Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Fr. 30.11.12
Andacht von Peter Handrich, Pastor in den…
Andacht von Peter Handrich, Pastor in den Rotenburger Werken

Morgen fängt traditionell die zweite große Fastenzeit im Jahr an, die Adventszeit. Das können wir heute nur noch mühsam nachvollziehen, liegen doch schon seit Anfang September die eigentlich für die Advents- und Weihnachtszeit gedachten Leckereien in den Supermärkten: Lebkuchen, Spekulatius, Stollen, Zimtsterne, Panettone und wie sie alle heißen.

Tatsächlich waren die Klöster früher so kreativ, was all diese Leckereien angeht, weil sie in der Adventszeit eben nicht leckere Fleischgerichte auf den Tisch bringen konnten, sondern „nur“ besonders gewürztes vegetarisches Gebäck. Und möglicherweise schien ihnen der Advent als Fastenzeit nicht so ernst zu sein wie die sieben Wochen vor Ostern, für die sie deutlich weniger Kreativität bei der Herstellung neuer Speisen bewiesen. Schließlich ist Weihnachten, die Geburt Jesu, im Gegensatz zu Karfreitag, dem Tod Jesu, ein freudiges Ereignis.

Eigentlich zu blöd, dass es vor Ostern diesen Karfreitag gibt – ginge es vor Ostern nur um die Auferstehung, hätten die Mönche und Nonnen bestimmt auch für die Wochen vor Ostern tolle Sachen erfunden, und wir könnten uns nach der vorösterlichen Fastenzeit wie nach Weihnachten ein zweites Mal im Jahr ums eigene Dünnwerden kümmern.

Den eigentlichen Ereignissen, auf die sich das alles bezieht oder irgendwie auch längst nicht mehr bezieht, schadet das alles nicht. Im Advent bereiten wir uns auf die Geburt des Mannes vor, der Karfreitag umgebracht wurde und Ostern auferstand. Beides, weil sein Interesse den Menschen galt, die herzlich wenig in der Welt zu sagen haben, wie Obstbäuerinnen und Fischern im Gazastreifen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Adventszeit.

 

Do. 27.09.12
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Matthias Richter
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Er saß mit uns im Zugabteil. Die 86 Lebensjahre konnte man ihm nicht ansehen. Mit der Landschaft vor den Fenstern flog auch die Zeit dahin, denn er erzählte spannend. Die Erfahrungen eines aufregenden Lebens strömten aus ihm heraus. Mit 19 war er schon Soldat und sollte Deutschland retten. „Ich hab damals dran geglaubt“, sagt er. Wegen einer Verwechslung musste er 1946 in Sibirien zwei Jahre lang im Bergwerk arbeiten. Aber er kam zurück. Die DDR wurde sein Staat, und er hat es letztlich über Umwege weit gebracht. Eine DDR-Karriere, vom Bäcker zum Funktionär. „Ich hab wieder dran geglaubt, was sie uns erzählt haben“, sagt er, „jedenfalls ziemlich lange.“ Trotzdem konnte er oft seinen Mund nicht halten, wenn die hohen Worte und die bittere Realität nicht zusammenpassten. „Ich kann gar nicht zählen, wie oft „der da oben“ seine Hand über mich gehalten hat, obwohl ich ja an so was gar nicht glaube.“ „Ist ja merkwürdig“, sage ich, „an Hitler haben Sie geglaubt, an die DDR haben Sie geglaubt, aber ausgerechnet an „den da oben“ glauben Sie nicht.“ Er lacht, und ich sehe förmlich, wie es in seinem Kopf rattert. „Ja, das ist merkwürdig, aber ich bin ja noch nicht fertig“, erwidert er. Das hat mir imponiert. Er hat fast neun Jahrzehnte auf dem Buckel und ist noch nicht fertig. Will sich noch entwickeln. Aber eines ist ihm jetzt schon klar: „Es reicht nicht, nur an sich zu glauben, dann säße ich jetzt nicht hier.“

