Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 07.10.12
Andacht von Werner Hagedorn,…
Andacht von Werner Hagedorn, Auferstehungsgemeinde Rotenburg

Das ist der Mensch: Eine unter uns. Das sind die Zahlen: Rente 375 Euro, dazu vom Sozialamt 353 Euro 48 Hilfe zum Lebensunterhalt. Davon gehen ab 451 Euro Miete, 151 Euro Energie- und Wasserkosten, außerdem 25 Euro Tilgung eines früheren Vorschusses vom Sozialamt. Bleiben im Monat für Nahrung, Kleidung, Hygiene, Putzmittel, Telefon, Friseur und für die Praxisgebühr ab und zu, bleiben für das alles 101 Euro 48. Das sind, immer wenn der Monat nur 30 Tage hat, 3 Euro 38 für jeden Tag zum Leben in unserer schönen Stadt. Und wer wäre so unverfroren, unseren Armen zu sagen, dass die folgenden Dinge Luxus sind, und der Verzicht darauf zumutbar: Geld für ein Geburtstagsgeschenk ab und an, fürs Schwimmen im Ronolulu dann und wann, für die neue Ausgabe der Lieblings-Zeitschrift, für mal einen Besuch im Stadtkino, für einen Cappucino am sonnigen Tag im Straßencafé und für die Tüte Konfekt, weil die Enkelkinder kommen? Und der Witwe zu sagen, den Kanarienvogel bräuchte sie ja schließlich nicht zu halten, dann würde sie das Vogelfutter sparen?

Humaner scheint der Hinweis, die Frau könne doch zur Tafel gehen und durch die geschenkten Lebensmittel ihre Haushaltskasse entlasten. Ich habe den Eindruck, niemand von denen, die die Tafel loben, will sich den Unterschied klarmachen, den es bedeutet, vom eigenen Geld einkaufen zu können, was man möchte, oder mittellos anstehen zu müssen und die Hand aufzuhalten. Mit dieser Spaltung der Gesellschaft dürfen wir uns nicht abfinden.

Jüngst im Gottesdienst auf dem Kartoffelmarkt sprach der Landwirt Johann Trochelmann aus Wohlsdorf. Seine Familie baut in der vierten Generation Kartoffeln an. Herr Trochelmann sagte, leider sei die Frucht heute zur Massenware geworden. Vom Acker über den Groß- und Einzelhandel bis auf unsere Tische gehe schätzungsweise vierzig bis fünfzig Prozent der Ernte verloren. Ähnlich ist es mit dem Brot, das uns die Bäcker in vielen Sorten bis zum Abend frisch anbieten müssen. Verschwendung und Mangel sind zu entgegengesetzten Merkmalen unserer Gesellschaft und unseres Lebens geworden.

Heute am Erntedanksonntag ist zu bedenken: Wirklich danken kann ich nur für das, was ich real spüre und genieße: Für meinen Körper, für Speise, Trank, Licht, Luft, Begegnungen. Nehme ich diese Dinge wirklich wahr, dann lerne ich, wie viel oder wie wenig ich zum Leben brauche. Dieses Maß zu finden tut mir gut. Es täte auch unserer Art zu wirtschaften gut. Das muss sich noch herumsprechen.

Do. 11.10.12
Andacht von Egbert Rosenplänter, Ahausen
Andacht von Egbert Rosenplänter, Ahausen

