193 4130
So. 12.06.16
Steh-Tipp für mit ohne Handy
Dr. Matthias Wilke
Steh-Tipp für mit ohne Handy

„Wenn Sie bei der Schnäppchenjagd im Kaufhaus jemanden verloren haben: geraten Sie, bitte, nicht in Panik! Bleiben Sie erst einmal ruhig stehen, gucken sich um – und gehen dann zu dem Punkt zurück, an dem Sie den anderen zuletzt gesehen haben. Hier verharren Sie und warten. Spätestens nach Ladenschluss werden Sie einander wiederhaben.“

Habe ich aus irgendwelchen Gründen kein Handy, um den anderen mal schnell anzurufen und zu fragen: „Ey, wo bist Du denn?“, dann mag dieser Steh-Tipp hilfreich sein. Jemanden zu suchen, muss nicht bedeuten, durch die Gegend zu laufen, sondern kann gerade auch heißen: stehen zu bleiben. Vielleicht stehen zu bleiben oder immer wieder nach kurzen Gängen zurückzukehren an einen Punkt, von dem ich überzeugt bin, dass der andere hier früher oder später wieder vorbeikommt. Denn hier waren wir schon einmal zusammen, bevor wir uns aus den Augen verloren. Auf diese Weise jemanden zu suchen, das erfordert viel Geduld, zugegeben. Vor allem, wenn zwei, die sich suchen, beide an irgendeinem Punkt stehen bleiben und darauf warten, dass sich der andere bewegt. Das gilt für zwei im Kaufhaus. Das gilt aber wohl auch für mich und den, den meine Seele sucht. Wer bewegt sich: er oder ich oder wir beide? Und an welchem Punkt waren wir das letzte Mal zusammen? Ohne, dass geklärt wäre, wer sich bewegt und wer wo wartet, heißt es von ihm, den meine Seele sucht, im Evangelium nach Lukas: „ER ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lukas 19,10). Also: Spätestens nach Ladenschluss weiß auch ich, dass ich gefunden bin. Das erfordert Geduld, aber ist auch eine echte Verheißung.

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
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Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
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27386
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Fax: 
04269-2187
So. 05.06.16
Glücklich wer einen Garten hat!
Haike Gleede
Glücklich wer einen Garten hat!

Gott legte zuerst einen Garten an. Er schuf dem Menschen damit einen angenehmen Lebensraum. Nach dem Sündenfall wurde das Paradies zu einem Sehnsuchtsort.

Glücklich wer einen Garten hat! Es gibt nichts Schöneres als im Frühjahr die ersten Blumen und Kräuter sprießen zu sehen. Es ist einfach wunderbar, hier und da im Garten eine Beere zu naschen oder mal eben ein bisschen Schnittlauch, Dill oder Petersilie aus dem Garten zu holen für das Mittagessen. Manchmal, wenn ich lange gesessen habe, tut mir die Gartenarbeit richtig gut – hacken, jäten, pflanzen und säen – das macht den Kopf frei.

Ich greife die Erde mit meinen Händen und fühle mich gleichzeitig dem Himmel ganz nah. Ich spüre die schöpferische Kraft der Erde. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ sagt ein Sprichwort.

Früher lebten die Menschen aus ihrem Garten, bauten Obst und Gemüse an. Die Ernte wurde eingemacht, eingekocht oder eingelegt als Vorrat für den Winter. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“ – die existentielle Bedeutung dieses Bibelverses hat sich gewandelt. Heute ist es günstiger, das Gemüse zu kaufen und auch weniger aufwendig. Für die meisten ist es kaum noch vorstellbar, von dem, was sie ernten, leben zu müssen.

Der Garten ist eher ein Hobby und ein Ort der Erholung. Für manch einen wurde der Garten zum Lebenselixier, wenn er auch nicht mehr das Überleben sichert.

Bisweilen sind Menschen selbst wie Gärten. Sie wissen Rat, geben Trost und haben immer etwas, was sie einem anderen zustecken können.

„Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ So beschreibt der Prophet Jesaja einen zufriedenen Menschen, der mit Gott im Einklang lebt und für andere zu einem Segen wird.

Solche Menschen gibt es. Sie vermitteln etwas Beständiges, etwas Schöpferisches, etwas, was andere tröstet und inspiriert. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ Darum: Glücklich, wer einen Garten hat!