Stralsund, unser Ziel, kam viel zu schnell. Und dennoch habe ich im Urlaub immer wieder an ihn gedacht. Viele Werte haben uns verbunden. Die Sorge über die wachsende Schere von Arm und Reich bewegte uns beide. Und gleichzeitig glaubten wir was ganz anderes. Gott sei Dank sind mir viele seiner Erfahrungen bislang erspart geblieben. Wer weiß, ob ich Christ wäre, wenn mich seine Lebenswege geprägt hätten. Beeindruckt hat mich der alte Herr. Und gleichzeitig war ich froh, dass ich glauben kann, mich manchmal ein Stück getragen weiß, von „dem da oben“. Aber fertig? Das bin ich auch noch nicht.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
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(04261) 77-0
Sa. 06.10.12
Andacht von Peter Thom, Pastor in…
Andacht von Peter Thom, Pastor in Visselhövede

„Wir haben sonst immer Stress im Büro“, erzählte die junge Frau, „es vergeht kein Tag ohne Ärger und Streit. Aber dann hatte die Kollegin mir die Liste gegeben und ich hatte „Danke!“ gesagt, fast aus Versehen. Sie hatte mich verwundert angeschaut und gelächelt. An diesem Tag hatten wir keinen Stress mehr.“ Und sie fügte hinzu: „Mir wurde klar, dass sie auf dieses Wort „Danke“ schon lange gewartet hatte. Das war es, was sie suchte: Nichts weiter als ein Dankeschön für die Mühe, die sie sich gab. Sie hoffte auf ein bisschen Anerkennung für die Sorgfalt, die sie walten ließ. Sie, die erfahrene Mitarbeiterin, hätte sich gefreut, wenn es geachtet wird, dass sie die Übersicht hat.“

Wie viele Menschen um uns herum mag es geben, die auf das Zauberwort „Danke“ warten? Menschen, die einfach nur beachtet werden wollen in dem, was sie täglich tun. Kollegen, die auf eine kleine Anerkennung ihrer Mühe hoffen. Aber genau das wird gerne vergessen. Warum? Ach, das ist doch völlig normal, nicht der Rede wert: Das Mittagsessen und die gebügelten Hemden, die Tabelle oder die Terminerinnerung, der frische Kaffee in der Pause. Das ist doch alles so was von selbstverständlich!

Spätestens wenn die Mutter krank wird, die Kollegin im Ruhestand, der Nachbar verreist ist, ist es mit der Selbstverständ-lichkeit vorbei. Solche Situationen stellen all das, was so selbstverständlich ist, in Frage. Ich lerne, die Menschen um mich herum zu achten, sie wahrzunehmen mit dem, was sie für mich, für andere tun. Ich lerne, die Menschen mit dankbaren Augen zu sehen. Das Zauberwort „Danke“ ist kein Trick, sondern hat etwas zu tun mit Achtsamkeit und Wertschätzung meinen Mitmenschen gegenüber.

Am Sonntag ist Erntedankfest. Es geht um die Frage: „Wofür habe ich zu danken?“ Die Antwort auf diese Frage ist wichtig. Denn Dankbarkeit verändert mein Leben. Und das meiner Mitmenschen auch.

Sa. 13.10.12
Andacht von Astrid Lier, Pastorin in Sottrum
Andacht von Astrid Lier, Pastorin in Sottrum

Auf meine Frage, wie es ihm gehe, antwortet ein Bekannter gern mit: „Man muss zufrieden sein!“ Haben Sie das auch schon mal gesagt oder gehört? Das „muss“ ist sehr verdächtig, finde ich. Schwingt darin etwa Unzufriedenheit mit? Also diesmal sage ich nicht einfach „Ja, stimmt!“, sondern frage nach: „Wieso musst du zufrieden sein? Das klingt so, als wärst Du es nicht!“ Und tatsächlich: Von außen betrachtet läuft sein Leben ganz gut, aber innerlich fehlt etwas. Er sagt: „Ich müsste doch dankbar und zufrieden sein mit dem, was ich bin und habe. Mir geht es so viel besser als vielen anderen, aber trotzdem frage ich mich, ob ich nicht total festgefahren bin. Jeder Tag kommt mir gleich vor. Immer derselbe Trott.“

Solche Gedanken und Gefühle kenne ich und Ihnen sind sie bestimmt auch vertraut. Eigentlich (noch so ein verdächtiges Wort!) ist soweit alles in Ordnung, aber… .