Vor einigen Tagen stand es in der Zeitung: Da hatte jemand vor dem Bundesgerichtshof geklagt. Er wollte aus der katholischen Kirche austreten und auch keine Kirchensteuern zahlen, aber gleichzeitig Kirchenmitglied bleiben und am kirchlichen Angebot teilnehmen. Wie er sich das vorstellte, ist mir nicht ganz klar geworden. Die Klage wurde abgewiesen. Aber damit ist das Thema Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer mal wieder in die Diskussion geraten. Ich möchte beschreiben, wie ich das sehe. Vielleicht trägt das etwas zur Klärung bei. „Ich kann auch ohne Kirche glauben, ich muss für meinen Glauben doch kein Geld bezahlen“ sagen manche. Das mag sein, über den Glauben von jemand anderem habe ich nicht zu urteilen. Ich meine nur: Es geht um etwas ganz anderes. Da gibt es in unseren Orten Kirchengemeinden, die bieten Gottesdienste an, erteilen Konfirmandenunterricht, veranstalten Jugendarbeit, Seniorennachmittage und Frauentreffen. Da gibt es Pastorinnen und Pastoren, die trauen, taufen und beerdigen. Die Frage ist: „Will ich, dass das alles so bleibt?“ Wer sagt: „Nein, ich will, dass das aufhört“ der soll konsequent aus der Kirche austreten. Wer sagt: „Ich will, dass das so bleibt, ich entziehe dem aber die finanzielle Basis“ - der hat vielleicht nicht genug nachgedacht. Ganz abgesehen davon, ob jemand kirchliche Angebote gerade nutzt, ist die Frage: „Will ich, dass es diese Angebote gibt?“ Mache reden sich heraus mit den angeblichen kirchlichen Reichtümern. Aber da liegen keine Schätze im Keller! Und wenn manche meinen, die Kirche könnte ja ihr Land verkaufen - das wäre schlechtes Wirtschaften. Außerdem dienen die Erträge des Landes mit dazu, die Pastorinnen und Pastoren zu bezahlen. Wir fragen bei den kirchlichen Angeboten nicht danach, ob jemand in der Kirche ist oder nicht. Unsere Tür steht allen offen. Viele Menschen, die nicht Kirchenmitglieder sind, nehmen kirchliche Angebote wahr. Ich finde aber, es ist ein Gebot der Ehrlichkeit, das was man nutzen möchte, auch finanziell zu unterstützen. Das Kirchensteuersystem ist sicher nicht für alle Zeiten gemacht. Auch ohne Kirchensteuern wird die Kirche nicht untergehen, sie wird allerdings sehr anders werden - und wahrscheinlich viele Angebote, die es heute gibt, nicht aufrechterhalten können. Ich freue mich, wie viele Menschen die kirchliche Arbeit auch finanziell unterstützen – durch Spenden und Vermächtnisse, durch Kollekten und eben auch – durch Kirchensteuer. Herzlichen Dank dafür!

Mo. 26.11.12
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Mein Autohaus schreibt: „Denken Sie an Ihre Winterreifen!“ Es ist gut, dass ich daran erinnert werde, weil ich solche Termine gerne vor mir herschiebe. Ich weiß natürlich, dass die Reifenart und die Profiltiefe wichtig sind, vielleicht sogar Leben retten. Meines und das der anderen. Und trotzdem bin ich in der Gefahr, in dieser Sache doch etwas leichtsinnig zu sein.

Sieben Millimeter Profil hat ein Reifen ungefähr, wenn er ganz neu ist. Mindestens zwei muss er noch haben, wenn die Polizei kontrolliert. Weniger ist halt gefährlich.

Auf wieviel Profil kann ein Mensch verzichten, ehe es gefährlich wird?

Ich erlebe manchmal die Angst vor dem eigenen Gesicht. Viele geben sich Mühe, gerade nicht aufzufallen und nicht anzuecken. Dann lieber mit der eigenen Überzeugung hinter dem Berg halten. Sonst macht man sich angreifbar. Es stimmt: Wer Gesicht zeigt, setzt sich aus. Viele wollen dann lieber mit Austauschgesichtern und Austauschmeinungen im Trend bleiben. Das nenne ich die Angst vor dem eigenen Gesicht. Und die wächst.

