Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 15.04.18
Neulich am Lottotresen
Dietmar Meyer
Neulich am Lottotresen

Als ich neulich am Lottotresen darauf warte, dass ich drankomme, steht Jesus hinter mir in der Schlange. Man soll‘s nicht glauben, aber er sieht tatsächlich genauso aus wie man ihn sich vorstellt. Überrascht bin ich trotzdem. „Was machst du denn hier, Jesus?“ frage ich. „Hätte nicht gedacht, dich ausgerechnet hier am Lottotresen zu treffen.“ Passt mir jetzt gar nicht so gut, denke ich. Habe ja den Lottoschein in der Hand und komme jeden Augenblick dran. Und muss noch überlegen, ob ich die 7 oder wie immer die 11 ankreuzen soll. Und nun das. Das letzte Kreuz muss ich noch setzen. „Ich nehme die 12!“ sage ich leise zu mir selbst. „12 Jünger, 12 Stämme Israel, 12 als Zahl für Vollkommenheit“. Vielleicht ist das ja ein Zeichen. Vor mir tut sich nichts. Dauert noch, bis ich dran bin. „Du spielst Lotto, Jesus?“ Ich wundere mich. Er hat das Geld doch gar nicht nötig. Ob er mir seine Zahlen nennt? Er müsste ja wissen, welche fallen werden. Ich drehe mich ganz zu ihm: „Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass dich der Jackpott reizt“ Ich erinnere ihn an seine eigenen Worte. „Hast Du nicht gesagt, es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt?“ Jetzt bin ich gespannt, was er dazu sagt. Gar nichts. Er steht da. „Oder: Schafft Euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motten und Rost sie fressen. Schafft Euch lieber Schätze im Himmel. Hm? Deine Worte!“ Jaja denke ich, sagen kann man also viel. Am Ende geht es doch ums Geld. Sogar bei Christus. Wie komme ich nur an seine Zahlen? „Das wär was: Den Jackpott knacken, oder Jesus? “ Christus kommt einen Schritt näher, und weist mit einer leichten Kopfbewegung nach vorne. Ah, die Schlange vor mir bewegt sich. Gleich bin ich dran. Dass Christus Lotto spielt, nee, ich werd verrückt! „Du weißt aber schon, dass die meisten Gewinner mit dem Geld unglücklich werden?!“ sage ich ihm über die Schulter. Dazu gibt es Studien. Außerdem stellt doch jeder, der auf den Gewinn hofft, sein bisheriges Leben in Frage. Überhaupt, du hast doch alles, was man braucht. Die ganze Welt gehört Dir doch. Sogar der Himmel.
Ich denke plötzlich an die Website, auf der kann man sehen, an welcher Stelle man weltweit mit seinem Einkommen rangiert (http://www.globalrichlist.com/). Mein Platz kann auf der Skala schon gar nicht mehr abgebildet werden, soweit oben rangiere ich. Sogar mit meinem BAFöG-Satz hätte ich damals schon unabbildbar vorne gestanden. „Wo würdest Du da erst stehen, Jesus?!“ Der braucht das doch wirklich nicht. Immer dasselbe, denke ich, je mehr man hat, umso mehr will man. Und wer nicht zufrieden ist, meint, er hätte nicht genug. „Was willst du denn mit dem Geld, Jesus? Noch mehr kaufen?! Noch mehr verbrauchen?! Glücklich werden?!“ Ich werde richtig ärgerlich. Hab ich mich so in Jesus getäuscht? Die anderen gucken schon. Ist mir egal. „Ich an Deiner Stelle würde das Geld lieber sinnvoller einsetzen“ brülle ich ihn an. „Und zufrieden sein!“ Dann ist er verschwunden. Und ich bin gleich an der Reihe.

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Dietmar Meyer

Dietmar
Meyer
Pastor
Kirchstraße 7
27367
Sottrum
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(04264) 422
So. 01.04.18
Normal ist das nicht
Dr. Matthias Wilke
Normal ist das nicht

„Ich hoffe bloß, dass bald Ostern ist!“ Meine Freundin ist genervt. „Gestern“, sagt sie, „Konferenz. Ich stell wie immer Schoki auf den Tisch. Da haut mich einer an, ob ich denn nicht wüsste, dass Fastenzeit ist. Ich so: ‚Zwing ich dich etwa, davon zu essen?‘“ Sie schnaubt: „Und dann haben sich alle gegenseitig erzählt, wie toll sie gerade fasten. Nicht zum Aushalten!“ Sie greift zu den Gummibärchen: „Es ist ja nicht nur die Fastenzeit. Es fängt im Januar an: Gute Vorsätze. Und in der Kantine mümmeln alle nur noch Salat. Im Februar jammern sie, dass sie nicht durchgehalten haben und warum sie schon seit zwei Wochen nicht mehr beim Sport waren. Und dann denkst du, du hast es hinter dir – und die Fastenzeit beginnt. Können die nicht einfach normal sein?“

Zuhause checke ich meine Mails. Wieder eine Nachricht mit Hinweisen für die Fastenzeit. Und ich komme ins Träumen. So wäre ich gerne. Ich will mich mutig für andere einsetzen, Strom sparen und auf Fleisch verzichten, will mehr an die Armen denken, die Frustschokolade drangeben oder am besten ganz auf Zucker pfeifen. Nicht normal sein, sondern gut. Wenigstens für sieben Wochen.