Darf ich mir erlauben, auch mal unzufrieden zu sein? Welche Rolle spielt mein Glaube dabei? Naiv gefragt: Ob Gott mir wohl böse ist, wenn ich nicht zufrieden bin, obwohl ich es doch sein müsste?

Ich stelle mir vor, dass Gott antworten könnte: „ Es ist wie es ist! Nimm doch das, was du denkst und fühlst, als wichtigen Hinweis auf eine notwendige Veränderung an.“

Es erscheint mir sinnvoll, mich nicht mit einem „Ich müsste… .“ zu quälen, sondern mir lieber konstruktive Fragen zu stellen: In welchen Momenten meines Lebens war bzw. bin ich denn zufrieden oder sogar glücklich? Was brauche ich dazu? Wie komme ich wieder zu innerem Frieden?

So weit so gut, aber nur „Kopfkino“ bringt mich nicht weiter. Handeln ist angesagt und das heißt für mich: im Vertrauen auf Gott mache ich mich auf den Weg etwas zu verändern. Dabei genügen manchmal schon kleine Schritte, z.B. eine bewusste Veränderung im Alltag.

Mein Bekannter hat gesagt, er nimmt sich jetzt einmal die Woche Zeit, etwas Schönes mit seiner Frau zu unternehmen. Ob er mir beim nächsten Treffen wohl sagen kann: „Ich bin zufrieden!“?

Eine gesegnete Herbstzeit wünscht Ihnen Astrid Lier, Pastorin in Sottrum

So. 21.10.12
andacht von Barbara Dieterich, Pastorin im…
Barbara Dieterich
andacht von Barbara Dieterich, Pastorin im Diakoniekrankenhaus Rotenburg

Eine alltägliche Begebenheit:

Ich sitze mit einigen Kindern im Kreis, wir singen, ich spiele Gitarre dazu. Ein Kind fängt an, mit seinen Beinen zu schlenkern und trifft dabei – aus Versehen oder absichtlich – seinen Nachbarn. Der ärgert sich und tritt zurück – schon etwas kräftiger. Als ich dazwischen gehe, heißt es: „Der andere hat angefangen!“ und: „Stimmt ja gar nicht!“… So schaukelt sich der Streit hoch und es ist schwierig, die Streithähne wieder miteinan-der zu versöhnen. Wie gesagt: eine alltägliche Begebenheit, aber eine, die bei erwachse-nen Menschen ganz ähnlich abläuft und oft genug fatale Folgen hat.

Einer müsste anfangen, aufzu-hören, um aus dem Teufels-kreis herauszukommen Das klingt so einfach und ist doch in der Realität so schwer umzusetzen.

Mir ist die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin eingefallen (Joh.8). Einige – schadenfrohe – Menschen zerren eine Frau vor Jesus, die sie beim Ehebruch ertappt haben. Darauf steht, nach jüdischem Gesetz, die Todes-strafe durch steinigen. Wird Jesus dem zustimmen oder ist er ein Gesetzesbrecher? Jesus wartet ab und sagt schließlich zu ihnen: „Wer von euch ohne Sünde – Verfehlungen, Schwächen wie Neid, Hass, Habgier – ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“

Das heißt Jesus verweist die Ankläger auf sich selbst. Was ist ihr eigener Anteil an dem „falschen“ Handeln? Zu einem Ehebruch gehören bekanntlich immer zwei. Was für ein Interesse haben die Ankläger am Tod der Frau? Wenn ich mir selbst gegenüber ehrlich bin, kann ich Beweggründe erkennen, die mich dazu bringen, einen Streit vom Zaun zu brechen und eskalieren zu lassen.