 

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Haike Gleede

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So. 29.05.16
Scherben
Pastorin Sabine Krüg…
Scherben

Neulich ist mir beim Abwaschen doch eine meiner schönen Teetassen kaputt gegangen. Vermutlich aus Unachtsamkeit, oder weil es mal wieder schnell gehen sollte. Scherben machen mich immer etwas wehmütig. Nicht nur wegen der Lücke im Schrank, die nun vorwurfsvoll auf mich wartet.

Sie erinnern mich daran, dass auch in unserem Leben leicht etwas zerbrechen kann.

Träume, Glück, Gesundheit…

Viele Menschen stehen unter dem Druck, immer funktionieren zu müssen. Je nach Typ fällt uns das leichter oder schwerer. Da ist die Angst, zu versagen und von den anderen abgelehnt zu werden, weil wir den Erwartungen nicht entsprechen, die von außen an uns herangetragen werden.

Wie gut ist es, in all diesem auferlegten Druck zu hören, dass Gottes Gnade und seine Zuwendung an keine Bedingung gebunden ist.

Sie gilt uns gerade dann, wenn wir der gängigen Norm nicht entsprechen!

Sie gilt uns nicht nur, wenn etwas geglückt ist, sondern auch wenn etwas kaputt gegangen ist in unserem Leben. Dann, wenn wir vor unseren eigenen Scherben stehen.

Solchen Menschen traut Gott offenbar etwas zu. Ihnen spricht er zu: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2 Korinther 12,9)

Wenn wir diese Worte in unser Herz lassen können, wird es uns vielleicht etwas leichter fallen, auf die Erwartungen und den Druck zu pfeifen und zu sagen: „Das ist mein Leben! Niemand kann für mich die Aufgaben und Chancen meines Lebens aus Gottes Hand nehmen!

Das bin ich! Von Gott bejaht und geliebt, trotz aller Schatten, die mir den Weg oft schwer machen!“

Es gibt jemanden, der uns aufhilft, wenn wir fallen. Gottes Hand lässt uns nicht los.

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So. 22.05.16
Sein Bestes ist manchmal noch nicht alles
Matthias Richter
Sein Bestes ist manchmal noch nicht alles

Vor kurzem in der Kirche Zum guten Hirten: Glocken läuten, festliche Stimmung prägen den Nachmittag. Feierlich wird ein neuer Chefarzt des Diakonieklinikums in sein Amt eingeführt.

Im Herzen des Gottesdienstes steht der Segen. Der Pastor, Weggefährten und Kollegen bilden vor dem Altar einen Kreis um den neuen Chefarzt herum. Sie legen ihre Hand auf seine Schulter und sprechen ihm ein Bibelwort zu, das sie persönlich für ihn ausgesucht haben. Und am Ende heißt es „Der Herr segne Dich und behüte Dich“, ganz ähnlich wie bei einer Trauung, einer Taufe oder einer Konfirmation. Ein Mensch erhält von Gott einen Zuspruch, den er sich nicht selber sagen kann. Der soll ihn tragen, gerade in den Momenten, in denen er oder sie an seine Grenzen kommt. Denn solche Grenzerfahrungen gehören zum Menschsein dazu. Auch der bestausgebildete Profi bleibt ein Mensch und wird erleben, dass er oder sie mit dem eigenen Wissen, der eigenen Erfahrung, den eigenen Fähigkeiten nicht weiterkommt. Für solche Momente ist der Segen da und will einen Menschen darin bestärken, dass bei Gott mehr möglich ist, als wir selber machen können. Vielleicht schickt Gott einen Menschen, der mir weiterhilft, vielleicht auch einen Gedanken, auf den ich allein nicht gekommen wäre – einen Geistesblitz eben, oder…oder

Einen Tag darauf läuten die Kirchenglocken schon wieder. Dieses Mal stehen 20 neue Mitarbeiter des Diakonieklinikums vor dem Altar, Pflegefachkräfte, Ärzte, eine Apothekerin, eine Sekretärin und andere – allesamt Menschen, die im Krankenhausalltag für ihre Patienten ihr Bestes geben wollen, für den ganzen Menschen mit Leib und Seele. Der Rahmen ist schlichter, aber der Segen ist derselbe. Und es steht derselbe Gott dahinter der seinen Menschen verspricht, dass er sie begleitet, auch im Berufsalltag.