Neben dem Computer liegt ein Kreuz. Die Menschen um Jesus hatten ganz normal Sehnsucht nach einem, der ihnen hilft. Waren schrecklich normal mit ihrer feigen Sorge ums eigene Leben. Und ausgerechnet diese Menschen haben das erste Ostern erlebt. Dazu passt der Spruch für die nächste Woche (Römer 5,8): „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Und ich steh da mit meinem Frust und meiner Sehnsucht nach gutem Leben. „Danke, Gott, dass du es in all dem Murks Ostern werden lässt!“

 

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Dr. Matthias Wilke

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Pastor/-innen
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Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
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(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
Fr. 30.03.18
Durch alles geht ein Riss…
Pastorin Sabine Krüg…
Durch alles geht ein Riss…

In einem Lied von Leonard Cohen heißt es: “There’s a crack in everything, and that’s how the light gets in.” Übersetzt heißt das: Durch alles geht ein Riss, und nur so fällt das Licht hinein. Dieser Text kommt mir in den Sinn, wenn ich über Ostern nachdenke. Immer wieder durchziehen Risse unser Leben. Oft entstehen sie durch Enttäuschungen oder durch Kummer. Wenn etwas kaputt gegangen ist in meinem Leben, oder wenn ich vor meinen eigenen Scherben stehe. Dann zerreißt etwas in mir. Es entsteht ein Riss in meinem Leben. Und das tut weh.

Dennoch gehören diese Risse zu unserem Leben dazu. Sie machen uns menschlich. In den Rissen unseres Lebens will Gott uns begegnen. Dort, wo wir eigentlich niemanden hineinlassen. Er will uns berühren, wo der Schmerz liegt. Durch unsere Zerrissenheit kommt sein Licht in unser Leben. In seinem Licht kann Verwandlung entstehen, so können wir wachsen und reifen.

Jesus stirbt an einem Kreuz. Der Vorhang im Tempel zerreißt. Ein Vorzeichen für den Riss, der die Welt verändern wird. Denn am Ostermorgen erhält der Tod einen Riss. Die Mauern der Endgültigkeit zerbrechen. Durch diesen Riss scheint nun das Licht der Auferstehung in die Kammer des Todes.

Wir feiern Ostern, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Seine Auferstehung gilt auch uns. Sie gilt uns nicht nur am Ende unseres Lebens, sondern schon jetzt. Es gibt sie immer wieder, diese kleinen oder großen Augenblicke, in denen Gottes Welt schon in unsere Welt hineinbricht. Es sind Momente, in denen unsere kleine Welt aufreißt und ein Riss entsteht hin zur Ewigkeit Gottes – im Gebet, durch sein Wort, das uns im Herzen trifft, in der Stille, auf unseren ganz banalen Wegen durch den Alltag, wenn wir es nur zulassen.

Durch alles geht ein Riss – auch durch unsere kleine Welt hin zur Ewigkeit – und nur so fällt das Licht hinein.

 

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Pastorin Sabine Krüger

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindegruppen
Kirchenvorstand
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Sabine
Krüger
Pastorin der Stadtkirchengemeinde
Am Kirchhof 8
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
04261 4962
So. 25.03.18
Grenzerfahrungen
Roger Moch
Grenzerfahrungen

Es gibt Augenblicke, in denen ist nichts so, wie es scheint. Ein lachendes Gesicht überdeckt tiefe Trauer, wer Härte zeigt, kann auch nachsichtig sein, und hinter düsteren Aussichten verbergen sich manchmal neue Wege. Grenzmomente sind unsicher und zweifelhaft. Der Palmsonntag steuert in eine solche Grenzzeit hinein. Gerade noch schwingen die Hände des Volkes Palmzweige beim Einzug Jesu nach Jerusalem, kurze Zeit später sind sie zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zu ohrenbetäubenden „Kreuzigt ihn“-Rufen, fröhliche Gesichter frieren zu Fratzen ein. Aber es ist gerade Jesu Tod am Kreuz, der den Menschen Leben bringt.

Sein Weg ins Dunkel war ein Weg ins Licht. Im Besiegten, im Verachteten war Gott ganz nah. Nur wenige erkannten das. Grenzerfahrungen können plötzlich und ungewollt über Menschen hereinbrechen. Bei Unfällen, Naturkatastrophen, plötzlichen Schicksalsschlägen wie dem Tod eines Angehörigen, in Nahtoderlebnissen. Und dazu gibt es die erdrückenden Grenzerfahrungen im alltäglichen, normalen Leben. Man fühlt sich an den Grenzen seiner Kraft, Beziehungen geraten in Sackgassen, Lebensziele lassen sich nicht verwirklichen. Das Leben wird enger. Die Luft wird dünner. Der Tod, der jedes Leben begrenzt, rückt näher.

Grenzerfahrungen sind Erfahrungen mit Angst, Verzweiflung, Hass. Aber auch mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Das Erleben von Grenzen und das Überschreiten von Grenzen gehört zu jedem Leben.
 Das Leben beginnt mit der Grenzerfahrung der Geburt und es endet mit der Grenzerfahrung Tod. Beide Ereignisse haben etwas Mächtiges und Extremes in sich. Und sind eben begleitet von Ängsten. Dagegen ist der Lebenstrieb darauf ausgerichtet, sich zu entfalten und lebenshemmende Grenzen zu überwinden. Ohne diesen Antrieb, der in jedem Leben steckt, gäbe es keine körperliche und seelische Entwicklung. Und das Heranwachsen eines Menschen ist eine Folge von Grenzerweiterungen.

Die Bibel erzählt, dass es diese Kraft in allen Lebensbereichen gibt und Jesus uns mit seinem Tod am Kreuz nicht allein gelassen hat. Darauf kann 
ich mich verlassen.

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Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Stühkamp 20
27386
Westerwalsede
Tel.: 
(04269) 1899
So. 18.03.18
Ohne Worte
Jens Ubben
Ohne Worte

So manche Person, mit der ich in den letzten Wochen telefonierte, klang anders als sonst: Halsschmerzen waren noch die leichtere Variante. Bei manchen Gesprächen hörte ich nur ein Krächzen am anderen Ende der Leitung. Wenn die Stimme weg ist, helfen nur noch heißer Tee, Hausmittelchen und Geduld.