Dann kann ich ausbrechen aus dem Teufelskreis. Jesus drückt es so aus: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm.12,21)

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Barbara Dieterich

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So. 21.10.12
Andacht von Frank Hasselberg, Markusgemeinde…
Frank Hasselberg
Andacht von Frank Hasselberg, Markusgemeinde Schneverdingen

„Lichtlein im Lutherland“, „Papst würdigt Luther“, „Papst Benedikt enttäuscht Ökumene-Hoffnungen, setzt aber ein Signal“ – so lauteten einige der Schlagzeilen zum Deutschland-Besuch des Papstes im vorigen Jahr. Martin Luther wäre es ziemlich gleichgültig, was der Papst über ihn denkt, so wie er zu seiner Zeit über den Drohungen der katholischen Kirche stand. Er wußte, daß er nicht von Menschen, sondern allein von Gottes Urteil abhängt. So hat er auf die Frage, ob seine Anhänger sich „lutherisch“ nennen dürften, geantwortet: „Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, daß man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?“ Eine Bescheidenheit, die auch manch heutigem Kirchenführer gut täte.

Glücklicherweise zeigt die Praxis in den Gemeinden: Rom ist weit, vor Ort sind schon viele Schritte auf dem Weg der Ökumene gegangen worden und werden auch weiterhin beschritten. Gottlob sind gemeinsame kirchliche Trauungen möglich, gibt es Gespräche und Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Gebieten. Und wo es Differenzen gibt, haben wir gelernt, sie friedlich auszutragen. Nur am Sonntag, da trennen sich leider die Wege.

Wie mag es weitergehen? Die ehemalige Landesbischöfin Margit Käßmann sagte seinerzeit auf dem ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin: „Es ist wie in der Ehe. Man kann nicht sagen, wir heiraten jetzt oder ich schleife dich zum Traualtar. Das geht nur einvernehmlich.“ Sie sprach sich für eine „versöhnte Verschiedenheit“ gegenüber einem „Einheitsbrei der Ökumene“ aus und hofft, „noch zu meinen Lebzeiten mit einem katholischen Bischof oder Priester das Abendmahl feiern zu können“. Keine Frage: Die Reformation muß auf beiden Seiten weitergehen. Eine Kirche ohne Entwicklung gerät in die Abwicklung. Oder, in Abwandlung eines Luther-Zitates: Hier stehe ich, ich kann auch anders!

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Frank Hasselberg

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Fr. 16.11.12
Andacht von Jutta Wendland-Park, Pastorin…
Jutta Wendland-Park
Andacht von Jutta Wendland-Park, Pastorin und Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke

Kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Sie ertönen manchmal aus dem Navigationsgerät in meinem Auto. Das „Navi“ ist eine praktische Erfindung. Ich gebe den Ort ein, den ich erreichen möchte und es führt mich zum Ziel. Ab und zu gibt es jedoch Baustellen oder neu gebaute Straßen, die noch nicht digital erfasst sind oder ich habe schlicht nicht aufgepasst. Dann höre ich diesen Satz:

Wenn möglich, bitte wenden!

Um mein Ziel zu erreichen, bleibt mir in diesen Momenten nur eines: Ich muss umkehren. Eine Erkenntnis, die nicht immer so leicht umzusetzen ist.

Was das Navigationsgerät beim Autofahren übernimmt, ist im Leben noch viel schwieriger. Wie erschüttert war ich, als ich die Verhandlung über Anders Bering Breivik verfolgte, der im Sommer 2010 das Massaker in Oslo und auf Utöya anrichtete. Bei seinen Auftritten vor Gericht zeigte er nicht die Spur von Reue. Er war überzeugt, den richtigen Weg mit seinen brutalen Taten eingeschlagen zu haben.

Menschen können sich in ihrer Gedankenwelt verrennen und Dinge tun, die uns unbegreiflich sind. Wer aber sagt mir, dass ich dabei bin, einen falschen Weg einzuschlagen?

Heute ist Buß- und Bettag. Der griechische Begriff für Buße heißt metanoia und meint Umkehr. Dieser Tag ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, wo Veränderungen bei uns persönlich und in der Gesellschaft gefordert sind, weil wir uns und anderen Schaden zufügen. Es ist ein Tag, der zur Umkehr aufruft.