Beim Rausgehen sagt ein Besucher: „So was habe ich noch nie erlebt. Warum macht man das eigentlich nicht viel öfter?“ Recht hat er. Der Gesegnete ist nicht von seiner eigenen Verantwortung freigesprochen, sein Bestes zu geben. Aber er weiß, dass sein Bestes manchmal noch nicht alles ist.

 

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
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So. 15.05.16
Der Geist Gottes
Susanne Briese
Der Geist Gottes

Es ist Pfingsten. Schade, dass es wieder so kalt geworden ist. Sonniges Wetter hätte das Fest doch rund gemacht. Denn viele freuen sich über die zwei freien Tage, über schönes Wetter, das Aufblühen der Natur. Was Pfingsten allerdings bedeutet, leuchtet vielen nicht mehr ein - wozu feiert man diese beiden Tage eigentlich? Zunächst mal: Pfingsten ist ein Fest, das sich auf das ganze Leben auswirken will. Nicht nur an diesem Wochenende, 50 Tage nach Ostern, sondern an jedem Tag kann Pfingsten sein. Pfingsten ist das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes, das heißt: Gottes Geist soll in unser Leben einfließen, soll in uns wirken, uns bewegen.

Wie das aussieht, wenn man so vom Geist Gottes ergriffen ist? Vielleicht wird man völlig überrascht von dem, was da geschieht. Wenn sich plötzlich eine Tür öffnet, wenn man eine ganz tiefe Gewissheit spürt und zuversichtlich sein kann. Wenn auf einmal etwas geht, wovon man vorher nur träumen konnte. In der Bibel lese ich, dass die Jünger – im wahrsten Wortsinn wie aus heiterem Himmel – plötzlich Fähigkeiten an sich entdecken, von denen sie vorher überhaupt nichts wussten: Sie sprechen in allen Sprachen! Das heißt ja auch, dass Grenzen überwunden werden, wenn jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden hören und verstehen kann. Gottes Geist stiftet Gemeinschaft und hilft dabei, über Mauern zu springen. Jetzt könnten Sie sagen: „Das ist ja alles schön und gut. Aber wo gibt`s den denn, diesen Geist Gottes, wenn ich ihn grad mal brauchen sollte?“

Ja, das ist eine wichtige Frage. Wo gibt’s den Geist? Wir sind ja auch gewohnt, so zu fragen. Für alles, was wir brauchen, gibt es Orte, an denen man es kriegen kann. Und zur Not bestell ich mir`s übers Internet. Dann kommt es ins Haus – innerhalb von 24 Stunden. Alles wie gewünscht. Wäre doch toll, wenn man für den Heiligen Geist auch so eine Bestelladresse hätte. Dann könnte man sicher sein, dass man ihn zu jeder Zeit verfügbar hat. Wie so ein Zauberspruch, der die Welt auf einen Schlag besser machen kann.

 

Diesen Wunsch, die Welt zu verbessern in allen Ehren – wer will das nicht – aber so geht das nicht mit dem Geist. Wir haben uns zwar daran gewöhnt, alles sofort verfügbar zu haben. Wir haben uns daran gewöhnt, alles schnell zur Hand zu haben und selbst zu managen. Das ist ja auch im Prinzip eine gute Sache, wenn jeder da an guten Lösungen mitwirkt, wo es möglich und erforderlich ist. Manchmal erleben wir, dass unsere Entscheidungen von momentanen Eindrücken oder Erkenntnissen abhängig sind. Der Geist der Welt ist oft kurzsichtig. Der Geist des Lebens sieht dagegen weit.

Der Geist Gottes, der Geist des Lebens weht, wo und wie er will. Und er kommt überraschend auf uns zu. Wie eine Energie, die uns auf den Weg schickt, auch über Widerstände hinweg. Und plötzlich weiß ich, wozu ich lebe. Und wohin es gehen soll. Und ich spüre diese Kraft und atme auf und gehe los. Und das bleibt nicht folgenlos.

 

 

 

 

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Do. 05.05.16
Der Himmel soll warten
Roger Moch
Der Himmel soll warten

„Ich ruf es nach oben, der Himmel soll warten.

Denn ich hab` noch was vor, der Himmel muss warten.

Wenn alles vorbei ist, nimm mir den Atem.