Wer freiwillig längere Zeit schweigt, etwa im Rahmen von Schweigetagen in einem Kloster, nimmt eine bewusste Herausforderung an. Wer krankheitsbedingt schweigen muss, trägt die Hoffnung auf baldige Genesung in sich. Wem es aber aus anderen Gründen die Sprache verschlägt, ist in großer Not. Wenn eine schlimme Diagnose im Raum steht oder Dinge im Leben auf den Kopf gestellt wurden, dann hilft kein heißer Tee, auch keine Tablette. Da bleibt die Stimme weg, und ein Mensch weiß einfach nicht, was er sagen soll.

Vom leidenden Hiob des Alten Testaments wird berichtet: „Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort. Denn sie waren eins geworden hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.“ (aus Hiob 2)

Von Hiobs Freunden lerne ich, wie gemeinsames Schweigen heilsam sein kann. Wie das gemeinsame Aushalten der Sprachlosigkeit plötzlich guttut. Das drückt oft mehr aus als vorschnell drauflosgesagte Lebensweisheiten.

Die Wochen vor Ostern laden ein, den Lebensweg Jesu anzuschauen: Am Anfang große Taten, kraftvolle Worte. Dazwischen freiwillige Momente der Stille und des Schweigens. Nun immer schweigsamere Zeiten auf dem Weg zu seiner Kreuzigung. Unterbrochen von schlagfertigen Momenten. Schließlich tiefste Verzweiflung und Gottesferne.

Die Osterereignisse wollen Hoffnung schenken: Am Ende behalten begeisterte, lebensfrohe Worte die Oberhand! Der Weg Jesu dorthin zeigt: Auch wenn die Stimme wegbleibt, ist mit Jesus einer da, der das kennt!

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Jens Ubben

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
So. 11.03.18
Wir sind alle kleine Sünderlein…
Frank Hasselberg
Wir sind alle kleine Sünderlein…

Zugegeben: Beim Abwaschen höre ich gern NDR 1, den sogenannten Hausfrauen (und -männer) -Sender. Neulich hat da jemand einen Uralt-Schlager herausgekramt. Und so drang Willi Millowitsch an mein Ohr mit dem Lied „Wir sind alle kleine Sünderlein, ´s war immer so…“ Das passt ja in die Passionszeit, schoss es mir durch den Kopf. Er hat recht: Wir sind alle Sünder. Dass es „immer so“ war, macht es nicht besser.

Aber empfinde ich mich wirklich als Sünder? Ich bin doch eigentlich ganz lieb. Naja, wer ist schon perfekt. Lässliche Sünden, kleine Laster, gelegentliche Schwächen – Schwamm drüber. Ich denke nicht, dass es die größten Sünden sind, wenn wir uns nach „hübschen Madeln“ umdrehen oder mal einem „großes Durstgefühl“ nachgeben, wie es in dem Lied heißt. Sünde ist alles das, was sich gegen Gott und meine Mitmenschen richtet, mein alltägliches, liebloses Handeln, wenn ich tatenlos zusehe, wie es einem anderen Menschen schlechtgeht, wenn ich mich an üblem Gerede, an bösem Tun in Worten und Taten beteilige.

Ehrlich, ich wäre gern schon hier auf Erden ein Engel. Aber ich weiß, dass ich es nicht schaffe. Mir wachsen keine Flügel, bisher nicht, leider. Doch ich weiß auch: Ich kann immer umkehren, meine Taten bereuen. Und dann wird Gott mir vergeben. Das ist seine große Versöhnungstat in Jesus Christus. Gott stellt unsere Sünden auf Null und ermöglicht einen Neuanfang. Dann sind wir offen für einen guten Weg in eine unbelastete Zukunft.

Wenn irgendwas an diesem alten Karnevalsschlager stimmt, dann der Satz: „Der Herrgott wird uns ganz bestimmt verzeih´n“! Darum: Ich will die Sünde ernst nehmen, meine Schuld vor Gott und meinen Mitmenschen. Aber vor allem will ich Gottes Liebe ernst nehmen. Denn „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
So. 18.02.18
Zeit zum Leben
Frank Hasselberg
Zeit zum Leben

Kaum hat ein neues Jahr begonnen, da geht es auch schon wieder zu Ende – zumindest in Gedanken. Der zweite Monat ist fast rum, und ich sehe, wie sich mein Terminkalender für 2018 längst wieder füllt. Geburtstage, Konfirmation, Urlaub, Weihnachten – alles verplant. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir die Zeit unter den Händen zerrinnt. Wenn ich mich umhöre, geht es vielen Menschen ähnlich. Muss das so sein? Woher kommt der Eindruck, dass die Zeit immer schneller vergeht?

Ein Europäer wollte einmal von einem chinesischen Weisen wissen, welches der wesentliche Unterschied sei zwischen einem westlichen und einem östlichen Menschen. Der Chinese antwortete: „Ihr Abendländer lasst euch ständig hetzen und nehmt euch keine Zeit zu leben. Wenn du am Morgen aufwachst, planst du schon. Wenn du frühstückst, liest du nebenbei die Zeitung. Während du zur Arbeit fährst, bist du in Gedanken schon dort. Und so manches kannst du kaum erwarten. Am Morgen freust du dich auf den Feierabend, am Abend wartest du auf den folgenden Tag, zu Beginn der Woche sehnst du dich nach dem Wochenende, und am Sonntag gönnst du dir auch keine Ruhe.“

„Und wie machst du es?“ fragte der Europäer den Weisen. „Ganz einfach: Wenn ich aufwache am Morgen, bin ich dankbar, dass mir ein neuer Tag geschenkt ist. Wenn ich mich an den Tisch setze, genieße ich den Geschmack der Speisen. Wenn ich mich auf den Weg mache, betrachte ich neugierig, was mir begegnet. Ich lebe in der Gegenwart, ohne mich allzu sehr darum zu sorgen, was gestern war und was morgen sein wird. Dies ist das Geheimnis der Ruhe und inneren Gelassenheit.“

Vielleicht ein guter Vorsatz für das noch recht neue Jahr: Ich will – bei aller notwendigen Planung – die Zeit mehr genießen, bewusster erleben, sie wieder als Geschenk begreifen. Kein Biergarten am Karfreitag, kein Spekulatius im August, kein Stress am Sonntag, sondern alles zu seiner Zeit. Machen Sie mit? Einen Versuch ist es wert!