In Psalm 119 heißt es: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“. Die Bibel ist sozusagen ein persönliches „Navi“. Darin erfahren wir Orientierung und wir werden ermutigt, einen neuen Anfang zu wagen. Umkehr ist dort immer möglich.

 

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Jutta Wendland-Park

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Wendland-Park
Pastorin, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke
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So. 07.10.12
Andacht von Werner Hagedorn,…
Andacht von Werner Hagedorn, Auferstehungsgemeinde Rotenburg

Das ist der Mensch: Eine unter uns. Das sind die Zahlen: Rente 375 Euro, dazu vom Sozialamt 353 Euro 48 Hilfe zum Lebensunterhalt. Davon gehen ab 451 Euro Miete, 151 Euro Energie- und Wasserkosten, außerdem 25 Euro Tilgung eines früheren Vorschusses vom Sozialamt. Bleiben im Monat für Nahrung, Kleidung, Hygiene, Putzmittel, Telefon, Friseur und für die Praxisgebühr ab und zu, bleiben für das alles 101 Euro 48. Das sind, immer wenn der Monat nur 30 Tage hat, 3 Euro 38 für jeden Tag zum Leben in unserer schönen Stadt. Und wer wäre so unverfroren, unseren Armen zu sagen, dass die folgenden Dinge Luxus sind, und der Verzicht darauf zumutbar: Geld für ein Geburtstagsgeschenk ab und an, fürs Schwimmen im Ronolulu dann und wann, für die neue Ausgabe der Lieblings-Zeitschrift, für mal einen Besuch im Stadtkino, für einen Cappucino am sonnigen Tag im Straßencafé und für die Tüte Konfekt, weil die Enkelkinder kommen? Und der Witwe zu sagen, den Kanarienvogel bräuchte sie ja schließlich nicht zu halten, dann würde sie das Vogelfutter sparen?

Humaner scheint der Hinweis, die Frau könne doch zur Tafel gehen und durch die geschenkten Lebensmittel ihre Haushaltskasse entlasten. Ich habe den Eindruck, niemand von denen, die die Tafel loben, will sich den Unterschied klarmachen, den es bedeutet, vom eigenen Geld einkaufen zu können, was man möchte, oder mittellos anstehen zu müssen und die Hand aufzuhalten. Mit dieser Spaltung der Gesellschaft dürfen wir uns nicht abfinden.

Jüngst im Gottesdienst auf dem Kartoffelmarkt sprach der Landwirt Johann Trochelmann aus Wohlsdorf. Seine Familie baut in der vierten Generation Kartoffeln an. Herr Trochelmann sagte, leider sei die Frucht heute zur Massenware geworden. Vom Acker über den Groß- und Einzelhandel bis auf unsere Tische gehe schätzungsweise vierzig bis fünfzig Prozent der Ernte verloren. Ähnlich ist es mit dem Brot, das uns die Bäcker in vielen Sorten bis zum Abend frisch anbieten müssen. Verschwendung und Mangel sind zu entgegengesetzten Merkmalen unserer Gesellschaft und unseres Lebens geworden.

Heute am Erntedanksonntag ist zu bedenken: Wirklich danken kann ich nur für das, was ich real spüre und genieße: Für meinen Körper, für Speise, Trank, Licht, Luft, Begegnungen. Nehme ich diese Dinge wirklich wahr, dann lerne ich, wie viel oder wie wenig ich zum Leben brauche. Dieses Maß zu finden tut mir gut. Es täte auch unserer Art zu wirtschaften gut. Das muss sich noch herumsprechen.