Doch noch bleib ich hier, der Himmel soll warten“, singen Sido und Adel Tawil.

Was soll man denn noch so vorhaben?

Christen glauben, dass Himmelfahrt auf eine andere, neue Ordnung hinweist.

Diese himmlische Ordnung unterscheidet sich grundlegend von unserer bestehenden Ordnung auf der Erde, die größtenteils durch die Herrschaft von Macht, Geld und Rücksichtslosigkeit bestimmt wird. Eine andere, himmlische Ordnung hat offensichtlich im Alltagsleben keine Bedeutung mehr und verkommt zur reinen Wunschvorstellung oder Träumerei. Dieser andere Himmel ist aber ein Hinweis für eine bessere Weltordnung auf der Erde, in der die Menschen sich widersetzen gegen scheinbar undurchschaubare Mächte und Gewalten, wie Globalisierung, Gewinnmaximierung und Gewissenlosigkeit. Dies sind aber keine unverrückbaren Kräfte.

Die Himmelfahrtsgeschichte bestätigt den Weg, den Jesus eingeschlagen hat. Er hat die vorherrschenden Regeln auf den Kopf gestellt.

Christus ist zum Himmel aufgefahren. Damit hat er unmissverständlich deutlich gemacht: Ich bin jetzt weg – und zwar endgültig.

Jetzt seid ihr dran, euch auf den Weg zu machen, auf den Weg zu einer gerechteren, solidarischeren und menschlicheren Welt, deshalb muss der Himmel noch etwas warten.

Wenn Jesus sagt, ich sitze zur Rechten Gottes, meint er damit, mit mir könnt ihr rechnen. Ich unterstütze euch im Glauben an das Gute im Menschen. Ich richte euch auf, damit ihr die Hoffnung nicht verliert und den Traum vom neuen Himmel und der neuen Erde, in denen Gerechtigkeit herrscht, nicht vergesst. Schaut also manchmal in den Himmel, aber seht immer danach, was es auf der Erde anzupacken und zu verändern gibt.

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Roger Moch

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Roger
Moch
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So. 01.05.16
Denn Gott sprach und die Schwiegereltern…
Benjamin Jäckel
Denn Gott sprach und die Schwiegereltern pflanzten

Meine Terrasse ist seit einer Woche bunt. Pink und bläulich auf der einen Seite, eher gelblich-orange auf der anderen. Nett sieht das aus. Meine Schwiegereltern haben ganze Arbeit geleistet. Das war eine gute Idee, die Blumenkübel zu bepflanzen. Und wie schön und wohltuend sich die bunten Blüten von diesem elendig tristen Oktober-Himmel in diesen letzten April-Tagen abheben! Erstaunlich! Die Laune hebt sich doch glatt ein bisschen. Immerhin ist die Terrasse bunt. In meinem unmittelbaren Sichtfeld ist Frühling. Ich spüre, wie ich seltsam geräuschvoll die Luft einatme. Ein Seufzer löst sich tief in meiner Kehle. Ich denke an meine Großmutter. Und an den Garten, der zu ihrem Haus gehörte. Wie sie dasteht zwischen ihren Blumenbeeten, die Hände in die Hüften gestemmt und ein Lächeln auf den Lippen. Stolz war sie immer auf ihre Blumenpracht hinterm Haus. Der Garten war immer bunt. Und ich sehe mich noch als kleinen Jungen zwischen Stiefmütterchen und Tulpen auf dem Rasen toben. Und ich höre sie noch sagen: „Schön ist das, im Garten ist immer Leben. Und dass sich das so von selbst regt! Immer wieder neu im Frühling – auch dann, wenn meine eigenen Kräfte nachlassen.“ Daran muss ich denken. Und nochmal seufzen. Weil es einfach eine schöne Erinnerung ist. Und draußen ist es immer noch grau, obwohl der Mai schon in den Startlöchern steckt. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden und es geschah so. Denn Gott sprach und meine Schwiegereltern pflanzten und meine Terrasse ist schön bunt. Und Gott sah, dass es gut war (1.Mose 1,11f). Und ich merke, wie ich dastehe zwischen meinen Kübeln, die Hände in die Hüften gestemmt und ein Lächeln auf den Lippen. In meinem unmittelbaren Sichtfeld ist Frühling. Der Rest kommt schon noch!

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Benjamin Jäckel

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