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
So. 11.02.18
Ungeschminkt
Peter Thom
Ungeschminkt

Egal wo und wie – die Menschen feiern gerne Fasching. Nicht nur Kinder verkleiden sich mit Vergnügen und spielen Prinzessin oder Hexe, Seeräuber oder Batman. Auch Erwachsene setzen sich Hütchen auf, singen, schunkeln und lachen von Herzen. Und das ist so wichtig in einer Zeit, in der es ansonsten nicht viel zu lachen gibt.

Der Karneval macht’s möglich, einmal ganz anders zu sein, sich in einer neuen Rolle auszuprobieren. Dann dürfen auch die kleinen Leute nach Herzens Lust und ungestraft „die da oben“ verspotten.

Aschermittwoch ist alles vorbei. Aus der Hexe wird wieder das artige Mädchen und aus Batman der kleine Junge. Auch die Erwachsenen dürfen alle Verkleidungen ablegen und wieder so sein, wie sie wirklich sind. Das närrische Rollenspiel hat ein Ende.

Aber es ist gut, sich ausprobieren zu dürfen, um dann umso bewusster die eigene Rolle zu spielen. Verstecken gilt nicht, auch nicht hinter den Masken von Frohsinn und Heiterkeit. Ungeschminkt kann ich sagen, was mir Sorgen macht. Ich treffe dann andere, die ähnliche Erfahrungen machen. Miteinander über die Zumutungen dieser Zeit oder über den persönlichen Kummer zu reden, entlastet.

Nach Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Als Christen erinnern wir den Kreuzweg Jesu und setzen uns mit dem Leiden auseinander. Unterwegs lernen wir: Nicht dass wir aus Sorgen und Kummer herausgenommen sind, glauben wir, sondern dass wir immer wieder Mut bekommen, das Schwere zu überwinden. Es hat keinen Zweck so zu tun, als wäre alles easy. Ist es eben nicht.

Wir können unseren Weg durch alle Schwierigkeiten und Zumutungen hindurch gehen, weil wir wissen: Wir sind nicht allein. Gott geht mit.

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Peter Thom

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Kindergottestdienst
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Thom
Pastor
Lüdinger Str. 5
27374
Visselhövede
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So. 04.02.18
Gibt es Gott?
Susanne Briese
Gibt es Gott?

Als Gunnar Barbarotti - Kriminalkommissar in Hakan Nessers Roman „Mensch ohne Hund“ – von seiner Ehefrau verlassen wurde, kam er auf die Idee, einen Deal mit Gott zu machen: Wenn Gott wirklich existierte, meinte Barbarotti, dann bestünde eine seiner wichtigsten Aufgaben darin, den Gebeten der armen Menschheit zu lauschen – und diese soweit zu erhören, wie es angemessen erschien. Gunnar Barbarotti seinerseits konnte sich nicht daran erinnern, ein einziges Mal in seinem Leben erhört worden zu sein. Tatsächlich?, hatte Gott erwidert. Und wie viele Gebete hast du reinen, ernsten Herzens zu mir herauf geschickt, du agnostische Kanaille? Barbarotti musste zugeben, dass er darüber keinen genauen Überblick hatte, aber so schrecklich viele konnten es nicht gewesen sein…

Ich finde es großartig, wie Hakan Nesser seinen Kommissar theologische Denkversuche unternehmen lässt. Gunnar Barbarotti machte einfach mutig einen Handel mit Gott. Und Gott ließ sich im Roman darauf ein: Barbarotti betete und immer dann, wenn ein Gebet erhört wird, bekam Gott von ihm einen Punkt. War der Punktestand hoch, dann wollte Barbarotti gern glauben, dass es Gott gibt. Anfangs standen die Aussichten für einen guten Punktestand eher schlecht. Doch das konnte auch daran liegen, dass Gunnar Barbarotti im Beten noch ungeübt war. Mehr und mehr erhöhte sich die Zahl auf Gottes Punktekonto und Gunnar Barbarotti musste einsehen, dass Gott da ist.

Ob es Gott gibt oder nicht – diese Frage bewegt viele Menschen. Nicht alle können an ihn glauben oder schaffen es, am Glauben fest zu halten und – besonders in Krisenzeiten – aus ihm Kraft zu gewinnen. Doch Gott ist da und trägt mit. Auf verborgene Weise. Und man kann mit ihm sprechen. Er wird es hören. Das konnte sogar Kommissar Gunnar Barbarotti erkennen. Einen Versuch ist es doch also wert, nicht wahr?

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Susanne Briese

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Susanne
Briese
Superintendentin
Goethestraße 20
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 630 39 10
Fax: 
(04261) 630 39 19
So. 21.01.18
Hier stehe ich...
Frank Hasselberg
Hier stehe ich...

Ein zusätzlicher freier Tag soll kommen. Aber welcher? Das Gerangel darum ist in vollem Gange. Wird es der Reformationstag? Im vergangenen Jahr haben wir mit vielen tollen Veranstaltungen daran gedacht, was Martin Luther mit seinem Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 ausgelöst hat.

Man mag manche seiner Äußerungen kritisieren. Auf jeden Fall war er ein mutiger Mann. Er hatte Rückgrat – eine Eigenschaft, die ich heutzutage oft vermisse. Martin Luther war gleichgültig, was andere über ihn dachten und schrieben. Er stand auch über den Drohungen der damals mächtigen katholischen Kirche. Er wusste, dass er nicht von Menschen, sondern allein von Gottes Urteil abhängt. Und fühlte sich manchmal klein und ohnmächtig. So hat er auf die Frage, ob seine Anhänger sich „lutherisch“ nennen dürften, geantwortet: „Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?“ Eine Bescheidenheit, die auch manch Heutigen gut täte.