Do. 11.10.12
Andacht von Egbert Rosenplänter, Ahausen
Andacht von Egbert Rosenplänter, Ahausen

Vor einigen Tagen stand es in der Zeitung: Da hatte jemand vor dem Bundesgerichtshof geklagt. Er wollte aus der katholischen Kirche austreten und auch keine Kirchensteuern zahlen, aber gleichzeitig Kirchenmitglied bleiben und am kirchlichen Angebot teilnehmen. Wie er sich das vorstellte, ist mir nicht ganz klar geworden. Die Klage wurde abgewiesen. Aber damit ist das Thema Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer mal wieder in die Diskussion geraten. Ich möchte beschreiben, wie ich das sehe. Vielleicht trägt das etwas zur Klärung bei. „Ich kann auch ohne Kirche glauben, ich muss für meinen Glauben doch kein Geld bezahlen“ sagen manche. Das mag sein, über den Glauben von jemand anderem habe ich nicht zu urteilen. Ich meine nur: Es geht um etwas ganz anderes. Da gibt es in unseren Orten Kirchengemeinden, die bieten Gottesdienste an, erteilen Konfirmandenunterricht, veranstalten Jugendarbeit, Seniorennachmittage und Frauentreffen. Da gibt es Pastorinnen und Pastoren, die trauen, taufen und beerdigen. Die Frage ist: „Will ich, dass das alles so bleibt?“ Wer sagt: „Nein, ich will, dass das aufhört“ der soll konsequent aus der Kirche austreten. Wer sagt: „Ich will, dass das so bleibt, ich entziehe dem aber die finanzielle Basis“ - der hat vielleicht nicht genug nachgedacht. Ganz abgesehen davon, ob jemand kirchliche Angebote gerade nutzt, ist die Frage: „Will ich, dass es diese Angebote gibt?“ Mache reden sich heraus mit den angeblichen kirchlichen Reichtümern. Aber da liegen keine Schätze im Keller! Und wenn manche meinen, die Kirche könnte ja ihr Land verkaufen - das wäre schlechtes Wirtschaften. Außerdem dienen die Erträge des Landes mit dazu, die Pastorinnen und Pastoren zu bezahlen. Wir fragen bei den kirchlichen Angeboten nicht danach, ob jemand in der Kirche ist oder nicht. Unsere Tür steht allen offen. Viele Menschen, die nicht Kirchenmitglieder sind, nehmen kirchliche Angebote wahr. Ich finde aber, es ist ein Gebot der Ehrlichkeit, das was man nutzen möchte, auch finanziell zu unterstützen. Das Kirchensteuersystem ist sicher nicht für alle Zeiten gemacht. Auch ohne Kirchensteuern wird die Kirche nicht untergehen, sie wird allerdings sehr anders werden - und wahrscheinlich viele Angebote, die es heute gibt, nicht aufrechterhalten können. Ich freue mich, wie viele Menschen die kirchliche Arbeit auch finanziell unterstützen – durch Spenden und Vermächtnisse, durch Kollekten und eben auch – durch Kirchensteuer. Herzlichen Dank dafür!

Mo. 26.11.12
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Mein Autohaus schreibt: „Denken Sie an Ihre Winterreifen!“ Es ist gut, dass ich daran erinnert werde, weil ich solche Termine gerne vor mir herschiebe. Ich weiß natürlich, dass die Reifenart und die Profiltiefe wichtig sind, vielleicht sogar Leben retten. Meines und das der anderen. Und trotzdem bin ich in der Gefahr, in dieser Sache doch etwas leichtsinnig zu sein.

Sieben Millimeter Profil hat ein Reifen ungefähr, wenn er ganz neu ist. Mindestens zwei muss er noch haben, wenn die Polizei kontrolliert. Weniger ist halt gefährlich.

Auf wieviel Profil kann ein Mensch verzichten, ehe es gefährlich wird?

Ich erlebe manchmal die Angst vor dem eigenen Gesicht. Viele geben sich Mühe, gerade nicht aufzufallen und nicht anzuecken. Dann lieber mit der eigenen Überzeugung hinter dem Berg halten. Sonst macht man sich angreifbar. Es stimmt: Wer Gesicht zeigt, setzt sich aus. Viele wollen dann lieber mit Austauschgesichtern und Austauschmeinungen im Trend bleiben. Das nenne ich die Angst vor dem eigenen Gesicht. Und die wächst.

