Wie ein wärmender Mantel - Brockler Flusstaufe 2008

15.07.2008

„Mehr als nur ein Event“ sollte die Taufe von zehn Kindern in der Wiedau am vergangenen Sonntag sein. Die Kirchengemeinde Brockel hatte eingeladen und über 300 Besucher kamen zum Gottesdienst an den Fluss und hörten von Geborgenheit, Zuflucht und einem wärmenden Mantel. Das freilich war auch dringend geboten, denn das Wetter sorgte für eine anschauliche Atmosphäre.

Die einschlägigen Wetterdienste im Internet waren vor dem vergangenen Wochenende wohl ausgelasteter als sonst. Das lag mit Sicherheit auch an den vielen Anfragen aus Brockel und Umgebung. Denn je näher der Taufsonntag der Kirchengemeinde rückte, desto unsicherer wurde, ob das Wetter sich halten würde oder ob sich die Schleusen des Himmels öffneten. Schwierige Voraussetzungen für einen Open Air Gottesdienst mit Posaunenchor und Gitarren… „Sollte es am Sonntagmorgen stark regnen, findet der Gottesdienst in der Brockeler Kirche statt“, hatte es im Internet unter www.kirchengemeinde-brockel.de geheißen. Was aber, wenn sich das gar nicht so genau vorhersagen lässt? Die Brockeler entschieden sich für das Wagnis.

In diesem Taufgottesdienst blieb niemand trocken...

Um 11 Uhr trafen sich über 300 Gottesdienstbesucher auf einer Wiese zwischen Radwanderweg und Wiedau. Das Thema Taufe durchzog den ganzen Gottesdienst. „Wieso eigentlich wird die kleine Anna auf den Namen das Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft?“, fragte sich der kleine Nico in der Predigt, „heißt die Anna denn jetzt nicht mehr Anna?“ Sein Onkel versuchte es ihm zu erklären: „Die Anna wird sozusagen in den Namen Gottes hineingetauft. Wie in einen warmen Mantel, in den du kriechen kannst, wenn Dir kalt wird.“ Und kalt werde es ja wirklich manchmal im Leben.

Dass dieses Bild schnell mehr als anschaulich werden sollte, hatte Pastor Müller selbst nicht geplant. Kaum hatte er sich mit hochgekrempelten Hosen in den Fluss gestellt, half ein kühler Platzregen jedermann, die erste Brockeler Flusstaufe in reger Erinnerung zu behalten. Dennoch empfingen alle Taufkinder zwischen vier Monaten und dreizehn Jahren die Taufe.

Ob es Taufgottesdienste wie diesen in Brockel auch in Zukunft geben wird, steht noch nicht fest. „Darüber wird der Kirchenvorstand zu entscheiden haben – also die Gemeinde selbst“, so Pastor Müller. „Natürlich war die Form dieser Taufen eine Besondere. Trotzdem war uns wichtig, dass der Gottesdienst mehr ist als ein Event.“ Durch neue Formen wolle die Gemeinde gerade an jene Menschen eine Einladung aussprechen, für die der normale Kirchbesuch eben nicht selbstverständlich ist – aus welchen Gründen auch immer. Dass diese Einladung sich ausgerechnet an uralten Traditionen orientiert, findet Müller dabei bemerkenswert. „Die Taufe Jesu selbst fand im Jordan statt und auch in den ersten Jahrhunderten der Kirche wurden die Menschen in Flüssen getauft.“ Zwingend müsse das natürlich nicht so gemacht werden. Auf den Fluss käme es nicht an. Aber es gebe eben auch nichts, das dagegen spricht.

Und so blieben die Taufpaten und auch die größeren Taufkinder nicht trocken bei der Taufe im Fluss. Auch das sei ein treffendes Bild, so Müller: „Denn die Taufe ist ja mehr als der Eintritt in einen Verein. Sie steht für das Ja-Wort, das Gott seinen Kindern gibt.“ Und das nehme man nicht mal eben im Vorbeigehen mit.

Der Brockeler Posaunenchor mitsamt seinen Jungbläsern und die Gitarrengruppe sorgten für musikalische Begleitung
"Immer und überall hält Gott seine Hände über mir - und über dir..."
Zehn Kinder zwischen 4 Monaten und 13 Jahren wurden getauft
Alle Taufpaten sollten mit ihren Taufkindern ins Wasser steigen...
...wobei keiner so ganz trocken blieb
Manchmal wird es düster auf unseren Lebenswegen. Jesus sagte seinen Jüngern einmal: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben."
... zur Erinnerung an diese Zusage bekamen die zehn Täuflinge jeweils eine Taufkerze, die von KonfirmandInnen gefertigt worden waren.