Glücklicherweise werden heute schon viele Schritte auf dem Weg der Ökumene gegangen. Gemeinsame kirchliche Trauungen sind möglich, es gibt Gespräche und Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Gebieten. Und wo es Differenzen gibt, haben wir gelernt, sie friedlich auszutragen.

Das Jubiläumsjahr ist vorbei. Und nun? Die Botschafterin zum Reformationsjahr, Margot Käßmann, sprach sich für eine „versöhnte Verschiedenheit“ gegenüber einem „Einheitsbrei der Ökumene“ aus und hofft, „noch zu meinen Lebzeiten mit einem katholischen Bischof oder Priester das Abendmahl feiern zu können“. Keine Frage: Die Reformation muss auf beiden Seiten weitergehen. Eine Kirche ohne Entwicklung gerät in die Abwicklung. Oder, in Abwandlung eines Luther-Zitats: Hier stehe ich, ich kann auch anders! Das werden wir auch weiterhin am 31. Oktober feiern – ob mit oder ohne staatlich angeordnetem Feiertag.

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
So. 07.01.18
Wäre das nicht verrücht?
Harm Cordes
Wäre das nicht verrücht?

So verrückt muss man sein! Wie die Männer, an die der heutige Tag erinnert: die heiligen drei Könige. Die Bibel beschreibt sie als Gelehrte in fernen Ländern. Eines Tages entdecken sie einen neuen Stern am Himmel. Der ersten Aufregung folgt die Einsicht, Gott könnte sie auf die Geburt eines neuen Königs hinweisen. Dieses Ereignis wollen sie nicht verpassen. Hätte Gott ihnen sonst den Stern gezeigt?

Also ordnen sie ihre Angelegenheiten und machen sich auf eine Reise mit unbekanntem Ausgang. Geleitet von dem Stern. Bewegt von der Sehnsucht, die er in ihnen weckt. Gespannt, wohin er sie führen wird.

Schließlich kommen sie in Bethlehem an. Der Stern bringt sie zum Stall, zu Maria und Josef. Zu Jesus, in dem sie den neugeborenen König erkennen. Dankbar bringen sie dem Kind ihre Geschenke und spüren, dass diese Begegnung ihr Leben verändern wird.

Muss man verrückt sein? Für solch einen Aufbruch? Solch eine Reise? Oder einfach nur ehrlich: zu sich und seinem Leben. Die Fragen hören, von denen sich die Weisen haben rufen lassen: Wohin führt die Reise meines Lebens? Gibt es Gott? Die Wege gehen, die Gott mir zeigt, wenn ich seinem Ruf, seinen Zeichen für mich vertraue?

Ja, man kann den Kopf schütteln über diese Episode am Abschluss der Weihnachtsgeschichte. Wer ist schon so verrückt: nach Gott zu suchen? auf den sprichwörtlichen Wink des Himmels zu warten? im Vertrauen auf Gottes Ruf loszugehen?

Oder man nimmt sich an den Weisen ein Beispiel. Weil sie nicht aufgehört haben, nach Gott zu fragen. Weil sie Gott etwas zugetraut haben, für sich und ihr Leben. Weil sie ihn gefunden haben: in einem schäbigen Stall. Und irgendwie auch mitten in ihrem Leben.

Nur mal angenommen, das könnte auch mir, auch Ihnen geschehen: Dass Gott uns meint. Wir seine Zeichen sehen und hören. Und wenn wir nur aufbrechen – wir würden ihn finden. Nicht unbedingt dort, wo wir gerade sind. Aber ganz gewiss dort, wohin er uns ruft. Wäre das nicht verrückt?

 

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Harm Cordes

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Stiftung
Harm
Cordes
Pastor
Bruchstraße 3
29640
Schneverdingen
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(05193) 986860
Mo. 31.12.18
Bleibt alles anders
Martin Söffing
Bleibt alles anders

Nach dem x-ten Jahresrückblick im Fernsehen habe ich es begriffen: Die größten Aufreger, die emotionalsten Momente… so war es, das alte Jahr. 2017 ist schon wieder Geschichte.

Dieses Zurückschauen kann Wehmut auslösen; manches Mal finde ich schade, dass Dinge vorbei sind, vergangen. Bei anderen Bildern und Erlebnissen ist da schlicht Erleichterung darüber, etwas überstanden zu haben.

Nun steht das neue Jahr vor der Tür, die Klinke ist schon heruntergedrückt. Keine Ahnung, was 2018 für uns bereithält. Gerade weiß ich gar nicht recht, ob ich nun gespannt sein soll oder die Dinge einfach auf mich zukommen lassen will. Auf meiner Playlist wähle ich „Bleibt alles anders“ von Herbert Grönemeyer. Er handelt von Aufbruch, klingt nach Anfang:

Stell die Uhr auf Null
Wasch den Glauben im Regen
Die Sintflut ist verebbt
Die Sünden vergeben.

Was wäre das neue Jahr wenn es bloß wie ein Schicksal über mich käme? Das Neue will gestaltet, geformt werden.

Es gibt viel zu verlieren, du kannst nur gewinnen
Genug ist zuwenig - oder es wird so wie es war
Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders
Der erste Stein fehlt in der Mauer
Der Durchbruch ist nah…

Gesangbuchlieder sind ehrlich gesagt keine in meiner Playlist, aber zum Jahreswechsel passt dieses hier richtig gut:

Vertraut den neuen Wegen, / auf die uns Gott gesandt! / Er selbst kommt uns entgegen. / Die Zukunft ist sein Land. / Wer aufbricht, der kann hoffen / in Zeit und Ewigkeit. / Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit.