Ich finde das schade. Früher war es meiner Mutter manchmal zu viel, wenn wir uns am Tisch über Politik und Religion die Köpfe heißgeredet haben. „Hört auf, Euch zu streiten“, war ihr Beitrag zur Debatte. Dabei ging es nie um Streiterei oder um zwanghaftes Recht-Haben. Wir haben gerungen um Positionen und Werte. Ich habe manchmal den anderen einen Anstoß geben können und immer selbst daraus gelernt. Ich meine: Wenn Menschen ihr Profil zeigen, kommt eine Partnerschaft, eine Familie, eine Kirche eine Gesellschaft nach vorne. Klar, ein solches Miteinander kann anstrengend sein. Man muss Differenzen aushalten, ohne gleich das Tischtuch zu zerschneiden. Aber anders geht es nicht. Wer sich raushält, verweigert den anderen seine Meinung. Und die Chance, dass man sich gemeinsam weiterentwickelt. Ich finde es keinen schönen Gedanken, dass meine Reifen mehr Gripp haben könnten als ich selbst.

 

 

 

 

 

 

 

Neulich habe ich in einer Diskussion erlebt, wie jemand einem anderen regelrecht die Ehre abschneidet. Bis unter die Gürtellinie war es nicht mehr weit. Sein Nachbar schreitet ein und wird dann aber von der Mehrheit im Saal zurechtgestaucht: Lassen Sie ihn reden. Das ist halt seine Meinung

 

 

Fr. 09.11.12
Andacht von Frank Hasselberg, Markusgemeinde…
Frank Hasselberg
Andacht von Frank Hasselberg, Markusgemeinde Schneverdingen

Hoher Besuch bei der Jahrestagung der EKD-Synode Anfang dieser Woche in Timmendorfer Strand: Die Bundeskanzlerin spricht zu den Delegierten. Sie beklagt, daß die Religionsfreiheit nicht in allen Teilen der Welt geachtet werde. Dabei sei sie ein elementares Menschenrecht. „Fanatismus, Einschränkung von Glaubensfreiheit, Geringschätzung von Glauben - das ist Teil unserer Welt.“ Christen seien die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft weltweit.

Da hat sie leider Recht. Gegenwärtig sind es etwa 100 Millionen Christen in über 50 Ländern, die wegen ihres Glaubens misshandelt werden, von Gefängnis oder Tod bedroht sind, benachteiligt und diskriminiert werden. In Nordkorea, Iran und Saudi-Arabien ist die Lage am schlimmsten, aber auch in Ländern wie Tunesien und der Türkei sind Christen bestenfalls geduldet. Das beginnt schon in der Bibel: Laut Apostelgeschichte 7 ist Stephanus der erste in einer langen Reihe von Christen, die wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden, die ihr Glaubenszeugnis und ihre Standhaftigkeit (und oft nur ihre Zugehörigkeit zur Kirche) mit dem Leben bezahlen mußten.

Dies geschieht weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, die das auch nur mäßig zu interessieren scheint. Die Politik setzt da wohl andere Schwerpunkte. Und immer wieder höre ich Einwände, von Christen gehe doch auch Gewalt aus, damals die Kreuzzüge, der Konflikt in Nordirland, die Mißbrauchsskandale… Natürlich: Auch die Kirchen und manche Menschen in ihr haben Schuld auf sich geladen. Aber dagegen kann man doch nicht anderes Unrecht aufrechnen. Gerade weil wir wissen, daß Gott es anders will, daß unser Herr ein Gott des Friedens ist. Und wir dürfen nicht schweigen, wenn Unrecht geschieht und das Blut anderer Menschen schreit. Ich will für sie eintreten, wo immer es möglich ist. Und Gott danken, daß ich noch in aller Freiheit meinen Glauben bekennen kann.

Frank Hasselberg, Pastor in Heber und an der Eine-Welt-Kirche in Schneverdingen, Öffentlichkeitsbeauftragter des ev.-luth. Kirchenkreises Rotenburg

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Di. 28.06.11
Andacht von Haike Gleede
Andacht von Haike Gleede

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber ...

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