Ich finde das schade. Früher war es meiner Mutter manchmal zu viel, wenn wir uns am Tisch über Politik und Religion die Köpfe heißgeredet haben. „Hört auf, Euch zu streiten“, war ihr Beitrag zur Debatte. Dabei ging es nie um Streiterei oder um zwanghaftes Recht-Haben. Wir haben gerungen um Positionen und Werte. Ich habe manchmal den anderen einen Anstoß geben können und immer selbst daraus gelernt. Ich meine: Wenn Menschen ihr Profil zeigen, kommt eine Partnerschaft, eine Familie, eine Kirche eine Gesellschaft nach vorne. Klar, ein solches Miteinander kann anstrengend sein. Man muss Differenzen aushalten, ohne gleich das Tischtuch zu zerschneiden. Aber anders geht es nicht. Wer sich raushält, verweigert den anderen seine Meinung. Und die Chance, dass man sich gemeinsam weiterentwickelt. Ich finde es keinen schönen Gedanken, dass meine Reifen mehr Gripp haben könnten als ich selbst.

 

 

 

 

 

 

 

Neulich habe ich in einer Diskussion erlebt, wie jemand einem anderen regelrecht die Ehre abschneidet. Bis unter die Gürtellinie war es nicht mehr weit. Sein Nachbar schreitet ein und wird dann aber von der Mehrheit im Saal zurechtgestaucht: Lassen Sie ihn reden. Das ist halt seine Meinung

 

 

Fr. 09.11.12
Andacht von Frank Hasselberg, Markusgemeinde…
Frank Hasselberg
Andacht von Frank Hasselberg, Markusgemeinde Schneverdingen

Hoher Besuch bei der Jahrestagung der EKD-Synode Anfang dieser Woche in Timmendorfer Strand: Die Bundeskanzlerin spricht zu den Delegierten. Sie beklagt, daß die Religionsfreiheit nicht in allen Teilen der Welt geachtet werde. Dabei sei sie ein elementares Menschenrecht. „Fanatismus, Einschränkung von Glaubensfreiheit, Geringschätzung von Glauben - das ist Teil unserer Welt.“ Christen seien die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft weltweit.

Da hat sie leider Recht. Gegenwärtig sind es etwa 100 Millionen Christen in über 50 Ländern, die wegen ihres Glaubens misshandelt werden, von Gefängnis oder Tod bedroht sind, benachteiligt und diskriminiert werden. In Nordkorea, Iran und Saudi-Arabien ist die Lage am schlimmsten, aber auch in Ländern wie Tunesien und der Türkei sind Christen bestenfalls geduldet. Das beginnt schon in der Bibel: Laut Apostelgeschichte 7 ist Stephanus der erste in einer langen Reihe von Christen, die wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden, die ihr Glaubenszeugnis und ihre Standhaftigkeit (und oft nur ihre Zugehörigkeit zur Kirche) mit dem Leben bezahlen mußten.

Dies geschieht weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, die das auch nur mäßig zu interessieren scheint. Die Politik setzt da wohl andere Schwerpunkte. Und immer wieder höre ich Einwände, von Christen gehe doch auch Gewalt aus, damals die Kreuzzüge, der Konflikt in Nordirland, die Mißbrauchsskandale… Natürlich: Auch die Kirchen und manche Menschen in ihr haben Schuld auf sich geladen. Aber dagegen kann man doch nicht anderes Unrecht aufrechnen. Gerade weil wir wissen, daß Gott es anders will, daß unser Herr ein Gott des Friedens ist. Und wir dürfen nicht schweigen, wenn Unrecht geschieht und das Blut anderer Menschen schreit. Ich will für sie eintreten, wo immer es möglich ist. Und Gott danken, daß ich noch in aller Freiheit meinen Glauben bekennen kann.

Frank Hasselberg, Pastor in Heber und an der Eine-Welt-Kirche in Schneverdingen, Öffentlichkeitsbeauftragter des ev.-luth. Kirchenkreises Rotenburg

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Frank Hasselberg

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Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
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Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Di. 28.06.11
Andacht von Haike Gleede
Andacht von Haike Gleede

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber ...

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