Seien Sie neugierig auf das Neue, das 2018 für Sie bereithält. Ich wünsche Ihnen, dass Sie spüren, nicht allein auf Ihrem Weg zu sein.

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Martin Söffing

Martin
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So. 24.12.17
Do they know, it‘s Christmas?
Susanne Briese
Do they know, it‘s Christmas?

Hunderttausende von Kindern sind mit ihren Familien auf der Flucht. Seit dem Sommer hat sich die Lage der Rohingya in Myanmar dramatisch verschlechtert. Dörfer wurden verwüstet und in Brand gesteckt, die Gewalt eskalierte. Völlig entkräftet von tagelangen Fußmärschen und traumatisiert durch die schrecklichen Erlebnisse haben die Familien ihr Land verlassen. Und dort, wo sie jetzt sind, sind die Lager überfüllt, es fehlt an Nahrung, Wasser und sanitären Einrichtungen.

Mir rücken diese Ereignisse nahe. Wir bereiten uns auf Weihnachten vor, das Fest des Friedens und der Freude, und wissen andererseits, dass Menschen leiden und hungern. „Do they know, it`s Christmas?“ 1984 hat diese Frage schon einmal sehr bewegt angesichts der Hungerkatastrophe in Äthiopien. Bedeutende Musiker wollten helfen. Als „Band Aid“ traten sie zugunsten der Hungerhilfe auf mit dem Titel „Do they know it's Christmas?“ Er hatte einen enormen Erfolg. Millionenbeträge konnten an die Äthiopien-Hilfe überwiesen werden. Und der Text des Liedes drückt aus, was ich jetzt zu Weihnachten empfinde:

“It's Christmas time, and there's no need to be afraid…,” heißt es darin. “Es ist Weihnachten. Man muss jetzt keine Angst haben.“ Aber in den Flüchtlingslagern haben Menschen Angst um das Leben ihrer Kinder, um ihr eigenes Leben auch. „Das einzige Wasser, das da fließt, sind bittere Tränen“, heißt es im Liedtext, und – „feed the world“ – kümmere dich darum, dass die Menschen dort nicht verhungern müssen – „and let them know, it´s christmas time“ und lass sie spüren, dass Weihnachten ist.

Lass sie wissen, dass Weihnachten ist. Weihnachten fängt an, wo Hoffnung aufkeimt. Wo man einander hilft. Ich bin dankbar, dass wir nicht ohnmächtig zusehen müssen. Hilfsorganisationen wie die Diakoniekatastrophenhilfe stellen Hilfen bereit. Auch aus Spenden, die wir zusammentragen. Jesus sagt: „Wahrlich, was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

 

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So. 17.12.17
Advent, Advent, es brennt – lichterloh
Peter Handrich
Advent, Advent, es brennt – lichterloh

Im Advent machen wir es uns gern gemütlich. Wir zünden Kerzen an, essen am liebsten von irgendwem selbst gebackene Kekse und lassen es ruhig angehen. Falls alle Weihnachtsgeschenke gekauft sind. Falls klar ist, wer zu Weihnachten kommen wird und was es zu essen geben soll. Oder wo wir wir Weihnachten hinfahren sollen.

Tatsächlich ist es fast überall auf der Welt in diesem Advent äußerst ungemütlich. Syrien steckt noch immer im Bürgerkrieg. Im Jemen ist keine Besserung in Sicht. Nach Saudi-Arabien haben wir das Gerät geliefert, mit dem das auch lange noch so sein kann. Und der amerikanische Präsident ist dafür, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels sein darf – und auf keinen Fall die Hauptstadt Palästinas. Er zündet keine Kerzen an, er legt gleich Feuer.

Am Donnerstag war ich mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern der Rotenburger Werke essen. Viele von ihnen fürchten sich davor, dass es wieder einen großen Krieg gibt. Es sind unsichere Zeiten, und am Adventskranz scheinen nicht nur die Kerzen zu brennen, sondern der ganze Kranz scheint lichterloh zu brennen.

Jesus ist in die Welt als Friedefürst und Weltveränderer geboren worden. Als Kind Gottes und Heiler der Welt. Aber diese Welt hat wenig Frieden, und Heil ist nicht in Sicht.

Deshalb sind wir dran. Lasst uns einfach nicht mitmachen beim Anzünden von Feuern. Lasst uns bei den Kerzen bleiben, die Hoffnung in der Dunkelheit ausstrahlen. Lasst uns das tun, was wir können, um dem Frieden zu dienen: An Stammtischen und im Freundeskreis mäßigend reden. Nicht die AfD gut finden. Für Ärzte ohne Grenzen spenden. Menschen aus anderen Ländern gegenüber freundlich sein.

Alles, was geht.

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

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Peter Handrich

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Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
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So. 10.12.17
Weihnachten ist mehr als das, was in den…
Hilke Bauermeister
Weihnachten ist mehr als das, was in den Häusern passiert

Morgen ist der 2. Advent. Die Weihnachtstage kommen immer näher. Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Weihnachten denken? Haben Sie noch die Weihnachtsfeste Ihrer Kindheit vor Augen? Den schön geschmückten Tannenbaum? Das Festessen mit der Familie? Oder haben Sie ganz andere Erinnerungen? Weniger schöne? – Neulich hörte ich einen Werbespruch: „Gut essen – weniger streiten.“ Der erinnerte mich daran, dass es an Weihnachten auch mal hoch her gehen kann. Nicht jede Familienfeier verläuft harmonisch. Wer schon mal so einen richtig großen Zank zu Weihnachten erlebt hat, der sieht den Feiertagen vielleicht eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Schon im Advent mischt sich in die Vorfreude ein wenig Kummer. Schaffen wir’s dies‘ Jahr, mal nicht zu streiten? Hoffentlich bleibt’s ruhig unterm Weihnachtsbaum.

Im Evangelischen Gesangbuch gibt es ein Lied, das mir so vorkommt, als sei es geschrieben für alle, die im Advent Kummer quält. Es stammt aus dem Jahr 1938. Jochen Klepper schrieb es in der Zeit des Nationalsozialismus, als er mit seiner Familie Verfolgung litt: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 16). Sei es auch, dass man mit kummervollen Augen den Feiertagen entgegensieht: Weihnachten ist mehr als das, was in den Häusern passiert. Weihnachten ist das Versprechen, dass es mit uns allen einmal ein gutes Ende nehmen wird. Gott hält’s in Händen, wird alles wenden. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

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Hilke Bauermeister

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So. 26.11.17
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses
Jutta Wendland-Park
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses

Bisher dachte ich bei dem Begriff „Jamaika“ immer an weiße Strände, Sonne und Meer, Reggae und pure Lebensfreude. Seit der Sondierungsgespräche von CSU/CDU, der FDP und den Grünen hat sich dies verändert und Kompromissfähigkeit kommt mir zuerst in den Sinn. Laut Wikipedia ist der Kompromiss „die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Er lebt von der Achtung der gegnerischen Positionen und gehört zum Wesen der Demokratie“. Klingt einfach und ist scheinbar doch so schwer. In den letzten Wochen haben wir es in der Auseinandersetzung der politischen Parteien um eine Regierungsbildung erlebt.

Ob in der Politik und Wirtschaft, in der Partnerschaft oder im Beruf, ohne Kompromissbereitschaft geht es nicht voran. Zugegebenermaßen hat der Kompromiss nicht nur einen guten Ruf. Manchmal wird ihm vorgeworfen, dass er etwas für Unentschlossene, Schwächlinge oder Unklare sei. Fest steht jedoch, dass der Kompromiss alle Lebensbereiche prägt.

Selbst Gott lässt sich in der Bibel auf Kompromisse ein. Ich denke daran, wie Abraham mit ihm erbittert über die Zahl der Menschen in Sodom und Gomorra verhandelt, die Gott vernichten will, weil die Schrecklichkeit ihrer Sünden zum Himmel schreit. In den Verhandlungen gelingt es Abraham schließlich mehrfach, diese Zahl zu verringern.

Es sind viele Themen mit unterschiedlichen Interessen, die auf der politischen Agenda stehen. Vor allem aber geht es um die Suche nach dem Besten für unser Land und für die Menschen, die hier leben und leben möchten. Traurig, wenn ein Miteinander nicht gelingt.

 

 

 

 

 

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Jutta Wendland-Park

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Wendland-Park
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So. 19.11.17
Mein unbekannter Opa
Thomas Steinke
Mein unbekannter Opa

Meinen Opa habe ich nicht mehr kennengelernt. Er starb einige Jahre vor meiner Geburt. Was ich mit ihm verbinde, hat mein Vater mir erzählt. Unfassbar, was mein Opa in seinem Leben durchgemacht hat. Aufgewachsen im heutigen Polen musste er als junger Soldat im Ersten Weltkrieg beim russischen Heer kämpfen. Er geriet in deutsche Gefangenschaft, lernte dort seine Frau kennen und die beiden heirateten. Doch nach der Geburt des zweiten Kindes starb seine Frau. Er zog zurück zu seinen Eltern, unweit der russischen Grenze. Dort machte er Bekanntschaft mit einer jungen Witwe, die drei Kinder hatte. Nach der Heirat mit ihr hatten sie also fünf Kinder und in den folgenden Jahren wurden ihnen noch sechs gemeinsame Kinder geboren. Sie hatten sich einen kleinen Hof aufgebaut, den der älteste Sohn übernahm. Nun zog mein Opa mit seiner Frau und den sechs kleinen Kindern an verschiedene Orte. Er pachtete jeweils Land und Hof, aber durch unglückliche Umstände musste die Familie oft schon nach kurzer Zeit weiterziehen. Immer wieder musste mein Opa von vorne anfangen. Im Zweiten Weltkrieg verlor er zwei seiner Söhne und musste mit seiner Familie in den Westen fliehen.
Ein Erlebnis noch vor der Flucht hatte sich meinem Vater besonders ins Gedächtnis eingebrannt: Mein Opa hatte mit den Kindern gemeinsam auf dem gepachteten Land das Getreide geschnitten und die Garben zum Trocknen aufgestellt. Als sie später die Ernte einbringen wollten, kam der Besitzer und verjagte die Familie vom Feld. Mit leerem Leiterwagen mussten sie wieder nach Hause fahren. Das war ein herber Verlust in diesen entbehrungsreichen Zeiten. Die Kinder wunderten sich, dass mein Opa nicht in Zorn entbrannte, sondern das erlittene Unrecht so hinnahm. Er wusste sein ganzes Leben in Gottes Hand und vertraute darauf, dass sein himmlischer Vater ihn und seine Familie nicht im Stich lassen wird.
Leider habe ich meinen Opa nie persönlich gekannt. Und doch ist er für mich ein wichtiger Zeuge der Versöhnung, der den Worten von Jesus Christus folgte: "Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen." (Lukas 6,27+28)
Dass es nach all dem Unrecht, das von unserem Volk ausgegangen ist, zur Versöhnung und nun schon zum über 70 Jahre andauernden Frieden mit unseren Nachbarländern gekommen ist, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Und es spornt mich an, genauso wie mein Opa alles in meinem persönlichen Umfeld dafür zu tun, dass der Geist der Versöhnung sich ausbreitet.

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Thomas Steinke

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Thomas
Steinke
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Sa. 11.11.17
Zeichen der Hoffnung
Susanne Briese
Zeichen der Hoffnung

Vor fast genau 51 Jahren starb der oberbayrische Pfarrer Korbinian Aigner. Schon in jungen Jahren beginnt er, sich für die Apfelkunde zu interessieren, die Pomologie. Und ebenso früh entscheidet er sich, Pfarrer zu werden. Zuerst gründet er einen Apfelverein. Dann wird er katholischer Priester. Diese doppelte Leidenschaft als Pomologe und Theologe bleibt – oft ist er mehr das eine, als das andere, auch noch, nachdem er 1931 seine erste eigene Pfarrstelle antritt. Von den Nationalsozialisten lässt er sich nicht einschüchtern. Er wird strafversetzt, aber auch das hindert ihn nicht daran, weiter mutig Stellung gegen die Nazis zu beziehen. Er wird von Gemeindegliedern angeschwärzt und kommt ins Konzentrationslager. Aus dieser Zeit ist nicht viel bekannt. Aber so viel doch: Heimlich sät der Landpfarrer auf dem Gelände des KZ Dachau Apfelkerne aus und zieht neue Sorten. Die Pflänzchen lässt er aus dem Lager schmuggeln, damit sie draußen wachsen können. Eine Sorte wird auch heute noch angebaut. Sicher hat Korbinian Aigner Luthers Wort vom Apfelbäumchen gekannt... Mir ist die Erinnerung an den leidenschaftlichen Apfelkenner und Dorfpfarrer, der beharrlich auf Frieden wartet, sehr wichtig geworden. In einer Zeit, die nicht friedlich ist. Wie oft schon werden Menschen heute zaghaft Ausschau gehalten haben nach einem Zeichen, das Hoffnung gibt – wie eben jemand, der Samen aussäht und schaut, ob er aufgeht? Wie oft war das Warten für viele Menschen unserer Zeit schon vergebens? Was hat sie dennoch gehalten und getragen? Das wird nur jeder und jede für sich beantworten können. Mich trägt jedenfalls die Hoffnung, dass unsere Zeit unter Gottes Zuspruch steht.

 

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Susanne Briese

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Susanne
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Sa. 04.11.17
Ex abundantia – oder häh?
Dr. Matthias Wilke
Ex abundantia – oder häh?

„Das nennt Fred das Überflussparadox“. „Häh, versteh ich nicht“. „Na, ganz einfach. Nimm Bremen Brinkum. Dass es da eine Autobahn gibt, ist eigentlich spitze. Denn wie lange brauchten die andern früher, wenn sie von Rotenburg nach Bremen zur Arbeit wollten. Und heute: geht das eigentlich richtig klasse.“ „Eigentlich, ja…“. „Genau. Das Problem heute nämlich…“ „Die Baustelle!“ „Ja, die auch, aber das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft ist…“ „Dass die Leute sich nicht einfach mal rechts einordnen können. Diese blödsinnige Regelung, ständig in der Mitte zu fahren…“ „Ja, ja, aber was ich meine, ist das Paradox unserer Überflussgesellschaft, zu dem Fred Hirsch schrieb…“ „Ne, ne, ich sage dir. Letztens zum Beispiel. Mittlere Spur. Der vor mir: Strich 60! Ich dachte ich krieg die Motten. Rechts war alles frei, der hätte einfach nur: Blinker setzen und rechts rüber. Aber nein! Und ich: Rechts vorbei soll man ja nicht, links aber war auch alles voll und dann hängst du in der Mitte und kommst nicht vorbei – boah ne…“. Und was ist nun mit unserem Überfluss und Überdruss? Wir werden es wohl „googeln“ müssen. Denn dadurch, dass dem einen das Herz so voll war vom täglichen Stau, dass es ständig aus seinem Mund sprudelte, konnte der andere sich gar nicht Gehör verschaffen für das, was er in seinem Kämmerlein von Fred Hirsch gelesen hatte. Und dabei: gehört hätte ich es schon gerne, warum Überfluss nicht einfach nur schön ist. So aber bleibt es bei der Losung für den heutigen Samstag: „Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“ (Lukas 6, 45). Und ich werde nachdenklich und überlege: Wovon würde ich reden, wenn ich wüsste, dass mir einer wirklich zuhört?

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Dr. Matthias Wilke

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So. 22.10.17
Sich regen bringt Segen
Haike Gleede
Sich regen bringt Segen

Ich bin mit Lebensweisheiten wie „Ohne Fleiß, kein Preis.“ und „Sich regen bringt Segen“ aufgewachsen. Und das hat mich weitergebracht, manchmal auch an meine Grenzen. Ohne Anstrengung wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Noch immer versuche ich mein Bestes zu geben. Mal wachse ich über mich hinaus, mal scheitere ich. So ergeht es nicht nur mir. Viele arbeiten fleißig, engagieren sich ehrenamtlich und betreuen Kinder und Familie. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz und irgendwann erschöpft und ausgebrannt.

Es gibt in unserer Gesellschaft aber auch die andere Einstellung: „Geiz ist Geil“ und „Wissen ist Macht, nichts wissen, macht nichts“. Chillen ist angesagt, so viel wie möglich. Bloß nicht mehr tun als nötig. Freiwillig arbeiten, sich anstrengen – „Ich bin doch nicht blöd“. Vor allem Jugendliche legen großen Wert auf Freizeit, feiern, chillen, schlafen, denn „unterm Strich zähl ich“.

Wer ohne Ehrgeiz durch das Leben geht, tritt irgendwann auf der Stelle. Wer sich den Herausforderungen nicht stellt, wird gleichgültig sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber. Immer nur fernsehen oder you- tube- videos anschauen, ist auf Dauer langweilig.

In der Bibel bewegt sich das Leben zwischen „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“ und „Den Seinen gibt`s der Herr im Schlaf.“

Es ist weise, das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Entspannung zu finden. Dazu gehört das Gottvertrauen, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich mal keine Überstunden mache und mir eine Pause gönne. Aber ebenso die Bereitschaft, mich anzustrengen, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen oder sich für eine gute Sache einzusetzen. Denn von nichts kommt nichts.

Darum „Carpe diem !“, das heißt übersetzt: „Nutze den Tag!“ oder auch „Genieße den Tag!“ Ganz wie Sie wollen.

 

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Haike Gleede

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